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Die Reichssprüche von Walther von der Vogelweide. Bildlichkeit im Hochmittelalter.

Hausarbeit, 2002, 16 Seiten
Autor: Andrea Geiss
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Details

Veranstaltung: Politische Kommunikation im Mittelalter. Am Beispiel der Reichssprüche von Walther von der Vogelweide
Institution/Hochschule: Universität Karlsruhe (TH) (Institut für Deutsche Sprache und Literatur)
Tags: Reichssprüche, Walther, Vogelweide, Bildlichkeit, Hochmittelalter, Politische, Kommunikation, Mittelalter, Beispiel, Reichssprüche, Walther, Vogelweide
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2002
Seiten: 16
Note: 1,0
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V9519
ISBN (E-Book): 978-3-638-16203-6

Dateigröße: 198 KB


Textauszug (computergeneriert)

Sprach- Kommunikations- und Mediengeschichte
des Deutschen im Europäischen Kontext

von Andrea Geiss



Inhaltsverzeichnis

Einleitung 1

1 Entstehung und Aufführung 1

1.1 Auftragsdichtung? 1
1.2 Der Vortrag 2
1.3 Orale Noetik 3

2 Die Reichssprüche 4

2.1 Sprecherrollen 5
2.2 Bildlichkeit 8

Zusammenfassung 11

Literaturliste 13

 


Einleitung

Diese Hausarbeit versucht eine Interpretation der Reichssprüchen von Walther von der Vogelweide, die die Bedingungen deren Entstehung und Vortrag berücksichtigt.
Als fahrender Sänger hatte Walther im politischen Aktionsraum nicht von Anfang an einen Platz. Die Reichssprüche waren wahrscheinlich die ersten politischen Sang-sprüche in der höfischen Sphäre. Sie entstanden um 1200, zu einer Zeit ohne fest geschriebene Verfassung, ohne staatliches Gewaltanwendungsmonopol. fride und reht wurden nicht durch schriftlich fixierte Regeln, sondern durch andere Mechanismen gewahrt und stabilisiert. Im mittelalterlichen Personenverbandsstaat war "jedes soziale Handeln politisch Handlungsberechtigter potentiell Politik" , für jeden Träger von Macht war seine êre dabei das höchste Gut und sicherte entscheidend seinen status, seinen Rang in der Gesellschaftsordnung.
Auch die Reichssprüche richten sich nach den ungeschriebenen Gesetzen, die das politische Handeln zu Walthers Zeit bestimmten. In ihnen manifestiert sich die Beziehung Sänger- Gönner- Publikum. Der Schwerpunkt der Interpretation liegt nicht auf dem Inhalt, sondern auf formalen Aspekten, die es erlauben, die Reichssprüche in den Kontext der politischen Kommunikation einzuordnen.
Im ersten Teil sollen die Entstehungsbedingungen von Literatur im Mittelalter im allgemeinen und der Reichssprüche im besonderen knapp umrissen werden. Die Bedingungen von Entstehung und Aufführung der Reichssprüche sind zentral für ihre Interpretation. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Interpretation der Reichssprüche. Der Blick richtet sich mehr auf Formen und Stilmittel, weniger auf den Inhalt. Die Zusammenfassung greift noch einmal die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung auf.

1 Entstehung und Aufführung

1.1 Auftragsdichtung?

"Für die Entschlüsselung einer funktional angelegten Literatur aber ist die entscheidende Figur nicht allein, nicht einmal primär, der Dichter, sondern in hohem Maße der Adressat. Dies gilt für die Entstehung des Textes welcher auf sein jeweiliges Publikum hin konzipiert wurde, dies muß konsequenterweise auch für die Interpretation gelten."
Wie jeder Dichter im Mittelalter, der seine Tätigkeit nicht als Nebenbeschäftigung zu einem eigentlichen "Beruf" betrieb, war Walther von der Vogelweide auf einen Gönner angewiesen. Erst als er den Wiener Hof verlassen musste, wurde er zum fahrenden Berufsdichter. Eric Marzo-Wilhelm hält es für unwahrscheinlich, dass von der Kanzlei Philipps von Schwaben bereits ein konkreter Auftrag für die Sangsprüche an den Dichter gegangen sein könnte. Dazu war die Gattung des politischen Sangspruchs einfach noch zu neu, erst Walther konnte sie überhaupt am Hof etablieren. Marzo-Wilhelm weist ausserdem am Inhalt verschiedener Sprüche nach, dass Walther wohl kaum über ein solches Insider-Wissen verfügt hat, wie sie ihm die Kanzlei vermittelt hätte. Dennoch war er deshalb noch lange nicht frei in seiner Themenwahl, sondern war um so mehr darauf angewiesen, dass das Publikum ihn nach der Vorführung belohnte und beschenkte. Er konnte sich also kaum kritische Töne leisten, selbst wenn er gewollt hätte. Die mittelalterlichen Zuhörer hätten auf Kritik oder unvorhergesehene Kränkungen vielleicht sogar aggressiv reagiert. Man kann deshalb davon ausgehen, dass die Reichssprüche nicht nur eine individuelle Aussage des Künstlers Walther von der Vogelweide sind. In jedem Fall spiegeln sie die Stimmung eines staufisch gesinnten Publikums wieder, greifen die Gesinnung am Hof von Philipps Anhängern auf.

1.2 Der Vortrag

[...]


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