Universität Leipzig
Institut für Politikwissenschaft
Lehrbereich: Politischen Theorie
Teilgebiet: Demokratietheorie I
Hauptseminar
Demokratie - Staat - Sozialordnung
Wintersemester 2001/2002
Emanzipation oder Kapitulation?
Bürgerliche Frauen in Deutschland im
19. Jahrhundert
Katja Beitat
6. Fachsemester Politikwissenschaft
Magister Nebenfach
Weitere Fächer: KMW (Hauptfach) und Philosophie (Nebenfach)
Gliederung
1. Einleitung 03
1.1 Ausgangsthese 04
2. Die Rolle der Frau in der deutschen Bürgerlichen Gesellschaft
des 19. Jahrhunderts 05
2.1 These der "separate spheres" 05
2.2 Widerspruch zu den Idealen der Bürgerlichen Gesellschaft? 07
2.3 Rechtliche Stellung der Frau 08
3. Die Ehre der Frau 09
3.1 Die Ehre als ihr größtes Kapital 10
3.2 Verlust der Ehre am Beispiel des Ehebruchs 11
4. Bürgerliche Frauenbewegungen 13
4.1 Egalitäres Modell 14
4.2 Organisierte Mütterlichkeit 15
5. Fazit 16
Literaturverzeichnis 17
1. Einleitung
Das 19. Jahrhundert in Deutschland wird in der Literatur als das bürgerliche bezeichnet. Es schwankte zwischen Einengung und dem Festhalten an feudalen Werten einerseits und dem Aufbruch aus diesen verfestigten und überholten System andererseits. Aber welche Rolle spielten die Frauen in diesem Aufbruch? Waren sie eine der treibenden Kräfte oder ist die zunehmende Emanzipation der Frauen im ausgehenden 19. Jahrhundert eher eine Nebenerscheinung des allgemeinen bürgerlichen Erstarkens und damit verbunden der idealen bürgerlichen Werte? In diesem Kontext sollen in der folgenden Arbeit drei wesentliche Punkte betrachtet werden
Zum einen soll die Stellung der Frau sowohl in rechtlicher als auch in gesellschaftlicher Hinsicht untersucht werden. Gerade hier scheint ein fundamentaler Widerspruch zwischen dem bürgerlichem Ideal des freien, emanzipierten Individuum, wie es in der französischen Revolution auch proklamiert wurde, und der sozial-gesellschaftlichen Praxis im Deutschland des 19. Jahrhunderts zu existieren.
Darauf aufbauend soll speziell auf die Rolle der Ehre eingegangen werden, welcher damals höchsten gesellschaftlichen Stellenwert genoss. Gerade die Ehre war der Frauen und insbesondere der bürgerlichen beinahe einziges Kapital. Ein Verlust brachte nicht nur gesellschaftliche Ächtung, sondern oftmals auch eine Bedrohung jeglicher Lebensgrundlagen mit sich.
Im dritten Teil soll der scheinbare Ausbruch aus dem System, verkörpert durch die bürgerliche Frauenbewegung ab 1848, skizziert werden. Es soll der Frage nachgegangen werden, ob es den Frauen wirklich um eine Gleichstellung und Gleichbehandlung nach bürgerlichem Ideal ging oder ob die Frauenbewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts nicht doch innerhalb der bereits existierenden gesellschaftlichen Struktur und damit in der klassischen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau verblieb.
Betont sei an diese Stelle, dass der Fokus dieser Arbeit auf der Stellung der Bürgerlichen Frau und damit ebenso auf den Anfängen der bürgerlichen Frauenbewegung liegt. Die proletarische Frauenbewegung soll mit Rücksicht auf die hier verfolgte, spezielle Fragestellung weitgehend ausgeklammert bleiben. Um das umfassende Gebiet zu strukturieren, soll anhand der im folgenden vorgestellten Leitfragen das Thema bearbeitet werden.
1.1 Ausgangsthese
Die grundsätzliche These, welche es im Folgenden zu untermauern gilt, lautet: Die Frauen hatten, gerade weil sie auch nicht die bürgerlich-emanzipierten Ideale verfochten, wie dies in anderen europäische Staaten wie Frankreich der fall war, eine tragende Rolle bei der Herausbildung sowie Festigung und Bewahrung der spezifisch deutschen bürgerlichen Werte im 19. Jahrhundert. Zudem soll ebenso gezeigt werden, dass es nicht zu der Formierung einer vollendeten bürgerlichen Zivilgesellschaft in Deutschland kam. Einerseits konnte sich das deutsche Bürgertum nicht gegen den Adel durchsetzen. Andererseits hätte eine vollendete Zivilgesellschaft ebenso die Freiheit, Gleichheit und Rechtsförmigkeit der Individuen nach theoretischen Ideal verlangt, was in der deutschen Entwicklung nicht der Fall war.
Zum einen kann man das auf die hohe Durchsetzung der Gesellschaft mit militärischen Werten zurückführen, was nicht Gegenstand dieser Arbeit sein wird. Zum anderen auch auf die Entwicklung der Frauenbewegungen, welche mit ihren eigenen Zielen nicht aus dem System ausbrachen, sondern sich nur eine Ausdehnung ihrer Schaffensbereiche in den bereits vorgegebenen Grenzen erwarb. Somit soll von einer typisch deutschen bürgerlichen Gesellschaft ausgegangen werden, welche nur durch die im Grunde weiterhin bestehende gesellschaftliche und soziale Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern in dieser spezifischen Form existieren und funktionieren konnte. Dazu gehört auch, dass sich die Frauen mit der ihnen zugewiesenen passiven und unmündigen Rolle, abfanden. Speziell die weibliche Ehre und deren Verteidigung lag zum Großteil nicht in weiblicher Macht. Statt dessen blieben die vielfältigen Abhängigkeitsverhältnisse der Frau von ihrem männlichen Beschützer weitgehend unangetastet.
2. Die Rolle der Frau in der deutschen bürgerlichen
Gesellschaft des 19. Jahrhunderts
[...]
Arbeit zitieren:
Katja Beitat, 2002, Emanzipation oder Kapitulation? Bürgerliche Frauen in Deutschland im 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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