INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung. 2
2. Gewalt 3
2.1. Definition des Begriffs „Gewalt“ 3
2.2. Das kindliche Gewaltverständnis. 4
3. Kinder und ihre Fernsehinteressen. 6
3.1. Handlungsleitende Themen. 6
3.1.1. Das Modell der handlungsleitenden Themen. 7
3.1.2. Medienspuren im Kinderalltag 8
3.2. Angst und Angstlust. 9
3.2.1. Kindliche Ängste. 10
3.2.2. Spannung. 12
3.2.3. Kindliche Angstlust. 13
3.3. Flow 14
3.3.1. Flow-Erleben. 14
3.3.2. Fernsehen als Flowerlebnis 15
4. Genrespezifische Gewaltwahrnehmung und Angstbewältigung. 17
4.1. Actionserien. 17
4.1.1. Art der Gewaltdarstellungen. 19
4.1.2. Wahrnehmung und Angstbewältigung. 20
4.1.3. Gründe der Rezeption. 22
4.2. Nachrichten. 23
4.2.1. Art der Gewaltdarstellungen. 23
4.2.2. Wahrnehmung und Angstbewältigung. 23
4.2.3. Gründe der Rezeption. 24
4.3. Reality TV. 25
4.3.1. Art der Gewaltdarstellungen. 25
4.3.2. Wahrnehmung und Angstbewältigung. 27
4.3.3. Gründe der Rezeption. 27
5. Fazit 28
5.1. Zusammenfassung der Ergebnisse 28
5.2.Folgerungen und Stellungnahme 30
Literatur. 33
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1. Einleitung
„Das im Alltag und in der Familie ausgeformte Gewaltverständnis wird von Kindern auch bei ihrer Wahrnehmung und Beurteilung von Gewalt im Fernsehen zugrunde gelegt“ (Baacke, 1999, S.29). Über Gewalt im Fernsehen und ihre potentiellen Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche wird viel diskutiert. Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die sich damit befassen, ob Gewaltdarstellungen im Fernsehen sie gefährden, ihnen schaden. Häufig gehen diese Untersuchungen der Frage nach, inwiefern der Konsum violenter Fernsehinhalte Einfluß auf die Entstehung, Steigerung oder Minderung aggressiver Verhaltensweisen hat. Auf diesen Aspekt werde ich in dieser Arbeit nicht näher eingehen. Auch mit den Formen der Konfliktbewältigung, die Kinder gewalthaltigen Sendungen möglicherweise entnehmen, möchte ich mich im Folgenden nicht befassen. Mein Interesse gilt im Rahmen dieser Arbeit ausschließlich dem Aspekt von Gewaltwahrnehmung und Angstbewältigung. Zwar kann Angstbewältigung unter Umständen mit aggressiven Verhaltensweisen zusammenhängen, dennoch werde ich mich darauf beschränken, der Frage nachzugehen, welche Arten von Gewaltdarstellungen im alltäglichen Fernsehprogramm Kinder ängstigen und psychisch belasten, aber auch, wie sie mit diesen Ängsten umgehen, welche Möglichkeiten der Verarbeitung ihnen zur Verfügung stehen. Außerdem werde ich herausstellen, was Kinder zum Konsum von gewalthaltigen Sendungen veranlaßt.
Meine folgenden Ausführungen beziehen sich ausschließlich auf Kinder im Alter bis zu 13 Jahren. Zunächst setze ich mich zur Bearbeitung der Fragestellung allgemein mit dem vorherrschenden Gewaltverständnis und einer dafür relevanten Auswahl kindlicher Fernsehinteressen auseinander, um anschließend verschiedene Genres in Bezug auf Gewaltwahrnehmung und Angstbewältigung durch Kinder zu untersuchen und daraus Schlüsse für adäquate medienpädagogische Reaktionen auf den kindlichen Konsum von Fernsehgewalt ausschließlich in Bezug auf diesen Aspekt zu ziehen.
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2. Gewalt
Da in dieser Arbeit die Wahrnehmung von Gewaltdarstellungen durch Kinder thematisiert werden soll, ist es sinnvoll, zu klären, was genau unter Gewalt zu verstehen ist und was speziell Kinder sich unter Gewalt vorstellen. Aus diesem Grund folgt zunächst eine begriffliche Definition von Gewalt und anschließend eine Beschreibung des kindlichen Gewaltverständnisses.
2.1. Definition des Begriffs „Gewalt“
Der Begriff „Gewalt“ läßt sich auf verschiedenen Ebenen definieren. Man kann unter anderem zwischen personaler und struktureller Gewalt unterscheiden. Erstere ist nach Kunczik die beabsichtigte physische oder psychische Schädigung einer Person, von Lebewesen oder Gegenständen durch andere Personen (vgl. Kunczik 1987, S. 1 5). Da diese Definition die unbeabsichtigte Schädigung nicht erfaßt, läßt sich nach Wegener in Anlehnung an Merten außerdem zwischen intentionaler Gewalt, die vom Täter beabsichtigt ist, und non-intentionaler Gewalt, wie einem Unglück oder einer Naturkatastrophe, unterscheiden. Die Non-intentionale Gewalt findet sich im gesamten Fernsehprogramm, doch sie fällt nicht unter den klassischen Gewaltbegriff, wie Merten feststellt. Der Jugendschutz unterstelle nur Gefahren bei der Darstellung vorsätzlich ausgeübter Gewalt im Fernsehen (vgl. Merten, 1992, S.27). Strukturelle Gewalt kennzeichnet „daß sie:
a) in entpersoniefitzierter Form wirksam wir und anonym ist
b) den Charakter von dauerhaften gesellschaftlichen Zuständen hat
c) indirekt und nur in ihren Folgen sichtbar wird“ (Wegener, 1994, S.66)
Besonders interessant für die Fragestellung dieser Arbeit ist außerdem zum einen die Unterscheidung zwischen natürlicher, also lebensecht präsentierter, und künstlicher Gewalt, wie im Trickfilm (vgl. Radeke, 1997, S.304f). Zum anderen die Unterscheidung zwischen realer und fiktiver Gewalt. Erstere ist in Spielfilmen, Action- und Krimiserien zu finden und beruht nach Wegener auf erdachten Konzepten. Reale Gewalt werde primär in den Nachrichten, in Reportagen und Dokumentationen gezeigt. Dabei handele es sich um Gewaltakte, die sich während der Aufnahme wirklich ereignet haben. Zwischen realer und fiktiver Gewalt liegen, wie sie weiter ausführt, Gewaltdarstellungen, die
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zwar tatsächlich so, wie sie gezeigt werden, passiert sind, für die Aufnahme aber nachgestellt wurden. Wegener bezeichnet diese Art medialer Gewalt als authentisch (vgl. Wegener 1994, S.66). Kunczik stellt fest, daß die meisten medienwissenschaftlichen Studien personale Gewalt untersuchen und dabei hauptsächlich die Auswirkungen fiktionaler Gewalt berücksichtigen. Realer Gewalt käme wenig Beachtung zu (vgl. Kunczik 1987, S.19).
Für Nachrichtensendungen ist die zusätzliche Unterscheidung zwischen legitimer und illegitimer Gewaltanwendung von Bedeutung (vgl. Radeke, 1997, S.304).
Die Vorstellung, was sich hinter dem Begriff Gewalt verbirgt, kann bei verschiedenen Menschen vollkommen unterschiedlich sein: „So ist die Definition von Gewalt auf der einen Seite abhängig von gesellschaftlichen, kulturellen und historischen Kontexten, andererseits, auf individueller Ebene, kann Gewalt aufgrund von geschlechtsspezifischen, altersspezifischen oder sozialen Unterschieden verschiedenartig definiert und wahrgenommen werden"(Wegener 1994, S.65).
2.2. Das kindliche Gewaltverständnis
Dieser Abschnitt möchte ich geht darauf ein, wie Kinder Gewalt definieren und wahrnehmen, sowohl in ihrem realen Leben als auch medial präsentierte Gewalt.
Nach Theunert treffen Gewaltdarstellungen beim Rezipienten auf ein bereits vorhandenes Gewaltverständnis, welches sich in den alltäglichen Lebenskontexten und Erfahrungen entwickelt und Wissensbestände, Bewertungskriterien, Erfahrungsbezüge sowie Handlungskriterien umfaßt. Daher haben Kinder ein anderes Gewaltverständnis als Erwachsene, wie sie ausführt, und nehmen Gewalt anders wahr als diese (vgl. Theunert 1996, S.107).
„Kinder setzen sich mit Gewalt nicht begrifflich und abstrakt auseinander, sondern weil sie damit als einem Element ihres Alltags konfrontiert sind“ (Theunert1996, S.107). Nach Theunert beobachten und erfahren Kinder Gewalt im eigenen Umfeld. Dabei entwickeln sie ihr zufolge Ängste, Vorstellungen und Fragen zu diesem Thema. Im Verlauf ihrer Sozialisation vermittele man ihnen immer weiter ausgeformte Normen und Einstellungen zu Gewalt.
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Kinder im Vorschulalter bringen Theunert zufolge ihre eigenen unangenehmen Erfahrungen nicht mit dem Begriff Gewalt in Verbindung. Sie seien noch nicht dazu fähig, ihr Gewaltverständnis in Worten auszudrücken. Ihre Einstellungen zu Gewalt im Allgemeinen und speziell zu Gewalt im Fernsehen ließen sich daher nur interpretativ aus Erzählungen und Beobachtungen erschließen. Je älter Kinder werden, je werden, je weiter sie über ihr unmittelbares Umfeld hinaus denken, desto mehr wird ihnen, wie Theunert schreibt, auch Gewalt außerhalb ihres Alltags bewußt. Jedes Kind habe, wie auch jeder Erwachsene, ein individuelles Gewaltverständnis, das vom Alter, vom Geschlecht und vom persönlichen Lebenskontext abhinge (vgl. Theunert 1996, S.107). „Insgesamt ist das kindliche Gewaltverständnis von physischer Gewalt dominiert“ (Theunert 1996, S.107). Für Mädchen fängt Gewalt Theunert zufolge schon bei harmloseren Formen an. Daraus, daß sie dabei oft von männlichen Tätern und weiblichen Opfern sprechen, schließt Theunert, daß sie Gewalt mit Angst verbinden. Alltägliche Raufereien untereinander seien für Jungen noch keine Gewalt. Sie beginne für sie erst bei drastischeren Formen, bei denen sie weder Täter noch Opfer sein wollten. In Bezug auf Gewalt gegen Schwächere zeigten sie sich allerdings sensibel, denn die Vorstellung des Ausgeliefertseins sei für viele mit Ängsten verbunden.
Seltener realisiert werden nach Theunert psychische Verletzungen. Wenn doch, dann in erster Linie, wenn die Kinder selbst betroffen seien und hauptsächlich von älteren Mädchen, die im Alltag psychischen Verletzungen näher stünden als Jungen. Allerdings nehmen Jungen ihrzufolge früher als Mädchen Gewalt außerhalb ihres eigenen Lebensraumes wahr. Da sie, wie Theunert schreibt, die Außenwelt oft mit der Gefahr existentieller Gewalttätigkeiten verbinden, empfinden sie sie als bedrohlich. Besonders achteten sie auf kriegerische Gewalt, was im Hinblick auf ihre Zukunft als Männer häufig mit Ängsten gekoppelt sei (vgl. Theunert 1996, S.108).
Ein zentrales Element des Gewaltverständnisses von Kindern ist „die Konzentration auf die Opfer und ihre Leiden“ (Theunert 1996, S. 109). Dies Element ist, wie Theunert schreibt, bei den Mädchen stärker ausgeprägt. Im Gegensatz dazu sei der Opferblick bei den meisten Jungen verhaltener und eher auf existentielle Folgen von Gewalt konzentriert. Je realitätsnäher die Kontexte seien oder eingeschätzt würden, desto mehr trete diese Perspektive der kindlichen Gewaltwahrnehmung bei der
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Rezeption medialer Gewaltdarstellungen in den Vordergrund. Vor allem sei der Blick auf die Opfer dafür ausschlaggebend, wie Kinder Gewalt in der Realität und im Fernsehen bewerteten, ob sie sich davon berühren ließen oder nicht.
Was Kinder als Gewalt gelten lassen und wie sie sie, auch i m Fernsehen, bewerten, hat nach
Theunert mit ihren persönlichen Erfahrungen zu tun. Doch nicht alles, was im realen Leben als Gewalt realisiert werde, werde auch im Fernsehen als solche angesehen. Im allgemeinen setzen sie Theunert zufolge für das Fernsehen höhere Maßstäbe für Gewalt an, allerdings nur, wenn es sich um als fiktiv erkennbare Sendungen handelt.
Theunert schreibt weiterhin, daß Kinder eine individuelle Gewaltschwelle hätten, die bestimmend sei für die Verbindung zwischen dem in der Wirklichkeit konstituierten und dem durch das Fernsehen zumindest mitbestimmten Gewaltverständnis. Für die Wahrnehmung, die Beurteilung und den Umgang mit medial präsentierter Gewalt sei sie ausschlaggebend. Also entscheide sie darüber, welche Gewaltdarstellungen Kinder tolerieren und welche sie mit Angst belegen (vgl. Theunert 1996, S.109).
Radeke zufolge können Kinder und Jugendliche heutzutage ab ungefähr acht Jahren zwischen fiktiven und realen Gewaltdarstellungen unterscheiden. Dabei werde die fiktive und die künstliche Gewalt weniger als bedrohlich wahrgenommen, die reale, natürliche dafür um so mehr (vgl. Radeke, 1997, S.304).
3. Kinder und ihre Fernsehinteressen
An dieser Stelle soll untersucht werden, aus welchen Gründen Kinder fernsehen, was ihnen das Fernsehen gibt. Möglicherweise läßt sich daraus auch erkennen, was sie für sich aus Gewaltdarstellungen im Fernsehen herausholen und warum sie sich teilweise sogar gerne Sendungen mit violenten Inhalten ansehen, aber auch, warum sie bestimmte Sendungen ablehnen.
3.1. Handlungsleitende Themen
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Arbeit zitieren:
Eva Oestreich, 2000, Kinder und Fernsehen unter dem Aspekt von Gewaltwahrnehmung und Angstbewältigung, München, GRIN Verlag GmbH
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