Körperhaftigkeit:
Die Lichtquelle läßt sich in diesem Bild nicht erahnen. Die Gegenstände zeigen kaum Plastizität. Nur in der Kanne und in der linken Flasche ist eine Modulation gegeben. Stofflichkeit ist bei den Gegenständen nicht erkennbar. Es sind keine Schlagschatten der Gegensände zu erkennen.
Räumlichkeit:
Durch die Flächigkeit des Hinter- und Untergrundes wirkt der Bildraum nicht illusionistisch. Raümlichkeit wird allein durch Überschneidung der Gegenstände erzeugt. Die Flaschen befinden sich hinter den drei vorderen Gegenständen, wobei die Dose hinter der Vase und er Kanne steht. Somit wird ein Vorne und Hinten angedeutet. Der Tisch wird nach hinten leicht dunkler, dadurch entsteht eine leichte Andeutung der Tiefe im Raum.
Weil alle Gegenstände auf die Grundformen Kegel, Kugel und Zylinder zurückzuführen sind, ist eine bestimmte Perspektive nicht zu erkennen.
Materialverwendung:
Der Farbauftrag ist dicht, im Pinselstrich ist die Handschrift erkennbar. Grundierte Leinwand scheint an vielen Stellen durch.
Interpretation:
Morandi wählte in seinem Bild “Natura Morta” ein Repertoire an Gegenständen aus, das sehr reduziert ist. Er benutzt einfache Alltagsgegenstände, wie Flaschen und Behälter. Sein Interesse ist jedoch nicht, sie illusionistisch in ihrer Stofflichkeit zu malen, sondern sie in ihrer Beziehung von Form, Farbe, Licht und Raum darzustellen. Die Dinge erscheinen sich selbst überlassen und besitzen als Farbgebilde ein Eigenleben. Sie wirken nicht starr, sondern haben den Anschein als würden sie sich bewegen. Das Darstellen dieser banalen Gegenstände erscheinen dem Betrachter rätselhaft und strahlen eine seltsame Stille aus. Durch die Harmonie von Form und Farbe vermittelt Morandi dem Betrachter eine ihm unbekannte Welt. Gleichwertigkeit von Gegenstand und Form wird deutlich.
Kunstgeschichtliche Reflexion:
In der Pittura Metafisica kann man beinahe jedes Bild als Stillleben bezeichnen. In Italien entdeckten einige Künstler um 1960 den Gegenstand neu und erhoben somit das Ding zum wichtigsten Darstellungsobjekt in der Malerei. Sie meinten daß Dinge ein Seelenleben besitzen und wollten dies durch Abbildung einer nicht sichtbaren Wirklichkeit zum Vorschein bringen (Dingmagie). Die Gegenstände erscheinen meistens geisterhaft und besitzen dadurch eine mystische Bedeutung. Die Stille und Harmonie sind Inhalt der Bilder. _
Arbeit zitieren:
Wiebke Wellein, 2000, Bildanalyse "Natur Morta", 1960, München, GRIN Verlag GmbH
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Wiebke Wellein hat den Text Bildanalyse "Natur Morta", 1960 veröffentlicht
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