Inhaltsverzeichnis
Einleitung und Vorwort 3
Teil I : Der Zusammenhang zwischen
Wahrnehmung und Bewegung
Seite 4 - 8
Teil II : Vermittlungsprozesse im
Mannschaftssport
Seite 9 10
Teil III : Vermittlung des Volleyballspiels
-Technik und Taktik -
11-13
Teil IV : Vermittlung des Basketballspiels
- Technik und Taktik -
Seite 14 15
Anhang : Bilder der Erfinder des Volley-
und des Basketballspiels
16
Literaturverzeichnis 17
Einleitung und Vorwort
In dieser Hausarbeit soll es darum gehen, den Zusammenhang zwischen Wahrnehmung und Bewegung allgemein und in Bezug auf die Vermittlung dieses Zusammenhanges in Mannschaftsspielen zu erläutern und plastisch darzustellen.
Ich beginne damit, daß ich die Einzelaspekte dieses Themas zunächst isoliert betrachte und später den Zusammenhang darstelle. Im ersten Teil ( Teil I ) werde ich den Zusammenhang zwischen Bewegung und Wahrnehmung herausstellen, wobei zunächst die Bedeutung der Wahrnehmung genauer analysiert werden muß.
In dem darauffolgenden Teil ( Teil II ) werde ich versuchen, einen Übergang von den eher pauschalen Erkenntnissen des Zusammenhangs zwischen Bewegung und Wahrnehmung zu den für den Mannschaftssport relevanten Vermittlungsformen herzustellen. Im dritten Teil ( Teil III ) soll es dann darum gehen, Beispiele aus dem Technik- und Taktikbereich des Volleyballspiels aufzuführen, die helfen sollen, die Wahrnehmungs- und Bewegungstheorien - zumindest geistig - in die Praxis umzusetzen. Im letzten Teil ( Teil IV ) werde ich dann die in Teil III benannten und erläuterten Vermittlungsformen auf das Basketballspiel transformieren. Im letzten Teil befindet sich außerdem ein abschließendes Resumée der gewonnenen Erkentnisse und ein weiterer Problemaufriß, welchen das dargestellte Thema und dem dadurch aufgeworfenen Konflikt zwischen früheren und heutigen Vermittlungsformen mit sich bringt.
Desweiteren werden Probleme der heutigen Zeit, in der sich Jugendliche zurechtfinden müssen aufgeworfen und ergründet, wie diesen Problemen durch Bewegungen, Wahrnehmungen, Empfindungen und der richtigen Vermittlung von Sport entgegengewirkt werden kann.
Außerdem habe ich, wie schon vielleicht bemerkt, daß Thema interpretiert, und den letzten Teil der Aufgabe auf das Volley- und Basketballspiel bezogen, um die Vermittlung der Techniken und Taktiken an konkreten Beispielen belegen zu können.
Inhaltsverzeichnis
Die normale Vorgehensweise, um einen Zusammenhang zwischen zwei Dingen herzustellen ist die, daß man Gemeinsamkeiten zwischen den beiden zu untersuchenden Dingen herausarbeitet, um eine Verbindung zwischen ihnen herzustellen. Ganz im Gegensatz zu dieser typischen Vorgehensweise muß man in diesem Fall schon von vornherein davon ausgehen, daß die Wahrnehmung und die Bewegung im Zusammenhang stehen. Die " Wahrnehmung ist ein integraler Bestandteil einer jeden Bewegungstätigkeit ". ( J. LOIBL ) Daß heißt wiederum, daß Wahrnehmung und Bewegung eine gegenseitig voneinander abhängige Einheit darstellen. Es gibt keine Bewegung, bei der nicht wahrgenommen wird, sowie es keine Wahrnehmung ohne Bewegung gibt. Und mit dieser simplen Tatsache, die jedem aufmerksamen Menschen auch ohne fachliche Vorkenntnisse bei genauerer Überlegung einleuchten müßte, ist sowohl der Zusammenhang, als auch das Problem dieses Themas erklärt. Das Problem liegt darin, daß im traditionellen Sport-,bzw. Bewegungsverständnis entweder beide Teile isoliert voneinander betrachtet werden, der Aspekt der Wahrnehmung als Resultat eines " physikalischen Reizes " ( LOIBL ) interpretiert oder die Wahrnehmung völlig außer acht gelassen wird, da sie sich wissenschaftlich weder ausdrücken noch standardtypisch definieren läßt. Daß dies allerdings nicht der Fall ist, zeigen etliche Experimente, die erwiesen haben, daß der Faktor Wahrnehmung eine notwendige und hinreichende Bedingung für Bewegungs- und natürlich Leistungsoptimierung ist. Weiterhin muß beachtet werden, daß nur durch das Zusammenspiel von Wahrnehmung und Bewegung eine Erschließung und Anpassung an die Bewegungsumwelt möglich ist. Hierzu sei das " Rollstuhl "-experiment von V. von WEIZSÄCKER angeführt, welches ein Beweis dafür ist, daß nur durch Wahrnehmung und Bewegung eine Anpassung möglich ist. Hierbei wurde festgestellt, daß eine sich nicht bewegende Versuchsperson ( mit Prismenbrille im Rollstuhl sitzend ) nicht in der Lage ist, sich an die Umwelt anzupassen. Eine sich bewegende Person ( den Rollstuhl schiebend ) hingegen hat sich nach kurzer Zeit an die neuen Gegebenheiten gewöhnt ( sehen durch die Prismenbrille ).
Bei diesem Experiment wird auch gleichzeitig ein anderes Problem deutlich, welches in der traditionellen Sichtweise nicht berücksichtigt wird. Bei der im Rollstuhl sitzenden Person sind quasi alle Sinne auf den optischen reduziert, was dazu führt, daß alle anderen Sinne keine Informationen liefern können, die eine schnellere Anpassung an die neue Situation ermöglichen würden. Wahrnehmung muß also immer als ein Ganzes gesehen werden, eine Einheit, die zur vollständigen Funktionalität alle Informationsquellen des Körpers benötigt. Ist die Wahrnehmungsanalyse komplett, so ist zusätzlich noch die Bewegung notwendig, um sowohl Körpergefühl, als auch die Einordung des Körpers in seine Umwelt und den Raum zu ermöglichen.
Um dies zu verdeutlichen, sei hier das " optic-flow-field " von GIBSON erklärt. Hierbei wird explizit dargestellt, daß zeitparallel zur körperlichen Bewegung auch eine Analyse der Bewegung auf der Wahrnehmungsebene stattfindet und somit eine ( geordnete ) Bewegung überhaupt erst ermöglicht. Das " optic-flow-field " beschreibt den Vorgang des Auges während einer Bewegung. Hierbei wird die die Person umgebende Umwelt ( Wände, Gegenstände, andere Personen, etc. ) optisch erfasst und verarbeitet. Die Verarbeitung und der Vergleich von aufeinander folgenden Bildern, bzw. Abbildern der Umwelt läßt eine Bewegung auch auf der Wahrnehmungsebene entstehen und sendet widerum rückwirkend Informationen an den Körper, dasBewegungskoordinationssystem und an jedes einzelne Organ und beeinflußt somit die Bewegung. Dieses zeitgleiche Wechselspiel zwischen Wahrnehmung und Bewegung führt dann zu einer kontrollierten Bewegung und auch zur Verbesserung der Bewegung durch Weiterverarbeitung gespeicherter Bewegungserfahrungen. Zu diesem ohnehin schon komplexen System kommt hinzu, daß jede Person individuelle Erfahrungen hat und sammelt und durch die unterschiedliche Verarbeitung auch zu verschieden optimalen Bewegungsformen findet. So kann z.B. nicht behauptet werden, daß es eine allgemeingültige, physikalisch optimale Bewegung gibt, da jeder Organismus seine eigenen optimalen Bewegungsformen entwickelt, die je nach Konstitution und prozentualer Kongruenz in die " empfohlene " Musterlösung passen oder eben nicht. Hierzu sei das Experiment mit der " Wurfaschine " von KLEMM genannt, wobei festgestellt wurde, daß sogar eine Maschine mit optimal errechneten Parametern ( Abwurfwinkel undstärke ) nicht automatisch auch optimale Ergebnisse erzielt. Die sich bewegende Person findet durch die Verarbeitung der Bewegungserfahrungen und deren Bewertung ( " Das Wertbewußtsein im Tun " CHRISTIAN ) zu einer eigenen, individuellen Form, die zwar nicht dem Optimum des Machbaren enstpricht, die aber für den individuellen " Körper " die optimale und am besten bewertete Bewegungsform darstellt. Will man nun also zu einer Höchstleistung, bzw. zu einer effektiveren Bewegung gelangen, so kann dies nur dadurch erreicht werden, daß dem Körper und der Wahrnehmung die verschiedensten Reize und Anforderung zu geben, um eine weitreichende Informationsvielfalt zur Analyse bereitzustellen. Die Vorraussetzung dafür ist die völlige Bewegungsfreiheit, was bedeutet, daß keinerlei " Bewegunsformen " vorgegeben sein dürfen, da dadurch diese Vielfalt der Bewegungs- und Wahrnehmungsinformationen eingeschränkt würde. Man hat also als Lehrender oder Trainer eher die Aufgabe, Bewegungsziele zu formulieren, die dazu führen, daß letztendlich die Bewegung das Ziel ist. Daß bedeutet, daß z.B. einem Anfänger im Hochsprung primär das Ziel gesetzt werden sollte, die Stange zu überwinden, ohne eine Bewegungsform oder Ähnliches vorzugeben. Durch die unterschiedlichen Wahrnehmungs-und Bewegungserfahrungen wird der Anfänger Stück für Stück die für ihn beste Bewegungsform entdecken. Während dieses Lern- und Analsysprozesses hat der Lehrende oder Trainer nun die Möglichkeit, den Prozess passiv zu lenken. Der Lehrende besitzt also eher die Funktion eines Moderators, der den Lernenden bei der Findung des Optimums unterstützt.
Ein weiteres Phänomen des Wahrnehmungsvorganges ist das aktive Lenken von Wahrnehmung und die Selektion der für die jeweils vorherrschenden Situation wichtigen Informationen. Dies meint, daß z.B. bei den soeben beschriebenen optischen Wahrnehmungsvorgängen der Blick aktiv gelenkt wird ( " Den Blick lenken, um zu sehen ", LOIBL ). Daß heißt, würden alle eingehenden optischen Informationen zu einer Reaktion des Körpers führen, wäre ein totales Chaos die Folge. Folglich wird der Blick also nur auf einige wichtige Dinge konzentriert ( z.B. auf einen heranfliegenden Ball oder eine Person (Gegner)),
während andere zwar wahrgenommen und verarbeitet werden, nicht aber zu einer Reaktion im Körper führen.
Diese Selektion richtet sich immer danach, was die Sinnintention der momentanen Handlung einer Person vorgibt. Geht es also z.B. darum, einem Gegner einen Ball abzunehmen, so wird der Blick auf den Ball gerichtet sein, den der Gegner mit sich führt. Soll der Gegner allerdings nur aufgehalten werden, so wird der Blick auf den Gegner gerichtet sein, um auf dessen Bewegungen reagieren zu können. Bei diesem Beispiel wird auch schon a) ein weiterer Komplex und b) ein weiteres Problem erkennbar. Es ist nämlich in diesem Fall eine Auswahl zu treffen, ob nur der Ball oder nur der Gegner oder eventuell auch beides wichtig ist. Es treffen hier also viele Informationen gleichen Ranges auf die Person, die verarbeitet, bewertet und eventuell kombiniert werden müssen. Gleichzeitig könnte nämlich schon der nächste Schritt vorbereitet werden ( z.B. Ballabgabe an einen Mitspieler ) und auf eine mögliche andere Person geachtet werden, die hinter einem steht und die es gilt nicht umzurennen. Ich denke, daß dieses Beispiel einer Spielsituation die Komplexität dieser Wahrnehmungs-, Bewegungs- und Verarbeitungssysteme schildert.
Ein weiterer Aspekt dieses gelenkten Blickes ist der geistige Bestandteil. So werden Objekte je nach ihrer gewünschten Funktion unterschiedlich betrachtet. So kann z.B. ein Ball als Wurfobjekt betrachtet werden, dient aber auch andererseits eventuell als Sitzgelegenheit oder kann als rollende Kugel genutzt werden.
Es kommt also darauf an, was die jeweilige Person " vor hat ", mit dem Objekt zu tun. Hierbei sind natürlich Vorerfahrung mit dem Objekt oder anderen notwendig, um über die Möglichkeiten der Benutzung eines Objektes entscheiden zu können. Dank der Assoziations-und Assimilationsfähigkeit ist es dem Menschen also möglich die verschiedensten Dinge z.B. als Sitzgelegenheit zu betrachten.
Diese Vorerfahrungen durch Wahrnehmungen geben dem Menschen auch Aufschluß darüber, wie ein Gegenstand beschaffen ist, bzw. hat er die Möglichkeit, nicht nur die rein objektiven Eigenschaften eines Gegenstandes zu erfassen, sondern eben auch subjektive Eigenschaften des Gegenstandes zu assoziieren und gleichzeitig die möglichen Funktionen, bzw. Verwendungsformen zu erkennen. Hierzu sei das Beispiel von LOIBL mit der Schere angeführt; " Vor mir liegt eine Schere. Was sehe ich an ihr ? Keineswegs nur, daß sie spitz und langgestreckt ist, silbrig glänzt, in der Mitte einen Niet aufweist und am Ende zwei Kreise. Die wahrgenommene Schere trägt noch ganz andere Merkmale, die ich ihr allesamt ansehe: sie hat ein bestimmtes Gewicht; sie fühlt sich kühl an; man kann sie auseinanderspreizen und Papier damit zerschneiden, und die beiden Kreise sind keine Kreise, sondern Griffe. All das sehe ich, und es ist genauso real und sichtbar wie die vermeintlich direkt sichtbaren Merkmale wie silbriger Glanz, usw. "
Diese so komplexen Möglichkeiten, einen Gegenstand zu betrachten oder eine Situation einzuschätzen, bzw. die durch Vorerfahrungen gewonnenen Wahrnehmungen, die man mit einem Gegenstand assoziiert, führen allerdings auch zu einem Problem im Bereich der Vermittlung von Sportarten, bzw. Sporttechniken. So sind nämlich unter anderem auch Gefühle mit den jeweiligen Gegenständen oder Situationen verbunden. So ist z.B. das Volleyballspiel ein ideales Beispiel, um dieses Problem zu verdeutlichen. Wird das Volleyballspiel neu eingeführt und wird dieses damit begonnen, die Techniken wie Pritschen und Baggern auszuprobieren, so stellt sich bei vielen Schülern zunächst eine negative Erfahrung ein: Beim Pritschen bekommt man das Gefühl, es brächen einem die Finger, beim
Baggern schmerzen die Arme. Demzufolge stellt sich ein Angstgefühl ein, was dazu führt, daß ein Ball gar nicht erst angenommen wird.
Will man also negative Erfahrungen ausschließen, so ist das nur möglich, wenn man von Anfang an auf der Wahrnehmungsebene beginnt und erst dann langsam an die Techniken heranführt. Es kann z.B. damit begonnen werden, weiche Bälle zu nehmen und die Schüler erst einmal frei experimentieren zu lassen. Durch den Beginn mit Pritschen und Baggern würden ohnehin die oben beschriebene Wahrnehmungs- und Bewegungsvielfalt ausgeschlossen.
Um eine andere Situation zu nennen sei hier ein weiteres Beispiel von LOIBL genannt, welches sich auf den 3-Sekunden-Raum beim Basketball bezieht.
Hierbei wird der 3-Sekunden-Raum vom Anfänger als " Zone der Angst " betrachtet, da hier die Möglichkeit besteht, den Ball durch einen angreifenden Gegner zu verlieren. Die Konsequenz daraus ist, daß der Anfänger diesen Raum meidet. Diese Angst darf also gar nicht erst entstehen, ihr muß also von vorneherein durch geeignete Erleichterungen, wie z.B. der Aufhebung der Dribbelregel vorgebeugt werden.
Man kann nun also anhand der beschriebenen Zusammenhänge erkennen, daß eine Bewegung, ein " Sich-Bewegen " ( Gestaltkreismodell v. BUYTENDIJK und CHRISTIAN ) nur durch die Wahrnehmung des Körpers und seiner Umwelt möglich ist. Sowohl Wahrnehmen und Bewegen als auch Spüren und Bewirken stehen in unmittelbarer wechselseitiger Beziehung zueinander. Will man also Entwicklungsprozesse fördern, so muß man die Wahrnehmung, das Spüren und die Gefühle in Verbindung zur Bewegung sehen und als eine Einheit betrachten, die die Bewegung und den Lernprozess überhaupt erst ermöglichen.
Daß dies der richtige Weg ist läßt sich z.B. anhand der vielen unterschiedlichen Therapiemethoden belegen. So werden z.B. im Bereich der Frühförderung, bei motorisch unterentwickelten Kindern und Kleinstkindern, welche ja noch in der Hauptphase der Exploration durch Tasten, Spüren und Bewegen sind, durch unterschiedliche Wahrnehmungsmethoden unglaubliche Ergebnisse erzielt. So gibt es z.B. Wannen mit den unterschiedlichsten Inhalten ( z.B. Kastanien, Hirse, Reis, Murmeln, Körner,Knete,etc. ), um die Kinder durch Wahrnehmung an die veschiedensten Gegenstände aus dem Alltag heranzuführen und dadurch auch ein Gefühl für Gegenstände, Beschaffenheiten und Bewegungen herzustellen. Und allein durch den Kontakt mit diesen Dingen und die Auseinandersetzung damit, entwickeln diese Kinder sensumotorische Fähigkeiten. Hier steht die Wahrnehmung im Vordergrund, wobei zeitgleich Bewegungen ausgeführt werden, die notwendig sind, um Wahrnehmen zu können. Es findet bei diesem Tastvorgang ein ständiger Austausch zwischen Wahrnehmung und Bewegung, Spüren und Bewirken statt, wobei das eine nicht bedingt durch das andere geschieht. ( nach dem Gestaltkreismodell herrscht eine Koinzidenz ( das Zusammenfallen zweier Ereignisse ) und nicht eine Kausalität ( die Bedingung des einen Ereignisses durch das andere )) Hierzu sei die Erläuterung aus dem Gestaltkreis von BUYTENDIJK und CHRISTIAN in Bezug auf das Tasten genannt; " ...( im Tastvorgang ) entscheidet die Fingerbewegung mit ihrem beweglichen Abfühlen darüber, welche taktilen Reize wirksam werden und diese
veranlassen umgekehrt wieder neue Fingerbewegungen. Es ist dabei nicht entscheidbar, wer sozusagen ´angefangen´ hat, die subjektive Bestimmtheit einer Wahrnehmung oder die objektive Bestimmtheit einer Bewegung. Ebensowenig existiert hier ein Vorrang: Eines leitet das andere und umgekehrt. Subjektives ( Wahrnehmung ) drückt sich im Körpergeschehen aus und Körperliches ( Bewegung ) im Seelischen aus. Hier herrscht kein eingleisiges Kausalschema, auch kein psycho-physischer Parallelismus, sondern ein fortlaufendes, in sich geschlossenes körperlich-seelisches Hin und Her in kreisartiger Verbundenheit: Genau dies ist der Gestaltkreis. ... "
Halten wir hier also noch einmal fest, was das Gestaltkreismodell von uns bei der Vermittlung von Bewegungsformen, etc. verlangt:
1. Es ist ein Unterschied, ob wir uns selbst bewegen, oder ob wir bewegt werden ( Rollstuhlversuch )
2. Man muß die Einheit von Bewegung und Wahrnehmung berücksichtigen 3. Beim Lernen muß dem Schüler die höchst mögliche Offenheit, Freiheit und Variabilität geboten werden.
4. Durch die Wahrnehmung wird der Bezug zwischen der Bewegung und der Bewegungsumwelt hergestellt.
5. Wahrnehmung und Bewegung stellen den Zusammenhang zwischen der inneren und äußeren Welt der sich bewegenden Person her.
6. All diese Systeme sind immer nur im Ganzen zu betrachten und dürfen nicht in Einzelfunktionen oder voneinander getrennt werden.
Nun stellt man sich natürlich die Frage, warum die soeben beschrieben Aspekte überhaupt wichtig sind, kommt es doch letztendlich auf die optimale, die gekonnte Bewegung an, der schon eine gewisse Form zugrunde liegt und die viele andere Formen, die sich beim Ausprobieren eventuell ergeben und als unwirtschaftlich und nicht geeignet erwiesen haben, ausschließt, und das dem Lehrenden schon vorher -durch langjährige Erfahrung oder Beobachtung- bewußt war. Weiterhin könnte man sich fragen, ob die Berücksichtigung des sinnlichen Aspektes nicht schon im Vorfeld stattgefunden haben sollte ( z.B. durch die elterliche Erziehung, etc. ) und somit diese Aufgabe nicht in den Bereich des Sportunterrichts fällt.
Und genau hierin liegt der Ansatz für das Problem. Diese " Wiederbesinnung auf die Leiblichkeit und Sinnlichkeit des Menschen " ( ZUR LIPPE und KUKELHAUS ) ist eine Forderung, die durch die heutige Zeit begründet wird. So sieht man z.B. im Film " Schwinden der Sinne " ( R. ZIMMER ), daß es Kindern durch die Verstädterung, die heutige Konsumwelt und die dadurch eingeschränkte Bewegungsvielfalt oft nicht mehr in der Lage sind rückwärts zu gehen, sich feinmotorisch zu bewegen oder Grunderfahrungen wie Schwingen, Balancieren, Drehen, etc. gemacht zu haben. Hobbys sind z.B. nur Fußball oder nur Tennis, (Straßen-)Spiele werden nicht mehr selbst erfunden, sondern sind auf ein Minimum von 5 bekannten Spielen pro Kind ( Gegenüber 100 Spielen pro Kind damals ) geschrumpft, da es vorgefertigte Spiele/ Spielgegenstände zu kaufen gibt. Die Kinder können kaum noch Erfahrungen in der Natur machen, da diese meißt weit außerhalb des Erreichbaren liegt, für viele wird das Sitzen vor dem Fernseher oder vor dem Computer zur Hauptbeschäftigung. Oft fehlt den Kinder die elterliche Zuneigung und sie müssen sich größtenteils allein beschäftigen, was zusätzlich noch zu sozialer Unterentwicklung im Umgang mit anderen Mitmenschen führt.
Diese " Unterdrückung, Deformation und Zerstörung der inneren Natur " führen zu einer " psychischen und physischen Verelendung " ( ZUR LIPPE ), die es gilt zu vermeiden, bzw. durch wahrnehmungs-, also sinnlichkeitsbezogene Unterrichtsformen wenigstens stagnieren zu lassen.
Dies allein reicht aber nicht aus, da oftmals die Fähigkeit, das Gespürte oder Wahrgenommene zu registrieren, also sozusagen das Wahrgenommene wahrzunehmen, nicht vorhanden ist. Es ist also nötig, die Wahrnehmungen und Gefühle der sich bewegenden Person zu reflektieren und zu diskutieren. Dies ist sowohl hilfreich für den Lehrenden, da er etwas von der inneren Welt seines Schülers erfährt, als auch für den Schüler, der auf seinen eigenen Körper aufmerksam wird und sich seiner Empfindungen und Körpererfahrungen, natürlich auch seiner Grenzen, bewußt wird.
Hier bei kann also der Übende gefragt werden, was er bei der Bewegung gespürt hat und was sich verändert, wenn er die Bewegung verändert. " 1) Die Übenden müssen lernen, sich auf die eigene Sinnestätigkeit einzulassen und sich der begleitenden Bewegungsgefühle bewußt zu werden ", " 2) Die Übenden müssen lernen, über ihre Gefühle, soweit sie ihnen bewußt werden zu reden und sie als für das Gespräch über Bewegungslernen für wichtig einzuschätzen ..." ( A.H. TREBELS )
Um verschiedene Wahrnehmungen und Gefühle einer Bewegung zu bekommen, gibt es sowohl vom Lehrenden, als auch vom Schüler die Möglichkeit, Bewegungen unterschiedlich auszuführen, bzw. unterschiedliche Anweisungen zu geben. So kann man sie z.B. schnell und dann langsam, sanft und dann hart, groß und dann klein und andere Varianten der Bewegung ausführen und die jeweils unterschiedlichen Empfindungen diskutieren. Zusätzlich können hier noch Beschreibungen des Beobachters ( Lehrer ) oder Videoaufnahmen hinzugezogen werden, damit der Übende auch einen äußeren Eindruck seiner Bewegungen erhält. All diese Überlegungen und Vorgehensweisen führen dann kontinuierlich zu mehr Körperbewußtsein, Sinnessicherheit und kontrollierter und feiner koordinierter Bewegung, die dann auch zu erhöhter Leistung und ausschließlich positiven Empfindungen führt.
Inhaltsverzeichnis
Teil II
Vermittlungsprozesse im
Mannschaftssport
Die in Teil I beschrieben Zusammenhänge zwischen Wahrnehmung und Bewegung, Spüren
und Bewirken und Gefühlen bezog sich hauptsächlich auf die einzelne Person und die
Erfassung ihrer Umwelt und des eigenen Körpers. Im Mannschaftssport hingegen kommen
noch einige komplexe Systeme hinzu, so daß man sagen könnte, daß die beschrieben
Ph änomene eine Art Grundvoraussetzung darstellen, um Mannschaftssport überhaupt erst zu
erm öglichen. Im Mannschaftssport wird der Komplex Wahrnehmung und Bewegung in den
Kontext des Spiels mit einbezogen. Hier dienen die Grunderfahrung und die Beherrschung,
bzw. das Bewußtsein über den eigen Körper als " Werkzeuge " für das Zustandekommen des
Spiels. So ist z.B. ein Fußballer nur in der Lage seine Gegner auszuspielen, wenn er vorher
schon Erfahrungen mit dem Ball gesammelt hat und um die Eigenschaften des Balls und das
" Handling " seines Körpers zur richtigen Führung des Balles weiß. Er muß sozusagen die
THOLEY SCHE Phase schon durchlaufen haben " Versuche, wenn du das Gerät in
irgendeiner Weise bedienst, zu erfühlen, wie du auf es einwirkst, und was es dann von Dir
will. Wenn du zunächst auf seinen Willen einschwenkst, wird es später auf deinen Willen
einschwenken. " Im Mannschaftssport sind also nicht primär die Bewegungserfahrungen und
die Erfahrungen mit Objekten von Bedeutung, sondern das Spiel an sich, die Gegner, der
Spielverlauf und die immer wieder variierenden Situationen.
Nun sind aber nicht von Anfang an alle Schüler " Könner ", und für viele Sportarten sind auch
kaum Vorkenntnisse vorhanden, so daß hier genauso begonnen werden muß, wie bei den
Individualsportarten. An dieser Stelle sei das Volleyballspiel genannt, mit welchem die
Sch üler in der Schule oft das erstemal konfrontiert werden. Es kann also weder sofort mit dem
Spiel an sich, noch mit der Einübung irgendwelcher Techniken beginnen, sondern muß über
die verschiedensten Vorformen/ Spiele und Bewegungsaufgaben Stück für Stück erarbeitet
werden. Zunächst muß darauf hingearbeitet werden, daß die Schüler sich auf das neue
Bewegungsangebot einlassen können und sich ein gefühlvolles Bewegen mit dem Ball
einstellen kann. Die Schüler müssen Lernen sich "den Gegenstand und die Umwelt/ neue
Spielsituation einzuverleiben" ( FETZ ) Tut man dieses nicht, z.B. bei Ballspielen, so wird das
Spiel chaotisch und unkontrolliert verlaufen, da man sich, wie oben beschrieben, den
Gegenstand noch nicht Untertan gemacht hat.
Bei der Erprobung und der " Einverleibung " des Gegenstandes, der Umwelt und der neuen
Spielsituationen muß dem Schüler " eine völlig freigegebene motorische Gestaltung " und das
freie und " unreflektierte " Erleben seiner " Bewegungsgefühle " ( CHRISTIAN ) garantiert
werden. Der Lehrer dient also nicht dazu, " Vorschriften der Bewegungsform vorzugeben "
( TREBELS ) und zu korrigieren, bis diese Bewegungsformen erreicht sind, sondern er tritt
hinter das Geschehen und nimmt, wie oben beschrieben, eine moderierende Funktion ein.
Aufgrund diesen Vorgehens, wird es dem Schüler ermöglicht, nach der für ihn als richtig
empfundenen Bewegung zu suchen und eine eigene Form herauszukristallisieren
TREBELS beschreibt diese Vorgänge als " Phasen des selbständigen Suchens, des `ins Gefühl bekommens` ". Der Lehrer sei hierbei der " Anwalt der Zweckmäßigkeit ", der eine lenkende, aber nicht leitende Funktion einnimmt.
Als Lehrender stellt man sich nun natürlich die Frage, wie diese eher passive Funktion gestaltet werden kann. Es ist hierbei z.B. möglich, sich metaphorisch an eine Bewegungsaufgabe heranzuarbeiten. Ratschläge wie: " Versuch mal den Ball zu streicheln " ( Tennis ) , " Versuch mal, Dich wie ein Panther zu bewegen " ( THOLEY ) oder " Stell Dir vor, Du wärst ein Flugzeug " ( Wasserturmsprung ) erleichtern dem Schüler die Vorstellung von der gewünschten Bewegung und schaffen eine für ihn leichter zu erfassende bildliche Umwelt, greifen aber nicht in den Entwicklungsprozess ein oder stellen eine Bewegungsvorschrift dar.
Weiterhin muß der Lehrende aber immer darauf achten, daß die Bewegungen im Handlungskontext stehen und nicht isoliert voneinander geübt werden dürfen. Es muß also immer eine Verbindung zum Ganzen hergestellt und darauf geachtet werden, daß die erlernten Bewegungen nicht nur auf den Schüler selbst bezogen sind, sondern im Zusammenhang mit dem Ganzen, dem Spiel stehen. Hierzu ein Befund von KOHL : " daß für viele Sportarten charakteristisch ist, man im Lernstadium ich-zentriert, also mit sich selbst beschäftigt, im Könnenstadium hingegen mehr umfeldzentriert ist " Diesen Effekt interpretiert er als " zu sehr an Körperbewegungen orientierten Methoden ". So richtet sich die Aufmerksamkeit eines Basketball-Könners auf den Korb, den Gegner oder das gesamte Feld, nicht aber auf den Ball oder seine Hand, die den Ball führt. Wichtig ist aber auch, daß der Schüler selbst hinter das Geschehen zurücktreten muß, um sich selber und seine Bewegungen betrachten und seine Bewegungsformen bewerten und verbessern zu können. Denn nach TREBELS ist " das Feingefühl für Bewegungen nur unter rein sachlicher Orientierung am Wertbewußtsein im Tun zu entwickeln. "
Der Prozess, um zu seiner eigenen Form zu finden kann also in verschiedene Schritte unterteilt werden, die sowohl für den Schüler einen natürlichen Ablauf einer Entwicklung als auch für den Lehrenden eine Art Vermittlungsplan darstellen. So sollte zunächst das " Erkunden " und das " Ausloten " einer neuen Situation im Vordergrund stehen, was nach längerer Auseinandersetzung zum " Kontrollieren der Situation " führt. Bewegt man sich dann auf einer sicheren Ebene, so kann man beginnen, eine Situation " auszureizen " und zu " überschreiten ", um seine Grenzen kennenzulernen. Nach dieser " Erprobungsphase " sollte versucht werden, die gewonnenen Erfahrungen in den Handlungskontext einzubauen, um so über die Situation " verfügen " zu können, d.h., sie zu " beherrschen ".
Der letzte Aspekt wäre, acht darauf zu geben, daß sich diese gewonnenen Erfahrungen mit der neuen Situation nicht `festfahren`, sondern variabel und erweiterbar bleiben. Als abschließender Aspekt sollte hier auch noch genannt werden, daß im Mannschaftssport der wichtige Faktor der sozialen Wahrnehmung und Wertschätzung eine wichtige Komponente darstellt. Mußte man sich in erster Linie mit Gegenständen, Situationen und dem eigenen Körper mit seinen Gefühlen und Wahrnehmungen befassen, so kommen im
Mannschaftssport noch die Mitschüler mit ihren jeweils unterschiedlichen Empfindungen und Erfahrungen dazu, auf die es sich ebenfalls gilt einzustellen. Die Fähigkeit, einen anderen Menschen berühren zu können oder dessen Empfindungen ( z.B. Schmerz ) einschätzen zu können muß genauso erlernt werden, wie der Umgang mit Materialien oder Situationen. Gerade durch die unterschiedlichen Konstitutionen der Schüler und ihre anderen Empfindungen, wie z.B. ein anderes Rechtverständnis, eine andere Bewertung von " sich gefühlvoll bewegen " oder andere Vorstellungen vom Spiel ( z.B. durch Kulturunterschiede ) macht diesen Faktor zu einem der schwerst berrechenbarsten und zu erlernenden. Die soziale Integration ist ebenso wichtig wie ein gutes Spielverständnis oder ein sich gefühlvolles Bewegen, da es sonst heißen könnte: " Mit dem spiel ich gar nicht erst,der ..."
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Um die Techniken und Taktiken des Volleyballspiels zu erlernen, müssen einige Dinge zuvor erlernt werden, wie wohl aus Teil I und II mittlerweile klar ersichtlich geworden sind. Zunächst muß man damit beginnen, mit der neuen Spielform vertraut zu werden, daß heißt zum Beispiel, den Volleyball in seinen Eigenschaften ( Elastizität,Härte,Größe,Beschaffenheit, etc. ) und seiner Handhabung zu erforschen. Als nächstes wäre es dann angebracht, weitere Eigenschaften wie Flugfähigkeit, etc. austesten zu lassen, damit sich der Körper auf die Eindrücke und auf den Ball einstellen und ihn auch im räumlichen Zusammenhang erfassen kann ( z.B. Heranfliegen des Balles, Veränderung der optischen Wahrnehmung, Geschwindigkeit, etc. ). Gerade beim Volleyball müssen diese Informationen oft neu verarbeitet werden, da sich das Volleyballspiel im Gegensatz z.B. zum Fußball hauptsächlich in " der dritten Dimension " abspielt.
All diese Erfahrungen können immer im Zusammenhang mit " kleinen Spielen " ( K.H. SCHERLER ) stehen.
Laut V.NAGEL ist die beste Methode, um das Volleyballspiel zu verstehen die Betrachtung der Bibliographie desselben.
Auf der Suche nach dem Ursprung des Volleyballspiels und bei der Betrachtung der historischen Entwicklung des Spiels stößt man auf etliche verschiedene Vorformen, bzw. Varianten dieser Vorformen, die sich optimal für die Einführung des Volleyballspiels eignen. So war z.B. die Ursprungsform das Spiel " Mintonette " ( MORGAN ), bei dem der Spielgedanke lediglich der war, " einen Ball über einem hochgespannten Netz in Bewegung zu halten " und beruhte auf den Sportarten Tennis und amerik.Handball. Dieses und das etwas weiterentwickelte Hochballspiel, bei dem der Aspekt des " Schlagens mit Schlagwerkzeugen oder irgendwelcher Körperteile " ( GÜNTER ) hinzukam, wurden unter anderem mit den unterschiedlichsten Ballarten, wie z.B. Tierblasen, Blattstreifen, Naturgummi etc. gespielt. Diese Spielformen und die verwendeten Gegenstände sind ideal für die Einführung des Volleyballspiels geeignet, da sie einerseits einen einfachen, also für den Anfänger leicht zu bewältigenden Spielsinn besitzen, der keinem Regelwerk unterworfen ist, und anderseits durch die verschiedenen Ballformen zu unterschiedlichen Wahrnehmungen gelangen. Etliche weitere Spielformen können ebenfalls angebracht sein, aber auch das bloße Zuspiel des Balles oder das Herausfordern des Mitspielers durch geschickt plazierte, gerade noch erreichbare Bälle stellen eine Bewegungaufgabe für die Schüler dar, die mit dem Spielgedanken, bzw. der Spielintention des Volleyballspiels eng verbunden sind. So ist z.B. auch das gezielte Pritsch auf einen Basketballkorb eine sinnvolle Bewegungsaufgabe, um das Volleyballspiel zu erlernen. Eine weniger sinnvolle Methode ist das Pritschen oder Baggern im Sitzen ( wie es von NAGEL beobachtet wurde ), da hier ein wichtiger Bestandteil der Pritsch- oder
Baggerbewegung, das " in die Knie gehen ", also die Bewegung und Führung des Balles durch den gesammten Körper nicht vollzogen werden kann, was dazu führt, daß diese Bewegungen im fortgeschritten Stadium ausschließlich durch Armbewegungen ausgeführt
werden.
Hier wird nun wieder deutlich, daß der Entwicklungsprozess zwar am besten durch die Gewährleistungung von Freiräumen, das Suchen nach der eigenen Form, das Zurücktreten des Lehrers hinter das Geschehen, etc. gefördert wird, eine Lenkung dieses Prozesses durch den Lehrenden aber durchaus von Bedeutung ist, um eventuell ineffektive oder sogar "schädliche" Bewegungsformen zu vermeiden. Nach NAGEL findet hier ein ständiger Wechsel von " Zulassen " und " Veranlassen " statt. Daß heißt, das der Lehrende einerseits " Freiräume zur selbständigen Entfaltung des Schülers " zulassen und diesen bei eventuell auftretenden " technischen, taktischen oder psychosozialen Problemen " unterstützen, bzw. " Vorlieben des Schülers für bestimmte Spielformen " akzeptieren soll, anderseits aber auch " Zeitgrenzen " setzten muß, um das Erkunden " der Spielbiographie zeitlich zu raffen " und " Entwicklungssackgassen zu vermeiden" , " unverantwortlich verletztungsträchtige Erfahrungen auschließen muß ", um " Verletzungsgefahren " vorzubeugen und darauf achten muß, daß stets eine " breite Handlungsfähigkeit und Formenvielfalt " erhalten bleibt, um " Einstellungsgrenzen " entgegenzuwirken.
Es sollte also im Unterricht zu einem permanenten Wechsel zwischen " Spielanregungen und Spielfreiräumen, freiem Spiel und anregenden Bewegungsaufgaben, gemeinsamen Spiel einer Volleyballform und differenziertem Spielen mehrerer Formen " kommen. Weiterhin gibt es, wie schon oben angedeutet, drei verschiedene Formen des Spiels. Die Schüler haben die Möglichkeit miteinander, sich "fordernd" oder gegeneinander zu spielen ( Mischformen inklusive ). Bei der Einführung des Volleyballspiels eignet sich meißt die in der folgenden Graphik angegebene Reihenfolge:
Hierbei handelt es sich natürlich nicht um eine vorgeschriebene Vogehensweise ! Graphik fehlt
Das Volleyballspiel, sowie jede andere Sportart sollte also auch immer einen Bezug zur Geschichte des Spiels/der Sportart haben, da genau wie die Entwicklung eines Spiels auch der Schüler, bzw. der Anfänger eine Sportart von grundauf erlernen muß. " ..., daß Spieler in ihrem persönlichen Technik-Lernen die Geschichte der Volleyballtechnik reproduzieren....Der historisch analysierte Weg von einfachsten Problemlösungen zu ausdifferenzierten, im Sinn von Ballbeherrschung höchst funktionalen Techniken kann als Orientierung für individuelle Lernprozesse dienen. " ( NAGEL ) NAGEL bezeichnet diese Orientierung an der Historie des Spiels als " genetisches Lernen ".
Somit ist also auch erklärt, daß die " vollendete " Form des Volleyballs, die im Wettkampfsport dem streng normierten Regelwerk des FIVB unterworfen ist, keinesfalls als Einstiegsmethode geeignet ist und entweder ganz am Ende einer Erlernung dieser Sportart stehen oder gar nicht verwendet werden sollte.
Einen Überblick über den möglichen taktischen und methodischen Aufbau der Vermittlung des Volleyballspiels soll folgende Graphik ermöglichen: Graphik fehlt
Zu dieser Graphik ist allerdings noch abschließend zu sagen, daß der Beginn der Einführung des Volleyballspiels mit 9 Jahren meiner Ansicht nach ein wenig zu früh angesetzt ist, da daß Spiel, wie schon oben beschrieben, hauptsächlich in " der dritten Dimension " stattfindet und von den Bewegungsvoraussetzungen und feinmotorischen Fähigkeiten her auf einer höheren, komplexeren Ebene gegenüber anderen Sportarten angesiedelt ist. Aus eigener Erfahrung ist hierzu zu sagen, daß selbst im fortgeschrittenen Alter noch Schwierigkeiten in Bezug auf die Anforderungen dieses Spiels auftreten
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Ein weiteres Beispiel aus dem Mannschaftssport ist das Basketballspiel. Das Basketballspiel ist ebenfalls ein Spiel, welches hauptsächlich in der " dritten Dimension " ( Erfindung des Basketballspiels durch NAISMITH ) stattfindet und von daher ähnlich wie das Volleyballspiel betrachtet werden muß. Auch hier ist es notwendig, bevor überhaupt die ersten Spielversuche gestartet werden, sich mit dem Ball und den neuen Möglichkeiten vertraut zu machen. Ein wichtiger Aspekt gegenüber dem Volleyball ist die Eigenschaft des Balles beim Prellen auf den Boden, da im Basketball dieses " Dribbeln " ein wichtiger Bestandteil des Spiels ist, welcher beim Volleyball der Sinnintention des Spiels völlig widerspricht. Nach C.KUGELMANN hat das Basketballspiel gegenüber dem Volleyballspiel einen grundliegenden Vorteil. Durch die Erfindung des " Streetballs " wurde das Basketballspiel populär, ganz im Gegenteil zu Volleyball. Die heutigen Jugendlichen sind durch die mediengerechte Vermarktung des " Streetballs " alleine durch das Zuschauen schon mit der Sportart vertraut, wohingegen die meißten Jugendlichen kaum eine Vorstellung vom Volleyballspiel haben und somit das Spiel völlig neu erfahren, erlernen und erleben müssen. Beim Basketball haben die Schüler schon eine Vorstellung von " Techniken und Taktiken " und den damit verbundenen " Bewegungsabläufen in ihren Köpfen " ( KUGELMANN ), die sie durch das Abgucken, geistige Reflektieren und/oder Imitieren der " Tricks " und " Kunststücke " der Könner erhalten haben.
Dies ist natürlich einerseits ein Vorteil, da der Lehrende sich oft die ersten Schritte zur Erkundung des Balles oder der Situation sparen kann, andererseits führt dies aber auch dazu, daß die Schüler keine vielfältigen Erfahrungen sammeln, bzw. zu eigenen Bewegungsformen finden können. Die von CHRISTIAN beschriebene " Naivität " geht hierbei verloren. KUGELMANN führt weiterhin das Problem auf, daß die mit dem " Streetball " einhergegangenen Nebenerscheinungen, wie Kult, Coolness, Accesoires, Kleidung, etc. nicht oder sehr schwer auf den Unterricht übertragbar sind, so daß die Kinder oft nicht bereit sind, die Form des Schulbasketballs zu akzeptieren, da die soeben beschriebenen Dinge dem " Streetball " zu einem Image verholfen haben, welches die Schüler nicht missen wollen. Die einzige Möglichkeit, das schulische Basketballspiel attraktiv zu machen sieht KUGELMANN darin, den " Spielbetrieb des Schulsports dem der öffentlichen " Streetballtuniere " anzugleichen, ohne dessen Nachteile zu übernehmen." Mit den Nachteilen ist in diesem Falle die Leistungsorientierung und Einschichtigkeit des " Streetballs " gemeint, was bedeutet, das im Streetball eine Benachteiligung " Kleinerer, Schwächerer, weniger Geübter und Mädchen " vorherrscht. Das ansonsten recht freizügige und modifizierbare Regelwerk, die Förderung der Eigeninitiative und der Selbstorganisation, sowie die eigenständige Lösung " spielrelevanter Konflikte " werden als durchaus positiv zu bewertende Eigenschaften des Streetball gesehen und dienen somit dem natürlichen Entwicklungsprozess beim Erlernen des Basketballspiels.
Um aber den in Teil I und II geforderten vielfältigen und abwechslungsreichen Wahrnehmungs- und Bewegungserfahrungen gerecht zu werden, müssen im Basketball ebenso verschiedene Bewegungsangebote und unterschiedliche Spielformen vorhanden sein, wie beim Erlernen des Volleyballspiels.
Es gilt also auch in diesem Bereich Spielformen und Bewegungsaufgaben zu finden, die der Sinnintention des Basketballs entsprechen, nicht aber daß offizielle Spiel " Basketball " mit ebenfalls internationalem Regelwerk darstellen. So wäre es z.B. möglich, Spielformen anzuwenden, bei denen z.B. ein gezieltes Zuwerfen des Balles ( Brennball, Völkerball, etc. ) oder das Werfen des Balles an einem Gegner vorbei ( "Schweinchen in der Mitte", etc. ) von Nöten ist. Von diesen etwas simpleren Spielformen, bei denen allerdings automatisch qualitativ wertvolle und feinmotorisch ausgearbeitete Fähigkeiten entstehen, kann man dann zu höheren, dem Basketball ähnelnenden Spielformen überleiten, die dann schon Abwandlungen des "originalen" Spiels sein können. So ist es z.B. möglich, auf einige Regeln, wie " Dribbelregel ", " 3-Sekunden-Raum " oder evtl. die " Faustregel " verzichten, wodurch das Spiel auch für die schwächeren Spieler erleichtert wird.
Der Grund für die Erfindung dieses Spiels " Basketball " liegt in den in Teil II angedeuteten Problemen im Bereich der Wahrnehmung und der Bewertung der Empfindungen anderer Mitspieler. So wurde und wird z.B. in Amerika, dort wo dieses Spiel erfunden wurde, wert darauf gelegt, daß die Spieler in erster Linie die Eigenschaften : " Kraft, Härte, Kompromisslosigkeit, Durchsetzungswille, Erfolgsstreben und Mißachtung von Schmerzen " erlernern, was natürlich im Sportbetrieb des Unterrichts völlig fehl am Platze ist, da ja gerade hier auch das soziale Miteinander und die Wahrnehmung der Mitmenschen als individuelle und empfindende Geschöpfe gefördert werden soll. Auf der Suche nach einem Spiel, welches das Erlernen der soeben beschriebenen traditionellen "Tugenden " ausschließt, sodaß eben nicht derjenige im Vorteil ist, der am aggressivsten, stärksten oder kompromißlosesten ist, erfand NAISMITH das Basketballspiel. Denn hierbei wurde durch die Schrittregel verhindert, daß die Spieler " mit dem Ball unterm Arm über alle Hindernisse hinweg zum Ziel stürmen ", durch den " Spielausschluß nach einem Foul ", daß es zu aggressivem Spielverhalten kommt und " durch die Verlagerung des Spielziels in die dritte Dimension ", daß lediglich die stärksten Spieler eine Chance hatten, das Ziel zu erreichen. Abschließend und zusammenfassend wäre also zu sagen, daß die Entwicklungen der verschiedenen Individual- und Mannschaftssportarten als unterrichtsorienterte Grundlage dienen können, um Bewegungs- und Wahrnehmungsvielfalten zu vermitteln und Schüler an neue Sportarten heranzuführen. Durch die Betrachtung der Geschichte der Sportarten, den sich verändernden Regeln, Gegenständen, Techniken, Taktiken und Spielvarianten, wird es dem Schüler ermöglicht, weitreichende und vielfältige Wahrnehmungs- und Bewegungsfähigkeiten zu erhalten und einen differenzierten Überblick über die jeweilige Sportart zu bekommen.
Sind diese Grunderfahrungen erst einmal vorhanden, so wird es dem Schüler auch gelingen, sich schnell auf neue Sportarten und Bewegungsangebote einzustellen, bzw. die gewonnenen Erfahrungen zu abstrahieren, transformieren und auf neue Bewegungsfelder anzuwenden. Ein Problem, welches oft außer acht gelassen wird und hier auch nicht weiter behandelt, aber zum Nachdenken anregen soll, ist, daß die meißten Lehrenden gar nicht in der Lage sind, eine Unterrichtsform dieser Art zu gestalten, da sie selber nach dem alten, traditionellen
Sportverständnis ausgebildet wurden oder gar aus dem Hochleistungssport kommen und z.T. nie in den Genuß der Bewegungserlebnisse gekommen sind, die die Schüler, wie oben beschrieben, heutzutage machen sollen. Hier gilt es im Prinzip, den geforderten Unterrichtsmethoden nicht naiv zuzustimmen, sondern sie mit Vorsicht zu genießen und auf eine langsame, aber dafür stetige Verbesserung der Vermittlungsformen zu bauen, um nicht bei enthusiastischen Vorwärtsbewegungen einen "Rückschlag" zu erleiden.
William G.Morgan James Naismith * 1870 ( New York ) * 06.11.1861 ( Ontario, Canada ) † 1942 † 1939
( Erfinder der "Minonette", der ( Erfinder des Basketballspiels ) Ursprungsform des Volleyball )
Das erste Basketballteam
( Springfield College Gymnasium in 1891 )
BUYTENDIJK, F.J.J./ " Kybernetik und Gestaltkreis als Erklärungsprinzipien des Verhaltens " CHRISTIAN, P.
CHRISTIAN, P. " Vom Wertbewußtsein im Tun " FETZ, F. " Allgemeine Methodik der Leibesübungen " GIBSON, J.J. " Wahrnehmung und Umwelt " GÖHNER, U. " Zur Srukturanalyse sportmotorischer Fähigkeiten " KOHL, K. " Zum Problem der Sensumotorik " KUGELMANN, " Basketball, ein Spiel im Wandel " CLAUDIA
KUKELHAUS, K. " Entfaltung der Sinne. Ein " Erfahrungsfeld " zur Bewegung und ZUR LIPPE Besinnung " LOIBL, J. " Den Blick lenken, um zu sehen " LOIBL, J. " Vom gefühlvollen Sich-Bewegen und seiner Vermittlung " MERTENS, K. " Körperwahrnehmung und Körpergeschick " NAGEL, V. " Volleyball - Eine spielgenetische Betrachtung " PETERS, A. " Bewegungsanalysen und Bewegungstherapie im Säuglings und Kleinkindalter "
THOLEY, P. " Prinzipien des Lehrens und Lernens sportlicher Handlungen aus gestalttheoretischer Sicht "
TREBELS, A.H. " Bewegungsgefühl: Der Zusammenhang von Spüren und Bewirken" VOGT, W. " Bewegungsförderung " WEIZSÄCKER, C.F.v. " Der Garten des Menschlichen " WEIZSÄCKER, C.F.v. " Aufbau der Physik " ZIMMER, R. " Das Schwinden der Sinne "
Arbeit zitieren:
1999, Der Zusammenhang zwischen Wahrnehmung und Bewegung, München, GRIN Verlag GmbH
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