INHALTSVERZEICHNIS
1. Titel und technische Angaben
2. Räumliche Einordnung
3. Blattgliederung
4. Detailuntersuchung des Naturraumes
4.1. Der Haardt
4.2. Die Pfälzer Rheinebene
4.3. Zusammenfassung der naturräumlichen Detailuntersuchung
5. Kulturgeographische Detailuntersuchung
6. Zusammenfassung
Die Arbeit wurde am 18 7 1993 ohne weitere Hilfsmittel angefertigt
1. Titel und technische Angaben
Interpretiert wird die Karte L 6714 Neustadt an der Weinstraße, Maßstab 1 :50000 , herausgegeben vom
Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz 1963. Der Berichtigungsstand des ganzen Blattes ist von 1959
2. Räumliche Einordnung
Die Blattgrenzen liegen im NW bei 8 ö L. 49 24 ' n B. (RW: 34275 / HW: 54740 )
im NO bei 8 20 ' ö L. 49 24 ' n B. (RW: 34515 / HW: 54740 )
im SO bei 8° 20' ö.L. 49° 12' n.B. (RW : 34515 / HW: 54515)
im SW bei 8° ö.L. 49° 12' n.B. (RW: 34275 / HW: 54517)
Das Blatt liegt vollständig im rheinland-pfälzischen Regierungsbezirk Pfalz und beinhaltet folgende Stadt- und Landkreise: Stadtkreis Neustadt an der Weinstraße, Landkreis Neustadt an der Weinstraße, Stadtkreis Landau in der Pfalz, Landkreis Landau in der Pfalz, Landkreis Bergzabern, Landkreis Germersheim, Landkreis Ludwigshafen am Rhein und den Landkreis Speyer.
Das zu betrachtende Gebiet liegt im Rheingraben, zwischen Pfälzer Wald und Rhein. Im Osten schließt sich das Kartenblatt Speyer, im NO das Blatt Mannheim an.
3. Blattgliederung
Das Blatt gliedert sich deutlich in zwei Bereiche, das Mittelgebirge des Haardt, der mit den Punkten (27,5/74), (75/51,7), (39,5/74), (28/51,7) eingegrenzt werden kann, und die sich von dort bis an den östlichen Blattrand ziehende Ebene mit der abnehmenden Mächtigkeit von Schwemmfächern der aus dem Gebirge hervortretenden Gewässer. Den höchsten Punkt bildet der Kalmit bei 34/65 (673 m), während die tiefsten Punkte von 105 m im Nordosten (50/73) liegen. Der vollständig bewaldete Haardt besitzt eine ausgeprägte Steilstufe zum Rheingraben hin, die seinen höchsten Teil markiert. Von dort erfolgt eine Abflachung nach Westen hin. Auf der Ostseite des Gebirges ziehen sich mehrere Schwemmfächer nach Osten hin und bewirken so eine Abflachung des Geländes in diese Richtung. Ein unmittelbar vor der Steilstufe gelegener Streifen mit SSW-NNO-Erstreckung ist im Kartenbild mit Ober- und Unterhaardt gekennzeichnet. Die sich nach Osten anschließende Ebene ist Teil der Oberpfalz innerhalb der zwischen dem Rechtswert 41 und den Hochwerten 59 und 64 ein Gäugebiet eingebettet ist. Verlaufen die Isohypsen im Ober- und Mittelhaardt noch grob parallel zur Steilstufe, werden sie nach Osten zunehmend gelängt, so daß sie im östlichen Teil des Kartenbildes nahezu in W-O-Richtung verlaufen. Das Relief in der Ebene wird so von zahlreichen langgestreckten Hügeln geprägt, die jedoch häufig nicht mehr als 20 Meter über der Umgebung aufragen.
Das Gebiet ist bis auf drei Ausnahmen nicht bewaldet und wird landwirtschaftlich genutzt (hauptsächlich Weinbau). Die Waldgebiete liegen 1. östlich von Neustadt in Form eines langgestreckten Dreiecks mit den Endpunkten 40/69 - 51,6/68 - 51,5/65. 2. südlich davon, östlich von Gommersheim und Geinsheim. 3. Südöstlich von Zeiskam (Bellheimer Wald).
Das Gewässernetz im Haardt zeichnet sich durch zahlreiche Bäche aus, die südlich einer Linie Kalmit (34/65), Schafkopf (31/64) und Kleyenkopf (29/64) nach SO direkt in die Ebene entwässern, nördlich davon in den Speyerbach, der von 28/68 aus SW kommend bei Frankeneck (31/70) einen Knick nach Osten macht, um bei Neustadt a.d. Weinstraße (37/69) in die Ebene auszutreten. Auffallend für den Haardt ist weiterhin das Auftreten von Quellen, die dort in großer Zahl vorkommen.
In der Ebene kommen zu den Gewässern, die größtenteils geradlinig zu ihrem Hauptvorfluter Rhein fließen, zahlreiche Entwässerungskanäle hinzu.
4. Detailuntersuchung des Naturraumes
4.1. Der Haardt
Der Haardt wird grenzt sich mit einer Steilstufe (27/51,7)-(39,574) gegen die Rheinebene ab, und ist Ursprungsgebiet zahlreicher Gewässer, die sich rückwirkend in das Gebirge eingetieft haben und durch steile
Kerbtäler in das Rheintal entwässern. Der Mußbach kommt von nördlich des Kartenrandes (35/74) und verläßt bei Gimmeldingen (38,2/72) das Gebirge. Der Speyerbach der bei Neustadt (38/69) den Haardt verläßt, zeichnet sich durch ein ausgedehntes Talsystem aus. Das Haupttal zieht sich bis Lambrecht (32/71), richtet sich dann südwestlich aus und verläßt südwestlich von Erfenstein (28,5/68,5) bei (28/68) das Kartenbild. Ein Zufluß, der Hochspeyerbach durchfließt von Nordwesten kommend die Ortschaft Neidenfels (30/73) und mündet bei Lambrecht in den Speyerbach.
Ein weiterer Bach, der aus dem Haardt entwässert, ist der Altbach, der bei (32/64) sein Quellgebiet hat und bei St. Martin (36/63) in die Rheinebene mündet. Südlich davon zieht sich der Mühlbach in ebensolcher Weise von (30/62) bis Edenkoben (36/61) und der Modenbach von (29/62) bis Hainfeld (34/58). Der Hainbach entspringt bei (31/58) und mündet beim Steigerterhof (32/56) in den Rheingraben. Südlich davon durchbricht die Queich bei Albersweiler (29/54) in einer Art Sattelzone (160 m) das Gebirge. An der Durchbruchsstelle erfolgt außerdem der Zufluß des Dermbach in die Queich. Dieser kommt von Norden, entspringt im Nonnental (28/60) und durchläuft Ramberg (28/59) und Dernbach (29/57,5). Die südlich und nördlich von Albersweiler gelegenen Berghänge werden intensiv für Rebanbau genutzt. Zwei Granitsteinbrüche (29/54) in 170 m Höhe deuten auf eine Offenlegung des Grundgebirges hin, das unterhalb einer Kalkschicht liegt. Darauf deutet der Hübelberg-Kalksteinbruch (31/54) auf einer Höhe von 200 m hin.
Der gesamte Haardt ist von Nadelwald mit geringem Laubwaldanteil bedeckt. Das Gebirge ist mit einer Vielzahl von Quellen und Bächen übersät, die alle Richtung Rhein entwässern. Entlang der Steilstufe zum Rheingraben ist festzustellen, daß aufgrund der nahen Besiedlung die Quellen oft namentlich bezeichnet sind. Außerdem wurden gezielt Brunnen und Wasserbehälter zur Versorgung der am Rande des Haardt liegenden Siedlungen geschaffen. Beispiele dafür sind: westlich von St. Martin der Frauenbrunnen (33,5/63), der Bellachinibrunnen (34/63), der Hollerbrunnen (33,5/63,5), der Wetzbrunnen (33/63), der Käsbrunnen (32,5/64), die Schafkopfquelle (32/64) und die Kirchquelle (31,5/64,2). Die gute Wasserdurchlässigkeit des Gesteins, die weite Verbreitung des Nadelwaldes und der Name des Sandbrunnens (32/64) deuten auf das Vorkommen von Sandstein als gebirgsbildendem Gestein hin. Das Auftreten von Quellen, Brunnen und Wasserbehältern ist entlang der ganzen Frontstufe des Haardt nachvollziehbar, z.B. bei Gimmeldingen Loogquelle: (37/72,5), Wbh: (37,5/72), Neustadt Wolfsquelle: (35/69,5), Wbh: (36/68), St. Martin Wbh: (34/63,5). Die westlich des Haardtrandes vorhandenen Quellen haben aufgrund der Abwesenheit nahegelegener Besiedlungen im Laufe der Geschichte keine Namensgebung erfahren. Bsp. hierfür sind vier Quellen im Bereich des Kleyentals (29,8/64).
Für den Haardt ergibt sich letztendlich als Gesteinsabfolge eine Kombination aus Granit als Grundgebirgsgestein, Sandstein und Kalk. Während im südlichen Bereich bei Albersweiler stellenweise schon das Grundgebirge zu Tage tritt, weist im nördlichen Teil nur wenig auf das Vorhandensein von Kalk hin, so daß dort im wesentlichen der Sandstein dominiert.
4.2. Die Pfälzer Rheinebene
Die an den Haardt grenzende Rheinebene, durch eine sichtbare Stufe voneinander getrennt, liegt noch im tektonisch beeinflußten Senkungsbereich. Hier liegen die bereits im Haardt gefundenen Gesteine aber entsprechend tiefer und sind mit jüngeren Sedimenten überdeckt bzw. mit tertiären Schottern terrassiert.
Unmittelbar unterhalb bzw. vor der Steilstufe haben die in die Rheinebene mündenden Gewässer aus dem Haardt Schwemmfächer ausgebildet, die auf einer Strecke von 3-5 km einen homogenen Streifen bilden, also quasi zusammengewachsen sind. Mit zunehmender Entfernung von der Stufe nimmt diese Kohärenz ab, was sich aus einer Verminderung der Schleppkraft der Gewässer und einer Verringerung der transportierten Masse erklärt. Weiter östlich können sich die Isohypsen entsprechend mehr am Verlauf der Gewässer orientieren, so daß sich ein Bild von in West-Ost-Richtung abfallenden Hügeln ergibt, die allerdings nur wenig höher als die Umgebung liegen, z.B. der Roßberg östlich von Roschbach (36/57) oder der Altdorfer
Treppenberg (41/62). Zwischen den einzelnen Erhebungen fließen die jeweiligen Gewässer bzw. Kanäle, die in diesem Gebiet zur Entwässerung dienen.
Hinweise für eine starke Durchfeuchtung des Geländes sind Feuchtwiesen entlang der Gewässer z.B. entlang des Modenbach (38-46/60) oder nordöstlich von Geinsheim (47/64), Bezeichnungen der Kanäle wie z.B. Riedgraben (40/62), ein Bruchgebiet (59/66) aber auch die große Anzahl von Brunnen beweist, daß das Grundwasser hier sehr oberflächennah steht. Die hydrologische Nutzung des Wassers zeigt sich im Vorhandensein vieler Mühlen, wie z.B. südwestlich von Haßloch die Obermühle (44/68), östlich von Zeiskam die Lachenmühle (49/55) oder die Hammelmühle zwischen Maikammer und Kirrweiler (38/63) was evtl. auch auf die Nutzung der Kulturlandschaft schließen läßt. Mehrere Schwefelquellen zeigen darüber hinaus, daß der Rheingraben eine tektonische Schwächezone ist (34/52) und (36/58), evtl. auch das Vorkommen von Erdölfeldern (38/53) und (36/55).
Die Bezeichnung Das Gäu (48/60) läßt Rückschlüsse auf die Beschaffenheit des Untergrundes zu. So wird man hier besonders Lößablagerungen aus dem Periglazial finden, die allerdings in den tieferen Bereichen durch Erosion bereits wieder entfernt wurden, d.h. der Löß wird heute nur noch auf den Schotterkegeln der Schwemmfächern vorkommen. Ein Beweis hierfür wäre die vorwiegend weinbauliche Nutzung dieser Gebiete, da Löß wie im Kaiserstuhl einen idealen Untergrund darstellt.
In den Niederungen, wo die Gewässer hauptsächlich fließen, liegen über dem bereits im Haardt gefundenen (Muschel-) Kalk jüngere Kalke an, die während der Kaltzeiten überschottert wurden und heute mit Auenlehmen bedeckt sind. Zahlreiche Ziegeleien (teilweise verfallen) verweisen auf die Nutzung dieser Lehme als Baumaterialien, wie z.B. westlich von Weingarten (47/57), südlich von Duttweiler (42/62), nördlich von Haßloch (46/70) und (46/71).
Die Waldfläche zwischen Mußbach, Haßloch, Lachen-Speyerdorf, Geinsheim und Iggelheim besteht hauptsächlich aus Nadelhölzern und ist ziemlich wasserarm. Entwässerungskanäle ziehen sich lediglich entlang des Waldrandes, der Rehbach im Norden, der Speyerbach am Südrand. Diese Trockenheit ist untergrundbedingt, d.h. die Hölzer stehen vorwiegend auf Schottern und/ oder Sanden, die das Wasser nach unten hin durchlassen im Gegensatz zur Umgebung. Evtl. gibt es dort noch Löß, wie die Bezeichnung Gauwald (43/68) glauben machen könnte. Die Nutzung des Waldes geschieht bzw. geschah auf vielfältige Weise. Der nordwestliche Teil mit der Bezeichnung Ordenswald (42/68) verweist auf eine Nutzung als Nutzwald eines in der Nähe gelegenen Klosters (z.B. bei 39/70).
Die weiter südlich gelegenen Wälder bestehen größtenteils aus Mischhölzern, sind allerdings nicht ganz so trocken, wie der oben genannte. Dort, wo Gewässerläufe vorhanden sind, dienen sie nicht der Entwässerung bzw. entstehen im Waldgebiet, sondern sind natürliche Flußläufe, wie z.B. die Druslach (50/56) oder angelegte Kanäle z.B. für die Holzwirtschaft (50/54). Ob die Bezeichnung Niederwald (41/52) ein Hinweis auf die Nutzungsart des Waldes sein kann oder nur eine Formulierung zur Lagebeziehung ist, kann aus dem Kartenbild nicht völlig geklärt werden.
4.3. Zusammenfassung der naturräumlichen Detailuntersuchung
Die physisch-geographische Betrachtung hat eine Landschaft offengelegt, die sich in zwei deutlich getrennte Bereiche einteilen läßt. Der Haardt im westlichen Kartendrittel stellt ein dicht bewaldetes Mittelgebirge dar, aus dem zahlreiche Gewässer durch steile Kerbtäler hindurch in das sich östlich anschließende Rheintal entwässern. Westlich dieser Frontstufe bilden die austretenden Gewässer eine weitgehend geschlossene Schotterzone, die sich mit zunehmender Entfernung vom Gebirge in einzelne Schwemmkegel auftrennt, die weit nach Westen reichen. Diese sind, auch wegen ihrer Lößbedeckung für Weinbau geeignet und werden zu diesem Zweck intensiv genutzt. Bis auf die trockeneren Schotterkegel dreier Waldgebiete ist das übrige Land sehr feucht und von vielen Entwässerungskanälen durchzogen.
5. Kulturgeographische Detailuntersuchung
Die Besiedlungsgeschichte der Region kann als sehr alt angesehen werden, da sich Spuren frühester menschlicher Aktivitäten zeigen. Anhaltspunkt dafür sind die vorhandenen wahrscheinlich vorchristlichen Grabhügel, z.B. bei (42/54), (46/66) und (43/68), sowie die vorgeschichtlichen Steinwälle bei (35/68,5). Weiterhin sind die Reste einer römischen Straße zu erkennen die parallel zum Haardt rheinaufwärts verlief und heute noch von Neustadt (39/68,5) bis Mußbach (40/70) verfolgt werden kann. Im Waldgebiet östlich von Neustadt finden sich mehrere Flurnamen, die auf mittelalterliche Richtstellen hindeuten, wie Mörderrichtstell (44,5/67), Salzlecker Richtstell (46/66) und Sägmühler Richtstell (44,5/67).
Vor allem die hohe Frontstufe des Haardt wurde früher aus strategischen Gründen für die Anlage von Befestigungen benutzt. Davon zeugen heute noch zahlreiche ehemalige Ringwälle wie z.B. bei (29,5/57), (36/66,5) und (32/56,5). Ebenso findet sich das ehemalige Schloß St. Johann (31/54,7), das Hambacher Schloß (36/66), das Haardter Schloß (37/70) und die Heidenburg bei (37,7/71,5).
Der Haardt selbst weist aufgrund seiner naturräumlichen Ungunst nur eine geringe Besiedlung auf. Sofern sie vorhanden ist beschränkt sie sich auf das Dernbachtal nördlich von Albertsweiler, wo die Orte Dernbach und Ramber liegen. Diese Straßendörfer wurden erst im Hochmittelalter gegründet, als man auf der Suche nach neuen Siedlungsgebieten war. Albersweiler wurde als Straßendorf an der Verkehrsroute von Landau (36/52) nach Saarbrücken und Pirmasens gegründet, die hier in den Rheingraben einmündet. Auch die übrigen Siedlungen im Haardt liegen auf Verkehrswegen, nämlich denjenigen, die von Neustadt aus nach Westen und Nordwesten führen. Neben Lambrecht, das eine Talverbreiterung bedeckt, liegen Neidenfels (31/73) und Erfenstein an den Verkehrs- bzw. Eisenbahnlinien nach Kaiserslautern und Elmstein. Auch hier lassen die Ortsnamen auf eine späte Besiedlung schließen.
Vor allem die Eisenbahn markiert deutlich die Hauptverkehrslinien in Nord-Süd und West-Ost Richtung. Neben der Eisenbahnlinie, die sich von Saarbrücken und Pirmasens über Albersweiler und Landau nach Osten hin nach Germersheim erstreckt, gibt es als zweite West-Ost Verbindung die zwei Eisenbahnlinien aus Kaiserslautern und Elmstein, die sich bei Lambrecht vereinigen und über Neustadt, Haßloch (46/70) und Böhl (48,5/72) hinweg nach Schifferstadt ziehen. Als Nord-Süd Verbindung verläuft die eine Eisenbahnlinie von Landau nördlich über Edesheim (37,5/59), Edenkoben (37/61), Maikammer (37/63), Neustadt und Mußbach nach Bad Dürkheim. Parallel dazu verläuft die Bundesstraße 38, während die Bundesstraße 272 parallel zur südlichen Ost-West Eisenbahnlinie verläuft. Ebenfalls in ost-westlicher Richtung verläuft die B 39 von Neustadt nach Speyer.
Als weitere verkehrstechnische Infrastruktur kann der Flugplatz von Lachen-Speyerdorf angesehen werden, dieser ist aber wohl nur ein kleinerer Sportflughafen.
Die Zone stärkster Besiedelung zieht sich im Rheingraben zwischen dem Rand des Haardt und der nordsüdlichen Eisenbahnlinie hin. Die dortigen Ortschaften betreiben vor allem einen intensiven Weinanbau (Bsp. Rebzuchtstation (31/53,7)). Siedlungen finden sich vor allem an den Talausgängen, die Verkehrswege nach Westen darstellten. Hier finden sich oft Dorfnamen die auf -weiler enden und so ihre Orientierung an einer Straße offenbaren. Beispiele dafür sind Albersweiler, Frankweiler (31,5/55,5) Burrweiler (32,5/57) und Alsterweiler (36/64), deren Gründungen wahrscheinlich ins Mittelalter fallen. Solch eine Talendlage besitzen aber auch St. Martin (36/63) und Neustadt, das aufgrund seiner Ringstraße und seines dicht bebauten Stadtzentrums als mittelalterliche Gründung auszumachen ist.
An kirchlichen Gründungen finden sich Edenkoben, das mit dem ehemaligen Kloster (36,5/61) in Verbindung gebracht werden kann und St. Martin (35/62,5) aufgrund seines Namens. Ebenso auf mittelalterliche Kirchenaktivitäten deuten das Kloster Hildenbrandseck (39/72,5), einige Flurnamen wie Ordenswald (41/69), Klosterweiher (45/57) und das Vorhandensein eines Missionshauses (44/66) hin.
An neugegründeten Siedlungen oder zumindest in neuerer Zeit stark ausgebauten finden sich im Nordosten die Siedlungen Haßloch, Böhl und Iggelheim. Alle drei weisen locker bebaute Wohnviertel mit Gartensignaturen auf. Zwei ehemalige Ziegeleien und ein Sägewerk nördlich von Haßloch sowie eine Sägemühle südlich des Ortes verweisen auf eine rege Forstnutzung.
Östlich der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Eisenbahnlinie sind die Siedlungen dispers angeordnet. Zum größten Teil handelt es sich hierbei um Straßensiedlungen, auch wenn die Bedeutung der Straßen heute nicht mehr nachvollzogen werden kann, wie z.B. bei Böbingen (44/60). Gründe für die Ansiedlung in diesem
Bereich liegen hier weniger im Weinbau als vielmehr in der landwirtschaftlichen und/ oder forstwirtschaftlichen Nutzung. Ins Auge fallen hier zahlreiche Keller (45/56 oder 43/57), die den Winzern als Lagerräume dienen.
Industriell ist die Region nicht besonders stark erschlossen, Weinbau und Land- und Forstwirtschaft sind Einnahmequelle Nummer Eins, wie die Verteilung der landwirtschaftlich und weinbaulich genutzten Fläche, eine Rebschule westlich von Rhodt (34/60) sowie die hohe Anzahl von (Säge-) Mühlen zeigt.
Weitere industrielle Kleinbetriebe stellen die Ziegeleien dar (42/62 oder 46/57), die verstreut in der Landschaft zu finden sind. Südlich von Haßloch finden sich eine Obere und eine Untere Bleiche (45 und 47/68), die auf einen bestehenden oder ehemaligen Betrieb hinweist, wobei nicht ersichtlich ist, was und wofür gebleicht wurde oder wird, da Textilfabriken fehlen und es nur eine ehemalige Weberei bei Edenkoben gibt (35/61).
Im südlichen Haardt gibt es bei Albersweiler einen großen Granitsteinbruch, östlich davon einen kleinen Kalksteinbruch (31/54), ansonsten lassen sich im Haardt keine Begbausignaturen entdecken, d.h. es gibt im anstehenden Sandstein keine abbauwürdigen Vorkommen bzw. wird der Sandstein wird selbst nicht verwertet.
Unter anderem bedingt der Weinbau einen Tourismus, der besonders in einigen Waldschenken sichtbar wird (50/69 oder 36/66).
6. Zusammenfassung
Kulturgeographisch betrachtet offenbart die Siedlungsstruktur eine Abhängigkeit von der naturräumlichen Ausstattung. Dabei fällt besonders das nahezu unbesiedelte Gebiet des Haardts auf, dessen Steilstufe zur Ebene allerdings bevorzugt zur Ansiedlung benutzt wurde, da sie eine strategisch günstige Position darstellt. Somit findet sich der Großteil aller Siedlungen entlang dieser Stufe, wobei auch der zum Weinanbau gut geeignete, lößbedeckte Schotterkörper der Schwemmkegel eine Rolle spielt. Insgesamt wurde die Region schon früh besiedelt, was an vielen Relikten aus der Siedlungsgeschichte nachvollzogen werden kann.
Der Weinbau spielt in dieser Region auch eine dominante Rolle gegenüber den Industrien des sekundären Sektors, weshalb die verkehrstechnische Erschließung entsprechend dürftig ist. So fehlt zum Beispiel die Anbindung an eine Autobahn oder eine den Haardt querende Schnellstraße.
Die Siedlungsdichte nimmt auf diesem Blattausschnitt Richtung Rhein ab, was auf die geringere Nutzbarkeit hinsichtlich des Weinbaus zurückzuführen ist. Die Nutzung des Naturpotentials für die Landwirtschaft erfordert jedoch Maßnahmen zur Entwässerung, da im Rheingraben das Grundwasser sehr oberflächennah steht. Eine Ausnahme bieten hier nur die Waldgebiete, die allerdings forstwirtschaftlich genutzt werden. Die große Vielzahl an Wasserläufen, die früher die Grundlage für viele Mühlen waren, haben heute ihre wirtschaftliche Bedeutung verloren.
Arbeit zitieren:
Stefan A. Mannes, 1993, Neustadt, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Australien - Klima und Hydrologie
Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie
Seminararbeit, 16 Seiten
Der Konziliarismus und sein Potential für die Reform der Kirche
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Seminararbeit, 25 Seiten
Überblick über Ausgangsgesteine
Entstehung der Periglaziärsedi...
Geowissenschaften / Geographie - Geologie, Mineralogie, Bodenkunde
Seminararbeit, 13 Seiten
Glaziale des norddeutschen Tieflandes
Geowissenschaften / Geographie - Phys. Geogr., Geomorphologie, Umweltforschung
Hausarbeit, 21 Seiten
Vergleich des Stoffhaushaltes von Nieder- und Hochmoor
Geowissenschaften / Geographie - Phys. Geogr., Geomorphologie, Umweltforschung
Studienarbeit, 31 Seiten
Die "Chemisierung" der Landwirtschaft
Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
Hausarbeit, 19 Seiten
Karteninterpretation L 4128 Goslar
Geowissenschaften / Geographie - Kartographie, Geodäsie, Geoinformationswissenschaften
Studienarbeit, 15 Seiten
Ludwig II. von Bayern und die nationale Einigung von 1871
Personen machen Geschichte?
Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
Facharbeit (Schule), 18 Seiten
Stefan A. Mannes hat den Text Neustadt veröffentlicht
Stefan A. Mannes hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare