Simone Schroth 2
Inhaltsverzeichnis
I) Einleitung: Kriegsberichterstattung - Krisen- und
Kriegskommunikation in den Medien 1
II) Die Vergangenheit: Geschichte der Kriegsberichterstattung 2
III) Kriegsberichterstattung heute 9
III.1) Kriegsberichterstattung heute: Die Grundzüge 9
III.2) Kriegsberichterstattung heute: Zwei Beispiele 13
III.2.1) Erstes Beispiel: Der Golfkrieg 13
III.2.2) Zweites Beispiel: Afghanistan 2001/2002 17
III.3) Kriegsberichterstattung heute: Sinnvoll oder nicht? 21
IV) Die Zukunftsvision: Medien als Mittel der Kriegsvermeidung 23
V) Fazit: Kriegsvermeidung durch die Medien -
unerreichbare Vision oder baldige Realität? 27
Literaturverzeichnis 31
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I) Einleitung: Kriegsberichterstattung - Krisen- und Kriegskommunikation in den
Medien
Beschäftigt man sich im Rahmen einer Hauarbeit mit dem Thema Kriegsberichterstattung, so stellt man schnell fest, dass es sich hierbei um ein oft behandeltes und stark emotional behaftetes Thema handelt, das mit jedem neuen Konflikt neue Aktualität und neue Brisanz erhält. Die entsprechende Fachliteratur bezieht sich fast immer auf spezielle Kriege, meist auf die ,,populären“ 1 , wie den Vietnamkrieg, den Golfkrieg, auf Jugoslawien oder auf die jüngsten Kriegsaktivitäten der USA in Afghanistan. Und es geht freilich immer wieder um die Frage nach dem Zusammenhang zwischen den M edien, deren Sprache und Art der Krisenkommunikation und dem Krieg an sich. Am drastischsten beschreibt diesen Zusammenhang der Schweizer Publizist und Autor Andreas Iten, der die These aufgestellt hat, dass der Krieg nicht mit seinem Ausbruch beginne, sondern mit dem Gebrauch der Worte. Die Sprache sei es, die den Krieg vorbereite. Sie beziehe sich auf Vorgefallenes, auf Ereignisse, auf Geschichte und Geschichten. Sie erinnere an Hass und die feindlichen Gefühle. 2 Iten u ntermauert diesen Standpunkt mit zwei Zitaten des französischen Philosophen Roland Barthes. Dieser sagte zum einem: Die Sprache ist niemals unschuldig, die Worte besitzen ein zweites G edächtnis und Erinnerungen. 3 Und auf den Krieg bezogen fügte er hinzu:
Macht oder Kampf bringen tatsächlich die reinsten Formen der Schreibweise he rvor. 4
Itens Sichtweise bezieht sich sowohl auf die Sprache der Politik als auch auf die Sprache der Medien. Letztere, also die Krisen- und Kriegskommunikation der Medien, wird in der vorliegenden Hausarbeit näher betrachtet. In chronologischer Vorgehensweise wird zunächst die Geschichte der Kriegsberichterstattung erläutert, dann die heutige
1 vgl. Beham, S. 76
2 Iten, S. 13
3 vgl. ebd., S. 13
4 vgl. ebd., S. 13
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Krisenkommunikation in den Medien. Im letzten Abschnitt soll es schließlich um Ideen und Leitlinien für den Kriegsjournalismus der Zukunft gehen.
II) Die Vergangenheit: Geschichte der Kriegsberichterstattung
Literarische Kriegsdarstellungen gab es bereits um 400 v. Chr. Derartige Darstellungen waren schon immer von einer Wechselwirkung aus Nachrichtentechnologie und Zensur geprägt: Bereits früh hing eine zuverlässige Berichterstattung also von zwei Faktoren ab, nämlich zum einen davon, wie lange eine Nachricht vom Ereignis zu den Lesern brauchte, und zum anderen d avon, wie viel Information v on den Militärs freigegeben wurde. 5
Als Begründer der wissenschaftlichen, politischen Geschichtsschreibung gilt der athenische Historiker Thukydides (ca. 460 bis 400 v. Chr.). Er hinterließ eine exakt recherchierte und objektiv geschriebene Monographie ü ber den Peloponnesischen Krieg zwischen Sparta und Athen, in der er seine Kriegserfahrungen als Soldat mit dem, was er als Augenzeuge sah, verknüpfte. Kurze Zeit später veröffentlichte der Athener Offizier Xenophon (430 bis 355 v. Chr.), der im Jahre 401 v. Chr. die im Kampf gegen den persischen König Artaxerxes II. unterlegenen griechischen Söldner beim Rückzug nach Trapezunt führte, seine historische Schrift über den Zug der Zehntausend. Auch er schrieb in seiner Anabasis 6 nieder, was er als Befehlshaber und als Augenzeuge erlebt und gesehen hatte. 7 Soweit zwei Beispiele von Kriegsdarstellungen aus der Antike. Erwähnenswert ist hier sicher noch das Werk ,De bello gallico? von Gaius Iulius Caesar (100 bis 44 v. Chr.). In den sieben Büchern des Werkes schildert Caesar die Eroberung Galliens (58 bis 52 v. Chr.) aus der Sicht des Eroberers. Caesar ging es hiermit in erster Linie darum, seine Vorgehensweise im gallischen Krieg vor dem Senat zu rechtfertigen, und weniger um journalistische Objektivität. Er bezog seine Informationen deshalb vor allem aus eigener A nschauung, aus den Dienstberichten seiner Offiziere und aus den in
5 Foggensteiner, S. 31
6 Titel antiker Feldzugberichte; berühmt sind die Anabasis des Xenophon und die Anabasis des Arrian
7 Foggensteiner (wie Anm. 5), S. 31 f.
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seiner Kanzlei gesammelten schriftlichen Materialien. Nur in geringem Umfang hat er andere literarische Quellen herangezogen. So wird neben der Objektivität des Werkes in der modernen Forschung vor allem Caesars Glaubwürdigkeit oft in Zweifel gezogen. Diese Zweifel sind i nzwischen zwar teilweise widerlegt worden, dennoch ist und bleibt ,De bello gallico? ein Werk, mit dem Caesar im nüchternen Ton versucht hat, seine Leistungen als Feldherr ins rechte Licht zu rücken. 8 Von einer objektiven Form der Kriegsberichterstattung kann hier nicht die Rede sein.
Etwa 1500 Jahre später legte Johannes Gutenberg mit der Erfindung des Buchdruckes den Grundstein für die Vervielfältigung textlicher und bildlicher Darstellungen. Die Erfindung Gutenbergs diente zunächst der Verbreitung von Wissen und Ideen mittels Flugblättern und Büchern. Sie führte aber auch zu einer Alphabetisierungswelle. Die dadurch entstandene höhere Mobilität im Denken, der schon von B eginn an die Zensur entgegentrat, verlangte schließlich nach Flugblättern zu bestimmten Anlässen, den s ogenannten Neuen Zeitungen. Erste wöchentlich gedruckte Flugschriften im deutschen Sprachraum waren etwa der Wolfenbütteler Aviso oder die Straßburger Relatio aus dem Jahre 1609. Erste deutsche Tageszeitung war die in Leipzig erschienene Einkommende Zeitung. 9
Schlachtenbummler, die sich an Kriegsschauplätzen niederließen und ihre Eindrücke zu Papier brachten, gab es schon ab dieser Zeit. So begleitete auch Johann Wolfgang von Goethe im Jahre 1792 fünf Monate lang den Feldzug der Preußen gegen das republikanische Frankreich. Er publizierte das daraus entstandene Werk ,Kampagne in Frankreich? aber erst dreißig Jahre später. Somit fehlte dieser Darstellung u.a. die Aktualität einer Kriegsreportage. 10
Das Genre der aktuellen journalistischen Kriegsberichterstattung entwickelte sich später, genauer gesagt im 19. Jahrhundert. Es begann damit, dass ein Wort mehr und mehr zum Inbegriff des Journalismus wurde: Es war der Begriff des Scoop. Scoop kommt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie Erstmeldung, Exclusivmeldung oder Knüller.
8 Krywalski (Hg.), S. 113
9 Foggensteiner (wie Anm. 5), S. 33
10 Kunczik, S. 89
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Scoop war schon in den Anfängen des traditionsreichen angloamerikanischen Journalismus ein Impuls gewesen, der die Grenzlinie zwischen journalistischem Verantwortungsbewusstsein und berufsbedingten Zwängen oft unscharf erschienen ließ. Ein Scoop forderte vom Reporter mithin einen Einsatz bis zur Selbstaufgabe. 11 Schon Mitte des 19. Jahrhunderts war der Kampf um den auflagesteigernden Knüller zwingender Bestandteil jedes Reporterlebens. Die Zeitungen traten im aufblühenden Kapitalismus dieser Zeit in harter Konkurrenz zueinander an und nicht brillante politische Analysen steigerten den Marktwert einer Publikation, sondern die Fähigkeit einer Zeitung, das Publikum mit einzigartigen und schnellen Informationen zu beeindrucken. Die Verbreiterung der Öffentlichkeit im Zuge von Demokratisierungsprozessen machte die Presse zudem zu einem starken Mittel der politischen Meinungsbildung. Mit dieser Entwicklung einher ging das Verlangen der Bevölkerung nach Transparenz in allen, auch den sensibelsten politischen und gesellschaftlichen Fragen und nach freier, unabhängiger Information. Dieser Mechanismus gebar ein Genre von großer Wichtigkeit, aber bis heute gespaltenem Ruf: die Kriegsberichterstattung.
Der erste, der sich selbst als Kriegsberichterstatter bezeichnete, war der deutschstämmige Rechtsanwalt Heinrich Robinson, der 1807 für die Londoner Times nach Deutsch-land kam, um über Napoleons Feldzug an der Elbe zu schreiben. Robinson schrieb auch über Napoleons Sieg über die Russen bei Friedland. Das Schlachtfeld selbst hatte Robinson nie betreten. Trotzdem versah er den entsprechenden Bericht mit dem Titel ,Vom Kriegsschauplatz?. Als Kriegsberichterstatter kann Robinson daher vielleicht bezeichnet werden, ein Frontreporter war er augenscheinlich aber nicht. 12 Erster professioneller Frontreporter war vielmehr William Howard Russell, Sonderkorrespondent der Times. Als die englische Königin Victoria Russland im Jahre 1854 den Krieg erklärte, war die Bevölkerung voller Kampfesgeist und Euphorie. Die Arbeiter gingen auf die Straße, um dem verhassten zaristischen Absolutismus patriotische Lieder entgegenzusetzen. Die Times, damals auflagenstärkste Zeitung des Landes, sah sich
11 Beham (wie Anm. 1), S. 11 f.
12 Foggensteiner (wie Anm. 5), S. 33
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durch die große Nachfrage an Information in die Pflicht genommen und engagierte, wie zu dieser Zeit üblich, einen jungen Offizier, der per Post Berichte von der Front nach London schickte. Doch schon bald merkte man, dass diese traditionelle M ethode der Schlachtbeschreibung den gewachsenen Ansprüchen der Bevölkerung nach Information nicht mehr Genüge leisten konnte. Die Informationen waren selektiv, aus der subjektiven Sichtweise eines Offiziers geschrieben und kamen mit zu großer zeitlicher Verzögerung an. Deshalb beschloss John Delane, damaliger Herausgeber der Times, den 33jährigen R eporter William Howard Russell für die Zeitung ins Gefecht zu schicken. Russell nahm den Auftrag eher unwillig an, berichtete aber f ortan von den Kriegsschauplätzen der britischen Armee, wie etwa von der Krim oder von Malta. Russells Berichte wühlten Politiker und Bevölkerung auf. Zuvor hatte der Krieg nur in verklärten Erzählungen existiert. Militärs und Aristokraten sprachen stets vom Krieg als ,Spaziergang? oder vom ,kleinen Landausflug?. Russell aber schrieb die ungeschminkte Wahrheit über die Härte des Krieges und scheute sich auch nicht, den desolaten Zustand der britischen Armee und die Verantwortungslosigkeit der Befehlshaber aufs Schärfste zu kritisieren. 13 Anfangs wagte es die Times nicht, die offenherzige Kritik Russells zu veröffentlichen, da die Herausgeber fürchteten, man könne unpatriotisch wirken. Erst als die London Daily News nachzog und ebenfalls einen Korrespondenten in den Krimkrieg schickte, der seinerseits an Kritik über die Armeeführung nicht sparte, druckte auch die Times die kritischen Berichte Russells ab.
Durch solche Berichte keimte nach und nach eine bis heute ungebrochen andauernde Mesalliance auf. Die Militärführung war wütend auf die Reporter und untersagte ihnen jeglichen Beistand. Russell und seine Kollegen wiederum befanden sich fortan dauerhaft in einem inneren Konflikt. Stets quälte sie die Frage nach ihren Grenzen: Wo hört die journalistische Pflicht, wahrheitsgemäß zu berichten, auf und wo beginnt die Loyalität gegenüber dem Vaterland? 14
13 Kunczik (wie Anm. 10), S. 90; Foggensteiner (wie Anm. 5), S. 35
14 Beham (wie Anm. 1), S. 14 f.
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Simone Schroth, 2002, Kriegsberichterstattung: Journalismus in Zeiten von Konflikten, München, GRIN Verlag GmbH
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Phillip
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Liebe Simone, eine Frage was bedeutet die Abkürzung Ebd. in deinen Fußnoten, ich kann leider keine korrespondierende Literaturangabe dazu entdecken.
am Tuesday, August 23, 2005-