'LH&KROHUD
Einleitung Seite 1
klinisch-pathologische Aspekte Seite 1 Der Erreger
Seite 1 Das Krankheitsbild
Seite 2 Prophylaxe
Seite 3 Therapie
Seite 4
geschichtlicher Rückblick Seite 4
große Pandemien des 19. und 20. Jahrhunderts
Seite 5
zeitliche und geographische Abläufe
Seite 5 Forschungen zur Ätiologie
Seite 6
Robert Kochs Beitrag zur Cholerabekämpfung
Seite 7
Beispiel für den Verlauf einer Choleraepidemie
Seite 8 Hamburg 1892
Seite 8 soziale Lage der Bewohner
Seite 9
Einflüsse hygienischer und sozialer Faktoren Seite 10
Cholera heute Seite 10
Zusammenfassung und Prognose Seite 11
Literaturverzeichnis Seite 13
1. Einleitung
Kürzlich las ich in der Biographie von Bertha Pappenheim (1859-1936) folgendes 1 : "1873, Bertha war inzwischen 14 Jahre alt, wurde Wien Schauplatz einer Weltausstellung. Alle Hoffnungen des handelstüchtigen Wiens richteten sich auf das Großereignis. Man hatte investiert, gebaut und renoviert, um die internationale Kundschaft für sich zu gewinnen. [...] Im Rahmen einer großangelegten Erweiterung der Stadt war das Gelände innerhalb der früheren Festungswälle ausgebaut worden. [...]
Der Kaiser persönlich eröffnete die Weltausstellung mit allen Pomp. Besonderer Stolz der Wiener war die Rotunde am Prater, das damals größte Haus der Welt. Doch insgesamt erfüllte die Ausstellung die Hoffnungen der Geschäftswelt nicht. Der erwartete lebhafte Fremdenverkehr blieb aus, weil Fälle von Cholera gemeldet wurden und ein größeres Publikum fernhielten. Prompt beschwerte sich die Wiener Presse, dass die wenigen Krankheitsfälle von missgünstigen Journalisten aus Prag und Berlin zu einer grassierenden Seuche aufgebauscht worden wären. Die Weltausstellung endete schließlich in einem finanziellen Desaster. Ein riesiger Börsenkrach war die Folge."
Daraufhin bekam ich Interesse daran, mich näher darüber zu informieren, was es mit dieser gefürchteten Krankheit auf sich hat und welche weiteren sozialen Folgen die Epidemien hatten bzw. heute noch haben. 2. klinisch-pathologische Aspekte 2.1. Der Erreger
Der ursprüngliche Erreger der Cholera heißt YLEULRFKROHUDH oder auch YLEULRFRPPD. Dieser
verursacht die sogenannte "klassische" Cholera. Das besondere an diesem Erreger ist, dass er sich verändern kann, das heißt er bringt mit der Zeit noch andere ähnliche Vibrionen mit sogenannten Biovaren hervor. Diese Biovare heißen HOWRU - Erreger der "El Tor-Cholera", SUR WHXV - Erreger der "Cholera nostras" und DOEHQVLV, der vermutlich nicht krankheitserregend ist.
1 Brentzel, M.: Anna O. - Bertha Pappenheim, Biographie; Göttingen 2002
1
2.2. Das Krankheitsbild
Die Cholera, von griech. NKROHUD (= Gallenfluss), ist eine akute Erkrankung des Dünndarms,
die zu Erbrechen und Durchfall führt. Die Krankheit ist charakterisiert durch epidemisches Auftreten und kann unbehandelt innerhalb kürzester Zeit zum Tod des Erkrankten führen. Ausgelöst wird sie durch die Besiedlung von YLEULRFKROHUDH, einem Bakterium. Dieser Erre-ger, der zu den wichtigsten Vertretern der Vibrionen gehört, wird oral durch kontaminiertes Trinkwasser oder Nahrungsmittel, wie z.B. Fisch oder Schalentiere, aufgenommen und gelangt, wenn die Säurebarriere des Magens überwunden wurde, in den Dünndarm. Dort findet das Bakterium durch einen hohen alkalischen PH-Wert ein gutes Wachstumsmilieu vor. Auf-grund ihrer Beweglichkeit - durch die Bildung des eigenen Enzyms Toxin - durchdringen die Vibrionen die Darmepithelzellen 2 und lösen eine Funktionsstörung der Zellen aus (2HWKLQJHU ). Es kommt zu einer Hemmung bestimmter Elektrolytpumpen, dies bewirkt einen Ver-lust von Natrium, Kalium und Chlorid. Nachfolgend wird Wasser in den Darm abgegeben, was zu den typischen sekretorischen Diarrhöen ("Reiswasser-Stuhl") führt. Die Schleimhautzellen werden dabei nicht geschädigt (5REHUW.RFK,QVWLWXW).
Abhängig von der Toxinproduktion fällt die Symptomatik mehr oder weniger stark aus. Nach einer Inkubationszeit von 2-5 Tagen beginnt die Erkrankung vorerst mit starker Übelkeit, Erbrechen und zunehmend weicher Stuhlentlehrungen bis zu den bereits beschriebenen reiswasserartigen Durchfällen. Die ausgeschiedenen Flüssigkeitsmengen können 20 Liter pro Tag erreichen. So entwickelt sich eine Flüssigkeitsunterversorgung des Körpers (= Exsikkose) mit folgender Azidose 3 . Erstes Symptom der Austrocknung ist meist Heiserkeit. Es kann dann zu Muskelkrämpfen in den Waden, zu Nierenversagen (Oligurie 4 , Anurie 5 ) und später zum Kollaps kommen. Das Blut kann durch den Flüssigkeitsmangel so eingedickt sein, dass es zu Gefäßverschlüssen führt. Weiterhin leidet der Erkrankte unter Tachykardie 6 und Hypotonie 7 . In den schwersten Fällen kann ein Erkrankter schon innerhalb einer Stunde nach Einsetzen der Symptome einen sehr niedrigen Blutdruck entwickeln und innerhalb von 2-3 Stunden versterben.
2 Darmepithelzellen = Zellen, die die oberste Schicht der Haut des Darms bilden
3 Azidose = Störung im Säure-Basen-Haushalt mit Abfall des arteriellen PH-Wertes
4 Oligurie = verminderte Harnausscheidung (unter 500 ml/ 24 Stunden)
5 Anurie = verminderte Harnausscheidung (unter 100 ml/ 24 Stunden)
6 Tachykardie = beschleunigter Herzschlag
7 Hypotonie = zu niegriger Blutdruck; herabgesetzte Muskelspannung
2
Die Gesichtsfarbe des schwererkrankten Patienten wird grau-bläulich, was zu dem Ausdruck "blauer Tod" (6WLFNHU) führte.
Die Letalität 8 liegt bei unbehandelten Fällen um 60 %. Bei der durch 9LEULRHOWRU verursachten
Form verläuft die Cholera milder als bei der klassischen Cholera. Der Krankheitsmechanismus ist hierbei der gleiche wie bei der klassischen Cholera. (5REHUW.RFK,QVWLWXW) 2.3. Prophylaxe
Prophylaktische Maßnahme gegen eine Infektion ist die Feststellung und Isolierung der Infektionsquelle und damit die Beseitigung des Infektionsherdes. Die Cholera gehört zu den international vorgeschriebenen vier Quarantänekrankheiten (Cholera, Pest, Pocken und Gelbfieber). Die Quarantäne ist bei Verdacht auf Cholera mindestens fünf Tage. In Deutschland muss dem Bundesgesundheitsamt der Verdacht auf eine Erkrankung; die Erkrankung selbst; der Tod daran und das Ausscheidertum, also wenn ein Patient Cholerabakterien im Stuhl ausscheidet, gemeldet werden ($XVZlUWLJHV$PW).
Eine Schutzimpfung ist bei hohem Infektionsrisiko im jeweiligen Land, sowie bei einer hohen Expositionsrate (durch beispielsweise eine Tätigkeit in Flüchtlingslagern) indiziert. Die WHO empfiehlt eine Schutzimpfung seit ein paar Jahren nicht mehr. Es werden in endemisch befallenen Gebieten Impfungen jedoch bei der Einreise per Nachweis verlangt (%HUQKDUG1RFKW ,QVWLWXW/ 5REHUW.RFK,QVWLWXW).
Die Impfung mit abgetöteten Cholerabakterien, also eine aktive Impfung, verleiht einen nur 3-6 Monate dauernden Schutz, wobei die Schutzrate nur bei 50-60 % liegt. Neuere Impfstoffe, die die Bindung des Toxins an die Darmschleimhaut verhindern, sind in der Erprobung bzw. in Deutschland noch nicht zugelassen.
Bei der Einreise in "gefährdete" Gebiete wird auf vorbeugende Maßnahmen, Nahrungsmittel und persönliche Hygiene betreffend, verwiesen - z.B. Trinkwasser abkochen, kein Verzehr von Meeresfrüchten, Obst und Gemüse nur geschält verzehren sowie häufige Reinigung der Hände ($XVZlUWLJHV$PW).
8 Letalität = Sterberate bei den Erkrankten
3
Arbeit zitieren:
Svenja Schank, 2002, Die Cholera, München, GRIN Verlag GmbH
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