Die Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln, verursacht durch vielfältige und komplizierte Rechtsvorschriften und durch den zunehmenden Wettbewerbsdruck auf den nationalen und internationalen Märkten, stellen eine große Herausforderung für die Mitarbeiter und die Leitung eines Unternehmens dar. Leider verfügen die Firmen selbst nur selten über entsprechendes Wissen, um diese Herausforderungen des Marktes zu meistern und somit den Unternehmenserfolg auch zukünftig zu sichern. Darüber hinaus fehlen auch die personellen Kapazitäten, die sich neben dem Tagesgeschäft mit speziellen Problemstellungen wie beispielsweise Rechtsformwahl, internationale Standortwahl oder geplantem Börsengang beschäftigen können.
Vor diesem Hintergrund fassen Unternehmen in vielen Fällen den Entschluss, eine Unternehmensberatung zu beauftragen. Die engagierten Berater verfügen genau über das dringend benötigte Expertenwissen, das zur Lösung der individuellen Probleme oder zur Entscheidungsfindung der Unternehmensleitung beitragen kann.
Während der Auseinandersetzung mit dem Schwerpunkthema "Unternehmensberatung" fällt auf, dass neben den Unternehmensberatern auch andere Berufstände im Rahmen ihrer Berufsausübung beratend tätig sind. Angehörige dieser Berufsstände verfügen ebenso über spezialisiertes Wissen. Rechtsanwälte, Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer können neben ihrer eigentlichen Berufstätigkeit ein Unternehmen bei entsprechenden Problemstellungen beraten.
Sie werden somit auch als Unternehmensberater tätig und helfen Unternehmen mit ihrem Spezialwissen, Entscheidungsalternativen zu beurteilen oder neue zusätzliche Handlungsalternativen aufzuzeigen. Im nun folgenden soll näher auf den Berufsstand des Wirtschaftsprüfers und die gesetzlichen Bestimmungen für die Berufsausübung eingegangen werden. Dabei soll überprüft werden, ob eine Verbindung von Prüfung und Beratung grundsätzlich zulässig ist und welchen Regeln sie unterliegt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Berufsstand des Wirtschaftsprüfers
2.1 Ausbildung von Wirtschaftprüfern
2.2 Wirtschaftsprüferexamen
2.3 Wirtschaftsprüferkammer
2.4 Standorte der Wirtschaftsprüfer
3 Tätigkeit des Wirtschaftsprüfers
3.1 Inhalt der Tätigkeit
3.2 Tätigkeitsgebiete
3.3 Berufspflichten
4 Unternehmensberatung von Wirtschaftsprüfern
4.1 Beratungsgebiete
4.2 Vorteile der Verbindung von Prüfung und Beratung
4.3 Gefahren der Verbindung von Prüfung und Beratung
5 Zusammenfassung
Praxisbeispiel: PWC Deutsche Revision
1. Standorte
2. Unternehmensstruktur
3. Mitarbeiter
4. Umsatz
5. Leistungen
6. Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Beratung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Tätigkeitsfeld der Unternehmensberatung durch Wirtschaftsprüfer, analysiert die gesetzlichen Rahmenbedingungen für diese Verbindung von Prüfung und Beratung und bewertet die damit verbundenen Chancen und Risiken anhand der Berufspflichten.
- Berufsbild und Ausbildung von Wirtschaftsprüfern in Deutschland
- Gesetzliche Tätigkeitsgebiete und Berufspflichten
- Analyse der Vorteile und Gefahren bei der Kombination von Prüfung und Beratung
- Unternehmensstruktur und Leistungsportfolio von PricewaterhouseCoopers (PwC)
Auszug aus dem Buch
4.3 Gefahren der Verbindung von Prüfung und Beratung
Trotz der hervorragenden Ausbildung verfügt der Wirtschaftsprüfer keine spezielle Ausbildung als Berater. In der Regel beschäftigt er sich mit dem Vergleich von Ist und Sollzuständen, wohingegen es sich bei der Beratung um zukunftsorientierte und unsichere Prozesse handelt. Führt die Einschätzung solch dynamischer Sachverhalte zum Misserfolg, fällt dieser direkt auf mangelndes Können des Wirtschaftsprüfers nicht nur als Berater sondern auch als Prüfer zurück. Er steht unter einem hohen Erfolgsdruck, möchte er seinen "sicheren Job" als Prüfer nicht gefährden. Bei einem Misserfolg kann der Ruf des gesamten Berufsstandes Schaden nehmen.
Überdies besteht die Gefahr, dass die Qualität der Prüfungsleitung durch den Wirtschaftsprüfer sinkt. Einerseits fehlt ihm die Zeit für dringend erforderliche berufliche Fortbildung, andererseits ist er versucht ihm bereits von der Beratung bekannte Sachverhalte nur noch oberflächlich zu prüfen. Bei der Prüfung festgestellte eigene Beratungsfehler könnten vom beratenden Prüfer bzw. prüfenden Berater verschwiegen werden.
Außerordentlich kritisch zu beurteilen, ist eine mögliche Gefährdung der Objektivität. Ein Beratungsauftrag bedingt ein Vertrauensverhältnis, das möglicherweise zu einer unzulässigen Nähe des Wirtschaftsprüfers mit dem Unternehmen führt. In so einem Fall gilt die Besorgnis der Befangenheit und eine Verbindung von Prüfung und Beratung wäre unzulässig. Soll die Beratung zum Erfolg führen, muss sich der Berater mit den Zielen des Unternehmens identifizieren und auch verfolgen. Dadurch sinkt seine Interessenneutralität und gefährdet wieder die Unparteilichkeit und Unbefangenheit, die zu den Berufspflichten des Wirtschaftsprüfers gehören. Auch dann wäre eine Verbindung von Prüfung und Beratung nicht zu vereinbaren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung der Herausforderungen für Unternehmen, die zur Beauftragung von Unternehmensberatung führen, sowie der Relevanz von Wirtschaftsprüfern als Berater.
2 BERUFSSTAND DES WIRTSCHAFTSPRÜFERS: Erläuterung der geschützten Berufsbezeichnung, der dreiphasigen Ausbildung, des Examens und der Rolle der Wirtschaftsprüferkammer.
3 TÄTIGKEIT DES WIRTSCHAFTSPRÜFERS: Aufschlüsselung der gesetzlich definierten Tätigkeitsinhalte sowie der verschiedenen Aufgabengebiete und der spezifischen Berufspflichten.
4 UNTERNEHMENSBERATUNG VON WIRTSCHAFTSPRÜFERN: Diskussion der Beratungsgebiete sowie der kritischen Abwägung der Vor- und Nachteile einer Verbindung von Prüfung und Beratung.
5 ZUSAMMENFASSUNG: Fazit zur Zulässigkeit und Problematik der Doppelrolle von Wirtschaftsprüfern mit Blick auf Unabhängigkeit und Objektivität.
Schlüsselwörter
Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberatung, Wirtschaftsprüferordnung, Prüfungstätigkeit, Berufspflichten, Unabhängigkeit, Befangenheit, Wirtschaftsprüferkammer, Beratungsmandat, Berufsbild, PWC, Risikomanagement, Objektivität, Abschlussprüfung, Qualitätssicherung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle von Wirtschaftsprüfern im Bereich der Unternehmensberatung und untersucht, ob und unter welchen Bedingungen diese Beratertätigkeit neben der eigentlichen Prüfungsaufgabe zulässig und sinnvoll ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören das Berufsbild und die Ausbildung von Wirtschaftsprüfern, die gesetzlich verankerten Tätigkeitsgebiete, die Berufspflichten, die Vorteile sowie die potenziellen Gefahren bei der Kombination von Prüfung und Beratung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Berufsstand des Wirtschaftsprüfers zu beleuchten und kritisch zu prüfen, ob eine Verbindung von Prüfung und Beratung grundsätzlich zulässig ist und welchen regulatorischen Regeln sie unterliegt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Dokumentation eines Referats, die auf einer Auswertung der Wirtschaftsprüferordnung (WPO), einschlägiger Literatur (Lück) sowie unternehmensspezifischen Daten von PwC basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen der Berufsausübung die konkreten Beratungsfelder von Wirtschaftsprüfern und eine kritische Auseinandersetzung mit der Vereinbarkeit von Prüfung und Beratung dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberatung, Berufspflichten, Unabhängigkeit und Befangenheit beschreiben.
Warum ist die Verbindung von Prüfung und Beratung so kritisch zu betrachten?
Die Hauptkritik besteht in der möglichen Gefährdung der Objektivität und Unabhängigkeit. Durch ein enges Vertrauensverhältnis bei der Beratung könnte der Wirtschaftsprüfer bei der anschließenden Prüfung befangen sein oder eigene Fehler vertuschen.
Wie wird das Praxisbeispiel PWC zur Untermauerung genutzt?
PwC dient als praktisches Beispiel, um die Unternehmensstruktur, die personelle Aufstellung und das breite Dienstleistungsspektrum aufzuzeigen, das neben der klassischen Prüfung auch spezialisierte Beratungsbereiche wie Risk Management und Transaction Services umfasst.
- Arbeit zitieren
- Kristina Schwarzbach (Autor:in), 2001, Unternehmensberatung von Wirtschaftsprüfern, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/18265