Gliederung
1. Einleitung 3
2. Spracherwerbstheorien
2.1 Die behavioristische Theorie 4-5
2.2 Die nativistische Theorie 5-6
2.3 Die kognitive Theorie 7
2.4 Die interaktionistische Theorie 8
3. Zur Entwicklung der Erstsprache
3.1 Die Hauptphasen der Sprachentwicklung 8-11
3.2 Der Aufbau des sprachlichen Systems:
Der Zwei- und Drei-Wort-Satz 11-12
3.3 Der Ausbau des sprachlichen Systems -
die kommunikative Flexibilität 12
4. Zweitspracherwerb
4.1 Fremd- und Zweitsprachenerwerbsforschung 12-13
4.2 Das Monitormodell von Stephen Krashen 13-14
4.3 Das Modell von Sascha Felix 14-15
5. Zusammenfassung 15
6. Literaturverzeichnis 15-16
7. Tabellen- und Abbildungsverzeichnis 17-18
2
Einleitung
Von Geburt an befindet sich ein Kind in einer Gemeinschaft, die hauptsächlich mit dem Mittel Sprache kommuniziert und die sich von Anfang an auch verbal an das Kind richtet. Nicht nur Kindern erschließt sich die Welt durch Sprache. Will es in der Sprachgemeinschaft bestehen, so ist das Kind gezwungen, die Sprache zu erlernen. Wenn Kinder beginnen, sich ihre Welt durch Wörter anzueignen, dann machen auch Erwachsene dabei immer wieder neue Erfahrungen in ihrem eigenen Umgang mit Sprache.
Die Frage, ob Kinder Wortsprache passiv durch Imitation oder aktiv durch das Verstehen ihrer unmittelbaren Umwelt verstehen, ist immer noch aktuell, denn der Spracherwerb kleiner Kinder ist im allgemeinen eine bemerkenswerte Leistung des Menschen. Hierüber gibt es unterschiedliche Theorien und Erklärungsversuche. Spracherwerbstheorien bilden das Fundament für mögliche Erklärungsmuster. Man unterscheidet zwischen den nativistischen und den funktionalen, der interaktionistischen, kognitiven und behavioristischen Ansätzen. Die folgende Ausarbeitung betrachtet im ersten Teil die wesentlichen Aspekte des kindlichen Spracherwerbs bzw. das Erlernen sprachlicher Strukturen. Darauf folgt eine Darstellung der etablierten Spracherwerbstheorien (Skinner, Chomsky, Piaget), um anschließend dialogische und kommunikative Gesichtspunkte verbaler Interaktionen zwischen Kindern und Erwachsenen zu betrachten. Unter Erstspracherwerb versteht man den ungesteuerten Erwerb der Muttersprache des Kindes. Beim Lernen der ersten Sprache lernt das Kind keineswegs nur diese eine Sprache, sondern es lernt eine Menge über Sprache überhaupt. Im zweiten Teil soll versucht werden, den Zweitspracherwerb verständlich darzustellen. Es gibt den ungesteuerten Zweitspracherwerb, so beispielsweise bei Arbeitsmigranten, die ohne Sprachunterricht die Sprache des Landes lernen, in dem sie leben. Daneben gibt es auch den gesteuerten Zweitspracherwerb oder gesteuerten Fremdsprachenunterricht, womit das Erlernen einer Sprache durch Unterricht gemeint ist. Es kommt auch vor, daß ein Kind mehr als eine Muttersprache gleichzeitig erwirbt. Dann wird von sogenannten zweisprachig (bilingual) aufwachsenden Kindern gesprochen.
3
2. Die Spracherwerbstheorien
2.1 Die behavioristische Theorie
Der Behaviorismus wurde in den Vereinigten Staaten von John B. Watson begründet. Anhänger dieser Theorie definierten in Anlehnung an den russischen Forscher und Nobelpreisträger Iwan Pawlow Verhalten „als Reaktion auf bestimmte umweltbedingte, äußere oder innere Reize“ 1 . Behavioristen sind der Auffassung, daß Sprache durch einen gegebenen Reiz bzw. Stimulus eine bestimmte Reaktion oder auch response wiedergibt. Dieser wird so oft wiederholt, bis der Vorgang zu einer festen Gewohnheit, einem habit wird. In Tierexperimenten belohnte man das Versuchsobjekt bei richtigem Verhalten auf den gegebenen Reiz. Hierbei spricht man von Konditionierung. Lernen über das Reiz- und Reaktionsparadigma nennt man Assoziationslernen, da der Lernerfolg durch die Verbindung von Reiz und Reaktion erst zustande kommt. Voraussetzung hierfür ist jedoch die Fähigkeit zur Bildung von Gedankenverknüpfungen. Behavioristen akzeptieren nur beobachtbare Fakten und meßbare Daten. Ihre Forschung geht auf naturwissenschaftliche Methoden zurück und richtet sich auf das beobachtbare Verhalten. Diese Ausrichtung an den Naturwissenschaften im allgemeinen führte zu einer Beschränkung auf experimentelle Methoden und Versuche 2 . Watson stützte sich bei seinen Forschungen auf das objektiv beobachtbare Verhalten und untersuchte primär die Funktion der Umwelt bei Verursachung von Verhalten. Das beobachtbare Verhalten interpretierte er als Reaktion auf die ständig wechselnden Umwelteinflüsse 3 . Es gibt zahlreiche Varietäten behavioristischer Lerntheorien. Sie zeigen sich allesamt als untauglich, Spracherwerb zu erfassen oder zu erklären, so Henning Wode. Das Erlernen von Sprache wird hier als Nachahmung und passiv erduldete Dressur beschrieben. Die Herausbildung sprachlicher Strukturen hängen von dem Fleiß des Lerners ab, d.h., indem er das Gehörte übt und daraufhin dafür belohnt oder bestraft wird. Der Ursprung und die sprachliche Struktur der entwicklungsspezifischen Fehler bleiben ungeklärt. Diese jedoch halten sich trotz Belohnung, Strafe oder Belehrung über längere Zeiträume. Die schöpferische Verarbeitung, die kennzeichnend für Sprachenlernen ist, bleibt im behavioristischen Ansatz aus. Die beobachteten Reize
1 Bußmann 1990, S. 140
2 Vgl. Bußmann 1990, S. 128, 86
3 Vgl. Watson 1968, S. 123
4
und Reaktionen folgen im Sinne des Behaviorismus einer regelhaften Apparatur, in welcher der Lerner ausschließlich passiv bleibt 4 .
Für den behavioristischen Ansatz ist der Spracherwerb Stimulus-kontrolliert und der Außensteuerung ausgesetzt. Wie schon oben erwähnt, ging man davon aus, daß beim Lernen eine Verknüpfung zwischen einem Stimulus mit einer Response durch Konditionierung stattfindet. Bei der Konditionierung unterscheidet man jedoch zwischen dem klassischen/reaktiven und operanten/instrumentellen Konditionieren. Für den Psychologen Burrhus Frederick Skinner ist das verbale Verhalten stimuluskontrolliert und angeboren 5 . Er wurde beeinflußt durch die Ideen Pawlows und Watsons und gilt als wichtigster Vertreter der naturwissenschaftlich orientierten (neo-) behavioristischen Psychologie. Sprache ist für Skinner die Summer einzelner, durch Konditionierung, Verstärkung und Generalisierung antrainierter
Sprechgewohnheiten, die seiner Ansicht nach ein zufälliges Netz von assoziativen Verknüpfungen verbaler Ausdrücke darstellen 6 . Skinner übertrug seine Erfahrungen aus Experimenten mit Tieren auf das sprachliche Verhalten von Menschen. Er zeigte, auf welchen Strukturen das sprachliche Verhalten beruht und wie es erworben werden kann, jedoch akzeptierte er keine angeborenen Sprachstrukturen.
2.2 Die nativistische Theorie
Der nativistische Ansatz geht davon aus, daß der Spracherwerb die Entfaltung angeborener sprachlicher Fähigkeiten ist, welchem ein biologisch fertiges Schema einer Grammatik zugrunde liegt. Damit ist gemeint, daß die Sprachfähigkeit in ihrem Anfangszustand genetisch bedingt und daher bei allen Menschen vorhanden ist 7 . Der Sprachwissenschaftler Noam Chomsky hat in den sechziger Jahren den Grundstein für die moderne Linguistik gesetzt. Chomsky beschäftigte sich mit der Struktur der Sprache und er war der Ansicht, hieraus auf den Spracherwerb eines erwachsenen Menschen Erkenntnisse ableiten zu können 8 . Chomsky war der Ansicht, daß die menschliche Sprachfähigkeit eine eigene kognitive Sonderstellung darstellt und daß der Spracherwerb kein Lernprozeß. Sondern ein biologischer Reifevorgang
4 Vgl. Wode 1993, S. 48
5 Vgl. Oksaar 1987, S. 141 f.
6 Vgl. Bußmann 1990, S. 129
7 Vgl. Oksaar 1987, S. 144
8 Vgl. Wode 1993, S. 46 f.
5
ist. Chomsky geht davon aus, daß jedes Neugeborene über sogenannte Universalien verfügt, die in allen Sprachen vorzufinden sind. Diese Universalien äußern sich in einem v on Chomsky als LAD (Language Acquisition Device) genannten Mechanismus, mittels dessen Kinder grammatische Strukturen ihrer Erstsprache erfassen und aufbauen können. Er nahm unter anderem an, daß die Sprache und somit die jeweilige Grammatik, nur von denjenigen erlernt und erworben werden kann, die über eine angeborene Einschränkung in Bezug auf die Grammatik der Muttersprache verfügen. Demnach weiß das Kind nicht, welche Sprache es erlernen soll, aber es muß wissen, daß die Grammatik der zu erlernenden Sprache eine bestimmte bzw. entscheidende Form aufweisen muß, die viele andere Sprachen ausschließt 9 . „Children […] need to find out which their own language selects. When they discover this, they metaphorically set a switch. Such switch-setting automatically brings in further ramifications, and the whole system clicks into place” 10 . Nach Noam Chomsky sind die sprachlichen Kenntnisse jedes Menschen sowie das Wissen über eine Regelgrammatik angeboren. So versucht er beispielsweise die Kenntnisse aufzuzeigen, die es einem Sprecher intuitiv ermöglichen, grammatisch falsche Sätze von grammatisch richtigen zu unterscheiden, auch wenn der Sprecher den jeweiligen Satz noch nie zuvor gehört hat 11 .
Ohne die Annahme angeborener Sprechfähigkeiten kommt jedoch keine Spracherwerbstheorie aus. Im Grunde geht es nicht darum, ob überhaupt etwas angeboren ist, sondern vielmehr um das wieviel und was.
Grob gesagt werden als nativistisch jene Sprachlerntheorien benannt, die annehmen, daß verbale Strukturen oder Kenntnisse über die S trukturierungsgrundsätze natürlicher Sprachen angeboren seien.
„Zwei Spielarten sind (hierbei) […] im Gespräch, das Bioprogramm von Derek Bickerton (1981) und die Universalgrammatik (UG) von Chomsky (1981, 1982). Die Konzeption des Bioprogramms ist aus der Forschung über Pidgin- und Kreolsprachen entstanden; die UG im
Zuge der Weiterentwicklung der generativen Grammatik“ 12 . Eine detaillierte Beschreibung von Chomskys UG würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Kurz gesagt, die UG ist ein Prinzipiensystem, welches die potentielle Form natürlicher Sprachen festlegt. Es legt nicht nur fest, wie natürliche Sprachen
9 Vgl. Oksaar 1987, S. 144
10 Aitchison 1996, S. 192
11 Vgl. Hörmann 1991, S. 3
12 Wode 1993, S. 54
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