Vorbemerkung
Die folgende Hausarbeit basiert auf einem Referat, welches ich im Philosophie-Tutorium bei Rolf-Joachim Wolff im Sommersemester 2000 gehalten habe. Es ging dabei um eine Einführung in das Denken der Eleaten. Der Tutor gab uns durch unterschiedlich zusammengestellte Arbeitsmaterialien die Möglichkeit, uns für ein Themengebiet der griechischen Antike zu entscheiden und die selbständige Einarbeitung in eine philosophische Problematik zu erlernen.
Die meisten der Studenten entschieden sich willkürlich für ein Thema, da viele griechischen Philosophen der vorsokratischen Antike für uns Neulinge absolut unbekannt waren; so auch ich.
Eine Einführung in das Denken des Xenophanes, des Parmenides, des Zenon und des Melissos verständlich und korrekt darzustellen war meine Aufgabe. Literaturempfehlungen bekamen wir in der Vorlesung und dem angegliederten Seminar Einführung in die Philosophie von Herrn Prof. Dr. Gert König hinreichend, um auch im Anschluss an die Veranstaltung eine intensivere Auseinandersetzung mit der jeweiligen Problematik zu suchen. Nach einer Hinführung werde ich das Leben und Denken der einzelnen Philosophen in historischer Abfolge schildern. Dabei ist der Schwerpunkt deshalb auf die Ontologie des Parmenides gelegt, da sie maßgebend für das eleatische Denken ist und ,,[...] den stärksten Markstein in der Geschichte der vorattischen Philosophie [...]" 1 bildet. Leider sind die Ideen und Anschauungen der eleatischen Denker nur noch fragmentarisch erhalten und somit auch die Darstellungen und Interpretationen sehr umfangreich und verschieden.
Obwohl ich mehrere Autoren zitieren werde, wähle ich die folgenden drei Autoren als Grundlage meiner Arbeit:
- Capelle, Wilhelm (Hg.) ,,Die Vorsokratiker", Stuttgart [1935 1 ] 1953 4
- Diogenes Laertius ,,Leben und Meinungen berühmter Philosophen" Aus dem Griechischen von Otto Apelt, Hamburg [1921 1 ] 1990 3
- Rapp, Christof ,,Vorsokratiker", München 1997
Zitiere ich einzelne Fragmente der Denker, so gebe ich sie in der Darstellung und Übersetzung von Hermann Diels und Walther Kranz wieder.
Hinführung
Spricht oder liest man von den Vorsokratikern, so ist eine zeitliche Periode gemeint, die 600 v.u.Z. mit Thales von Milet beginnt und sich bis ca. in das Jahr 380 v.u.Z., ,,[...] dem Todesjahr des Atomisten Demokrit von Abdera [...]" 2 , erstreckt. Dieser Zeitraum ist gekennzeichnet von einer Fülle an unterschiedlichen Gedankenexperimenten und Weltvorstellungen.
Begonnen hat diese Epoche mit der Naturphilosophie der Milesier, welche es sich zum Ziel gemacht hat, ,,[...] eine einheitliche Substanz auszuweisen, aus der die Welt mit ihren mannigfaltigen Phänomenen und Veränderungen hervorgegangen ist; Kandidaten für einen solchen Stoff sind in dieser frühe Phase das Wasser, das Unbegrenzte (apeiron) und die Luft." 3
Vertreter dieser Schule waren Thales, Anaximander, Anaximenes und Heraklit. Heraklit unterschied sich jedoch insofern von den anderen drei Denkern, als dass er der erste war, der als Urgrund keine naturwissenschaftliche Erläuterung abzugeben versuchte, ,,sondern nach einem symbolischen Ausdruck des Ganzen, der Welt, des Kosmos strebt" 4 . Alles Seiende sei einem ständigen Wechsel, einer unaufhörlichen Bewegung ausgesetzt, so Heraklit aus Ephesos. Auch scheinbar stabil wirkende Dinge setzen sich aus Gegensätzlichem zusammen. Einzig der ,,logos" sei beständig 5 und in der Lage das Weltgeschehen zu steuern. Die italische Philosophie beginnt mit Xenophanes von Kolophon. Die meisten Interpreten zählen ihn mit zu den Begründern der eleatischen Schule, da er nicht nur der Lehrer des Parmenides gewesen sein soll, sondern auch, weil die erhaltenen Fragmente der nachfolgenden Denker zum Teil auf denen des Xenophanes basieren (hierzu vgl. ,,Das All-Eine" 6 des Xenophanes mit den Merkmalen des Seienden von Parmenides). Auf jeden Fall aber bildet Xenophanes ,,[...] die geschichtliche Brücke zwischen den milesischen Denkern und den Eleaten." 7 .
Die Bezeichnung Eleaten basiert auf dem Ort, in dem die philosophische Schule ihren Ursprung hat: Elea (siehe Abbildung auf S.16) - das heutige Velia - liegt in einer Region Unteritaliens. Bekannt geworden ist die Stadt und das ihr entsprechende Denken durch Xenophanes, Parmenides, Zenon und Melissos. 1. Xenophanes von Kolophon 1.1 Biographische Angaben
Xenophanes soll in Kolophon (siehe Abbildung auf S.16), einer Stadt der heutigen
Westtürkei, um ca. 570 v.u.Z. geboren worden sein und dort bis zur Eroberung durch die Meder gelebt haben. Er musste sich eine neue Heimat suchen und geriet nach langen Irrfahrten, ,,[...] die ihn nach Sizilien und Malta, vielleicht auch nach Ägypten führen [...]" 8 , nach Elea.
Während seiner Reisen verdiente er seinen Lebensunterhalt als Rhapsode mit der Rezitation von Sillen, die gegen die Lehren des Homer und Hesiod gerichtet waren. Auch eigene Gedanken trug er in Liedform vor.
Das Kennenlernen verschiedener Völker und Kulturen scheint auf sein Denken einen nicht geringen Einfluss gehabt zu haben, was an anderer Stelle noch genauer erläutert werden wird. Da Xenophanes lange Zeit in Elea gelebt hat und dort auch eine philosophische Schule gegründet haben soll 9 , wird von den meisten Forschern angenommen, dass er ein Lehrer des Parmenides gewesen ist.
Seinen Schriften ist zu entnehmen, dass er ein hohes Alter erreicht hat: ,,8. Siebenundsechzig Jahre aber sind es bereits, die meine Sorge durch das hellenische Land auf und ab treiben. Von meiner Geburt gerechnet aber waren es damals fünfundzwanzig, wenn ich denn hierüber der Wahrheit gemäß zu berichten weiß." 10 1.2 Das Wesentliche seiner Lehre
Wie bereits erwähnt, ist Xenophanes viel in der Welt herumgekommen und hat verschiedene Völker und Kulturen kennengelernt. Diese praktisch gemachten Erfahrungen waren maßgeblich in dreierlei Hinsicht an seinem Denken beteiligt: Er zweifelte das Erkenntnisvermögen seiner Vorgänger und Zeitgenossen an, indem er behauptete, ihr Wissen bestünde nur aus Annahmen, nicht aber aus tatsächlichen Gewissheiten.
,,34. Und das genaue freilich erblickte kein Mensch und es wird auch nie jemand sein, der es weiß (erblickt hat) in bezug auf die Götter und alle Dinge, die ich nur immer erwähne; denn selbst wenn es einem in höchstem Maße gelänge, ein Vollendetes auszusprechen, so hat er selbst trotzdem kein Wissen davon; Schein(meinen) haftet an allem." 11
Des weiteren kritisierte er das herrschende Gottesverständnis, den anthropomorphen Polytheismus, welcher durch die griechische Mythologie, besonders durch Homer und Hesiod ihre Blütezeit erreichte. Xenophanes berief sich wieder auf seine während der Wanderschaft
gesammelten Erfahrungen und setzte seine Umwelt davon in Kenntnis, dass jedes Volk ihre individuelle Gottheit besäße; die Vorstellungen der einzelnen Kulturen bzw. Stämme seien nur Abbilder menschlicher Eigenschaften.
,,11. Alles haben den Göttern Homer und Hesiod angehängt, was nur bei Menschen Schimpf und Tadel ist: Stehlen und Ehebrechen und einander Betrügen.[...]
16. Die Äthiopier behaupten, ihre Götter seien stumpfnasig und schwarz, die Thraker, blauäugig und rothaarig." 12
Dieses subjektive Gottesverständnis war für Xenophanes vor einem Hintergrund der ,,[...] Vergeistigung und Versittlichung des Gottesbegriffes [...]" 13 nicht einsehbar. Als Konsequenz entwarf er ein neues Gottesbild, welches jenseits von herrschenden Konventionen existierte und das Denken seiner Nachfolger beeinflusste. Dieser sei ein ,,[...] einziger Gott, unter Göttern und Menschen am größten, weder an Gestalt den Sterblichen ähnlich noch an Gedanken. Gott ist ganz Auge, ganz Geist, ganz Ohr. [...] sonder Mühe erschüttert er alles mit des Geistes Denkkraft.[...] Stets am selbigen Ort verharrt er sich gar nicht bewegend [...]." 14 Diesen Entwurf legten einige Interpreten als einen beginnenden Pantheismus aus und sprechen im Zusammenhang mit Xenophanes von einem ,,»spekulativen Theologen«" 15 . Darüber hinaus können die Fragmente zu der These führen, ob mit Xenophanes nicht der Grundstein des Monotheismus gelegt wurde.
2. Parmenides 2.1 Biographische Angaben
Parmenides lebte als Bürger der Stadt Elea, dem heutigen Velia (siehe Abbildung auf Seite 16), von ca. 540 v.u.Z. bis 470 v.u.Z. Wie bereits erwähnt, soll er ein Schüler des Xenophanes gewesen sein. 16 Über seine Person und sein Leben ist weiterhin nicht vielmehr bekannt, bis auf die Annahme, dass er auch als Gesetzgeber in Elea tätig gewesen sein soll. 2.2 Das Lehrgedicht des Parmenides
Sein Werk ÜBER DAS SEIN ist mit 150 Hexameterversen fast vollständig erhalten. Dabei scheint Parmenides die traditionelle Art der Niederschrift, welche in ihrer Darstellung an Homer und Hesiod erinnert, bewusst benutzt zu haben.
Das Proömium seines bildhaft geschilderten Werkes beginnt mit einer Wagenfahrt weg von dem ,,Haus der Nacht" 17 hin zu Dikê, welche das Tor sowohl zum Weg der Wahrheit, als
auch zu dem der ,,Sterblichen Schein-Meinungen" 18 bewacht. Parmenides wird erlaubt, das
Tor zu passieren; dabei wird er von einer Göttin empfangen, die ihm verspricht, beide Wege vorzustellen.
Nach der Einleitung ist das Lehrgedicht in zwei Teile gegliedert: Der erste Teil stellt den Weg der Wahrheit dar, welcher nicht auf sinnlich wahrnehmbare Erfahrung basiere, sondern ,,überempirischen Charakter" 19 besitze. Dieser Teil seines Werkes konnte fast vollständig erhalten bleiben.
Dem entgegen setzt er den Weg der Meinungen; dies sei der Weg der sinnlichen Wahrnehmung und führe ausschließlich zum Schein. Obwohl die Wahrheitsgöttin den Wageninsassen Parmenides auf diesen Weg hinweist, warnt sie ihn doch gleichzeitig davor; es sei der Pfad der gewöhnlich Sterblichen, der nicht zu wahrem Wissen und Erkenntnis führen könne. 20 2.3 Die Argumentation des Parmenides
Maßgeblich für das Verständnis seines Werkes ist die ständige Unterscheidung zwischen dem was IST und dem, was NICHT IST.
Ursprünglich, so Nietzsche, definierte Parmenides die Synthese von SEIN und NICHT-SEIN, das Zusammenspiel zweier Gegensätzlichkeiten also, als Begriff des Werdens: ,,,[...] einen mystischen Hang des Entgegengesetzten, sich zu nähern und sich anzuziehen, und er versinnlicht jenen Gegensatz durch den Namen der Aphrodite und durch das empirisch bekannte Verhältnis des Männlichen und des Weiblichen zueinander. Die Macht der Aphrodite ist es, die das Entgegengesetzte das Seiende mit dem Nichtseienden, zusammenkuppelt. Eine Begierde führt die sich widerstreitenden und sich hassenden Elemente zusammen: das Resultat ist ein Werden.`" 21
Warum sich Parmenides dann doch plötzlich von dieser Annahme distanzierte, ist nicht eindeutig nachvollziehbar. So nimmt man jedoch an, dass er in einem ,,,[...] Moment der allerreinsten, durch jede Wirklichkeit ungetrübten und völlig blutlosen Abstraktion`" 22 versuchte, die Totalität des Seienden zu begreifen und dazu die Existenz eines Nicht-Seienden verwarf.
Die Disjunktion von IST und IST-NICHT zieht sich als Prämisse seines neuen Denkansatzes durch das ganze Werk; entweder SEIN oder NICHT-SEIN. 23
Es gilt immer wieder zu betonen, dass Parmenides bei seinen Annahmen nicht von der
Außenwelt und den menschlichen Erfahrungen ausging, sondern versuchte, die Wahrheit mittels reinem Denken zu erfassen. Ausschlaggebend für die Urteilskraft ist die Verwendung der Kopula IST, welche Subjekt und Prädikat verbindet, um aus einzelnen Satzgliedern erst ein logisches Ganzes zu machen. Dies führe zur Konsequenz, dass das ,,Sein und Denken [...] als Korrelate in schlechthin unlöslicher Verbindung miteinander" 24 stünden; es könne nur das
gedacht werden, was auch IST. Capelle schließt sich einer Darstellung von Ernst Hoffmann an, der Parmenides als ,,[...] »Vater der Logik« und ebenfalls der Erkenntnistheorie" 25 darstellt.
Neben der kopulativen Auslegung des griechischen (es ist) kann auch eine existentielle Interpretation angenommen werden; IST im Sinne von ETWAS EXISTIERT. 26 Den Weg des IST-NICHT bzw. des NICHT-SEIENDEN lehnt Parmenides für sein Denken gänzlich ab, was gleich zu Beginn des Fragmentes B2 geschildert wird: ,,2. Wohlan, so will ich denn sagen (nimm du dich aber des Wortes an, das du hörtest), welche Wege er Forschung allein zu Denken sind: der eine Weg, dass IST ist und dass Nichtsein nicht ist, das ist die Bahn der Überzeugung (denn diese folgt der Wahrheit), (5) der andere aber, dass NICHT IST ist und dass Nichtsein erforderlich ist, dieser Pfad ist, so künde ich dir, gänzlich unerkundbar; denn weder erkennen könntest du das Nichtseiende (das ist ja unausführbar) noch aussprechen;" 27
Nietzsche wundert sich nicht nur über ,,,[...] das Abstrakt-Schematische - bei einem Griechen!`" 28 , er macht auch die Art und Weise seines Denkens Parmenides zum Vorwurf, indem er ihn als eine ,,,durch logische Starrheit ganz petrifizierte und fast in eine Denkmaschine verwandelte Natur`" 29 beschreibt. 2.4 Eigenschaften des Seienden
In dem Fragment B8 lässt Parmenides die Wahrheitsgöttin die Merkmale des Seienden aufzählen und näher erläutern:
,,[...] weil ungeboren ist es auch unvergänglich, [...] ist als Ganzes, Eines, Zusammenhängendes (Kontinuierliches). [...] Aber unbeweglichunveränderlich [...]. Es ist ja nichts und wird nichts anderes sein außerhalb des Seienden, [...]. Aber da eine letzte Grenze vorhanden, so ist es vollendet von (und nach) allen Seiten, einer wohlgerundeten Kugel Masse vergleichbar, von der Mitte her überall gleichgewichtig." 30
Die Beweisführung für die Annahmen das Seiende sei unentstanden und unvergänglich stellte Parmenides wie folgt dar: würde das Seiende entstehen, so müsste es entweder aus dem Seienden selbst oder dem Nicht-Seienden entstanden sein. Aus einem Seienden kann es insofern nicht entstanden sein, da neben ihm kein weiteres Sein denkbar wäre, aus dem es hätte entstehen können. Aus dem Nicht-Seienden kann es wiederum nicht geboren sein, da Nicht-Seiendes nicht denkbar ist, und somit nicht existiere. 31 Rapp stellt in diesem
Zusammenhang die berechtigte Frage, ob das Seiende dann ,,Ewigkeit oder zeitlose Gegenwart" 32 bedeute. Parmenides gibt in seinem Lehrgedicht eine mögliche Antwort in
,,(5) und es war nie und wird nie sein, weil es im Jetzt zusammen vorhanden ist [...]" 33
Folglich liegt die Interpretation nahe, dass Parmenides eher an eine zeitlose Präsenz dachte, als an eine Unendlichkeit.
Bei den weiteren Merkmalen, das Seiende sei ganz, eins und zusammenhängend, geht es dem Autor um die innere Geschlossenheit bzw. Einheit des Sein. Das Sein sei gänzlich vom Sein ausgefüllt ohne einen individuellen Charakter zu besitzen, welches auf eine innere Differenziertheit hinweisen könne. 34
Für die nächste Eigenschaft des Seienden benutzt Parmenides das griechische , welches übersetzt sowohl unbeweglich als auch unveränderlich bedeutet. Die Wahrheitsgöttin weist zu Beginn des Fragmentes 8,27 abermals auf die Unmöglichkeit des Entstehens und Vergehens des Seienden hin, welches sie als Argument für die Unveränderlichkeit benutzt. Damit wendete sich Parmenides auch direkt gegen die Ontologie des Werdens, so wie sie Heraklit lehrte.
In dem Fragment 8,36f. beschreibt Parmenides das Seiende als einzig, und bekräftigt seine Annahme, indem er die Göttin im zweiten Teil des Lehrgedichtes, dem Weg der Schein-Meinungen, von Menschen berichten lässt, welche ,,[...], zwei Formen zu benennen (von denen man freilich eine nicht ansetzen sollte, in diesem Punkt sind sie in die Irre gegangen);" 35 haben.
Parmenides führte einen metaphorischen Vergleich des Seienden mit einer Kugel an. Die Kugel als Idealbild des Seienden, welche noch einmal auf die Gleichförmigkeit und die Vollkommenheit hinweisen soll. Einige der Eigenschaften, die er dem Seienden zuschreibt kann die geometrische Figur der Kugel erfüllen: So befindet sich die Kugel in vollkommener Balance um ihren Mittelpunkt 36 ; man kann in alle Richtungen von diesem Mittelpunkt aus mit
gleichem Abstand an die Grenzen der Kugel stoßen. Ihre Oberfläche besitzt kein Anfang und kein Ende.
Jaspers vergleicht die Merkmale des Seienden von Parmenides mit den Eigenschaften eines bildlos, gedachten Gottes und spricht in diesem Zusammenhang davon, dass ,,Seine »Ontologie« [...] der »Theologie« die Mittel an die Hand" 37 gab. 3. Zenon 3.1 Biographische Angaben
Zenon hatte seine Blütezeit um 460 v.u.Z. und soll - nach Platon der Geliebte, - nach Apollodor ein Adoptivsohn des Parmenides gewesen sein. 38 Auch er war sowohl als Staatsmann, wie auch als Philosoph in Elea sehr angesehen. Zu seinen eigenen Hörern soll auch Perikles gehört haben. 39 3.2 Bedeutsamkeiten seiner Lehre
Es war Zenon ein großes Anliegen, die Lehre des Parmenides weiter zu begründen und u.a. gegen die Pythagoreer zu verteidigen. 40 Dazu verwendete er eine von ihm entworfenen Methode, mit der er gegnerische Annahmen und Kritiken als widerspruchsvoll nachzuweisen suchte: Zunächst ließ er eine Grundannahme der Gegner zu, z.B. Bewegung existiere. Von dieser Behauptung ausgehend, suchte Zenon nach zwei Schlüssen, die sich gegenseitig widersprachen. Dies führte als Konsequenz dazu, dass auch die Grundannahme hinfällig sein müsse, und somit der Gegner seine These nicht verifiziert sah. 41 Mit diesem sogenannten hypothetischen Verfahren, welches manche Denker als bloße Argumentationsakrobatik abtun, führte er Beweise gegen die Vielheit und Bewegung des Seienden.
Die eleatische Philosophie hat durch Zenon den eristischen und dialektischen Charakter erhalten.
Des weiteren ging er ,,[...] von der unendlichen Teilbarkeit des Raumes aus." 42 , womit er den Grundstein der Infinitesimalrechnung legte. 4. Melissos von Samos 4.1 Biographische Angaben
Diogenes Laertius datierte die Blütezeit des Melissos um 440 v.u.Z. Er stammte aus Samos, war dort Feldherr und wurde auch dadurch bekannt, dass er 441 v.u.Z. eine Flotte gegen die
Athener führte.
Er soll nicht nur ein Schüler des Parmenides gewesen sein, sondern auch die Lehren des Heraklit gehört haben. 43 4.2 Bedeutsamkeiten seiner Lehre
Da er mit seiner Lehre vordergründig nichts entscheidendes Neues vorgab und auf konformer Linie mit der bisherigen eleatischen Schule stand, wurde er häufig von dem großen Glanz des Parmenides überschattet. 44 So wird er z.B. in einigen Philosophiegeschichten auch nicht als eleatischer Denker erwähnt (z.B. bei Capelle, Hirschberger, von Aster). Rapp verteidigt ihn und erwähnt, ,,[...] daß Melissos einige Punkte des Parmenideischen Systems neu durchdacht hat und dadurch zu durchaus originellen Einsichten gelangt ist." 45 So geht z.B. die Beweisführung gegen die Möglichkeit der Bewegung und gegen die Zuverlässigkeit der Sinneswahrnehmungen auf Melissos zurück. Schluss
Ich möchte meine Hausarbeit mir einem Zitat abschließen, welches das Selbstbewusstsein und den Mut der Vorsokratiker, mit dem auch die Eleaten Antworten auf ihre Fragen suchten, auf den Punkt bringt:
,,Was wir aber von allem bewundern, das ist die Kühnheit, der echt jugendliche Wagemut, mit dem sie bis dahin nie gestellte Fragen nicht nur aufwerfen, sondern auch beantworten, mit einer Sicherheit beantworten, wie wir sie heute vielleicht nur noch an originalen, von der Schule noch unverbildeten Kindern wahrnehmen, denen noch gar nicht der Gedanke kommt, sie könnten irren." 46
Literaturverzeichnis
- Aster, Ernst von ,,Geschichte der Philosophie", Stuttgart [1932 1 ] 1998 18
- Capelle, Wilhelm (Hg.) ,,Die Vorsokratiker", Stuttgart [1935 1 ], 1968 [Nachdruck der vierten Auflage von 1953]
- Diogenes Laertius ,,Leben und Meinungen berühmter Philosophen" Aus dem Griechischen übersetzt von Otto Apelt, Hamburg [1921 1 ] 1990 3
- Hirschberger, Johannes ,,Geschichte der Philosophie" 2 Bände, Freiburg [1948 1 ] 1980 12
- Jaspers, Karl ,,Die großen Philosophen" 2 Bände, München 1959
- Kranz, Wilhelm (Hg.) ,,Die Fragmente der Vorsokratiker" Griechisch und Deutsch von Hermann Diels, 2 Bände, Berlin [1903 1 ] 1951 6
- Oehler, Dr. Richard ,,Friedrich Nietzsche und die Vorsokratiker", Leipzig 1904
- Rapp, Christof ,,Vorsokratiker", München 1997
- Vorländer, Karl ,,Geschichte der Philosophie" 2 Bände, Hamburg [1902 1 ] 1919 5
1 Capelle, Wilhelm (Hg.) ,,Die Vorsokratiker", Stuttgart [1935 1 ] 1953 4 , S. 158 2 Rapp, Christof ,,Vorsokratiker", München 1997, S.13 3 ib.
4 Aster, Ernst von ,,Geschichte der Philosophie", Stuttgart [1932 1 ] 1998 18 , S.42 5 Rapp ,,Vorsokratiker" a.a.O., S.14 6 Capelle ,,Vorsokratiker" a.a.O., S.122 7 ib., S.115
8 Capelle ,,Vorsokratiker" a.a.O., S.113
9 Hirschberger, Johannes ,,Geschichte der Philosophie" 2 Bände, Freiburg [1948 1 ] 1980 12 , Bd.1 S. 30
10 Kranz, Walther (Hg.) ,,Die Fragmente der Vorsokratiker" Griechisch und Deutsch von Hermann Diels, 2 Bände, Berlin [1903 1 ] 1951 6 , Bd.1 S. 131 11 Kranz ,,Fragmente" a.a.O., S. 137 12 ib., S. 132f.
13 Capelle ,,Vorsokratiker" a.a.O., S. 115 14 Kranz ,,Fragmente" a.a.O., S. 135 15 Capelle ,,Vorsokratiker" a.a.O., S. 115
16 Diogenes Laertius ,,Leben und Meinungen berühmter Philosophen" Aus dem Griechischen von Otto Apelt, Hamburg [1921 1 ] 1990 3 , S. 169 17 Diels ,,Fragmente" a.a.O., S. 229 18 ib., S. 230 19 Rapp ,,Vorsokratiker" a.a.O., S. 103
20 ib., S. 103
21 Oehler, Richard ,,Friedrich Nietzsche und die Vorsokratiker", Leipzig 1904, S. 76 22 ib.
23 Rapp ,,Vorsokratiker" a.a.O., S. 105 24 Capelle, ,,Vorsokratiker" a.a.O., S. 159 25 ib., S.161
26 Rapp ,,Vorsokratiker" a.a.O., S. 108 27 Diels ,,Fragmente" a.a.O., S. 231 28 Oehler ,,Nietzsche" a.a.O., S. 75 29 ib., S. 75
30 Diels ,,Fragmente" a.a.O., S. 235, 237, 238 31 Rapp ,,Vorsokratiker" a.a.O., S. 131 32 ib., S. 133 33 Diels ,,Fragmente" a.a.O., S. 235 34 Rapp ,,Vorsokratiker" a.a.O., S. 135 35 Diels ,,Fragmente" a.a.O., S. 239 36 Rapp ,,Vorsokratiker" a.a.O., S. 144
37 Jaspers, Karl ,,Die großen Philosophen" 2 Bände, München 1959, Bd.1, S. 649f. 38 Diogenes Laertius ,,Leben und Meinungen" a.a.O., S. 172 39 Capelle ,,Vorsokratiker" a.a.O., S. 170 40 Aster ,,Geschichte der Philosophie" a.a.O., S. 47
41 Capelle ,,Vorsokratiker" a.a.O., 170
42 Vorländer, Karl ,,Geschichte der Philosophie" 2 Bände, Hamburg 1919, Bd.1, S. 43f.
43 Diogenes Laertius ,,Leben und Meinungen" a.a.O., 171
44 Rapp ,,Vorsokratiker" a.a.O., S. 162f.
45 Rapp ,,Vorsokratiker" a.a.O., 163
46 Capelle ,,Vorsokratiker" a a O , S 11
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2000, Einführung in das Denken der Eleaten, München, GRIN Verlag GmbH
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Daniel Schäfers
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10.6.01
Hallo Herr Kuta!
Grosses Lob an ihr Referat aus dem Sommersemester 2000.
Es hat mir sehr weiter geholfen,
Viele Grüße,
Daniel Schäfers
am Sunday, June 10, 2001-