Deutsches Seminar I Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Proseminar: Sprache und Denken Sommersemester 2002
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Deutsch/Chemie 4./9. Semester
17. Dezember 2002
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1. Einleitung 1
2. Aufgabenstellung 2
3. Das sprachliche Relativitätsprinzip von Benjamin Lee Whorf 3
3.1 Biographische Notizen 3
3.2 Die Vorgeschichte 4
3.3 Die Whorfsche Revolution 6
3.4 Die Formulierung des linguistischen Relativitätsprinzips 9
4. Der wissenschaftliche Umgang mit der sprachlichen Relativität 11
4.1 Die Whorfsche Beweisführung 11
4.2 Farben als Zugang zur sprachlichen Relativität 12
4.3 Der aktuelle Stand der Forschung 13
5. Zusammenfassung 15
6. Literaturverzeichnis 16
6.1 Verwendete Literatur 16
6.2 Quellenangaben 16
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Will man sich mit den beiden dem Whorfschen Relativitätsprinzip zugrunde liegenden Begriffen „Sprache“ und „Denken“ beschäftigen, so wird man schnell feststellen, dass es nahezu unmöglich ist, sich ein umfassendes Bild darüber zu verschaffen, was unter diesen so banal klingenden Ausdrücken zu verstehen ist. Banal deshalb, weil vermutlich jeder Mensch zumindest in gewisser Weise eine Vorstellung davon hat, wozu Sprechen und Denken dienen und wie sie funktionieren. Doch schon ein oberflächlicher Blick in die Geschichte der jahrtausende alten Sprachphilosophie zeigt, wie viele Möglichkeiten es gibt, sich intensiver mit dem Ursprung und den Hintergründen dieser Vorgänge in unserem Gehirn zu befassen. Von der Antike bis zum heutigen Tage haben sich viele Ansätze entwickelt, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Ob beim Idealismus, dem Rationalismus, dem Sensualismus, oder den modernen Formen des Relativismus und des Universalismus, immer haben Vertreter dieser Schulen versucht, Antworten auf die Frage nach dem Wesen und dem Zusammenhang von Sprache und Denken zu finden und nach korrekten Definitionen zu suchen. Exemplarisch und ohne Anspruch auf Gültigkeit sei hier eine aktuelle Definition von Sprache herausgegriffen, die Burkhard Gmelin im Rahmen der Atzelsberger Gespräche getroffen hat, in der sich jedoch auch ein Teil der Geschichte der Sprachphilosophie widerspiegelt:
Sprache ist Mittel zur Verständigung, zur Identifikation - und Abgrenzungsmittel gegenüber Außenstehenden. Sprache verhindert (als Gruppensprache) unerwünschte Verständigung, überwindet (als Fachsprache) auch Sprachbarrieren. Sprache ist Werkzeug unseres Denkens, sie kann verletzen und muss deshalb geregelt werden. Sprachregelungen sollen umgekehrt unser Denken verändern. Sprache ermöglicht Beschreibung der Welt - in den Grenzen der Möglichkeiten der jeweiligen Sprache. Sprache und Denken sind mächtig, sie wirken gegenseitig aufeinander ein und können die Welt verändern. [1]
Ein ganz bedeutender Punkt dabei ist der, den Gmelin in seinem letzten Satz zum Ausdruck bringt, nämlich der nach der Beziehung und dem Zusammenspiel von Sprache und Denken, welcher in allen Überlegungen immer eine zentrale Rolle gespielt hat. Richter verweist darauf, dass schon Aristoteles die „Wörter“ als Vehikel des Denkens angesehen habe, was unter anderem zur Folge hatte, dass Taubstummen die Fähigkeit zum Denken und die Menschenwürde abgesprochen wurde und sie bis ins Mittelalter rechtlich nicht als Personen galten. [2] Eine solche, dem heutigen Leser vielleicht barbarisch anmutende Auf-
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fassung, war durchaus nicht ungewöhnlich, gerade weil der Sprache eine herausragende Bedeutung für die menschliche Existenz und dem Prozess des Denkens beigemessen wurde. Doch selbst Ludwig Wittgenstein hat noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wie Alex Burri berichtet, Sprache und Denken so stark aneinander geknüpft, dass er vorsprachliches oder sprachloses Denken anzweifelte und daher die Denkfähigkeit von Taubstummen in Frage stellte. [3]
Darüber hinaus wurde Sprache aber auch durchaus als etwas Unvollkommenes betrachtet. Burri verweist in diesem Zusammenhang auf die Entwicklung der so genannten „ Begriffsschrift“ von Gottlob Frege, deren Ziel es sein sollte „ die Unzulänglichkeiten der natürlichen Sprache“ zu vermeiden und „ das Denken vor Fehlern zu bewahren“ . [4] In gewisser Weise existiert ein solcher Ansatz ebenso bei der heutigen Entwicklung von künstlichen Computersprachen.
Auch wenn im Rahmen dieser Arbeit hier nur einige wenige Grundgedanken genannt werden können, sei darauf hingewiesen, dass es für ein näheres Verständnis der Whorfschen Thesen, aber auch der dazugehörigen linguistischen Diskussion, unabdingbar ist, sich mit dem historischen Diskurs über die Sprache und das Denken auseinanderzusetzen. Dazu zählen nicht nur die schon recht aktuellen Schriften von Wittgenstein, Carnap, Frege und Mach, wie sie bei Burri Erwähnung finden [5] , sondern auch die von Iwar Werlen angesprochenen Philosophen Locke, Leibniz und Condillac, sowie Herder und Hamann. [6] Vor allem bei Werlen findet sich dazu eine ausführliche Literaturliste, die das Studium mit der Vergangenheit erleichtert. $XIJDEHQVWHOOXQJ
Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, inwieweit die äußerst kontrovers diskutierte Hypothese der „ linguistischen Relativität“ von Bejamin Lee Whorf aus heutiger Sicht von Interesse ist und ob eine dazugehörige Überprüfung der Whorfschen Thesen überhaupt möglich ist. Dazu soll nach einem Abriss über die Geschichte und der Arbeiten von Whorf ein kurzer Blick auf die Diskussion der letzten Jahre geworfen werden. Da gerade im vergangenen Jahrzehnt die Literatur zu dem Thema stark angewachsen ist, kann hier jedoch nur ein allenfalls einführender und oberflächlicher Einblick gegeben werden.
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Das wohl auffälligste Merkmal in der Whorfschen Biographie besteht darin, dass er kein studierter Linguist, sondern hauptberuflich als Brandverhütungsingenieur tätig war. Erst im Jahre 1924, sechs Jahre nach seinem Abschluss in angewandter Chemie, begann er sich ernsthaft für sprachwissenschaftliche Fragen zu interessieren. Seinem Mentor Edward Sapir begegnete Whorf sogar erst 1928. Diesem Umstand verdankt Whorf auch die Tatsache, dass manche Kritiker sich über seine Arbeiten geradezu lustig gemacht haben. Als Beispiel soll dazu die von Werlen zitierte Passage von G.K. Pullum dienen:
What happened was that Benjamin Lee Whorf, Conneticut fire prevention inspector and weekend language-fancier, picked up Boas’ example [das Wort Schnee in der Sprache der Eskimos] and used it, vaguely in his 1940 amateur linguistic article ‚Science and linguistics’ [...] [7]
Allerdings fand die ursprüngliche Distanz zur Disziplin der Linguistik auch Anerkennung. So schreibt Beat Lehmann:
Whorf hatte einen unkonventionellen, und in gewissem Sinne auch unverbildeten, Zugang zur sprachwissenschaftlichen Problematik, ohne interdisziplinäre Scheuklappen und ohne Rücksicht auf bestehende Lehrmeinungen. [8]
Weiteres Unbehagen gegenüber den Arbeiten Whorfs bereitete seine Nähe zur indischen Philosophie und dem damit verbundenen esoterischen Gedankengut. Beat Lehmann weist zwar zu Recht darauf hin, dass Whorfs Artikel „ Language, Mind and Reality“ speziell für die indische theosophische Gesellschaft verfasst worden war [9] und versucht dadurch, mögliche Angriffe abzuschwächen. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass Whorf, besonders in dem Abschnitt über die „ Analogie zwischen ‚Mantra Yoga’ und mathematischer Formelsprache“ [10] , seine Bewunderung für die mantrische Kunst zum Ausdruck bringt. Darüber hinaus darf nicht vergessen werden, dass Whorf schon sehr früh im Alter von nur 44 Jahren gestorben ist und die Zahl seiner wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die zum Teil erst posthum erschienen, sehr begrenzt war. Dies ist nach Ansicht von Lehman ein zentrales Problem in der Auseinandersetzung mit den Arbeiten von Whorf, da dieser „ [..] keine Gelegenheit hatte, sich selbst gegen seine Kritiker zu verteidigen und seine Ansichten genauer und eindeutiger darzulegen.“ [11]
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Arbeit zitieren:
Sascha Fiek, 2002, Das linguistische Relativitätsprinzip – Ein Überblick über die Entwicklung, München, GRIN Verlag GmbH
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Sprachliche Relativität: Die Sapir-Whorf-Hypothese
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