5. Die anderen Staaten
5.1. Dänemark und Brandenburg
5.2. Italien und Oberdeutschland
5.2.1. Voraussetzung
5.2.2. Expansion
5.3. England
5.3.1. Innenpolitischer Grundriß
5.3.2. Anfänge der englischen Expansion
5.3.3. Asien
5.3.4. Amerika
5.3.5. Republik
5.3.6. Restauration der Stuarts
5.4. Niederlande
5.4.1. Voraussetzungen
5.4.2. Innenpolitischer Grundriß
5.4.3. Die Niederländer in Asien
5.4.4. Die Niederländer in Amerika
5.4.5. Ausblick
5.5. Frankreich
5.5.1. Die Franzosen in Amerika:
5.5.2. Die Franzosen in Asien
5.5.3. Organisation der französischen Kolonien
5.6. Rußland
6. Westindien und der atlantische Dreieckshandel
7. Rückwirkungen auf Europa
8. China
• (nach Reinhard): sozio-ökonomische Antriebe zur Erzielung von Profit. Nicht alleinstehend, aber immer vorhanden. Wandel von Art, Status, Priorität, Ursachen (Überbevölkerung, kapitalistisches Profitstreben, Eigenkolonisation); Politische Motive (Machtwille von Militärs, Reaktion aus defensivem Selbstverständnis); Ideologische, kulturelle, religiöse Antriebe (Mission, politische Ideologien). • Portugiesen seit 1415 in Afrika suchten in ihrem Kreuzzugsgedanken Kontakt zum sagenhaften, reichen Priesterkönig Johannes in Abessinien als Bundesgenossen im Rücken der Ungläubigen: afrikanische Westküste und entlang der Flüsse (Senegal). • Wirtschaftliche Motive (Gold, Sklaven), als Mohammedaner Zwischenhandel auf dem Landweg nach Indien übernahmen und so die Preise in die Höhe trieben. Gewürzbedarf in Europa für Essen, Medizin, Konservierung. Abhängigkeit von Arabern forcierte Suche nach Seeweg. Gold zwischen 1395 und 1415 knapp geworden: Rückgang der Förderung, Abfluß in Asienhandel. Auch: Ruhm, Neugier, Ehrgeiz.
• Die wissenschaftlich-technischen Voraussetzungen waren ein Ergebnis der neuen geistigen Haltung der Renaissance. Wissenschaft basierte auf antiken Autoren: Kugelgestalt des Aristarch von Samos, Ptolemäus. Westfahrt antike Idee, außerdem Annahme einer Landmasse zwischen Asien und Europa (Atlantis). Berechnung des Erdumfanges: Ptolemäus (28350) statt Eratosthenes (39690); insgesamt Fehlberechnungen (Columbus: Lissabon-Ostasien=11000km, richtig 21000km). • Astronomische Navigation: Sternenkataloge, Astrolabium (für Gestirnhöhe = geographische Breite), Jakobsstab (Winkelmeßgerät). Wichtig Tabellen: Toledanertafel des Azarquiel (Sonnendeklination), Alfonsische Tafeln (Kastilien,
Portugal), Ephemerides von Johannes Müller aus Königsberg (astrologische Zwecke). Astronomische Navigation wurde im Mittelmeer bis 16. Jh. nicht praktiziert, Portugiesen nutzten schon seit 1480 wegen Kanarenstrom und Nordostwinde an afrikanischer Westküste (Ausweichen nach Westen auf Rückfahrt). Geographische Länge mit Entdeckung der Jupitermonde (Galilei 1610) halbwegs bestimmbar, aber erst mit Pendeluhr (Huygens 1656) zufriedenstellend gelöst, weil exakte Zeitmessung nötig (Schiffschronometer 1729; Logarithmen 1614 Napier, Spiegelsextant 1731). Unter Ferdinand I. Schaffung des Amtes des Piloto Mayor als Navigator bzw. Lotse 1508. Ohne dessen Schein kein Schiff mehr nach Amerika. Erster war Florentiner Amerigo Vespucci.
• Geographie und Kartographie: Ptolemäus, Kardinal d’Ailly (1410, Imago mundi), Aeneas Silvius (1477, Historia rerum ubique gestarum). Wissen und Fabel aber noch im 13. Jh. eng verbunden. Portulane als kleine Ausschnitte der Erdoberfläche für landnahe Gewässer aus Erfahrung gewonnen. Bahnbrechend war Kartographenschule von Palma de Mallorca: Angelino Dulcet (1339), Abraham Cresques (1375), Florentiner Kosmograph Toscanelli (1474, nicht erhalten). Dennoch Fehleinschätzungen: z.B. Irrtum des Kolumbus wegen falscher Schätzung des Gradabstandes am Äquator und Projektion von Kugel auf Ebene (Winkeltreue Projektion von Gerhard Mercator erst 1569).
• Technisches: Kompaß ab Mitte 15. Jh., Mißweisung schon vor 1492 beobachtet. Kogge wurde manövrierfähiger durch Hinterruder, geraden statt gewölbten Kiel; Neue Schiffstypen mit enormer Segeltüchtigkeit (mehrere Masten, Kombination von Rah-und Lateinischem Segel) und Stabilität (Kreuzen gegen den und segeln hart am Wind). Karacken von Portugiesen für Indien und Asien benutzt. Karavellen relativ klein, aber wendig, seit 1440 für Erschließung afrikanischer Küste eingesetzt. Ab 16. Jh. Galeone als Kriegsschiff, kleiner, schlanker als Karacke und niedrigere Aufbauten. • Handelsrevolution in Italien im 13. Jh.: Organisationsformen (Kapitalgesellschaften, Seeversicherung), Techniken (Wechselverkehr, Buchhaltung, Karte und Kompaß, Schifffahrt im Winter). Damit Schaffung eines Welthandelssystems von Newcastle bis Peking.
• Italiener sorgten für persönliche und finanzielle Beteiligung (vor 1492) und vermittelten die Grundlagen des Schiffsbaus, der nautischen Techniken. Auch die kolonialen Techniken wurden an die Portugiesen, Spanier und Nordwesteuropäer weitergegeben, z.B. Plantagenwirtschaft mit Zucker und Sklavenwirtschaft als Produkt Zyperns und Palästinas.
• Bis in das 16. Jh. technologisches und kulturelles Gleichgewicht zwischen Ost und West. Gewisse Selbstgenügsamkeit der östlichen Staaten. Europäer getrieben von individueller Selbstverwirklichung, Ruhmbegier, Alexandermotiv, aggressivmissionarische Religion, Profit. 3. Die Ausgangssituation
• Zwischen 634 und 641 bemächtigten sich die Araber des Nahen Ostens, Konflikte mit Byzanz beeinträchtigten den nunmehr monopolisierten Handel, unterbrachen ihn aber nicht. Seit 11. Jh. Spaltung der islamischen Welt, Kontrolle der Christen über westliches Mittelmeer, Aufsteigen italienischer Handelsstädte, Kreuzzüge. Im 13. Jh. Errichtung der Mongolenreiche (Personalunion mit China unter Khubilai Khan 1260-1294, Nachfolger Dschingis-Khans) Beginn der mongolischen Yuan-Dynastie (1280-1368) und Sicherheit bei Reisen im Reich von Syrien bis Stiller Ozean. 1291 Fall Akkons und Wiederherstellung der Zwischenhandelsverhältnisse von vor den Kreuzzügen. Mitte des 14. Jh. Zusammenbruch des Handelssystems und der Mission:
Pest in Europa führte zu Bevölkerungsrückgang und veränderter Marktstruktur, Kriege in Europa und China, Zerfall des Mongolenreiches seit 1368 (Ming-Dynastie) und Hinauswerfen der letzten Europäer in China 1371 (bis 1600 europäerfrei), Reiseroute unsicher geworden, Aufstieg der Osmanen auch als Zwischenhändler. Zahlreiche Einzelhändler durchaus bis Asien gelangt, aber auf eigenes Risiko. China zog sich Mitte des 15. Jh. nach Westerkundungen auf sich selbst zurück, blieb immer aber die Mitte der Welt.
• Zeitalter der Entdeckungen von der Mitte des 14. Jh. bis 1550 durch die iberischen Nationen. Das Ende des Entdeckungszeitalters kann man auf 1550 datieren. Die geographischen Entdeckungen traten zurück. Unter wechselnden Aspekten kann man die folgende Zeit eher von den Epochen des Merkantilismus, des Kolonialismus, des Absolutismus und des Imperialismus einordnen. Träger und Ziele der Forschungsreisen wandelten sich ebenfalls von 1550-1600. Statt der iberischen Nationen waren es von jetzt an in zunehmendem Maße neue Mächte, vor allem Frankreich, die Niederlande, England und Rußland, die Entdeckungsreisen durchführten. Neue Ziele wurde Nordamerika, Innerasien und die Südsee. • Die Überlegenheit der technischen Zivilisation hatte die europäische Expansion möglich gemacht. Während die Neue Welt in die westliche Zivilisation integriert wurde, während Westafrika an eine höher entwickelte Zivilisation anschloß, waren die Verhältnisse östlich Afrikas anders. Arabische und asiatische Kulturen sollten niemals in die westliche Zivilisation integriert werden. Die Niederlassungen dort waren folglich nur Handelskontore. Erst im 19. Jh. war die europäische Technik derart überlegen, daß so etwas erfolgen konnte.
• Die Europäer haben im Indischen Ozean einen Handel mit hochwertigen Waren von geringen Volumen entwickelt, d.h. einen Handel mit Luxusgütern, der für die Kaufleute sehr einträglich war, jedoch keine bedeutende Auswirkungen auf den Produktionsbetrieb, auf die Beschäftigung von Arbeitskräften, auf den Massenkonsum in Europa hatte.
• Im 16. Jahrhundert zog Asien Geld an sich, das Europa in Amerika gewann. Im 17. Jh. überließ Asien selber den Europäern Gold und Silber. Aber diese konnten nur ihren Reingewinn nach Europa zurückschicken, denn das Gros ihrer asiatischen Geldmittel diente als Betriebskapital in Asien. 4. Spaniens und Portugals erste Kolonialreiche
• Portugal und Spanien erste europäische Mächte mit Kolonien, teils als lockere Kette von Stützpunkten, teils als geschlossene Siedlungs- und Wirtschaftsgebiete. Einzelne frühe Expeditionen anderer europäischer Mächte (Cabot 1497 England) deuteten an, daß kein Interesse an einem spanisch-portugiesischem Kolonialmonopol bestand. 1479 Revision des Edikts Calixts III. (1455 afrikanische Westküste geht an Portugal). Friedensvertrag von Alcaçovas verknüpfte Beilegung politischer Probleme mit Regelung kolonialer Fragen: Portugal behält Madeira und Azoren, dafür Zustimmung zu einer ostwestlichen Demarkationslinie und Gebiet südlich der Kanaren für Portugal, Kanaren gingen endgültig an Spanien
• Enttäuschung nach Fahrten des Kolumbus und Vasco da Gamas: kein Weg nach Asien, sondern neues Land mit Eingeborenen (Kariben) auf niedriger Kulturstufe (Kannibalismus). Nur wenig Gold gefunden. Wichtige Erkenntnis: Indien nur Zwischenstation, da Gold für Gewürzimporte aus Fernem Osten draufging. Und: Araber sahen Gewürzhandel als Domäne und Portugiesen als Konkurrenz an. Weltgewürzhandel hatte seinen Hauptstapelplatz in Malakka, dorthin lieferten Molukken und Ceylon. Weiter nach Kalikut, über arabische Schiffe ins Rote Meer, via
Kamele von Suez nach Kairo, über Nilschiffe nach Rosette, über Landweg nach Alexandria, wo Genuesen und Venezianer sie entgegennahmen. Damit war der "Wettkampf" nach richtigen Weg nach Indien losgetreten. • Räumliche Ausdehnung (1580-1640 unter Philipp II. Personalunion mit Spanien): Ostafrika und Asien 25-30000 Europäer über 220000-230000 qkm/800000 Einwohner Philippinen einziges größeres zusammenhängendes Gebiet mit 610000 Einwohner, rund 90% der Kolonialfläche. Rest portugiesischer Streubesitz. • Amerika bis Beginn 17. Jh. Lateinamerika mit 2 Mio. qkm/10 Mio. Einwohner 95% waren Amerika der zerschlagenen Hochkulturen, Westindische Inseln, brasilianischer Siedlungsstreifen. Ende 16. Jh. rund 120000 Weiße, bis 1630 rund 500000.
• Schlechte landwirtschaftliche Grundlagen
• wissenschaftliche und technische Voraussetzungen • Geographische Lage, lange Küsten und seemännische Tradition • Reconquista als Quelle für Kreuzzugsidee und Missionseifer • Frühzeitige Hinwendung zum Seehandel mit starker staatlicher Förderung • Profitierte vom Know How der Italiener und Katalanen. • Um unter Umgehung der moslemischen Völker Indien zu erreichen, plante Portugal frühzeitig die Umrundung Afrikas JOHANN I. und Heinrich der Seefahrer (1394-1460) förderten diese Versuche durch Forschung und Expeditionen und führten ein hohes wirtschafts- und handelspolitisches Engagement unter Beteiligung der Krone fort.
• Handicap war nur die geringe Bevölkerungszahl von ca. 1, 25 Mio. im 16. Jh. die letztendlich dafür sorgte, daß man sich nur sehr punktuell in den überseeischen Gebieten festsetzen konnte. Innenpolitischer Grundriß
• 1495-1521 begründete Emanuel I. d. Große die portugiesische Handelsmacht. • 1557-78 unternimmt Sebastian einen theatralischen Kreuzzug gegen Marokko. Dort wird er zusammen mit einem großen Teil des Adels getötet.
• 1580-1640 folgt die Personalunion mit Spanien. Das Kolonalreich geht fast völlig an Holland und Spanien verloren.
• 1640 erfolgt die Befreiung von Spanien unter dem neuen Königshaus Braganza durch Johann IV. Anfänge/Afrika
• Motive für portugiesisches Ausgreifen: Reconquista 1249 beendet. Eigeninitiative dreier Prinzen gegen Ceuta als Basis für Durchdringung und Eroberung (?) Marokkos. Außerdem Marinestützpunkt auf Gegenküste zum Schutz des eigenen und italienischen Handels, Seeraub gegen islamische Konkurrenz. Wunsch, Kontrolle über Saharahandel mit Endpunkt Ceuta zu erlangen. Besonders Interesse an Gold, weil Goldmünzen beibehalten. Extreme Knappheit, zwischen 1383 und 1435 keine Goldmünzenprägung mehr. Inflation reduzierte Wert von Geldeinkünften fester Höhe, Adel neigte zu Eroberungen/Raub. Erschließung neuer Getreidegebiete wegen Bevölkerungsrückgang im 14. Jh. (Verteuerung der ländlichen Arbeitskraft,
Weidewirtschaft machte sich breit, Umstellung auf Wein, Öl). Expandierende Zuckerindustrie, Färbereien, Fischerei.
• Nach der Umsegelung von Kap Bojador 1433/34 (vorher Kanaren, Azoren 1427-52, Madeira 1418-25) über die Guineaküste war der Weg frei zur Erkundung der afrikanischen Westküste (Sklaven/Gold) und auch der Suche nach dem afrikanischen Christenreich unter dem Priesterkönig Johannes. 1487 umrundete Bartolome Dias zum ersten Mal das Kap der guten Hoffnung, 1498 erschien Vasco da Gama in Calicut. Weitere Bedeutung: Widerlegung phantastischer Geschichten (seit Phöniziern), Indischer Ozean kein Binnenmeer
• 1441 erste Negersklaven nach Portugal, Bucht von Arguin südlich Kap Blanco wurde erstes Sklavenhandelszentrum, 1448 Fort Arguin zur Sicherung und erste dauerhafte Niederlassung. Lieferungen: 1448 927, 1486-1493 3589 nach Lissabon. Bedarf für Atlantikinseln, besonders Madeira das Holz, Farbstoffe, Fische lieferte, später Getreide, ab Mitte 15. Jh. führende Zuckerproduzentin für Mitteleuropa. Im 16. Jh. verdrängt Wein den Zucker. Konkurrenz dann durch São Tomé. Weltgeschäft Sklavenhandel hier erst mit amerikanischem Bedarf besonders für Zucker. • Beschleunigung der Ausbreitung mit Erreichen der Guineaküste (Pfeffer-, Elfenbein-, Gold-, Sklavenküste): Quelle des portugiesischen Reichtums. 1471 überschreiten des Äquators, 1482 Passieren der Kongomündung. Kronmonopol auf Pfeffer (Liberia, Benin), Sklaven (Togo, Dahomey, Nigeria), Gold (Ghana), Elfenbein. • Mitte 15. Jh. profitables Geschäft an der Küste, deshalb zahlreiche private Investoren (Portugiesen, Italiener...). Anfang 16. Jh. Konkurrenzdurch Spanier, Engländer, Niederländer, Franzosen, Marokkaner im Guineagoldhandel. Versuche der Portugiesen, fremde Mächte fernzuhalten: besonders Spanien/Kastilien. Proportugiesische päpstliche Bullen von 1452, 1455, 1456. Unterstützung durch Päpste, weil Nikolaus V. und Calixt III., weil Alfons V. als einziger nach 1453 die päpstlichen Kreuzzugsaufrufe mit Rüstungen beantwortete, die allerdings anderweitig verwendet wurden. Privilegien von 1455 ausgestellt gegen Unterwerfung der Moslems und Heiden auf den atlantischen Inseln und dem Weg um Afrika. Im Grunde alles nur Versuche, Monopol zu legitimieren. 1637 fiel Mina, 1638 Arguim an die Niederländer.
• Diogo Cão entdeckt zwischen 1482 und 1484 den Kongo. Daraufhin rasche Kontakte zum regionalen Herrscher, 1490 erste Missionare, 1512 Entwicklungshilfeprogramm zur Verbreitung der portugiesischen Kultur und des Christentums. Allerdings Konkurrenz zwischen Mission und Sklaven. Kongo trat nach 1485 gegenüber Indien in den Hintergrund. Dreigliedriger Plan umfaßte innere Erkundung Afrikas um Weg nach Osten zu finden, zweitens die Umschiffung (1487 Bartolome Diaz gelungen), Sammeln von Infos über Indien und dem Seeweg von Afrika nach Indien über einen Agenten (1490).
• Zehn Jahre Verzögerung bis zur ersten Ankunft in Indien: Kämpfe in Marokko seit 1487, Tod des Kronprinzen 1491, Massenflucht von Juden aus Spanien nach Portugal 1492, Entdeckung des Kolumbus (konnte Augenblick lang Suche nach östlicher Route überflüssig erscheinen lassen), Klärung der Rechtslage mit Spanien: Zusätzlich der Nord-Süd-Grenze von Alcaçovas im Vertrag von Tordesillas 1494 West-Ost-Grenze. Herrscherwechsel von Johann II. zu Manuel I. (1495-1521).
• Weiterführung des Indien-Programms durch Manuel I. Entscheidungen für die nächsten Jahrzehnte bewußt getroffen und nicht spontan vor Ort, wie z.B. Reise VASCO DA GAMAS.
• Erst nachdem sich die vermeintliche Entdeckung Indiens auf der Westroute durch Kolumbus als Irrtum erwiesen hatte fuhr Vasco da Gama 1497 mit drei Schiffen auf der Ostroute nach Indien (Calicut). März 1498 Landung an muslimischer afrikanischer Ostküste (arabisch-persisch-afrikansiche Kultur, die Kisuaheli sprach, swahili = arb. Küste; Reichtum wegen Indien- und Chinahandel). Nach Auseinandersetzungen, mit Konkurrenz, half er Malindi weiter südlich, die sich vom Druck durch Rivalin Mombasa befreien wollte. Relativ guter Empfang in Calicut trotz erbärmlicher Geschenke (für Afrika gedacht). Konflikte dann wegen Vormachtstellung der Moslems beim Handel, die nur mit Gewaltanwendung gebrochen werden konnte. Auf Rückreise Probleme mit Monsunsystem und Dezimierung durch Skorbut. Sommer 1499 Ankunft in Lissabon.
• Pfeffer aus den West-Ghats im Hinterland von Calicut und Sumatra, wie Zimt von Ceylon über Malakka nach China und als dritte Handelsstraße durch Persischen Golf. Araber kombinierten Pilgerreisen und Handel über Rotes Meer und Mekka. Kontrolle der Pfeffer-Linie von Calicut nach Aden. Westlich Malakka lag Handel in Händen von Gujeratis (Kaufleute aus Sultanat Gujerat im Gebiet südöstlich der Indusmündung). Organisationsform: Familienverbände, kein Staat, keine Gesellschaften. Herrscher nur an Zöllen interessiert.
• 1500 brach die zweite Indienflotte mit 13 Schiffen unter Pedro Alvarez Cabral nach Indien auf und entdeckte unterwegs Brasilien. Nach Kämpfen mit den Moslems, weil er den Vorrang vor den Moslems haben wollte, beschoß er Calicut. In Cochin Zusammenarbeit mit Gegner des Samoré in Calicut und Pfefferladung. Auch wenn in Cochin Waren gekauft werden konnten, war das Unternehmen kein besonderer Erfolg. Weitere Unternehmungen wurden gut vorbereitet und Stützpunkte an den Küsten von Indien und Ostafrika eingerichtet.
• 1502 lauerte VASCO DA GAMA mit 22 Schiffen heimkehrenden Mekkafahrern auf und zerstörte in einem Terrorakt ein Schiff mit mehreren hundert Insassen. In Cochin Errichtung einer Faktorei und Festpreis für Gewürzlieferungen. In Calicut neuer Terror, weil kein Monopolversprechen vom Samoré. 1503 weitere Gewürzladungen vom Radja von Cannanore nördlich Calicuts, der auf die portugiesische Karte setzte. Faktorei in Cochin wurde erstes Fort auf indischem Boden, als Samoré nach der Abreise angriff. 1503 und 1504 kamen Verstärkungen, so daß die Moslems Calicut aufgaben und dummerweise der Flotte Albergarias in die Kanonen fielen. • Gewaltige Anstrengungen, um Indienhandel aufrechtzuerhalten: 1501-1505 81 Schiffe mit 7000 Mann. Einsicht, daß Seeherrschaft und Handelsmonopol nur mit dauernder Präsenz machbar war.
• 1505 fuhr der zum Vizekönig (dreijährige Amtszeit) ernannte Francisco de Almeida ab. Instruktionen: Sofala und Kilwa (Ostafrika) besetzen, Festung auf Insel vor Goa, Sperrung des Roten Meeres, Einnahme Ceylons und Malakkas. Aden nicht genommen, vor Ormuz Terror. Im Hafen von Diú vernichtete er dort eine Flotte ägyptischer und indischer Schiffe. Dieser Seesieg bedeutete den Beginn der Jahrhunderte währenden politischen und wirtschaftlichen Vorherrschaft der Europäer im Indischen Ozean. Das Schwergewicht der europäischen Politik verlagerte sich auf den Atlantik. ALMEIDA selbst hatte aber nur die Stellung gehalten. • Verwirklichung des königlichen Konzepts eines Indischen Reiches Portugals unter dem folgenden Vizekönig Alfonso de Albuquerque ("empire builder"). Er eroberte Goa (endgültig 1510) und Malakka (1511 gegen Übermacht) damit die letzten Zwischenhändler ausgeschaltet. Nach Goa und Malakka Akzeptanz der Portugiesen
im indischen Raum. Eroberung Adens 1511 scheiterte an der Stärke der Stadt. 1515 nahm er noch Ormuz ein bevor er vor Goa starb.
• Das Gerippe des portugiesischen Handelsimperiums war nun fast komplett: geringe Zahl von strategisch günstig plazierten Festungen und Reihe (un-)befestigter Faktoreien (Cochin), maßvoller Territorialbesitz (anfangs Goa), für Verbrauchsgüter, Einnahmen, Menschen.
• Mit Aden (1524) wurde den Arabern die letzte Bastion im Indischen Ozean genommen. Portugal dehnte folglich sein Handelsreich in Süd- und Ostasien weiter aus. Es folgte ein Verbot für alle muselmanischen Schiffe, Handel zwischen Indien und Ostafrika zu treiben.
• 1518 Faktorei in Colombo und Durchdringung und Missionierung des Landes. 1557 Bekehrung des Königs. Art portugiesischer Territorialherrschaft über größten Teil der Zimtinsel.
• Übertragung Dius durch Sultan von Gujerat 1534 nach erfolglosen Angriffen wichtig für Kontrolle und Besteuerung des Handels der Gujerati. Grund war Suche nach Bündnispartner. Da Portugiesen nicht sonderlich nützlich, Verbündung des Sultans mit den Türken gegen Portugiesen. 1538 72 türkische Schiffe unter SULEIMAN PASCHA (griechischer Renegat) nach Eroberung Adens. Rückzug der Türken, weil Verbündete Angst vor Unterwerfung hatten. Türken insgesamt unteres Zweistromland bis Bagdad erobert. Portugiesen halfen noch mal in einem Himmelfahrtskommando dem bedrängten Äthiopien, was zur Entsendung einer Jesuitenmission führte und 1555 zur Ernennung eines römischen Patriarchen. Keine Vereinigung beider Kirchen und Vertreibung der Lateiner 1634.
• Seit 1546 Veränderungen der politischen Landkarte Indiens und Gefährdung der Portugiesen in Goa 1570/71, wo sie sich durchsetzen konnten. • Schwierigkeiten im Raum östlich von Malakka: keine Konflikte in einem pluralistischen Raum, keine einzelne Küstenlinie, Konkurrenz durch aktivere Seefahrervölker und Europäer, Mangel an Mitteln und Personal. Kein organisiertes Auftreten, sondern einzelne Kaufleute. Ausbreitung des Islams vom Westen her. • 1513 schickte ALBUQUERQUE drei Schiffe zu den Gewürzinseln. Zwei kehrten zurück, eines blieb und unterstütze Sultan. Bis 1519 kamen weitere Expeditionen und die ersten Spanier: Magellan landete 1521 auf Tidore/Molukken und gelangte 1522 nach Spanien (erst Weltumsegelung). Gegenmaßnahmen der Portugiesen: Festung auf Ternate. Auseinandersetzungen zwischen Johann III. von Portugal und Schwager Karl V. Weil Längengrad der Molukken nicht zuverlässig zu ermitteln war und Tordesillas nicht an Abgrenzung auf anderer Seite der Welt dachte, Verkauf der Eventualansprüche im Vertrag von Saragossa 1529 gegen 350000 Dukaten. Dennoch: Festsetzen von Expeditionsmitgliedern auf Tidore, Eintreffen mehrerer Schiffe 1526, 1528, 1542 unter RUY LOPEZ DE VILLALOBOS, der 1543 den Philippinen ihren Namen gab.
• Portugiesen unterdessen festgesetzt: Gouverneur auf Fort São João auf Ternate, Faktorei auf Amboina und zwei auf den Banda-Inseln. Verkehr auf Java-, Flores-, und Bandasee. Handel seit 1523 offiziell von einer "nau do trato" abgewickelt, einem großen königlichen Schiff für Muskat und Nelken, das an einen Kaufmann übertragen wurde.
• Einträgliches Geschäft, trotz Fiskus bis zu 100% Reingewinn möglich. Befehlshaber auf Ternate bereicherte sich während drei Jahre Amtszeit nebenher. • Problem nach Ermordung eines Sultans: Heiliger Krieg 1570, Aufgabe Ternates 1575, Errichtung einer Festung auf Tidore 1578, die bis 1605 hielt. Um 1600 zunehmend nordeuropäische Konkurrenz: 1579 Stippvisite DRAKES bei Sultan von Ternate, 1599 Holländer, die 1605 Portugiesen aus Tidore und Amboina vertrieben. Spanier
(Personalunion!) hatten sich auf Philippinen festgesetzt und eroberten 1606 Tidore und teilweise Ternate zurück, mußten sich aber 1662 aus Angst vor einem chinesischen Angriff aus Manila zurückziehen. Die Holländer hatten damit freie Hand auf den Molukken, 1610 Verzicht der Portugiesen auf Gewürzmonopol. Dennoch Festsetzen auf den Solor und Timor/Kleine Sundainseln von Missionaren und Sandelholzhändlern seit den 60ern, seit 1593 Befehlshaber für Timor. • Ersatz für Molukken war China- und Japangeschäft seit 1550er. Informationen über Chinesen auf erster Malakkareise 1508 gesammelt. Freundlicher Anfang und Unterstützung bei Eroberung Malakkas 1511. 1514-16 erste Chinareisen. • 1517 FERNAO PERES D’ANDRADE offiziell nach China, Anlaufen der Insel Tunmen südlich Kantons und Eintreffen in Kanton (Salutschüsse als Affront gesehen). Audienz beim Viezekönig und Erlaubnis, Gesandtschaft an Kaiserhof zu schicken. 1518 Rückkehr nach Malakka.
• Rückschläge unter Bruder SIMIAO D’ANDRADE, weil zahlreiche Verstöße gegen chinesisches Recht und Sitten, auch gewaltsames Vorgehen gegen Schiffe Dritter. 1520 trotzdem erfolglose Gesandtschaft. 1521 setzte sich fremdenfeindlicher Herrscher durch, Rückkehr nach Kanton, wo Kämpfe stattfanden, weil Flotte Handelsverbot mit Ausländern mißachtet hatte. Bis Mitte 16. Jh. Schmuggel in östlicheren Provinzhäfen, ab 1557 halboffizielle Siedlung auf Macao (genehmigt 1582). Wurde bald Portugiesensiedlung mit Stadtverfassung und Charakter einer Handelsstadt, die chinesische Zölle zu entrichten hatte. Portugiesen willkommen, da politisch ungefährlich und Chinesen ohne Erlaubnis, Überseehandel zu treiben. Macao hatte damit als Art chinesischer Agent Zwischenhandelsmonopol, besonders für Japan, wo China aus Angst vor Piraten keine Kontakte mehr unterhielt. Große Abhängigkeit Macaos vom Japanhandel in seiner Blütezeit 1580-1600. • Ablösung der Ming-Dynastie durch Qing 1644. In Südwestchina hoffte man auf Unterstützung gegen Qing. 1661 Eroberung Formosas durch regionalen Seeherrscher, wo seit 1624 Holländer waren. China verbot daraufhin Schifffahrt, verlegte Küstenbevölkerung landeinwärts (1662) und verleibte sich 1683 Formosa erstmalig ein. 1685 Öffnung aller Häfen Chinas für fremde Schiffe, damit Verlust des Monopols Macaos und Scheitern der Verdrängungsversuche durch Niederländer und Engländer. • Japan: Zeit innerer Kämpfe, aus der neue politische Ordnung erwachsen sollte: Kaiser machtlos und Gallionsfigur, ebenso der Shogun (an seiner Stelle regierender Oberbefehlshaber und oberster Lehnsherr). Regionale Fürsten (Daimyo) und Gefolgschaft (Samurai, Art Kriegeradel). Bis 1550er Sengoku-Zeit (Zeit der kämpfenden Provinzen), seit 1603 Übernahme des Shogunats durch Tokugawas (bis 1867).
• 1543 portugiesische China-Schmuggler nach Japan verschlagen: Willkommen, weil Nachbau der Waffen möglich geworden, auch Hoffnung auf Gewinn und Machtsteigerung mit Handel. Seit 1544 verstärkter Handel und teilweise Bekehrung, vielleicht um Portugiesen an Häfen zu binden. Seit 1571 z.B. Nagasaki an Jesuiten übergegangen.
• Grundlage war chinesische Seide für japanische Oberschicht, japanisches Silber für China. Seit 1550 Monopol mit einem großem Schiff pro Jahr unter "capitão mor", später wurde versteigert. Waren: Quecksilber, Blei, Zucker, Zinnober, indische und europäische Luxusartikel. Mit japanischem Silber wurden chinesische Ware und Gold (1:5,5-6,6) gekauft. Abgaben waren besonders Zölle, in China konnte man bestechen, in Japan mußte man an Machthaber und Makler (=Jesuiten) zahlen. • Jesuiten einzige Europäer, die Sitten und Sprachen beherrschten. Seit FRANZ XAVERs Reise 1549-51 blühende christliche Kirche aufgebaut: 1580 150000 Mitglieder, 200 Kirchen, 65 Patres, und teuer. Da Ordenseinkünfte zu gering,
Beteiligung am Handel mit Macao. Der Missionsapparat stand unter Kontrolle der Krone, also meist Portugiesen und Italiener, die ungefährlich waren. • Krise mit spanischer Konkurrenz von Philippinen [siehe Abt. Spanien] Silber aus Manila und spanische Mission in Japan: 1592 Bettelordensmönche als bewußte Konkurrenz zu Jesuiten. Japaner wurden mißtrauisch, 1587 Edikt zum Verbot des Christentums, aber wieder außer Kraft gesetzt. 1596 erneute Spannungen, 1597 Kreuzigung von Franziskanern u.a. 1600 niederländisches Schiff, ließen WILLIAM ADAMS da, 1609 Faktorei errichtet. 1613 kamen die Engländer auf Anregung ADAMS, die aber 1623 das Feld räumten. Wichtig war neben den Streitigkeiten untereinander die Alternativen für die Japaner. Portugiesen trotzdem geblieben, weil Macao wichtigste Verbindung nach China war. Seit 1611/14 Christenverfolgungen. • Mit den Aufständen 1637 in Japan auch Beginn der Isolierung nach Außen: 1623 Engländer weg, 1624 Spanier, 1635 Verbot für Japaner, ins Ausland zu reisen und dort zu leben, 1635 Portugiesen auf Deshima beschränkt, 1639 Handelsverbot für Portugiesen, 1641 Verpflanzung der holländischen Faktorei auf die Insel. Japan führte nur noch begrenzten Handel mit Korea, China, den Riukiu-Inseln und der Faktorei. • Zusammenbruch des Handelssystem östlich Malakkas: 1622 Abwehr eines Großangriffs in Macao gegen Niederländer. 1639 Ende des Japanhandels, 1642 erfuhr man vom 1640 begonnenen Unabhängigkeitskrieg gegen Spanien, deshalb bis 1668 Krieg mit Spanien. Verbindung nach Goa von Niederländern in Frage gestellt. Manilahandel rückgängig zwischen 1640 und 1680 (Aufstände auf den Philippinen). Kriege und Strukturkrise gingen mit weltwirtschaftlicher Depression einher, evtl. Untergang der Ming auch wegen Rückgang des Silbers. Für Manila ab 1650er Chinageschäft erneut belebt, aber Indien und Indonesien wichtiger geworden. • Jedes Jahr vor Ostern lief eine Flotte von Lissabon aus nach Moçambique und von dort aus mit dem Südmonsun nach Indien, wo sie im September in Goa ankam. Mit Silber wurden Gewürze, Edelsteine, Porzellan gekauft. Dieser Handel wurde durch Transporte europäischer und indischer Erzeugnisse von Indien nach Japan und China ergänzt. Diese Transporte spielten ab dem 17. Jh. eine immer wichtigere Rolle. • Eroberung der Seeherrschaft durch rücksichtslose Gewalt in kurzer Zeit, ca. 1 Jahrzehnt. Gunst der Verhältnisse in Afrika, dem arabischen Raum und in Indien: seit langem verflochtene friedliche Handelsbeziehungen ohne Kriegsflotten. Charakter
• Gründe für die Durchsetzungsfähigkeit relativ geringer Leute: Aggressivität der Soldaten, Fanatismus (geprägt durch Marokkokämpfe und gegen Moslems, also für gute Sache, Hindus wurden besser behandelt), Mannschaften mit begnadigte Verbrechern besetzt, Seeüberlegenheit (Größe, Menge, Technik, Bewaffnung der Schiffe). Ausnutzung der Konflikte in indischen Regionalreichen. • Reines Handelsimperium. Verdrängung aller Zwischenhändler aus dem Asienhandel durch Kanonenbootflotte. Befestigte Plätze an den Küsten zur Sicherung der Schiffahrtswege nach Malakka und den Molukken bzw. als Flankendeckung für nach China und Japan ausdehnenden Handel (Macao 1557), als Flottenbasen, Umschlaghäfen: Sofala, Moçambique, Mombasa, Sokotra (Golf von Aden), Ormuz (Pers. Golf), Malabarküste mit Goa (Residenz des Vizekönigs), Koromandelküste, Ceylon, Amboina, Timor (Molukken)
• Monopolisierung der Routen von Japan nach China und von Indien nach Ostafrika durch Handelsfaktoreien. Pfeffer- und Waffenhandel ausschließlich in portugiesischen Händen. Handel mit anderen Gütern an Lizenzen und Transitzöllen gebunden (Malakka, Ormuz). Trotz drakonischer Strafen war es nicht gelungen, den gesamten
Gewürzhandel über das Kap der Guten Hoffnung zu leiten: Fehlende Flottenbasis für Blockage der Einfahrt ins Rote Meer (Aden 1524-38 portugiesisch). Portugiesische Präsenz dauerhaft durch Krieg gezeichnet (Osmanen, Ägypter, Piraten, Schmuggler). Erforderte Stützpunkte, erschwert durch hohe Verluste (50%): enorme Anstrengungen im Mutterland nötig, um Dimensionen im süd- und südostasiatischen Raum zu bewältigen. Herrschaft durch Eroberung und rücksichtslose Gewalt, abgestuftes System von Verträgen mit einheimischen Fürsten (die Mehrzahl der indischen Fürsten betrachteten politische Herrschaft nur als landgebunden, außerdem gab es Feindschaft und Rivalitäten der indischen Herrscher untereinander). Portugiesen niemals versucht, Hinterland zu erobern und geschlossene Territorien zu bilden (Außer Albuquerque, zweiter Vizekönig, fand keine Unterstützung). Womit auch? Festungen dienten Schutz des Warenhandels.
• Indien langfristig wirtschaftlich nie erfolgreich gewesen wegen mangelnder Organisation: Vizekönig in Goa mit unbeschränkten Vollmachten organisierte Handelsfaktoreien, hatte fünf Gouverneure unter sich: Mascat, Ormuz, Moçambique, Malakka, Colombo). Krone benutzte hohe Geistlichkeit als Gegengewicht gegen eigenmächtige Beamte (1557 Erzbistum Goa mit Diözesen/Suffraganbistümern Malakka und Macao, Cochin, Funay (Japan), São Tomé, Mailapur). Rat nur informelles Gewicht, unter ihm Finanz und Justiz. Mitte 16. Jh. "mesa de relação" mit sechs Richtern. Finanzen unterstanden Generalkontrolleur "vedor da fazenda da India", darunter "feitro" für Goa, "almoxarife" für Zollamt. Stützpunkte mit ähnlicher Verwaltung unter "capitão". Eingeborene überließ man seit ALBUQUERQUE sich selbst, Mittelsmänner sorgten für Steuern und Ruhe. Portugiesengemeinden besaßen Selbstverwaltungsrecht nach dem Vorbild de Städte in Portugal. • Seit 1540er zunehmende Mission, vorher Dominanz des Handelsinteresses und Rückgriff auf islamische Kaufleute. Impuls von FRANZ XAVER 1542 ("Apostel Indiens", Jesuit) bis Japan und China. Sorgte für Legalisierung der Beziehungen zu Eingeborenenfrauen, Förderung von Mischehen durch Krone als stabilisierender Faktor: Kolonisten und Kaufleute sollten Rückhalt bilden. Kirche nutzte Synoden als Mittel religiös-sozialer Disziplinierung: Zerstörung von Tempeln und Moscheen, allerdings eingeschränkt. Allgemein fehlte die religiöse Toleranz: Hierarchische Ordnung mit Privilegien des Adels. Trotz Rassenmischung Vorurteile gegenüber Schwarzen und dunkelhäutigen Menschen im 16. Jh.
• Das 17. Jahrhundert ist gekennzeichnet durch den Konflikt zwischen den Portugiesen und den Holländern im gesamten Raum des portugiesischen Reiches. In Brasilien war es ein Kampf um den Zucker, in Westafrika um den Sklavenhandel und in Asien um die Gewürze. Brasilien und Angola werden fortan für Lissabon immer wichtiger als der Osten.
Amerika vor den Portugiesen und Spaniern
• Gemeinsame Züge im Vergleich mit der Alten Welt, technologisches Niveau war Stein-Kupfer-Zeit, rassisch, sprachlich, kulturell differenziert: zwischen kleinen Horden von Jägern und Sammlern und Hochkulturen mit wissenschaftlichen, künstlerischen und politischen Leistungen.
• Kern der Hochkulturzone in Südhälfte des heutigen Mexikos und in Guatemala. Grundlage war Mais, Bohnen, Kürbis mit Grabstock, Truthühner, Masthunde, Bienen. Pazifikküste und Hochland von Equador bis Nordchile und Argentinien Inkareichzone. Kartoffel und Mais, Meerschweinchen, Lamas.
• Präklassische Zeit mit Auftauchen erster Kultzentren und intensiver Landwirtschaft 1500 v.Chr. bis 200 n.Chr. (Mexiko) bzw. 750 v.Chr. bis 0 (Andengebiet). Klassische
Periode 200-900 (Mexiko), 0-800 (Anden) wegen Schrift, Kalender, Mathematik, Pyramiden, Tempel, reicher Schmuck, Töpferei, Skulptur. Ab 500 Wandel: Verlassen der Mayastädte, Überrennen Teothuacáns, Überlagerung älterer Kulturen im Süden, Eroberungswellen im Norden (Tolteken, Chichimeken) und Gründung kurzlebiger Reiche. Herausbildung zahlreicher Stadtstaaten im Norden (Neues Reich der Maya) und Reichsverbände im Süden. Erst im 15. Jh. Großreiche der Azteken und Inka. Im Süden Bronze, im Norden jetzt erst Metall. Das portugiesische Kolonialreich in Amerika
• Auf dem Weg nach Indien war Brasilien schon um 1500 von Pedro Alvarez Cabral entdeckt worden, zu Beginn aber nur als Stützpunkt für Schifffahrt nach Ostindien betrachtet. Doch schon zwei Jahre später erkannte man die Möglichkeiten und begann mit dem Fällen von Brasilholz (rötlicher Farbstoff für Purpur- und Scharlachstoffe) und dem Anbau von Zuckerrohr, Tabak und Baumwolle. Arbeitskräfte wurden die Indianer oder Sklaven aus Afrika.
• Wirtschaftliche Erschließung mit Monopolisierung des Farbholzhandels und dessen Verpachtung an Privatmann 1502 unter Auflage der Erkundung des Gebietes und der Anlage eines Forts.
• Seit 1530er planmäßige Kolonisation unter staatlicher Führung durch Anlage von Zuckerrohrplantagen als Ausgleich für Defizit im Ostasienhandel. Versuch, Rechts-, Verwaltungs- und Wirtschaftsorganisation zu errichten: Krone verlieh an donatarios erblichen Grund und Boden und Hoheitsrechte. Problem: 12 Feudalherren paßten mit divergierenden Interessen, uneingeschränkter Verfügungsgewalt über Land und Leute und feudalistischer Struktur nicht ins Konzept einer zentralen Kolonialpolitik. 1549 Ernennung eines Generalgouverneurs und Errichtung einer festen Ordnung mit königlicher Kolonialbürokratie (Abschaffung der Privilegien, königliche Richter, staatliche Zollämter, Finanz- und Steuerbeamte): europäische Verwaltung in die Kolonien.
• Das Land wurde als Kapitänslehen vergeben, die weitgehende Rechte und Privilegien hatten. Dieses System machte aus den Portugiesen in Brasilien, die in Indien nur Kaufleute waren, echte Siedler. 1549 wurden die Kapitänslehen von Johann III. der Oberhoheit eines Generalkapitäns in Bahia unterstellt und die ersten Jesuiten ins Land gebracht, die bald eine wichtige Rolle spielten.
• 1555 bis 1567 hielten sich in Brasilien noch kleinere Kolonien der Franzosen, die aber bald vertrieben wurden. Um 1580 gab es in Brasilien ca. 20000 Europäer. Der Mangel an europäischen Frauen sorgte für eine schnelle rassische Mischung, bis in die höchsten Kreise.
• Wie in den spanischen Ländern war die Schule in der Hand der Kirche. • 1690 wurde in Minas Gerais Gold gefunden.
• Bis Ende 16.Jh. portugiesisches Amerika nur Küstenstreifen zwischen Amazonasmündung und São Vicente. Zuckerrohranbau nur in tierra caliente (zwischen Meer und Küstengebirge) und nur mit Afrikaner möglich: Portugiesen bereits Erfahrungen mit Sklavenjagd und -handel, Afrika unerschöpfliches Reservoir, Kaufgelder für Sklaven gewinnbringende Kapitalanlage (brasilianisches Weltzuckermonopol mit Höhepunkt im 18. und 19. Jh.) Strukturen des portugiesischen Kronkapitalismus
• Erfolg der Expansion lag auch an unmittelbarer und intensiver Teilnahme der Krone: Ausbau mit Erschließung der Westküste, Lizenzierung von Privatunternehmern blieb
nur Zwischenspiel. Schon im 14. Jh. königlicher Faktor in Brügge, seit 1499 in Antwerpen. Wichtigster Bestandteil bildete Netz königlicher Faktoreien von Afrika bis Asien. Geschäftszentrale war Casa de Guiné, Mina e India, die von der Casa de Guiné abstammte und seit 1481/82 in Lissabon als Casa de India war, von wo aus die Krone Flottenverkehr und Warenumschlag organisierte. Privates Geld nur subsidiärer Funktion, Profite kamen aber nicht nur der Krone zugute und nicht alles warf Gewinne ab.
• Risikofaktoren: Carreira da India (Lissabon-Goa), neben der Manila-Galeone langlebigste und längste Segelroute der Welt (bis 19. Jh.) Strecke war Volta da Guiné oder Volta da Mina. Dabei Ausnutzung der Meeresströmungen, Monsun- und Windverhältnisse. Ausgefahrene Einheiten: Bis 1539: Sinken von 13,8 auf 8; 1540-1629: 4,4-6,7; 1630-1660: 3,2-4,4. Allerdings unterschiedliche Tonnagen. Karavellen bald aufgegeben, Karake (plumpes Handelsschiff, não), Galeone (eher Kriegsschifftauglich). Tonnage: Anfangs 400 t, Begrenzung wegen Sicherheit und Wendigkeit, aber auch bis zu 2000t um 1600 möglich. Lebensdauer: 3-4 Reisen in beide Richtungen, max. 10 Jahre. In Goa gebaute Schiffe hielten wegen Teakholz länger. Verluste: In den ersten 136 Jahren der Carreira 11% bei Ausreise, 15% bei Heimreise (Überladungen), dabei 75% Meer, 25% Piraten. 40% Verlustrate an Besatzung, meist Skorbut. Verpflegung Schiffszwieback, Salzfleisch, -fisch, warmes Essen nur auf ruhiger See. Lebensqualität eher mäßig, deshalb Matrosen ziemlich knapp, Matrosen verachteter Stand.
• Krone in latentem Finanzmangel: Auf ersten Indienreisen Beteiligung jedermanns möglich: 5% (???) königlicher Zoll. 1502-04 Beteiligung der Welser und Fugger (Gewürzlieferungsverträge, Welserfaktorei in Lissabon). Beteiligung 1504/05 nicht möglich wegen Pfefferpreisverfall und Monopol durch König. Teilfinanzierung der Almeida-Flotte von 1505 durch deutsch-italienisches Konsortium. Gewinn 1506: 150%. 1506-1570 Kronmonopol auf Gewürze. Finanzierung möglich geworden wohl wegen gestiegener Kreditwürdigkeit durch Indienfahrten. Andere Güter blieben frei, Welser schon 1506 an Fahrt beteiligt, allerdings nicht mit eigenen Schiffen. Ladung gehörte 1506 zu 75% Privatleuten (auch 1518), Freifrachten der Mannschaften und freier Handel mitbenutzt für Gewürzhandel. Damit Unterlaufen des Kronmonopols. Sebastian gab 1570 dann Handel frei, behielt aber Kontrolle und Lieferungen von Silber und Kupfer bei. Damit Weg frei für Finanzspekulation: Krone versuchte Gewinnmaximierung und geringes Risiko, deshalb zwei Vertragsysteme (contratos): der Asien-Vertrag (Kaufleute kaufen und verkaufen Gewürze zu Festpreisen, tragen damit Risiko und können nur dann Geschäft machen, wenn große Mengen und niedrige Kosten) und der Europa-Vertrag (Abnahme bestimmter Menge Gewürze zu Festpreisen in Lissabon, Weiterverkauf auf eigenes Risiko, Absatzstockung oder Preisverfall. Aber mit Asienvertrag konnte Angebot kontrollieren und über Menge Preis beeinflussen). Verträge garantierten nicht immer Lieferungen: zwischen 1592 und 1600 kam wegen Position der Portugiesen in Malakka und Kriegen in Europa fast kein Pfeffer mehr nach Lissabon. Nach Auslaufen von Verträgen (bes. Konsortium Fugger, Welser, Rovellascas) 1597 kein Interesse mehr an Pfefferverträgen wegen zu hohem Risiko durch Engländer und Niederländer. Damit zwangsweise Monopolisierung des Handels. Versuch des Aufbaus einer Ostindienkompanie scheiterte zwischen 1628 und 1633 an geringen Pfefferpreisen u.a., deshalb gab es auch keine privaten Investoren. 1609 Ablehnung der Freigabe des Handels wegen Angst vor "Neuchristen" jüdischer Herkunft, 1642 dann getan unter Braganza-Dynastie (Ausnahme Zimt).
• Gewürzbeschaffung: Aufgabe der Faktoreien, die auf offenen Märkten einkauften. An der Malabarküste zudem Veranlassung der christlichen Händler, bevorzugt
Portugiesen zu versorgen. Außerdem vertragliche Verpflichtung einheimischer Fürsten, Ladungen gegen Zölle zu garantieren. Monopol sollte Gewinnabfluß und Defizite der Krone vermeiden, konnte aber wegen der Verschuldung nicht eingehalten werden. Festpreise führten zu Betrügereien (Pfeffer wurde gestreckt, Gewichtsverlust beim Trocknen). Trotz allgemeiner Preissteigerung des Pfeffers und Umsteigen auf bessere Sorten wegen holländischer Konkurrenz, keine Zahlungsprobleme, weil "Geld dem Pfeffer folgt".
• Monetärer Abfluß: Kupferladungen nach Westafrika und besonders Indien für Münzprägung. Wechselsystem durch dauerhafte Präsenz ermöglicht, damit auch Selbstfinanzierung des Indischen Reiches und des Indienhandels. Reguläre Einkünfte wie Zölle, Grundrente und indirekte Steuern wichtiger als Beute aus Kriegen. Portugiesen zwangen an indischer Westküste Pässe auf, die die Kaufleute verpflichtete, portugiesische Häfen anzulaufen und Zölle zu entrichten. Damit verbunden waren Strafen gegen Embargoverstöße. Portugal sicherte seinerseits den Schutz. Wichtig war der Landhandel. 1580 brachte Kaproute nur 20% der Profite, die insgesamt im Reich erzielt wurden: In Ormuz Gewürze gegen Pferde und Silber, in Gujerat gegen Gewürze und Kupfer Silber und Textilien, die in Malakka gegen Gewürze und Gold gehandelt wurden. Goldfluß nach Indien aus Malakka und Afrika, Kupfer aus China und Japan. Europäische Waren für Indien (Korallen, Tuche, Zinnober, Quecksilber). Bis Anfang 16. Jh. geringe Zahlungen nach Indien nötig gewesen. Änderung mit Auftreten der spanischen Silbermünzen, die Portugal, Niederländer, Engländer und Spanier benutzen. Silberstrom aus Amerika durchdringt Weltwirtschaft. Portugal versorgte sich mit Silber über Handel mit Spanien, Verträge mit der spanischen Krone, Schmuggel über die Azoren und Rio de la Plata, Sklaven nach Amerika. Defizite auch in Europa: Gewürze können nicht mehr Importe aus Antwerpen nach Portugal decken, Antwerpen nicht komplett Zentrum geworden. Venedig nach wie vor Gewürzmonopol im 15. Jh. während der Entdeckungen, Gewürzfluß aus Levante nie versiegt und im 16.Jh. wieder angestiegen. Antwerpen blieb bis 17.Jh. Gewürzmarkt von regionaler Bedeutung.
• In erster Hälfte 16. Jh. hatte die Krone ein Quasimonpol für asiatische Gewürze mit Endgewinnen von maximal 60%. Infolge der Risiken und langen Liefer- und Absatzfristen Überanstrengungen des Kredites. 1560 finanzieller Zusammenbruch Portugals, seitdem einheimische und ausländische Geldgeber tonangebend. Kurzfristig setzten die Lieferungen nach Lissabon aus und gingen langfristig zurück, die Stadt behielt aber bis 1650 ihre Bedeutung auf dem Gewürzmarkt. Das indische Reich wurde im Laufe des 17.Jh. defizitär, besonders wegen Verteidigungsanstrengungen gegen die Niederländer. Bedeutung für Kroneinnahmen im Sinken begriffen, ebenso die Kaproute. Der steigende Landhandel brachte keinen Ausgleich, Indien wurde im 17. Jh. von Brasilien in den Hintergrund gedrängt, die Niederländer übernahmen dessen Rolle.
• Ausbildung der kriegerischen Eigenschaften des spanischen Volkes durch die Kämpfe • Aufbau einer Kriegsmarine im Kampf gegen die Mauren
• Noch größerer Einfluß der Reconquista, Beendigung 1492. Ausbildung des niederen kriegerischen Adelstypus der Hidalgos. Es kam in Spanien als Folge der Geisteshaltung der Hidalgos nicht zu einem hinreichen gewerblich tätigen Mittelstand, der in der Lage gewesen wäre, die wirtschaftlichen Aufgaben zu bewältigen, die die
überseeische Expansion mit sich brachte, zumal Spanien sich durch die Austreibung der Juden und später der Neuchristen und Morisken wichtiger wirtschaftlicher Kräfte beraubte. Auch hier gab es eine lange Seefahrertradition, insbesondere im Bestreben sich in Nordwestafrika festzusetzen. Die lange Vorbereitung der Spanier auf die Aufgaben, die sich ihnen mit der überseeischen Expansion boten, wurden in der letzten entscheidenden Phase begünstigt durch die Personalunion zwischen Kastilien und Aragón ab 1474. Damit war die Voraussetzung für die Bildung eines kräftigen Staatswesens geschaffen, das die Lenkung der mit den Entdeckungen einsetzenden Aufgaben übernehmen konnte. Die einheitliche Religion sollte die politische Einigung Spaniens festigen. Innenpolitischer Grundriß
• 1556-98 Philipp II. regiert Spanien und das Kolonialreich. 1580 erobert er Portugal und vereint es mit Spanien. Zur Eroberung Englands (Elisabeth), das die ndl. Rebellen unterstützt soll die Große Armada dienen, die 1588 durch Stürme und Engländer vernichtet wird.
• 1598-1621 überläßt sein Nachfolger Philipp III. den erschöpften Staat seinem Günstling Graf Lerma.
• 1621-65 erfolgt unter Philipp IV. die Vertreibung der Moriskos, was den Wohlstand des Landes vollends zerstört.
• 1621-48 erfolgt die Erneuerung des ndl. Krieges, was den Machtverfall beschleunigt. 1640 fallen Portugal und Katalonien (bis 1652) ab.
• 1648 erfolgt die Anerkennung der Niederlande; Verlust der Großmachtstellung an Frankreich im Pyrenäenfrieden von 1659. Expansion
• Die historisch relevante Entdeckung Amerikas gelang Kolumbus 12.10.1492 (Guanahani, San Salvador; weiter Kuba und Haiti/Hispaniola) von Spanien aus. • Schon 1493 erreichten die katholischen Könige nach Kolumbus Reise bei Papst Alexander VI. die Festlegung ihrer Interessensphäre westlich der Azoren. Proteste Portugals führen zu einer einjährigen Konferenz in Tordesillas, wo man sich 1494 darauf einigte, daß alle 370 Meilen/leguas (1 legua rd 5,5km) weiter westlich der Kapverden liegenden Gebiete Spanien gehörten: damit war die "diviso mundi" für den Atlantik vollzogen. Brasilien lag später einzig in der portugiesischen Zone, Amerika sonst in der spanischen. Wegen Unkenntnis der Geographie keine Abgrenzung der Interessen im Indienhandel.
• 1510 war die Inbesitznahme der Westindischen Inseln abgeschlossen und man begann, im Gegensatz zu den Portugiesen in Afrika, sich für das Festland zu interessieren. • Nach der Erfassung Amerikas als eines vierten Kontinentes hatte man begriffen, daß der Erdumfang viel größer sei, als man bisher glaubte. Daraufhin war man in Spanien zu der Ansicht gekommen, daß die Gewürzinseln in die spanische Interessensphäre (Tordesillas) fallen müßten. Der spanische König Karl I. griff diesen Gedanken auf und unterstützte Magellan, dessen Expedition 1522 von der ersten Weltumsegelung zurückkam.
• Die Konquista in Mittel- und Südamerika beruht auf drei wichtigen Tatbeständen: 1. Der Goldhunger und eine richtiger Wunderglauben an ein Reich des "El Dorado". 2. Die Rechtsform der Eroberung, wie sie aus der Praxis der mittelalterlichen Reconquista in Spanien gegen die Mauren entstanden war.
3. Die typischen Umstände und Techniken, die den extremen Erfolg der spanischen Vorstöße bedingten.
• Erfolge der Konquistadoren: Feuerwaffen unterlegen (Ladeprozedur, feuchtes Pulver, Rost...), aber Pferde und Bluthunde, kavalleristische Attacken, schwacher Widerstand der präkolumbianischen Bevölkerung (weniger technische Unterlegenheit-kein Eisen, Rad, Pflug, Töpferscheibe, als feudale Ordnung: Liquidierung der Führerschicht reichte), Zerstrittenheit der Indianerstämme, Thronstreitigkeiten. Möglich durch psychologische Basis: Überlebenswille, mehr noch christliches Sendungsbewußtsein, Kreuzzugsidee des Heiligen Krieges, christliches Ritterideal der Amadis-Romane. Wurde gerade so auf Indianer transferiert. Außerdem Motto "ir a valer mas", mehr gelten, höheres Ansehen gewinnen in wirtschaftlicher, moralischer, gesellschaftlicher Hinsicht. Laut Mieck heute noch Konsequenzen aus Realisierung dieser Devise in Sozialstruktur Lateinamerikas zu sehen.
• Konquistadoren- und Entdeckungsfahrten private Unternehmungen, bei denen es um Rentabilität ging: Verflechtung von Abenteuer, Ökonomie, Kreuzzug und Rendite. Bsp.: Kostendeckung der Magellanschen Weltreise durch einziges Schiff, das mit Gewürze zurückkehrte. Risiko: 50% Schiffsverluste. Beginn der Schiffsversicherung nach Menge der zu ladenden Fässer (Casco).
• HernanDo CortEs hatte in Mexiko (Veracruz) startend 1519 die Azteken unterworfen und an der Stelle von Tenochtitlan Mexico City gegründet (1521). • Von Mexiko aus wurde Guatemala unterworfen, Honduras erforscht, das südliche Kalifornien entdeckt (La Paz 1536). Vordringen vom Isthmus nach Nordwesten: in Costa Rica und Panama hochentwickelte indianische Goldschmiedekunst • Francesco Pizarro nahm sich von Panama kommend 1532 das Inkareich (Equador bis Nordchile) vor. 1533 Hauptstadt Cuzco, von Perú aus Konquistadorenzüge nach Nordchile, Bolivien, Kolumbien. Wegen vergoldetem Kaziken (1539 erstmals erwähnt) bzw. El Dorado weit ins Innere reichende Vorstöße, Überquerung der Anden und Amazonasfahrt des Orellana 1544. Doch innerspanische Streitereien und hartnäckiger Widerstand der Inkas machten erst ca. 1550 den Weg zu einer geordneten Kolonisation frei.
• Es erfolgte gleichzeitig auch die Erforschung der südamerikanischen Ostküste, so daß bis 1540 die großen Zentren des spanischen Kolonialreiches eingerichtet waren, denen sich portugiesische Gründungen zugesellten. Die flächendeckende Raumdurchdringung im Inneren setzte nun vor allem in den spanischen Eroberungen ein. Dieser Entwicklung parallel lief die enge Verknüpfung der Kolonien untereinander.
• Spanien sollte seine Vorherrschaft auf den Weltmeeren symbolisch verlieren, als Philipp II. 1588 seine für unbesiegbar gehaltene Kriegsflotte, die Armada gegen die abgefallenen Niederlande sandte und damit auch die engl. Königin Elisabeth verjagen wollte. Nach der Niederlage gegen die zwei Staaten war die Alleinherrschaft gebrochen, auch wenn Spanien noch sehr lange bedeutsam blieb. Auswirkungen betrafen besonders Europa und die Ausbreitung und Festigung des Protestantismus. • Philippinen: Kolonialherrschaft etabliert, ursprünglich nur als Hintertür zum Gewürzmarkt gedacht. 1565 vier Schiffe, 1571 Eroberung Manilas: großer Hafen Zugriff auf fruchtbare Ebenen, Schutz vor Portugiesen, die 1568 angreifen wollten. 1580 Gefahr mit Personalunion beseitigt, trotz getrennter Verwaltung der Kolonialreiche. Daraufhin weitere diplomatische Unterwerfung des Archipels. Hispanisierung besonders durch Missionare ("Ein Ordensmann ist hundert Soldaten wert", 1605), die Eingeborene in geschlossene Gemeinden packten. 1579 Bistum Manila, 1595 Kirchenprovinz mit drei Suffraganen. Spanische Eroberung
ausgesprochene und zielbewußte Herrschaftsbildung. Ausnahme auch wegen Gewaltlosigkeit und massiven Einsatzes der Mission. War Alternativmodell der Befriedung (pacificacion) gegenüber Eroberung (Konquista) nach Erfahrungen in Amerika und Dominikanerkritik. Anfängliches Encomienda-System und Ausbeutung änderte sich mit günstiger Wirtschaftsentwicklung Ende 16. Jh. durch Chinahandel. Chinesenkolonie, in Manila ein Chinatown zu Beginn der 80er. Gründe: Sub-Kolonie Neu-Spaniens/Mexikos, Unterstellung nach Entdeckung des Rückweges nach Mexiko. Mit dieser festen Route auch Rückgang der Entdeckungen. • Manila-/Acapulco-Galeone mit Seide nach Nordamerika und Silber nach Manila. Manila-Macao-Handel verboten, weil zu große Konkurrenz im Silberhandel. Unterbrechen der Verbindung nach Goa durch Holländer 17.Jh. führte zu Problemen für die Portugiesen, die Kredite aufnehmen mußten. Nach dem Bruch mit Japan und dem Ausbleiben des Silbers, Rückgriff auf Manilageschäft. 1640 50% der Importe aus Macao.
• Westindien: Die Konzentration der Spanier auf die Hochkultur und Edelmetallländer führte dazu, daß die Kontrolle und Durchdringung Westindiens vernachlässigt wurde. Seefahrende Gegner Spaniens konnten sich also bei einigem Geschick mit verhältnismäßig geringem Risiko in der Karibik bewegen. Die Folge war, daß sich Spanien bis zum 18. Jh. den Besitz dieses Raumes mit sämtlichen seefahrenden Ländern Nord- und Westeuropas teilen mußte. Westindien war nämlich inzwischen zum wichtigsten Glied im ökonomischen Weltsystem des atlantischen Dreieckshandels geworden. Das spanische Kolonialreich in Amerika
• Im Gegensatz zu den Portugiesen waren die Spanier auch in das Innere der entdeckten Länder vorgedrungen und hatten es erobert und kolonisiert. Während Portugal nur punktuell entwickelte, breitete Spanien seit dem 16. Jh. seine eigenständige Zivilisation über die riesige Fläche Lateinamerikas aus. Sie betrachteten dabei Land und Leute als ihr Eigentum. Spanien konzentrierte seine Energien in die Eroberung des Aztekenreiches in Mexiko, des Mayareiches in Yucatán, des Staates der Inca in Peru. Dies war gegen Mitte des 16. Jahrhunderts abgeschlossen und die Ausbeutung von Gold und Silber begann in riesigen Mengen, was eine Silberinflation zur Folge hatte. Das riesige von den Spaniern kontrollierte Gebiet bestand aus kleinen Inseln der Zivilisation, Städten, Zentren des Bergbaus, großen Gütern, die von weiten Flächen Wildnis mit nur wenig Verkehrswegen umgeben waren. Nach der ungestümen, unkontrollierten und von Raubzügen, Übergriffen und Grausamkeiten durchsetzten Konquista sollte eine dauerhafte gesellschaftlich-wirtschaftliche Herrschaftsgrundlage geschaffen werden.
• Dynamik der Konquista beruhte nicht zuletzt auf ihrem Charakter als sozialer Aufstiegsmechanismus. "Technik der Konquista" als typisches Verlaufsschema: Propaganda für die Reichtümer des Landes mit besonderer Namensgebung, in der Glaubensinhalte, Heilige des Christentums, Reizwörter (rico, oro, plata= reich, Gold, Silber) auftraten. Vorzeigen von Eingeborenen oder kostbare Produkte. Im Land wurde mit Bundesgenossen gearbeitet oder mit loyalen Beischläferinnen. Terroristische Exzesse: Festnahme und spätere Tötung des Herrschers als Geisel, auch zur Einschüchterung des Gegners, Folter, Bluthunde. Grab- und Schändung von Heiligtümern als Mittel individueller Bereicherung und zum Zeichen der Überlegenheit des eigenen Gottes. Nach Proklamationen und symbolischen Handlungen der formellen Besitzergreifung Gründung einer Stadt nach spanischem Recht und Zuweisung von Grundstücken und indianischer Arbeitskraft an die
Eroberer. Teilweise auch Gründung einer Stadt durch einen Konquistador. Legitimation des Vorgehens durch Verlesung einer Proklamation (Requerimiento). • Überragender spanischer Anteil an Erforschung der neuen Welt: süd- und mittelamerikanische Küsten/Inseln, Binnengebiete, weite Teile Nordamerikas (Felsengebirge, Grand Canyon, Prärien, Mississippi; insgesamt bis nördliches Kansas und 38° n.B.). Übrige europäische Nationen in dieser Phase gering vertreten. Italiener zahlreiche Individuen geliefert (Kolumbus, Verranzano, Caboto, Vespucci). Gründe: innen- und außenpolitische Belastungen, demographische Strukturen, fehlende nautische Voraussetzungen. Frankreich und England aber stark interessiert. Sklaverei
• Rasse, Notwendigkeit der Bekehrung und technische Unterlegenheit prädestinierte Eingeborene zu Arbeiten aller Art. Krone versuchte schon früh gegen Widerstand der Kolonisten ("Gott ist im Himmel, der König ist weit, hier befehle ich") Indianersklaverei in Rechtsnormen zu gießen. Verbot der Sklaverei: beim Übergang vom Handel zur Herrschaft benötigte man Untertanen, für die man sich verantwortlich fühlte. Sklaverei nur eine Form des Arbeitszwanges, aristokratische Glücksrittermentalität der Eroberer verhinderte eigene Anstrengungen. Hinzu kam Wille zur Europäisierung.
• repartimientos waren Indianerzuteilungen seit 1503, die später als encomiendas (Empfehlungen oder Schutzaufträge auf Zeit) bezeichnet wurden. Praktisch war es die hemmungslose Ausbeutung der Indianer mit gewaltsamer Rekrutierung unter Zerreißung der Familien und brutalem Terror. 1503 Erlaß Isabellas zur Regelung der Arbeitsbeschaffung: Kazike mußte amtlich festgesetzte Zahl von Indianern für Arbeit liefern, diese erhielten Lohn und Lebensunterhalt (encomienda). • Abkehr der Krone im 16. Jh. von der Requerimiento und Übergang zur Idee der legitimen Rechtsnachfolge der einheimischen Herrscher. Anfangs Einsetzen von Schatteninkas in Peru als Vasallen, nach deren Aussterben Umschreiben der peruanischen Geschichte: Spanier Befreier von tyrannischen Inkas. • Ausbeutung in den ersten Jahrzehnten barbarisch (20 Jahre für Aussterben der Eingeborenen auf den Westindischen Inseln). Dennoch regte sich Widerstand: 1511 Beginn des "Aufstandes der Mönche" (=Glaubens- und Gewissenschlacht zur Rettung der Indios) nach Rede von Dominikaner ANTONIO DE MONTESINOS in der Goldgräberstadt Santo Domingo, in dem christliches Ethos gegen das Verbrechen gestellt wurde. MONTESINO sorgte auch für die 1512 verabschiedeten Leyes de Burgos zur Modifikation des encomienda-Systems und zur humaneren Behandlung der Eingeborenen. Sie wurden zwar mißachtet, aber das System änderte sich dennoch weg vom Arbeitszwang und hin zu regelmäßigen Abgaben des Indios gegen Sorge für Sicherheit, kirchliche Betreuung und Verteidigung durch Encomendero. System wurde schließlich zu einer politisch-militärischen Einrichtung des spanischen Kolonialreiches, die bis 1720 bestand.
• 1530 wurde expressis verbis ein Verbot ausgesprochen, das 1534 wegen Drucks zurückgenommen wurde. Unter Dominikaner BARTOLOME DE LAS CASAS Versuche, die encomienda abzuschaffen, führten 1542 zu den Leyes nuevas Karls V., die der Missionspflicht den Vorrang einräumten, die Konquistadoren als kaiserliche Gesandte gelten ließen, die Lehnserblichkeit aufhoben und Strafen für Übergriffe androhten und die Nachkommen der Inkas als Stellvertreter des Kaisers machten. Wegen Aufstände der Siedler von Peru bis Panama nahm Karl V. sie 1545 zurück. • BARTOLOME DE LAS CASAS schrieb aus Enttäuschung sieben polemische Schriften ("Tatsachenberichte") gegen die Kolonialherren, die Stoff für die Leyenda
negra bot und das Bild der spanischen Kolonialherrschaft verzerrte: Keine Kenntnis der Sozialgesetze Philipps II. für Amerika wie gerechter und ausreichender Lohn (1559), Gewinnbeteiligung der Arbeiterschaft (Chile 1564), Erhaltung der Arbeitergesundheit (1581), gleitende Lohnskala (1590), Achtstundentag für Festungs-und Fabrikarbeiter (1593). Zwar kein Aufheben des Systems und keine gleichmäßige Umsetzung der Gesetze, aber Linderung der Lage der Indios durch afrikanische Sklaven.
• Während man für das Jahr 1492 mit einer Indianerbevölkerung von 60-80 Millionen rechnen kann, waren es hundert Jahre später vielleicht noch 10 Mio, wobei die rund 800000 Weißen, die um 1650 in Amerika lebten, schon rein zahlenmäßig keinen Ersatz darstellten.
• Afrikanische Sklaven wurden seit 1510 zunehmend eingeführt (rund 0,9 Mio. im 16. Jh., dabei ähnliche Anzahl Opfer während Überfahrt). Anlaß war Aussterben der Indios auf den Westindischen Inseln. Monopolisierung der Einfuhr durch spanische Krone, Sklavenhandel ab Afrika durch Portugal; Geschäft wurde meist an Gesellschaften verpachtet. Afrikanische Sklaven durften nur Inhaber einer königlichen Lizenz importieren (waren beschränkt), z.B. Fa. Welser. Seit 1595 Monopolvertrag mit einem einzigen Händler (Asiento). Spanisch-Amerika rund 1,5 Mio. Sklaven, rund 15,8% aller nach Amerika gebrachten Sklaven. Seit 17. Jh. überholt Brasilien alle. Gesellschaft:
• Eroberer und Konquistadoren aus ärmeren Volksschichten mit Siedlungsinteresse, secundones jüngere Söhne des kastilischen Adels. Gründe: keine standesgemäße Versorgung im Kirchen- und Staatsdienst des Mutterlandes, Krise des Feudaladels (zentralistisch-absolutistische Bedrohung und Einengung der ständischen Rechte), Verarmung, Ausschluß aus Spitzenstellungen wegen Erstgeburtsrecht. Diese hidalgos pobrestransferierten europäischen Feudalismus nach Amerika, wo er zur Blüte und schärferer Ausprägung gelangte, als er in Europa schon ausstarb. • Struktur lateinamerikanischer Bevölkerung durch drei ethnische Gruppen gekennzeichnet: Weiße altspanischer Abstammung (Kreolen, criollos) als Oberschicht; Mestizen (Spanier und Indianerinnen, Heiratserlaubnis seit 1513); Indios (Massensterben bis Mitte 17. Jh.). Außerdem: Schwarze und Mischformen (Mulatten, Zambos), später und geringer Asiaten (Trinidad, Guayana). • Keine homogene Gesellschaft entwickelt worden: Keine Verschmelzungen zwischen Indios und Weißen bzw. Mestizen und Indios.
• Rassendurchmischungen waren im spanischen Amerika üblich, und zwar zwischen Europäern, Negern und Indianern in jeder möglichen Kombination. In ganz Spanisch-Amerika gab es um 1600 wahrscheinlich rund 160000 Einwohner europäischen Ursprungs, davon ca. 4000 Encomenderos, die einige fünf Millionen Indianer und vierzigtausend Neger beherrschten. Verwaltung
• Seit 1503 Kontrolle des Westindienhandels bei Casa de la Contratación in Sevilla (königliches Handelshaus), das Schiffe ausrüstete, Warenverkehr regelte, Aus- und Einfuhrregister führte, Lizenzen und Pilotenscheine vergab, Handelskarten herstellte, Konquistadorenverträge abschloß und Sevilla als alleinigen Ausreise- und Rückkehrhafen zuließ (1519 Cadiz, sonst bis 1717).
• Gesamter Kolonialhandel ging über das Mutterland und auf spanischen Schiffen. Edelmetallexporte in andere Länder waren verboten, alle Überseelieferungen liefen
über die Casa. Die Krone beanspruchte 20% von jeder Reise und jedem Zug. Bereitschaft zur Zahlung eher mäßig, weshalb sich bald ein lebhafter Schmuggel ausbildete (Portugiesen, Holländer, Engländer, Franzosen als filibusters und buccaneers besonders auf dem Westindischen Inseln). • Vizekönigssystem wichtig, weil Maßgebendes zur Einrichtung des spanischen Herrschaftssystems geleistet: Vizekönige nicht nur Vertreter der Person des Königs, also nur politische, nicht administrative Aufsicht mit Weisungsbefugnis. Gleichzeitig aber auch Gouverneure.
• Tendenzen zur Bildung von Feudalherrschaften wurden begrenzt. Seit Kolumbus eine Art Standardtechnik zur Entmachtung erfolgreicher Eroberer eingesetzt. Leute wie GONZALO oder PIZZARRO fühlten sich durch die Krone betrogen, immerhin hatte die Krone durch sie das Land erhalten. Außer Kolumbus‘ und Cortéz‘ Erben hatte niemand in Amerika eine regelrechte Feudalherrschaft behaupten können. Die quasifeudale Encomienda wurde abgebaut und nie als erblich anerkannt, Ständevertretungen frühzeitig abgewehrt. Statt dessen errichtete ein privilegiertes Berufsbeamtentum eine bürokratisch-zentralistische Herrschaft. • Krone übte scharfe Kontrolle auf Auswanderer aus, nötig war eine Lizenz der Casa de la Contratación. Mauren, Juden und deren getaufte Nachkommen durften nicht, Sträflinge wurden nicht nach Amerika gelassen. Frühe Einwanderer aus Andalusien und Extremadura. Auch Aragonesen zugelassen, obwohl Amerika kastilisch. 1526-38 durften alle Untertanen Karls V.
• 1524 als höchste Verwaltungsinstanz Gründung des Consejo Real y Supremo de las Indias, der auch Gerichtsinstanz für Amerika war. Dem Indienrat unterstanden Vizekönigreiche Neu-Spanien (1535, Hauptstadt Mexiko), Peru (1543, Lima), Neu-Granada (1717, Bogotá)., La Plata (1776, Buenos Aires). Vizekönige als Beamte auf Zeit beaufsichtigten Provinzgouverneure, die als Generalkapitäne administrative, richterliche und militärische Gewalt ausübten. Zur Stabilisierung der Ordnung und als Gegengewicht gegen Konquistadoren und Vizekönige und für eine bessere Rechtssicherheit wurden (erstmals 1511 in Santo Domingo) audiencias als oberste Gerichtsbehörden in Amerika gegründet. Als Petitionsinstanz konnten sie administrative Maßnahmen der Gouverneure bestätigen und aufheben, überwachten die Indianerschutzgesetze, Beschlüsse hatten Gesetzeskraft. Nach Konetzke waren sie dazu bestimmt, die politische Herrschaft zu stabilisieren und die erobernde Macht in staatliche Ordnung umzuwandeln. Bis in das 18. Jh. keine Besetzung der höchsten Ämter durch Kreolen.
• Städte schachbrettartig oder radial um zentralen plaza de armas angelegt, besaßen halbwegs freie Selbstverwaltung. Teilweise gewählte Stadtobrigkeit (cabildo) bestand aus Laienstadtrichtern (alcaldes) und Stadträten (regidores). Ein juristisch geschulter königlicher Aufsichtsbeamte (corregidor) leitete cabildo und schränkte damit Selbständigkeit ein. Korruption und Cliquenwirtschaft, Ämterkäuflichkeit und Gruppenegoismen führten zur Pervertierung der Selbstverwaltung und verhinderte Entwicklung eines emanzipierten Bürgertums in den folgenden Jahrhunderten. Außerdem Fehlen von Möglichkeiten zur politischen Mitwirkung an der Regierung. Im 19. Jh. fehlende politische Erfahrung Belastungsfaktor beim Übergang zur demokratisch-republikanischen Staatsform. Wirtschaft
• Wirtschaftliche Erschließung Amerikas durch fiskalisches Interesse der Krone bestimmt
• Landwirtschaft: Großgrundbesitze wie estancias und haciendas. Extensive Viehwirtschaft (Rinder, Schafe, Schweine, Pferde), Zuckerrohr, Kaffee, Kakao, Tabak, Leder. Unerwünscht waren größere gewerbliche Unternehmen, weil Kolonien als Absatzmarkt betrachtet. In Haiti wurde schon 1493 mit dem Anbau von Zuckerrohr begonnen, 1552 folgte Mexiko. Entstehen der Hacienda, Großgrundbesitzes, erleichtert durch Rückgang der Indianer bzw. deren Umsiedlung in Dörfer. Subsistenzwirtschaft und Belieferung benachbarter Märkte, Produktion hochwertiger Agrarprodukte europäischer und amerikanischer Herkunft: Zucker, Kakao, Tabak, Karminot aus Koschenille-Schildlaus). Auch Gewerbe auf regionale und lokale Selbstversorgung ausgerichtet. (Textil, Tabak, Schiff). Entstehen einer starken Regionalisierung und ökonomischer Einheiten, aus denen später die heutigen Länder Lateinamerikas hervorgehen sollten.
• Die Edelmetallföderung stand an oberster Stelle und wurde privatisiert. Rapider Anstieg nach Entdeckung des Silberberges (Cerro) von Potosí (1545, Bolivien) und Goldlager in Kolumbien, Equador, Honduras. Ursprünglich Mexiko wichtigstes Produktionsgebiet. Quecksilbervorkommen von Guanacavelica (1563) ermöglichte neues Amalgationsverfahren, trotzdem Nachschub aus Spanien nötig. Höchste Silberlieferungen 1591-1600 (2707to, rund 400 to/a). Silberflotte lief im März von Havanna aus, seit 1543 im Geleitzugsystem wegen Piraterie.
• Erzförderung sorgte für Urbanisierung. Die Rekrutierung der Arbeitskräfte erfolgte durch das mita-System, das es bereits für öffentliche Arbeiten bei den Inkas gab. In einem Umkreis von 600km um Potosí mußte die männliche Bevölkerung in Schichten einen regelrechten Arbeitsdienst im Bergwerk leisten. Wochen der Zwangsarbeit wurden abgelöst durch Wochen freier Arbeit, die dem Arbeiter die Möglichkeit gaben, sein Einkommen aufzubessern.
• Das Wachstum des Kolonialhandels im 16. Jh. ist anhand der Bücher der Casa de la Contratación ablesbar: zwischen 1530 und 1560 Ansteigen um das Elffache, zwischen 1560 und 1590 um das Fünfundzwanzigfache. Spanisches Mutterland zog restriktive Amerikapolitik durch: Monopol auf Salz, Tabak, Bergbau bzw. Quecksilber. • Im Laufe des 17. Jh. führt eine langsame, anhaltende Expansion die spanischen Kolonisten über die Grenzen der großen Indianerstaaten hinaus. Von Sevilla aus segelten die Handelsschiffe in Geleitzügen in die karibische See und trennten sich dort bis zu ihrer Abreise. Kirche
• Kirche und Mission waren Herrschaftsinstrument zur Unterwerfung und Disziplinierung der Indianer.
• Seelsorge, Caritas, Erziehung und wirtschaftliche Betätigung miteinander verknüpft: Königliches Patronatsrecht machte die schließlich 10 Erzbischöfe und 38 Bischöfe (Ende der Kolonialzeit) zu Quasistaatsbeamten für geistliche Aufgaben. Erwerb von umfangreichen Grundbesitz durch Schenkungen und Erbschaften. Besonders Jesuiten beuteten ihre riesigen Besitzungen wirtschaftlich mit Erfolg aus. Im 17. Jh. begründeten sie reduciones in den Randgebieten des spanischen Siedlungsraumes, die sich inselhaft von Paraguay über Bolivien, Equador und Ostvenezuela erstreckten. Sie stellen die schärfste Umsetzung von Mission und Wirtschaft in blühenden und isolierten Gebieten dar: Seßhaftmachung bekehrter Indios, Beschäftigung in Landwirtschaft und Gewerbe, Versorgung und Schutz durch Patres, Verbot des Betretens für Spanier. Formell unter Kontrolle der Gouverneure, patriarchalische Gewalt der zwei oder mehreren Patres über 2500 bis 8000 Indios. Einhaltung der humanen spanischen Kolonialgesetze, Feiertage; kein Privateigentum,
Produktionsmittel gehörten der Gemeinschaft (tupambac = Eigentum Gottes). Aufstellung einer Guarani-Armee (1641) gegen Sklavenjägerzüge von brasilianischer Küste aus. Vorteileder Reduktionen: kein Rückgang der Bevölkerung, Erlernen von Landwirtschaft und Handwerk. Nachteile: Entscheidungen durch Patres gefällt, besonders übel, als 1767 Jesuiten aus Amerika vertrieben wurden. • Die Encomenderos hatten den Auftrag, bei den ihnen anvertrauten Arbeitskräften das Christentum einzuführen, was sie aber kaum taten. Missionare sollten diese Aufgabe erledigen. Franziskaner, Kapuziner und Jesuiten begannen früh und erfolgreich mit den Bekehrungen. Die Kirche wurde insgesamt die lebendigste und wirksamste Kraft in der Weitergabe der westlichen Zivilisation an die Ureinwohner Amerikas sowohl durch ihre Missionstätigkeit als auch durch das Schulwesen. Ausblick
• Ende des 16. und Anfang des 17. Jh. eroberten die Spanier aus strategischen Gründen zwei Gebiete: Florida und Neu-Mexiko. Florida hatte die Aufgabe, die Transportschiffe für das Silber aus den Minen Amerikas, die die Floridastraße nach der Abfahrt aus Havanna passierten, zu schützen. Neu Mexiko sollte die Silberminen Neu-Spaniens schützen.
• Das 17. Jahrhundert war im spanischen Amerika eine Periode starker Einwanderung, aber die Neuankömmlinge erhielten keine großen Güter mehr wie ihre Vorgänger im Jahrhundert zuvor. Es waren Bergarbeiter, Ladenbesitzer, Viehzüchter, die durchweg selber arbeiten mußten, denn die encomiendas mit zur Fronarbeit gezwungenen Indianern waren längst verteilt worden. Die anderen Staaten
• Nachlassen der spanisch-portugiesischen Entdeckungen seit der zweiten Hälfte des 16. Jh. Zwischen 1500 und 1600 Zunahme der bekannten Landfläche von 25 auf 40% (Erde: 22.1 auf 49%). Darin auch innereuropäische Expansion nach Sibirien. • Mit spanisch-portugiesischer Personalunion seit 1580 unter Philipp II. auch dessen Anspruch auf sämtliche Kolonialgebiete der Erde auf Basis der Verträge von Tordesillas und Saragossas. Spanische Flotte kontrollierte Zugangswege zu lukrativen Gebieten Amerikas und Indiens, auch nach Untergang der Armada und englischer Piraterie. Damit Notwendigkeit für übrige Staaten, eigene, von iberischer Kontrolle freie Wege zu finden.
• Suche nach Nordostpassage: Caboto 1553 gründete Gesellschaft für die Suche, kam bis zur Dwina-Mündung (Archangelsk). Zwar nicht Indien, aber Privileg für nunmehr englische "Muscovy Company" zum zollfreien Handel mit allen russischen Provinzen und Städten durch Iwan VI. 1555 schon aufgeben der Suche durch Engländer. Niederländer folgten und kamen bis zur Kara-See (1594), die aber durch Packeisfelder versperrt war. Willem Barent machte noch dritte Expedition (1596/97), entdeckte die Bäreninsel und Spitzbergen aber keine Passage. Suche wurde hinfällig, als sich der südliche Seeweg nach Indien zu dieser Zeit öffnete. Passage wurde erst 1878/79 bezwungen.
• Suche nach Nordwestpassage: Caboto überzeugt von Umschiffungsmöglichkeit, Frobisher erreichte Südteil der Baffininsel (1576/78), John Davis stieß über gleichnamige Straße weiter nach Norden vor. 1609/10 erkundete HUDSON (Engländer in holländischen Diensten) Gebiet um Hudson River (Siedlung Neu Niederlande), 1616 überschritten Baffin und Bylot den 75.Breitengrad und fanden sie doch nicht. Gefunden wurde sie 1850/53.
• Dritter Schwerpunkt der Entdeckungsreisen bildete Suche nach "terra australis nodum cognita"(Bezeichnung auf Karte des Ortelius 1571), schon in der Antike vermuteter Südkontinent. Holländer übernahmen Führung, seit 17. Jh. Konkurrenten der Portugiesen: Seit Fahrt von JANSZOON 1605 berührten Schiffe die australischen Küsten, Abel TASMAN entdeckte Vandiemensland (Tasmanien), Neuseeland, die Tongas und die Fidschis. Keine wirtschaftlichen Erfolge, deshalb Beendigung mit Tod des Generalgouverneurs von Niederländisch-Indien VAN DIEMEN 1645. Pazifischer Raum erst im 18. Jh. weiter erschlossen (Roggeveen, Bougainville, Cook). • Mit Tode von James Cook 1779 auf Hawaii Ende der zweiten Phase der europäischen Entdeckungen. Offen waren Binnengebiete Afrikas, Amerikas, die gesamten Polargebiete.
• Seit Mitte 16. Jh. spanisch-portugiesisches Kolonialmonopol auf Widerstand gestoßen. Regierungen duldeten private Kaperfahrten und Piraterie bzw. förderten sie unter der Hand. Beginn der Konkurrenz waren Westindische Inseln. Organisation der filibusters/flibustiers/vrijbueters in Seeräuber-Gemeinschaften mit festen Stützpunkten. Kampf führte zu Interesse am Gewinn überseeischer Plätze. Es kam zur Zersplitterung der spanischen Herrschaft: Kuba, Osthaiti, Puerto Rico blieben spanisch, England bekam Bermudas, Jamaica, guatemaltekische Moskitoküste, einige Kleine Antilleninseln, Frankreich Guadeluope, Martinique, Westteil Haitis, Niederländer Aruba, Curaçao, Bonaire, Kurlande Tobago, Dänemark St. Thomas. • Westindien rückte in den Blickwinkel Europas und Besitzverschiebungen dokumentieren, daß ein Trennung von überseeischen und europäischen Konflikten nach 1650 nicht mehr möglich war. Dänemark und Brandenburg
• Dänemark war von 1620 bis 1650 im Besitz einer Ostindischen Handelskompanie, die über ihren Stützpunkt Tranquebar an der Koromandelküste mehr schlecht als recht Handel trieb.
• Tranquebar wurde 1651 an Brandenburg verkauft, das eine Ostindische Kompanie gründen wollte, letztlich jedoch nicht den Kaufpreis aufbringen konnte.
• Die Italiener hatten als Volk und Staat keinen Anteil an der europäischen Expansion. • Es gab nur einzelne Aktionen der Venezianer und Genuesen. • Ähnliches galt für die Oberdeutschen, wo sich große Handelsgesellschaften wie Fugger und Welser an spanischen und portugiesischen Aktionen beteiligten Expansion
• Deutsche als Vertragspartner der spanischen Krone, bes. für Erkundung und Ausbeutung Südamerikas. Handelshaus der Welser (Augsburg) Gläubiger Karls V. hatten Faktorei in Santo Domingo, 1528 Konquistadorenvertrag: westliche Küste Venezuelas mit Hinterland und Monopol geschäftlicher Nutzung. Aufbau von Siedlungen und Forts, Abtretung des königlichen Fünftels. Sklaven, Guaikaholz, Suche nach Edelmetallen. Jedoch waren es fast ausschließlich Spanier und keine Deutschen, die das Gebiet besiedelten, die Deutschen hielten nur die
Schlüsselpositionen. Es war eine spanische Kolonie, aus der sich die Welser nach dem Tode Karls V. zurückzogen. 1546/1556 Erlöschen der Konzession.
• 1485-1509 Heinrich VII . stellt mit Hilfe der Star Chamber (kgl. Sondergericht) Recht und Ordnung wieder her, überträgt die örtliche Verwaltung Friedensrichtern und bahnt durch die Heirat seiner Tochter mit Jakob IV. von Schottland die Einigung der Insel an.
• 1509-47 Heinrich VIII. läßt sich durch Kardinal Wolsey zu Kriegen mit Frankreich und Schottland verleiten.
• 1553-58 folgt Maria die Katholische, die sich politisch Karl V. anvertraut. • 1558-1603 Elisabeth I. setzt sich mit Hilfe Lord Burghleys durch. • 1542-67 kehrt Maria Stuart zurück, heiratet den Mörder ihres Gatten, muß deshalb abdanken, flieht 1568 nach England und wird 1587 hingerichtet, was den offenen Konflikt mit Spanien (bis 1604) auslöst.
• 1588 erfolgt die Vernichtung der spanischen Armada. Folgende Angriffe bedrohen die Insel nicht mehr. Ergebnis: England bricht die spanische Hegemonie, wird führende protestantische Großmacht und legt die Grundlagen zum kolonialen Aufstieg. • 1603-25 Jacob I. wird König Englands und Schottlands. Er stützt sich auf die anglikanische Staatskirche.
• 1625-49 Karl I. Verschärfung des Gegensatzes zur Parlamentsopposition des Landadels (Gentry) und des Bürgertums ( City) durch königliche Gerichtsbarkeit und Steuerforderungen.
• 1642-48 folgt der Bürgerkrieg zwischen der Krone (Kavaliere) und Parlament (Roundheads).
• 1648 Sieg Cromwells über die Schotten, die Karl I. zum Übertritt auf seine Seite bewogen hat. Nach einer Reinigung des "Rumpfparlaments" wird der König unter Anklage gestellt und 1649 hingerichtet sowie die Monarchie abgeschafft. • 1649-60 England als Republik wird ohne Oberhaus und Staatsrat vom "Rumpfparlament" regiert.
• 1653 wird Cromwell Lordprotektor. Die Militärdiktatur der Puritaner erringt glänzende außenpolitische Erfolge gegen Holland und Spanien. • 1651 Navigationsakte: Beförderung aller Waren von und nach England nur mit englischen Schiffen erlaubt, gerichtet gegen den holländischen Zwischenhandel. • 1652-54 Erster englisch-holländischer Krieg.
• 1654-59 Krieg gegen Spanien. Eroberung Jamaicas (1655) und Dünkirchens (1659). • 1658 Tod Cromwells. Sein unfähiger Sohn Richard dankt ab. General Monk stellt die Monarchie wieder her.
• 1660-88 folgt die Restaurati7on der Stuarts mit dem Regierungsantritt von Karl II. • 1665-67 folgt der zweite englisch-holländische Seekrieg. Im Frieden von Breda 1667 wird Neu-Amsterdam gegen Surinam getauscht. Anfänge der englischen Expansion
• Traditionelles Seeland und lange Erfahrungen im Islandhandel. Lange Zeit die schwächste Seemacht mit Beschränkung auf Kaperfahrten (JOHN HAWKINS, FRANCIS DRAKE, FROBISHER, CAVENDISH). Caboto 1497 Nordamerika, weitere Erkundungen der Neuenglandküste. Wegen Enttäuschung, nicht Asien
gefunden zu haben, keine forcierte Kolonialpolitik. Der Kolonialgedanke hatte zwar eine lebhafte Verbreitung, aber nur zögerliche Umsetzung erfahren. Erst nach dem Untergang der Armada (1588) waren eigene Unternehmungen möglich. Gewinne aus dem niederländischen Tuchgeschäft ließ Bürgertum auf Überseeabenteuer verzichten. Einzelne Handelsbeziehungen nach Asien, Afrika, Amerika und Rußland. Sperrung bisheriger Exporthäfen durch Spanien (Antwerpen, Brügge) u.a. fördert Suche nach neuen Märkten; die "Merchant Adventurers" (Handel und Kaperei auf eigene Faust) bilden Handelskompanien auf Aktienbasis: 1554 Moskovy Company, 1581 Levante Company.
• Englische Aktionen gegen spanische Hegemonieansprüche in Europa: Förderung der Piraterie besonders in Westindien; Beute wog Verluste der traditionellen Handelsbeziehungen bald auf. Suche neuer Wege nach Gold- und Gewürzländern. Gewinn überseeischer Stützpunkte als Grundlage für Kolonien. Dafür Aufbau der Royal Navy unter Heinrich VIII.: Segelschiffe, keine Rudergaleeren, Bestückung mit Kanonen Revolutionierung der Seekriegführung. Wichtigstes Ereignis in erster Phase englischen Überseestrebens Weltumsegelung Francis Drakes 1577-80 (Beutezug im Pazifik, Suche nach Nordwestpassage und Sondierung der Handelsmöglichkeiten mit Molukken). Mit DRAKE und HAWKINS Beginn der Mischung von brutalem Piratentum, kühlem Wirtschaftsdenken und nationalem Sendungsbewußtsein. • 1578 erhält der Günstling Königin Elisabeths, Humphrey Gilbert, ein Patent, das ihn zur Entdeckung und Inbesitznahme allen unbesetzten Landes zwischen Labrador und Florida ermächtigte, ihm das Handelsmonopol und vizekönigliche Rechte verlieh, einschließlich der Anlage von Siedlungen, in denen aber englisches Recht gelten sollte-das erste Dokument offizieller englischer Kolonialpolitik. Gilbert segelte 1583 nach Neufundland, nahm es für England in Besitz, und ging auf der Rückfahrt unter. Gilberts "Erbe" war sein Halbbruder Walter Raleigh, der als Liebling der Königin ein gleichartiges Patent erwirkte. Er schickte Schiffe zu den Westindischen Inseln und Nordamerika. Die Berichte der Expeditionen machten Raleigh zum Ritter und Gouverneur des zu Ehren der Königin "Virginia" genannten Landes. Eine erste Siedlung 1585 wurde bald wegen Versorgungsschwierigkeiten aufgegeben. Neue Siedlungsunternehmen kamen erst in der Zeit Jakobs I. (1603-1625) zustande, teilweise mit geänderten Vorzeichen.
• 1589 verfaßte der große Propagandist der englischen Expansion Richard Hakluyt sein epochemachendes Werk "The principall navigations, voiages and discoveries of the English nation".
• umfassende Umwälzungsprozesse im England des 16. und 17. Jahrhunderts zeigen die Wechselwirkung zwischen religiöser Erneuerung und sozialem Wandel. Die besitzorientierte Lebensweise (säkularisierter, orthodoxer Calvinismus) habe erstmals reine Handelskriege ermöglicht, wie die gegen Holland. Entscheidender Einfluß der kapitalkräftigen Oberschicht auf die englische Politik wurde schon von Hobbes, Milton u.a. nachgewiesen. Der Importüberhang Englands bewirkte eine Dauerkrise in den Zentren der Tuchindustrie (Export 45% Tuche) bildete sich ein verarmtes Proletariat, das eine Gefahr für die herrschende soziale Ordnung darstellte. Zwang, nach Krieg mit Spanien (1585-1604) neue Exportartikel zu finden, wegen Rückschlägen im Tuchgeschäft mit Niederlanden.
• Generell wurde die englische Expansion lange Zeit politisch weniger straff gelenkt und kontrolliert als die jedes anderen Landes. Die Engländer in der Neuen Welt wurden doch in höherem Maß sich selbst überlassen als die Spanier, Franzosen und selbst die Portugiesen. Beweis ist die außerordentliche Verschiedenartigkeit der Kolonien, die nach und nach an der amerikanischen Ostküste entstanden. Die Machtmittel der Krone waren viel zu begrenzt. Es gab nie eine einheitliche
Kolonialgesetzgebung wie in Spanien. Bis 1640 standen Übersee-Unternehmungen noch nicht unter Gedanken imperialer Politik und erhielten kaum staatliche Hilfe. Dennoch waren sie Grundlage für späteres Kolonialreich. Initiatoren vorwiegend Londoner Großkaufleute und deren Handelsgesellschaften. • Zwischen 1609 und 1620 vollzog sich ein Wandel der englischen Auffassung von Herrschaftsanspruch. Dieser wurde theologisch und juristisch rasch als universal angesehen. Man glaubte gegen religiös minderwertige Barbaren zu kämpfen. Der Kolonialkampf wurde ja schon lange in Irland geübt. Asien
• 1577-1580 umsegelte Francis Drake als Zweiter die Erde. • Der endgültige Anstoß zum Osthandel kam von der Rückkehr der niederländischen Indienflotte 1599 mir ihrer reichen Gewürzladung
• 1600 Gründung der Ostindischen Kompanie, durch Kreise der Londoner City. Königin Elisabeth gewährte Monopol für den Ostindienhandel (befristet auf 15 Jahre), Zollfreiheit für die ersten vier Jahre und ein Ausfuhrrecht für Edelmetalle. Das Stammkapital war jedoch achtmal geringer als das der VOC. Die Ziele der Reisen waren vor allem die Pfeffermärkte auf Java und den Molukken. Zwangsläufig brauchte man aber dazu indische Textilien, was 1613 zur Eröffnung eines Kontors in Surat führte. Die anfängliche Schwäche der englischen Kompanie gegenüber der niederländischen, die zu der später so folgenreichen Schwerpunktverlagerung der Engländer nach Vorderindien geführt hat, hängt mit ihrer geringen Kapitalausstattung zusammen.
• Es folgten Faktoreien 1613 in Sumatra, Makassar und Ost-Java sowie in Japan (Hirado), die bis 1623 existierte. In Indonesien behielten die Niederländer freilich die Oberhand. Auf das Seegefecht von 1618 folgte zwar der in den Mutterländern ausgehandelte Vertrag von 1619, der den Engländern ein Drittel der Gewürze zusteht, aber auch das Massaker von Amboina 1623.
• Bis 1647 Errichtung von 23 Faktoreien in Indien, keine Einmischung in innere Angelegenheiten, Konzentration auf Handel. Trotz geringen Handelsvolumen Gewinne.
• Der erste niederländisch-englische Krieg und die faktische Freigabe des Asienhandels führten zum Ruin der VOC. Doch die Anteilseigner setzten beim Staatsrat die Gewährung einer neuen Monopolcharter durch Cromwell im Oktober 1657 durch, die die Kompanie nicht nur durch die Errichtung des "permanent joint stock", sondern auch durch die Ausstattung mit dem Recht, Krieg zu führen, Verträge zu schließen und Festungen zu unterhalten, der niederländischen Konkurrentin anglich. Die Charta vom April 1661, die König Karl II. nach der Erneuerung der Monarchie ausstellte, folgte derselben Linie.
• In der zweiten Hälfte des 17. Jh. änderte sich die Lage. Die Wende zu den indischen Baumwollstoffen leitete sich von einer Revolution in der Kleidermode her. Wer immer es sich leisten konnte, zog künftig leichte und elegante französische Stoffe den schweren englischen Wolltuchen vor. Als diese Einfuhr 1678 verboten wurde, wandte sich die Nachfrage indischen Baumwollstoffen zu. Amerika
• 1612 erfolgte die Besiedelung der Bermudas, die 1684 Kronkolonie wurden. • 1607 Gründung von Jamestown und Anfänge Virginias. Anfängliche Krisen, Bestand nicht gesichert. Tabak seit 1614 bot solide wirtschaftliche Basis und war das einzige
nennenswerte Komplementärprodukt zur englischen Wirtschaft. 1606 Gründung der Virginia Company, die bald an den Rand des wirtschaftlichen Abgrunds geriet und mit staatlicher Unterstützung 1612 zu einer normalen Aktien-Handelskompanie wurde. Auflösung der Virginiakompanie als Träger des Unternehmens 1624 und Übernahme durch Krone: Einrichtung einer Verwaltung wie in Irland und den Kanalinseln, in der Gouverneur den König vertrat. Unterstützt durch Council und Assembly. Erster Ausdruck des demokratisch-parlamentarischen Gedankens in Amerika am 30.07.1619. 1640 war die Bevölkerung Virginias auf 10000 Menschen angestiegen. Schon zuvor hatte man wegen des großen Wachstums die Kolonie 1634 in acht "counties" aufgeteilt, deren Leitung nach englischem Vorbild aus der örtlichen Oligarchie entnommene Friedensrichter oblag.
• Neu-England wichtiger als Westindien und Guayana weil Zufluchtsstätte für Puritaner und als Stützpunkt für Kaufleute für Fisch und Pelz. 1620 landete die Mayflower in Neu-England (Plymouth/Massachussetts). Der Mayflower-Compact vom 11./21.11.1620 war der erste wirkliche Gesellschaftsvertrag. Man erkannte die Geltung der englischen Gesetze und die Oberhoheit der Krone voll an, aber nur als letzte Instanz. 50% Opfer im ersten Winter, 1621 erste Ernte (Thanksgiving Day). • Kap Ann 1623 zweiter Ausgangspunkt für Kolonisation. 1630 Gründung Bostons. Ausweitung der Niederlassungen mit New Hampshire, Connecticut, Rhode Island. Gemeinsamkeiten: loyale, aber faktisch autonome Gemeinwesen (commonwealth) mit hohem Maß an Autonomie (Gesetzgebung, Handel). Puritanisch-theokratische Züge wegen Verflechtung religiöser und politischer Zielvorstellungen. • Maryland Sonderstellung als Eigentümerkolonie des katholischen Lord Baltimores (Vertrag 1623). Aufbau einer feudalistischen Herrschaft als Zufluchtsstätte für Katholiken. Umfassende Privilegien ("true and absolute lords and proprietors") und symbolischer Zins an Krone.
• 1650 englische Siedlungen über gesamte Ostküste Nordamerikas zwischen Kap Henry (Norfolk) und Penobscot River (Maine) mit Ausnahme holländischer und schwedischer Gebiete. Einwanderer ausschließlich Engländer. Sklaven für kleine Plantagenbetriebe Virginias zu teuer. Deshalb System der endentured servants: Abarbeiten der Überfahrtskosten weißer Einwanderer (rund vier Jahre). Danach als squatter niedergelassen. Zwischen 1653 und 1700 rund 2500/a Zuzug, ständig waren 10000 endentured servants im Land. Bevölkerung 1671: 82% Freie, 13% endentured servants, 5% Sklaven. Geringer Rückgang der Einwanderung durch Bürgerkrieg, nicht entwicklungshemmend.
• 1620 ernannte Krone einen Rat zur Organisierung des Handels und der Besiedlung Neuenglands, daraufhin Wehren der Kolonisten gegen Autonomieeinschränkung. Der englische Bürgerkrieg (1642-48) gefährdete alle dies Ansätze. Die 1628 entstandene New England Company, für die sich führende puritanische Aristokraten und Theologen engagierten, wandelte sich bis 1631 von einer Kapitalgesellschaft zu einem sich selbst regierenden Gemeinwesen. Seit 1644 gab es ein Zwei-Kammer-Parlament, der General Court hatte stillschweigend die volle Legislative an sich gerissenfaktische Unabhängigkeit von England war das Ziel.
• Das feudale spanische Kolonialprinzip wurde durch das kapitalistische englische der rationalen, monokulturellen Plantagenwirtschaft herausgefordert. In den englischen Kolonien Amerikas hatte sich in den 30er und 40er Jahren des 17. Jahrhunderts eine unterschiedliche Sozialordnung herausgebildet. Die puritanischen Farmer des Nordens standen gegen die profitorientierten, sklavenhaltenden Großgrundbesitzer des Südens, die sich nach dem Bürgerkrieg auch weigerten, die Commonwealth-Regierung anzuerkennen und mit Hilfe holländischer Frachtschiffe ihre Plantagenprodukte exportierten. Die Handelskreise in London drängten deshalb auf ein Handelsembargo
über die Kolonien und eine Durchsetzung der Navigationsakte im westlichen Atlantik, um den verlorenen Handel wieder unter Kontrolle zu bekommen. England konnte sich jedoch nicht voll gegen Holland durchsetzen.
• Nach Bürgerkrieg neue Phase englischer Expansion: nach Sieg des Parlaments (Unterstützung durch London und Handelsstädten): Staat begann systematische Kolonialpolitik. Republik
• England wie Niederlande waren aufgrund ihrer geographischen Lage besonders für den Zwischenhandel zwischen den iberischen Mächten und Nordeuropa geeignet. Nach dem englischen Bürgerkrieg (1642-1648) versuchten die Niederlande ihre Vormachtstellung trotz der ideologisch-religiösen Ähnlichkeiten zu England zu halten. Mit einer technisch überlegenen Flotte monopolisierten sie den lukrativen Nord-Süd-Frachtverkehr. Cromwell suchte dann die Schwierigkeiten, die Kolonien aus der Ferne zu regieren, mittels der Navigationsakte zu überwinden: Beförderung aller Waren von und nach England nur mit englischen Schiffen. (Karl Marx sah diese als Beginn des Kampfes zwischen bürgerlichen Konkurrenzgesellschaften um die Aufteilung der Weltmärkte). Drei Gesetze von 1661, 1662 und 1663 bestätigten und erweiterten die Navigationsakte. Nicht-englische Schiffe wurden vom Verkehr zwischen England und seinen Kolonien ausgeschlossen. Bestimmte Güter wie Zucker, Baumwolle, Tabak und Indigo durften nur nach England exportiert werden. Außerdem hatten sämtliche Importe der Kolonien über England zu laufen. • Nach dem Sieg wurde die Commonwealth-Regierung von der siegreichen puritanischen Revolutionsarmee (untere Mittelschichten) gezwungen, sich bald mit wirtschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Das Parlament wurde vom puritanischen Heer vom Landadel und der alten Kaufmannsschicht gesäubert, so daß es nun Plattform freier Großkaufleute und Interloper wurde. Es folgte die Bildung eines Volkswirtschaftsrates und die Förderung der Marine.
• Nicht über die gewaltsame Durchsetzung der Navigationsakte, sondern aus einer maritimen Strategie Englands, in der die Niederlande als britische Gegenküste und die dazwischenliegenden Gewässer als englisches Hoheitsgebiet angesehen wurden, weiteten sich Zwischenfälle, wie gewaltsame Durchsuchungen zu einem unerklärten Seekrieg (erster englisch-holländischer Seekrieg 1652-54) aus. Das von Grotius verfochtene Prinzip des "mare liberum" (1609) stand dem englischen vom "mare clausum" diametral entgegen. Als klar wurde, daß eine eindeutige Suprematie nicht zu erreichen war, schaltete Cromwell mit Hilfe des Heeres die radikalen Kriegskräfte aus und schloß unter Protest von Kaufleuten Frieden. Das Ziel der protestantischen Vorherrschaft unter englischer Hegemonie verfolgte er jedoch weiter und bot den Niederlanden eine politische Union mit England und die gemeinsame Eroberung des spanisch-portugiesischen Kolonialreiches an. Holland lehnte den Anspruch des puritanistisch-calvinistischen Englands auf eine internationale Führungsrolle ab. • Der Mißerfolg des imperialistischen Handelskrieges gegen Holland entfremdete den Großteil der Kaufleute den demokratisch-revolutionären Ideen. Allein außenpolitische, mit materiellem Gewinn verbundene Erfolge schienen in den Augen des stärker pragmatisch orientierten neuen Staatsrates dazu angetan, das Volk hinter der neuen Regierung zu einigen. Der seit 1635 anhaltende spanisch-französische Krieg bot Koalitionsmöglichkeiten. Ein Krieg gegen die spanischen Besitzungen in Westindien schien am lukrativsten. Der Plan eines Karibikkrieges gewann 1654 die Oberhand. • 1654-59 Krieg gegen Spanien: Als Cromwells Projekt scheiterte, das spanische Dünkirchen (besetzt 1658) mit diplomatischen Mitteln zu beherrschen, gab dies
zusammen mit den desolaten Staatsfinanzen den Ausschlag, den Krieg zu beginnen, den Staatshaushalt zu sanieren, das revolutionäre System zu bewahren und das Vertrauen des Volkes sicherzustellen. Cromwell benutzte als einer der ersten in der Geschichte der europäischen Expansion das später sogenannte "sozialimperialistische" Aktionsmuster. Zur Ablenkung von innenpolitischen Schwierigkeiten wurde eine ökonomisch wie ideologisch attraktive Aggressionspolitik gegen das Kolonialreich des papistischen Spanien gestartet.
• Ein Vordringen in das spanisch beherrschte Westindien mit dem Ziel, die reichste und am weitesten kultivierte Insel Hispaniola zu annektieren, mußte zwangsläufig die Kolonien wieder stärker an das Mutterland binden und den beiden Maximen Cromwellscher und später englischer Außenpolitik state power und merchant profit genügen. Überdies versprach die Besetzung Hispaniolas die Kontrolle über die spanischen Silberimporte aus Südamerika, die das europäische Währungssystem (explizit die englische Preissteigerung) aushöhlten. Der drohende Staatsbankrott zwang Cromwell zu einem hastigen, ungeplanten Raubzug nach den spanischen Silberschätzen, um die aus dem Land nicht mehr zu bezahlenden Streitkräfte als unabdingbaren Schutz seiner Regierung zu unterhalten. Das ganze wurde dann religiös verbrämt als Kreuzzug gegen das papistische Spanien, das die Eingeborenen mißhandele und ausrotte. Die englisch-puritanische Sozialordnung, eine Mischung aus nationalem Auserwähltheitsglauben und rationalem Wirtschaftsimperialismus, wurde damit erstmals unter Cromwell zu einem Exportartikel, zu einer außenpolitisch tragfähigen Ideologie erhoben (Vergleiche John Miltons "Gods own people" in seinem Epos "Paradise Lost" von 1667). Hispaniola und Jamaika wurden zwar okkupiert, der Krieg war jedoch insgesamt ein Fehlschlag und der Staatsbankrott besiegelt. • Zwar hatte sich England in zwei Kriegen aus mangelnder innenpolitischer Stabilität übernommen, jedoch Grundlinien für das spätere imperiale Ausgreifen gelegt: Ausschaltung eines übermächtigen Konkurrenten und Durchdringung unterentwickelter Kolonialräume. Restauration der Stuarts
• In den 60er Jahren des 17. Jh. gelang es den Engländern, konkurrierende Siedlungen anderer Nationen in Nordamerika auszuschalten, so daß die gesamte Atlantikküste von Neu-Schottland ab englisch wurde. Im Frieden von Breda 1667 Verzicht der Niederlande auf alle nordamerikanischen Kolonien: New Jersey, Delaware. Tausch von Neu Amsterdam gegen Surinam.
• Vor den Entdeckungen beschränkten sich die Niederlande auf den Nord- und Ostseeraum Der Aufbau der großen kolonialen Imperien Spaniens und Portugals eröffnete dem Norden einen weiten Absatzmarkt für seinen Reichtum an Rohstoffen und Fertigprodukten. Fortschritte in Schiffahrtstechnik und Transport wirkten sich ebenso positiv aus wie die Vereinigung Spaniens, der Niederlande und der übrigen Reichsgebiete unter der Krone Karls V.
• wirtschaftliche und soziale Strukturen, wie sie sich in Holland und Seeland aufgrund langer maritimer Tradition und durch handelspolitische Expansion des 16. Jh. herausgebildet hatte: Kaufleute des Großbürgertums bildeten als Reeder, Werfteigner, Manufakturisten, Importeure/Exporteure die politische und gesellschaftlich führende
Schicht. Auseinandersetzungen mit Philipp II. machten Blick nach Übersee notwendig: Rückgang des Warenstroms aus spanischen Kolonien seit Kriegsbeginn und seit Personalunion auch aus portugiesischen Gebieten. Aufstieg Amsterdams mit Eroberung Antwerpens 1585 durch Flüchtlinge aus Süden. Beschlagnahmung niederländischer Schiffe in spanischen Häfen und Verlust der spanischen Seeherrschaft 1588 kamen hinzu. • Aufstieg als Seemacht ab 1597
• Verknüpfung von Protestantismus mit der Freiheit der Meere. • Entwicklung der Fluyt und des kleinen beweglichen Segels (Unabhängigkeit vom Ruder und Großsegeln). Ergänzung der durch Engländer eingeführten kleinen, wendigen Schiffe mit Segel ermöglichte erst Beherrschung der See Innenpolitischer Grundriß
• 1512 Bildung des burgundischen Reichskreises, den Karl V. 1551 der spanischen Linie überträgt.
• Als blühendstes Gewerbegebiet Europas mit über 200 Städten, bringt das Land der Krone das 7fache an Steuern wie das Silber Amerikas. In Rotterdam und Antwerpen werden ca. 50% der Welthandelsgüter umgeschlagen. Zentrum des europäischen Geldmarktes ist die Börse von Antwerpen.
• Philipp II. duldet weder religiöse noch politische Freiheiten zur "Hispanisierung" der Niederlande.
• Aufgrund von Unruhen wird die Befriedung der Niederlande 1567 dem "eisernen Herzog" Alba übertragen.
• 1569 beginnt der niederländische Freiheitskampf (bis 1648) mit Wilhelm von Oranien. • 1581 erfolgt die Unabhängigkeitserklärung durch die "Generalstaaten" unter dem Vorsitz Hollands.
• Nach dem Fall Antwerpens 1581 unterstützt England (Leicester) offen die Generalstaaten. Amsterdamm steigt als Wirtschaftszentrum auf. • 1585-1625 führt Moritz von Oranien das Land gegen die Spanier. • 1609-21 erfolgt ein 12jähriger Waffenstillstand. • 1648 muß Spanien aber die neue Republik im Haager Frieden anerkennen. Die Niederländer in Asien
• Seit der Wende zum 17. Jh. ging die Führung der europäischen Expansion von den iberischen Mächten an die Nordwesteuropäer über, wobei sich die Niederländer zunächst den Engländern überlegen erwiesen. Erst im 18. Jh. Gewann Großbritannien endgültig die Oberhand. Aus politischer Sicht handelt es sich um eine Verlängerung der europäischen Konflikte des Zeitalters der Glaubenskämpfe. Das 17. Jahrhundert ist gekennzeichnet durch den Konflikt zwischen den Portugiesen und den Holländern im gesamten Raum des portugiesischen Reiches. In Brasilien war es ein Kampf um den Zucker, in Westafrika um den Sklavenhandel und in Asien um die Gewürze. • 1595/97 Initialzündung: privates Unternehmen schaffte Umrundung Afrikas, am bis Südostasien und kehrte mit kostendeckender Pfefferladung zurück. 15 private Fahrten in den folgenden Jahren bis China, Japan, Kambodscha, Ceylon, Philippinen. • Bis Mitte des 17.Jh. weitgehend Übernahme des portugiesischen Seereiches und weiterer Ausbau. Aufstieg als Seemacht nach Endes des Bürgerkrieges 1649, z.T. aus Rivalität mit den Engländern. 1650 sind 90% des englischen Außenhandels in niederländischem Besitz. Riesige Flotte, größer als die aller anderen Länder zusammen 1650: 16000. Aus wirtschaftshistorischer Sicht kommt dieser Wechsel zur
niederländischen Dominanz nicht unerwartet, weil die Führung der handelskapitalistischen Weltwirtschaft damit in das wirtschaftlich am weitesten entwickelte Gebiet wanderte, in die Niederlande, die im 17. Jh. ihr goldenes Zeitalter erleben. Neben Oberitalien waren sie schon im Mittelalter einer der wirtschaftlichen Brennpunkte Europas.
• Die starken Bindungen an das habsburgische Spanien wurden nicht einmal während des achtzigjährigen Krieges 1568-1648 (1609-1621 durch einen Waffenstillstand unterbrochen) vollständig zerrissen. Nach der Blockade Antwerpens 1585 wurde Amsterdam zum Handelszentrum, wo die 1609 gegründete Wechselbank eine zentrale Rolle spielte.
• Seit 1595 wurde ein auf kostengünstigen Transport von Massengütern spezialisiertes Schiff konstruiert, die Fluyt, die künftig in Standardisierung billig und in großer Zahl gebaut wurde.
• Gesellschaftlicher Träger der Handelsinteressen waren die Kaufleute, Reeder und Manufakturbesitzer der holländischen und seeländischen Städte. Die politische und wirtschaftliche Leitung lang in den Händen einer großbürgerlichen Oligarchie, der sogenannten "Regenten", die die Städte beherrschten. • Es versteht sich von selbst, daß das niederländische Handelskapital auch am Gewürzgeschäft interessiert war. Man ging aber den Risiken aus dem Wege, solange man sich über Spanien und Portugal beteiligen konnte. Dies fiel weitgehend ab 1580 durch die Regentschaft Philips II. aufgrund Embargos und Ausschluß der Niederländer von internationalen Kontrakten aus.
• Gewürzinseln im Mittelpunkt des Interesses. In Ermangelung von Gold und Edelmetallen als Zahlungsmittel Versuch, Warentausch im süd- und ostasiatischen Raum in die Hand zu bekommen: Seide aus China/Persien, Kupfer und Silber aus Japan, Reis aus Hinterindien, Textilien aus Vorderindien, Opium und Salpeter aus Bengalen, Zimt aus Ceylon, Tee und Porzellan aus China, Kaffee aus Mokka und später Java, Edel-/Farbhölzer, Gewürze, Drogen.
• 1592 kam Jan Huyghen van Linschoten nach Holland zurück. Er hatte lange als Schreiber in Goa gedient und planmäßig Material über das portugiesische Handelsreich gesammelt. Damit hatte man politischen und geographischen Informationen zur Aufnahme des Handels und 1595 startete die erste Handelsexpedition nach Bantam in Westjava, um die Niederländer zu umgehen. • Die Konkurrenz der einzelnen Kaufleute erwies sich jedoch als schädlich und so erfolgte 1602 die Gründung der VOC (Vereinigte Ostindische Kompanien): Zusammenschluß der Vorkompanien durch Landesadvokat OLDENBARNEVELDT. Unter Leitung der gewählten Herren Siebzehn mit ständigem Betriebskapital versehen. Erhielt das Handelsmonopol zwischen dem Kap der Guten Hoffnung und der Magellanstraße und Souveränitätsrechte: das Recht, mit einheimischen Fürsten Handel zu treiben, das Recht Festungen zu errichten, Truppen auszuheben, Krieg zu erklären und Friedensschlüsse zu unterzeichnen, Justiz auszuüben, Münzen zu schlagen, Steuern zu erheben. Im Austausch für diese Rechte behalten sich die Generalstaaten ein Kontrollrecht vor sowie die Souveränität über die Kompanien in den von ihnen besetzen Ländern. Leitung durch sechs Kammern (wegen Provinzen), von denen sich jede wichtige Entscheidungsbefugnisse vorbehält. Weiterhin gab es Direktoren und einen Rat. Jeder Niederländer durfte soviel anlegen, wie er wollte. Aufgrund ihrer Organisationsform konnte die VOC weit mehr Kapital für die europäische Expansion mobilisieren als der monarchische Kapitalismus. Bedeutung: Verschaffte den Niederlanden gegenüber Spanien-Portugal Position einer Kolonialmacht. Ziel war auch Kampf gegen Landesfeinde in Übersee.
• Die privilegierten Monopolhandelskolonien gelten zu recht als eine der wichtigsten realen Erscheinungsformen des sogenannten Merkantilismus, auch wenn dieser als geschlossenes theoretisches oder praktisches System nie existiert hat, sondern eine polemische Kreation der Physiokraten und des Adam Smith ist. • Voraussetzung: Seeüberlegenheit, Forts, Niederlassungen, Faktoreien, Stützpunkte, Handelskontore, Versorgungsbasen.
• 1605 wurde eine erste Niederlassung auf Amboina gegründet, 1607 auf Ternate. 1609/10 konnte die Faktorei von Hirado in Japan errichtet werden. Bis 1605 erfolgte die Einrichtung von Stützpunkten an der Ostküste Indiens, um sich in den innerasiatischen Textilhandel einzuklinken.
• Im Zuge der Friedensverhandlungen mit Spanien 1607-1609 fertigte der Anwalt der VOC, Hugo Grotius, das Gutachten "mare liberum" zur Ablehnung des iberischen Monopol-Welthandelsanspruchs an.
• Jan Pieterszoon Coen, Generlagouverneuer 1619-1623 und 1627-1629 gründete 1619 Batavia/Jacarta. In diesem Jahr kam es auch in Europa zu einer Einigung zwischen England und den Niederlanden. Die Engländer erhielten ein Drittel des Gewürzhandels.
• Umfang des Reiches: Höhepunkt in zweiter Hälfte des 17. Jh. mit Molukken, Celebes, Amboina, Sumbawa, Sunda-Inseln in der Hand der Gesellschaft. Kontrolle der Zugänge in südostasiatische Inselwelt durch Besitz von Batavia (1619) und Malakka (1641). Nach der Einnahme Malakkas war die Rolle der Portugiesen in den östlichen Meeren beendet. Macao blieb isoliert. Formosa von 1624 bis 1662 und Kurilen-Insel Urup Stützpunkt für Schifffahrt nach Norden. Zwischen 1641 und 1859 Niederländer einzige Europäer in Japan: Inselchen Deshima in der Bucht von Nagasaki. Faktoreien und Forts rund um den Indischen Ozean, Stützpunkte in Westafrika, Portugiesen behielten Ostafrika.
• 1652 Gründung Kapstadts als einzige wirkliche Kolonie im Bereich der Ostindischen Kompanie Kommandeur JAN VAN RIEBEECK wollte "Küchengarten" zur Versorgung der Schiffe errichten. Besiedlung durch Bauern (Buren, Afrikander), Hugenotten (nach 1685), später Deutsche. Ende 18. Jh. 53% niederländisch, 28% französisch., 15% deutsche Abstammung der 170000 Weißen. Sprache Afrikaans, Recht Holländisch-Römisch, Kirche Holländisch-Reformiert. Hottentotten nur als Hirten geeignet, deshalb Sklaven ins Land geholt. Konflikt zwischen Freibürgern und Gesellschaft, die Schiffe möglichst billig versorgen wollte. Erstere zogen seit Mitte 18. Jh. ins Landesinnere.
• Nach dem Ende des Waffenstillstands mit Portugal 1652 und des ersten Krieges mit England 1654 erneuerten die Niederländer ihre Offensive in Indien. 1658 kontrollierten sie die gesamte Küste Ceylons. Kurz darauf begann die Eroberung der Malabarküste.
• Das so entstandene niederländische Herrschaftssystem war seiner Struktur nach dem portugiesischen sehr viel ähnlicher, als man auf Grund der unterschiedlichen Trägerschaft erwarten würde. Wo es Territorialbesitz gab, also rund um Batavia, auf den Gewürzinseln, auf Celebes und Ceylon stand dieser im Dienst des Gewürzmonopols und der Versorgung der Zentrale, mehr war lange nicht beabsichtigt. Auch die Oberhoheit über einheimische Fürsten war kein Selbstzweck, sondern diente konkreten Interessen der VOC.
• In Batavia residierte der Generalgouverneur mit seinem Rat. Für alle Gebiete gab es zudem regionale Gouverneure.
• Das 17. Jh. bildet die Zeit der stärksten Expansion. Das hängt sicherlich mit den Veränderungen und der Nachfrage und daraus folgenden geographischen Schwerpunktverlagerung des Handels zusammen. Anstelle der Gewürze, für die die
Niederländer beinahe ein Monopol besaßen, traten Textilien, Kaffee und Tee in den Vordergrund, wobei die Holländer im immer mehr an Bedeutung gewinnenden China-Handel von der Konkurrenz weit überholt wurden. Die Niederländer in Amerika
• Gründung der Westindischen Kompanie 1621 (Waffenstillstand mit Spanien) zeigt, wie eng europäische und Überseeinteressen zusammenhingen: Kaper- und Zerstörungsfahrten gegen spanisch-portugiesische Besitzungen in Westafrika und Amerika.
• Schon 1609 war der Engländer Henry Hudson im Auftrag der holländischen Ostindischen Kompanie unterwegs gewesen.
• Zentrum Neu-Amsterdam wurde 1612 gegründet (Stadtrecht 1653), drumherum entwickelte sich Neu-Niederlande (um 1650: rund 10000 Kolonisten). PETER STUYVESANT eroberte 1655 Neu-Schweden. Art Feudalsystem, in dem die Güter sogenannten patroons zugeteilt wurden, die mit Feudalrechten ausgestattet waren. 1664 ging die Kolonie an die Engländer unter dem Herzog von York. Im Frieden von Breda 1667 Verzicht auf alle nordamerikanischen Kolonien (Neu-Amsterdam), New Jersey, Delaware. Tausch von Neu Amsterdam gegen Surinam. • In Südamerika setzten sie sich auf einigen Karibikinseln fest und im Nordosten Brasiliens (1630). Arbeitskräfte aus Afrika für Zuckerrohr. Neue Kolonialherren weckten bei alten Siedlern brasilianisches Gemeinschaftsbewußtsein, so daß sich die Niederländer 1654 wieder zurückziehen mußten. Übrig blieb nur noch Surinam an der Guayana-Küste. Ausblick
• Mitte 17. Jh. Ablösung des holländisch-spanisch/portugiesischen Kolonialdualismus in Afrika, Amerika und Asien durch komplexere Situation: HUGO GROTIUS verfaßte wohl für Ostindische Kompanie 1609 Mare Liberum gegen portugiesischen Anspruch auf alleiniges Recht am ostindischen Handel. England 1635 betroffen gefühlt und ließ durch JOHN SELDEN im Auftrag Karls I. Mare Clausum schreiben, das dem iberischen Alleinanspruch und der holländischen Freiheit der Meere eine englische Seerechtstheorie entgegenstellte (Anspruch auf Mare Britannicum und Keim aller späteren englischen Seeherrschaftsansprüche).
• Ende der kolonialen Differenzen mit Spanien 1648 und Portugal 1661/63. Dafür ehrgeizige und staatliche französische und englische Konkurrenz. Problem: überholte Strukturen und Methoden der Ostindischen Kompanie, stattdessen Ausruhen auf Lorbeeren des 17. Jh.: Verminderung der militärischen Präsenz zur Erzielung höherer Gewinne, geringere Kriegstüchtigkeit der Handelsschiffe, zunehmende Bürokratisierung mit Korruption und Schlendrian, Elan wich einer Rentnergesinnung. Ende der Gesellschaft 1.1.1800. Frankreich
• Später Start als Seemacht trotz wirtschaftlich guter Voraussetzungen. Verrazano entlang Virginiaküste (1524), Entdeckung St. Lorenz-Strom durch Cartier (1536). Aber kein Weg zu Goldländer. 1540 Kanada durch Cartier in Besitz genommen und Beginn eines bescheidenen Pelzhandels. Es stellte nach ersten, erfolglosen Reisen seine Aktionen ein, nachdem es 1544 durch ausdrückliche Anerkennung des Vertrages
von Tordesillas Spanien und Portugal das Entdeckungsrecht in allen Weltgegenden überlies.
• Neufundland Domäne normannischer, bretonischer und baskischer Fischer bis zweite Hälfte 16. Jh. Erste Versuche gezielter Kolonialpolitik: 1562 Fort Carolina (Florida) und Fort Coligny (Bucht von Rio de Janeiro) durch Admiral Coligny. Zuflucht für Reformierte und Stützpunkte gegen Spanien. Fielen, sich selbst überlassen, Spaniern und Portugiesen zum Opfer ("Bartholomäusnacht des amerikanischen Kontinents" Cartier, 500 Protestanten in Fort Carolina; 1572 Fort Coligny). Gezielte Kolonialpolitik aber erst in Erholungs- und Konsolidierungsphase nach Ende des spanischen Krieges (1598) und der Lösung des Hugenottenproblems. Seit Beginn 17. Jh. erster Gebietserwerb. Methoden: brutale Unterwerfung mit Ausrottung oder Zurückdrängung der Eingeborenen ins Landesinnere, militärische Eroberung bereits besetzter Gebiete, in Asien Abschluß von Kauf- und Protektionsverträgen. Mit Einbeziehung der Kolonien in den Merkantilismus (Verflechtung Seefahrt, Handel, Kolonialpolitik) Ende der Raubzüge. Die Franzosen in Amerika:
• In Nordamerika erstreckte sich bald das französische Gebiet in einem Halbkreis vom St. Lorenz über die großen Seen bis zur Mississippimündung. 1535 war Jacques Cartier auf der Suche nach der Nordwestdurchfahrt bis zum heutigen Montreal vorgedrungen. 1541-1543 unternahm er und Jean-Francois de Roberval Ansiedlungsversuche in der von den Indianern "Canada" genannten Gegend im Bereich des heutigen Quebec, die jedoch wegen Irokesen und Klima bald scheiterten. Lange Zeit schlief das Interesse ein und man konzentrierte sich auf den Fischfang vor Neufundland. Doch in der zweiten Hälfte des 16. Jh. hatten Fischer bereits begonnen bei ihren Landaufenthalten Biberpelze einzutauschen. Die große Nachfrage in Europa aufgrund der damaligen Hutmode führten zu einer raschen Expansion des Handels und zum Antrieb zur Erschließung Nordamerikas. 1609 gründete Samuel de Champlain ein festes Handelskontor in Quebec. Träger dieser wie aller anderen Unternehmungen waren Aristokraten, die von der Krone ein regional und zeitliche begrenztens Kanada-Monopol erhalten und sich zu dessen Ausnutzung mit Kaufleuten zu einer Kompanie vereint hatten. Die Mission der Indianer, vor allem der Huronen übernahmen die seite 1625 wirkenden Jesuiten. 1627 gründete Richelieu eine Compagnie "Neu-Frankreich", die 1633 mit der Besiedelung Kanadas begann. Die Franzosen ließen sich vor allem entlang des St. Lorenzstroms nieder. 1628/29 wurden Quebec und Acadie von den Engländern überfallen und ausgehoben, bis Karl I. 1632 aus Sorge um die Mitgift seiner französischen Gemahlin beides zurückgab. SAMUEL CHAMPLAIN eroberte als erster Gouverneur Acadia (Neu-Braunschweig). Von Quebec (gegründet 1606) ging es den St. Lorenzstrom hinauf, wo 1642 Mont Royal (Montreal) gegründet wurde. Seit 1682 Vordringen zu Großen Seen und Oberlauf des Mississippi. Entwicklung durch Kämpfe gegen Engländer, Indianer, Jesuiten, Rivalitäten zwischen geistlicher und weltlicher Führungsschicht behindert. Die von außen bedrohten und unter sich zerstrittenen Kanadier wandten sich immer wieder an die Krone, bis schließlich 1663 ein grundlegendes Revirement stattfand. Frankreich hatte Frieden, seine Hauptgegner in Europa waren geschwächt, unter dem persönlichen Regiment Ludwigs XIV. Und der effizienten Politik des Ministers Colbert strebte es bewußt dem Höhepunkt seiner Weltgeltung zu, auch in der Kolonialpolitik. Kanada sollte lebensfähig gemacht werden und sogar Gewinn für das Mutterland abwerfen. 1663 erhielt es den Status einer Kronkolonie Kronkolonie, sowie Gouverneure, Intendanten, Verwaltungskörperschaften. Zu dieser Zeit lebten 3035 Einwohner in Kanada.
• Süden: CAVELIER DE SALLE gründete 1685 Fort Louis, Zentrum der Kolonie Louisiana bis zur Gründung von Nouvelle Orléans 1718.
• Im Frieden von Paris 1763 (mit England) wechselte der größere Teil Nordamerikas den Besitzer. Frankreich verlor seine gesamten Besitzungen mit Ausnahme der kleinen Insel St. Pierre und Miquelon südlich Neufundland an England, Louisiana westlich des Mississippi an Spanien als Entschädigung für das ebenfalls an England gefallene Florida. Französisch-Nordamerika war zu Ende.
• Soziale Struktur Kanadas: Kanada sollte ohne den Ballast historisch gewachsener Gegenkräfte besiedelt werden. Renaissance des Feudalismus mit Großgrundbesitz und Pächtern/Halbpächtern. Kirchengüter betrugen rund ¼ des Landes. Pelzjäger und Fallensteller Sondergruppe. Keine Abnahme für Holz und Getreide im Mutterland, deshalb Versorgung der übervölkerten Antillen. Wenig Interesse in Frankreich an der Kolonie (außer Pelzen nichts Anderes), deshalb Verlust 1763 mit Fassung getragen. Mißverhältnis zwischen Raumgröße und Siedlerzahl. Neu-Frankreich und Louisiana bis 1700 rund 10000 Kolonisten.
• Antillen eher in COLBERTS Konzept gepaßt: Sklavenwirtschaft ermöglichte Zucker, Rum, Kakao, Indigo. Import französischen (und kanadischen) Fleisches, Getreide, Weins. 1738 42000 Kolonisten, 208000 Sklaven. Inseln waren ertragreichste Teil des französischen Kolonialreiches. Die Franzosen in Asien
• Mit dem Aufschwung unter König Heinrich IV. Der zeitlich mit der Expansionsphase der Engländer und Niederländer zusammenfällt, beginnen neue Initiativen, ganz zeitgemäß meist in Gestalt von Handelskompanien. 1599-1663 sollen in Frankreich mindestens 36 solcher Kompanien gegründet worden sein. • Die Kolonialpolitik des Premierministers Richelieu (1624-1642) war auf Machtgewinn für die Krone ausgerichtet. Jedoch scheiterte die eigens für die Besiedlung von Madagaskar gegründete Kompanie an inneren Spannungen. • Für den Minister Jean Baptiste Colbert (1661-1683) war es unerträglich, daß andere durch Belieferung Frankreichs mit Kolonialwaren Geschäfte machen konnten. Die nationale Handelsbilanz sollte gestärkt werden. Außerdem war es eine Frage der Ehre. • 1664 Gründung der Ostindischen Kompanie, die größtenteils durch Staat finanziert wurde, weil sie Mittel zur Erhöhung der Seemacht sein sollte. Errichtung von Niederlassungen (comptoirs) in Indien. Ausdehnung von der Malabarküste (Mahé) und der Koromandelküste (Pondichéry, Karikal, Yanaon) und dem bei Kalkutta gelegenen Chandernagor bis ins Hochland von Dekkan. • Einmischungs- und Vermittlungspolitik von Gouverneur Dupleix (1741-54) in Streitigkeiten indischer Fürsten ärgerte Aktionäre und Engländer. • Mitte 17. Jh. zwei Kontore als Stützpunkte und Versorgungsstation für Ostindienfahrten auf Madagaskar errichtet. 1674 Eingeborenenrevolte und Ausweichen auf Maskareninseln Bourbon (Réunion) und Mauritius (Isle de France) Organisation der französischen Kolonien
• In der Periode bis 1650 lag die überseeische Expansion Frankreichs ganz in den Händen privilegierter Kompanien, die voll über den Bodenbesitz und das Monopol des Handels mit Frankreich verfügten und dazu königliche Subventionen und Prämien in Geld oder Schiffen erhielten. Die Verpflichtungen bestanden im wesentlichen in der Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit, im Funktionieren von Verwaltung und Justiz für den Bereich der Konzession, in der Beförderung und dem Unterhalt für
die Bekehrung der Eingeborenen und in der jährlichen Überfahrt einer bestimmten Zahl von Kolonisten und Vertragsbediensteten zur Sicherung der notwendigen Arbeitskräfte.
• Wichtig wurden wertsteigernde Bewirtschaftung zur Beschaffung billiger Lebensmittel und Rohstoffe, Absatzmärkte. Richelieu, seit 1626 "Großmeister für Schifffahrt und Handel", forderte eine starke Kriegsmarine und eine konkurrenzfähige Handelsflotte, die von großen Gesellschaften getragen werden müsse. Bis 1642 wurden 15 Kompanien gegründet, mangels Kapital und Organisation mit wenig Erfolg bedacht. Negativ auch Dreißigjähriger Krieg und die Fronde. COLBERT reorganisierte System: Verringerung auf fünf Kompanien (Westindische Kompanie 1664), suchte Finanziers, setzte Exklusivitätsprinzip durch: Staat übernahm durch privilegierte Gesellschaften Monopol für Gewinnung und Vertrieb von Kolonialwaren, Kolonien durften nur an Mutterland verkaufen und mußten Waren von dort beziehen; Warenaustausch nur auf frz. Schiffen. Insgesamt Versuch der Einbindung der Kolonien in Gesamtwirtschaft. Probleme: Finanzierung der Gesellschaften. • Insgesamt beachtliche Stellung Frankreichs als Kolonialmacht mit Kanada, Louisiana, Antillen, Guayana, Westafrika, Indien. Rußland
• Für Rußland war die Expansion nach Osten das Gegebene, zumal vorläufig die Schweden die Ostsee und die Tartaren das Schwarze Meer versperrten. Handelsinteressen führten schon im 16. Jh. zu einem Vorstoß nach Sibirien. • Es waren private Unternehmer, die Stroganovs (Salzsieder), die am Pelzhandel interessiert mittels einer eigenen Kosakentruppe (Kosaken: entlaufene Bauern und Außenseiter der Gesellschaft) 1580 unter Jermak Timofejew über den Ural vorstießen. Eroberung der Hauptstadt Kutschums, Isker. Eroberung des Khanats Sibirien und (1582) Unterstellung unter die Herrschaft des Zaren.
• Mit Tjumen an der Tura Beginn der Errichtung befestigter Lager (Ostrogs) und Unterwerfung der westsibirischen Kleinfürsten von Tobolsk aus (1587). Tomsk (1604) öffnete den Weg nach Mittelsibirien.
• Kosaken blieben Träger der Eroberung, die STROGANOVS folgten. Kontrolle über Land und Pelzjäger bald entglitten. 1610 Erreichen der Jenissei-Mündung und Ergänzung der Landvorstöße durch Küstenfahrten.
• Anfang der 30er Jahre erreichten Kosakenabteilungen den Übergang in das Stromgebiet der Lena. Von hier aus erreichten sie zur Jahrhundertmitte an mehreren Stellen den Pazifischen Ozean. Erforschung von Jakutsk (1632) aus in drei Richtungen: zum Ochotskischen Meer, zur Beringstraße (entdeckt von Kosaken Deschnew) und zum Amur.
• Wagemut, Ausdauer und Gewinnstreben wirkten bei dieser Aufschließung des gesamten nördlichen Asiens zusammen. Zur Sicherung der auf Tausende von Kilometer offenen Südflanke wurden Beziehungen zu den Machthabern der Kalmücken und Mongolen angeknüpft, von denen man zum Aufbau der sibirischen Stellungen Vieh und Pferde bezog.
• 1634 Anerkennen der zaristischen Oberherrschaft durch Chef der Westmongolen und Überlassen des Altaigebietes. Scheitern von Handelsbeziehungen mit China (Pelze) weniger aufgrund des Verweigern des Kotaus vor dem Kaiser, als wegen kosakischer Vorstöße zum Amur und damit in die Mandschurei, der Heimat der gerade an die Macht gelangten Mandschu-Dynastie (1644-1911). Friedensschluß 1689 mit Hilfe zweier Jesuiten zwischen Rußland und China. Zar wollte Frieden, Westen hatte
Priorität, Handel bot finanzielle Hilfe für Westpolitik. Erster Vertrag zwischen China und einem christlichen Staat. Charakter der Expansion bis in das 19. Jh.
• Sibirien als Strafkolonie genutzt, damit eine Art von Siedlungs- und Bevölkerungspolitik (Arbeitskräfte). Beliebter Verbannungsort, aber auch normale Bauern, wegen Befreiung von Leibeigenschaft.
• Verwaltung nicht barbarischer als Kolonialverwaltung anderer europäischen Mächte: Keine Ausrottung der Einheimischen, keine Duldung der Sklaverei und des Sklavenhandels.
Westindien und der atlantische Dreieckshandel
• Die Konzentration der Spanier auf die Hochkultur und Edelmetallländer führte dazu, daß die Kontrolle und Durchdringung Westindiens vernachlässigt wurde. Seefahrende Gegner Spaniens konnten sich also bei einigem Geschick mit verhältnismäßig geringem Risiko in der Karibik bewegen. Die Folge war, daß sich Spanien bis zum 18. Jh. den Besitz dieses Raumes mit sämtlichen seefahrenden Ländern Nord- und Westeuropas teilen mußte. Westindien war nämlich inzwischen zum wichtigsten Glied im ökonomischen Weltsystem des atlantischen Dreieckshandels geworden. • In den Anfängen ging es dabei meist um Beutemachen auf Kosten der Spanier. Um Friedensregelungen in Europa kümmerte man sich nicht "no peace beyond the line!" (Francis Drake). Die Franzosen waren die ersten, die infolge der Kriege Kaiser Karls V. und König Franz I. seit den zwanziger Jahren des 16. Jh. spanischen Amerikaschiffen auflauerten und bald auch westindische Häfen überfielen. Neue Stützpunkte sollten damals nicht nur der Suche nach Edelmetall, dem Handel und der Piratierie dienen, sondern auch als Zufluchtsstätte für Hugenotten, wie das an der Nordküste Floridas gegründete La Carolin, das jedoch 1565 von den Spaniern vernichtet wurde.
• 1562 fuhr John Hawkins aus England nach Sierra Leone, kaufte dort Sklaven und verkaufte sie in Westindien. Der Gewinn war hoch, weitere Fahrten folgten, auch mit finanzieller Beteiligung der Königin. Wegen der spanischen Gegenwehr wurden die Fahrten bald wieder zugunsten von Kaperfahrten eingestellt. Drake überfiel mehrere spanische Besitzungen, umrundete die Erde, besiegte 1588 die spanische Armada und kam 1595 zu Tode, als er versuchte, Panama zu nehmen.
• Die Niederländer waren später dran als Franzosen und Engländer, bis 1594 engagieren sie sich kaum. Das Interesse richtete sich auf die kaum besetzten Küsten von Venezuela und Guayana. Dort lies sich das wichtige Salz finden (wegen Heringsfang + Ostseehandel), das man über Portugal immer schwieriger bekommen konnte. Seit 1599 konnten die Niederländer Salz von einer venezuelanischen Halbinsel gewinnen. • Eine energische spanische Gegenoffensive gegen die übrigen Staaten führte angesichts der leeren Staatskassen 1606 zum Scheitern der Offensive gegen die Niederlande und 1607 zum Staatsbankrott.
• Die kurzliebigen niederländischen, englischen und französischen Niederlassungen zwischen Guayana und der Amazonasmündung in den ersten beiden Jahrzehnten waren größtenteils auf Tabakproduktion ausgerichtet. 1621-1648 befand sich Spanien wieder im Krieg gegen die Niederlande, 1624-1629 mit England und 1635-1659 mit Frankreich, eine Gelegenheit für diese Mächte, sich der von Spanien besetzten kleinen Antillen zu bemächtigen und dort Tabakanbau und Handelsstationen einzurichten.
• Die Ausweitung der Tabakproduktionführte bereits seit den zwanziger Jahren zum Preisverfall; bald konnten Kleinpflanzer kaum noch Gewinn erwirtschaften. Als Lösung zeigte sich die Übertragung des Zuckeranbaus von Brasilien nach Westinidien durch die Niederländer, die Fachwissen und Kapital investierten. Der Zuckerrohranbau wurde bald maßgebend, der davon abhängige Sklavenhandel und in Verbindung damit die legale oder illegale Belieferung des spanischen Amerika mit Negern und europäischer Ware ebenfalls.
• Wegen des fehlenden Zugangs zu Afrika war Spanien seit jeher auf Zwischenhändler im Sklavenhandel angewiesen. Der Monopolvertrag Asiento wurde mit den Portugiesen abgeschlossen. Nach der erneuerten Unabhängigkeit Portugals befand sich der Asiento ungeachtet der verschiedenen Strohmänner 1640-1695 faktisch in der Hand der Niederländer. 1695-1702 folgte eine portugiesisch-französische Periode des Asiento.
• Bis zum Ende des 17. Jh. hatte sich die Lage in Westindien konsolidiert. Ungeachtet des formellen spanischen Übergewichts dominierten England mit Jamaica, Barbados und weiteren Inseln der kleinen Antillen wie Antigua, sowie Frankreich mit Saint Domingue und Goudeloupe und Martinique. Die kleineren Staaten, auch die Niederländer stehen im Schatten der beiden Großmächte. • Der Dreieckshandelbildete den Höhepunkt der modernen Negersklaverei. Schiffe fuhren aus Europa mit Textilien, Metallwaren und Schnaps an die westafrikanische Küste zwischen Senegal und Angola und erwarben dort direkt oder durch Vermittlung europäischer Stationen Negersklaven. Diese wurden dann von denselben Schiffen in westindische Häfen verbracht und dort an Zuckerpflanzer verkauft oder weiter in das spanische Amerika. Für die Rückreise luden die Schiffe Zucker. Höhepunkt dieser Entwicklung war das 18. Jh. mit ca. 3,2 Mio importierten Sklaven zwischen 1701 und 1810. Rückwirkungen auf Europa
• Wandel des traditionellen Weltbildes, neue Erkenntnisse (Astronomie, Geographie, Ethnologie, Kosmographie). Frage nach moralischer Bewertung und juristischer Stellung der neuen Völker (Bartolomé Las Casas, Francisco de Vitoria: Rechtsgemeinschaft aller Menschen; SEPULVEDA verfocht Ungleichheit der Rassen, siehe Deputation von 1550)
• Spanier und Portugiesen leiten aus dem Kreuzzugsgedanken und dem damit verbundenen Missionsauftrag das Recht auf ein Monopol der Schiffahrt und des Handels ab. Französischer Grundsatz von der Freiheit der Meere 1532 gegen iberisches Kolonialmonopol auf naturrechtlicher Basis. Durch GROTIUS 1609 ( mare liberum) in völkerrechtliche Diskussion gebracht. Verfeinerung der Rechtsbegriffe nach Kritik an Tordesillas und Saragossa: Nur tatsächliche Inbesitznahme (occupation effective) begründete Eigentumsrechte, nicht Erstentdeckung (oculis usurpare) oder fiktive kartographische Abgrenzungen. Seit Vertrag von Cateau-Cambrésis 1559 galt für ein Jh., daß europäische Friedensschlüsse in Übersee keine Geltung hätten (no peace beyond this line). Im 17. Jh. mit französischen, englischen, niederländischen Kolonialismus auch Einbezug von Überseegebieten.
• Verschiebung des politisch-kulturellen und wirtschaftlichen Schwerpunktes von Süd-und Mitteleuropa zu den atlantischen Anliegerstaaten. Zu der mittelmeerischen Verbindung zur Levante kamen drei wichtige atlantische Routen: von Spanien nach Amerika, von Lissabon nach Ostindien und von Portugal nach Afrika und Brasilien. Allerdings keine katastrophalen Folgen für Mittelmeerstaaten, da nach wie vor Luxusgüter über den Landweg kamen oder geschmuggelt wurden (Korallen, Seide,
Perlen, Teppiche, Essenzen, Zimt, Muskat...). Nach dem Verlust von Aden 1538 konnte die arabisch-osmanische Handelsachse nicht wirksam unterbrochen werden. Man muß sich aber im Klaren sein, daß es mit der Erschließung der überseeeischen Besitzungen sehr langsam ging und es Generationen brauchte, bis diese weiter dem europäischen Verkehr zugänglich wurden. Noch um 1600 lag das Schwergewicht der europäischen Schiffahrt ganz entschieden im Bereich der Nord- und Ostsee, der europäischen Atlantikseite und im Mittelmeer.
• Profitieren des Mittelmeerraumes vom allgemeinen Aufschwung des europäischen Handels im 16. Jh.: Lissabon, Antwerpen (bis 1570 Weltzentrum für Warenhandel und europäische Finanzmetropole), London, Barcelona, Ragusa, Messina, Livorno. Italienische Kaufleute eröffneten Filialen in westeuropäischen Waren- und Geldhandelszentren. Genua übernahm Finanzrolle nach Rückgang der Bedeutung Antwerpens. Durch italienischen Einfluß Verbreitung der Techniken des Geschäftsverkehrs (Wechsel). Trotz ihrer starken überseeischen Positionen konnten Spanien und Portugal nicht zu dominanten Mächten der europäischen Wirtschaft werden. Dazu war ihre Lage zu peripher, waren sie zu sehr von den Rohstoffgebieten und Absatzmärkten Nordwest- Mittel- und Nordeuropa abhängig. Auch war der Verwaltungsapparat der iberischen Mächte den Belastungen der hereinströmenden Reichtümern nicht gewachsen, was bald zu großer Korruption führte. • Teuerungswelle in Europa seit 1480 mit einer allerdings überschätzten Intensität. Steigende Preise besonders wegen verstärkter Edelmetallförderung in Europa, Goldzugänge aus portugiesischen Guinea-Expeditionen und allgemeiner Nachfragesteigerung. Verfünffachung der Silberproduktion in Europa zwischen 1480 und 1540, um 1550 rund 65000kg/a. Seit 1540er Jahren Erhöhung der Bestände durch Importe aus Amerika (1560: vier- bis fünfmal soviel amerikanische Produktion wie in Europa). Demgegenüber: weniger stark steigende Warenproduktion und stagnierender Binnenhandel. Insgesamt Inflation ausgehend von Spanien, unterschiedlich stark übergreifend auf andere Länder wegen Edelmetallfluß in übrige Länder (Verpflichtungen der Krone) und Geldwirtschaft. Zwischen 1480 und 1590 Steigerung um Fünf- bis Sechsfaches, besonders Lebensmittel. Betroffen besonders Lohnarbeiter ohne Naturaleinkünfte. Lohnerhöhungen hielten mit Preissteigerungen nicht Schritt, auch große Teile des Rentenadels ruiniert worden. Baskischer Theologe Martin de Azpilcueta erkannte 1556 die ökonomischen Zusammenhänge zwischen Preissteigerung und Edelmetallimport. Wirtschaftlicher Aufschwung wahrscheinlich Edelmetallproduktion ausgelöst und nicht umgekehrt. Später auch JEAN BODIN 1568.
• Wechselseitiger Austausch von Pflanzen und Tieren, Verbreitung von Techniken, Lebens- und Ernährungsweisen, Sprachschatz. In Neue Welt: Pferde, Schweine, Rinder, Hammel, Hühner, Rentiere, Spargel, Sellerie, Salat, Weizen, Zuckerrohr, Kaffee, Orangen, Zitronen, Maulbeerbäume, Oliven, Wein, rationellere Arbeitstechniken, bessere Geräte, Haus- und Nutztiere. Nach Europa: Truthahn Mais, Maniok, Erdnüsse, Kakao, Knoblauch, Tabak, Ananas, Vanille, Tomate (letztes Jh.), Kartoffelkäfer, Ernährungbasis (Kartoffel). Überseeische Rohstoffe für Industrialisierung Voraussetzung. Grundlegende Veränderung des Lebens der Seeleute durch indianische hamacas (Hängematte). Sprache: Tomate, Tabak, Orkan, Hurrican, Kannibalen. Krankheiten: Pocken (Blattern), Typhus, Ruhr im Tausch gegen Syphilis. • Es gehörte zu den selbstverständlichen Zielen einer protektionistischen und merkantilistischen Wirtschaftspolitik, das man überseeische Kolonien besaß, um von dort, ohne von der Konkurrenz abhängig zu sein, Rohstoffe und Kolonialwaren zu beziehen und diese Kolonien wieder mit Erzeugnissen des einheimischen Gewerbes zu
versorgen. Dabei kam es an, die Handelsschiffahrt mit einer eigenen Kriegsmarine zu beschützen.
• Hinsichtlich der Waren interessierten zunächst vornehmlich die exotischen Kostbarkeiten, wie Gewürze, Arzneien, Juwelen, Gold, Elfenbein, Sklaven. Schon im 16. Jh. kamen aber in Mittel- und Südamerika Massengüter hinzu, das Salz der karibischen See, das Farbholz und der Zucker Brasiliens etc. • Der Ausweitung des Absatzes nach den außereuropäischen Gebieten waren im 16. Jh. durch die spanische und portugiesische Monopolpolitik verhältnismäßig enge Grenzen gesetzt. Das änderte sich mit der Expansion der Holländer und Engländer und der Bildung privilegierter Überseegesellschaften der anderen europäischen Interessenten. • Mit der überseeischen Expansion weiteten sich die katholischen Reiche Spaniens und Portugals in weltumspannende Räume. Die Teilung der neuentdeckten Gebiete durch den Papst und die Zuweisung an Portugiesen und Spanier waren verbunden mit der Verpflichtung, Missionare auszusenden und Kirchen zu bauen. • Die alten Orden wie Franziskaner, Dominikaner und Augustiner erhielten neue Aufgaben und wurden so in der Auseinandersetzung mit der protestantischen Bewegung gestärkt. Im 16. Jh. kam die Gesellschaft Jesu hinzu, die ihre Hauptaufgabe in der Mission von Asien und Brasilien sah.
• Weltbild des klassischen Chinas: Wie am Himmel der Polarstern so war auf der Erde der Sohn des Himmels der Kaiser, Zentrum der Welt. Sein Reich war das Reich schlechthin und er war der alleinige Mittelpunkt aller politischen Macht und Quelle aller Kultur und Zivilisationen. Der Wohnsitz des Kaisers, das Mittelreich galt als Zentrum der bewohnten Welt. Mit zunehmender Entfernung davon verminderte sich notwendigerweise der Grad der Kultur und Zivilisation des Auslandes. • Tributgesandschaften regelten den Handel und die Diplomatie mit anderen Völkern. Es schien logisch, daß aus aller Welt Gesandtschaften, an den chinesischen Hof kamen, um sich dort zu bilden. Dabei wurden Geschenke ausgetauscht. In dieses System ließen sich sogar Zahlungen an bedrohliche Nachbarn einbauen. • Der Handel war für China ein Teil des Tributsystems und hatte nach chinesischer Auffassung keine eigenständige Bedeutung und war nur Begleiterscheinung eines politischen Aktes. Immer war die Erlaubnis zum Handel ein chinesischer Gnadenakt und ein Anspruch der Fremden zum Handel war für chinesische Begriffe undenkbar. Aus diesem Grund stand die chinesische Regierung (bis auf die großen Expeditionen Anfang des 15. Jh.) überseeischen Unternehmungen chinesischer Kaufleute ablehnend gegenüber. Die Fremden sollten schließlich nach China kommen. Missionsbestrebungen wie bei Islam und Christenheit gab es nicht. Der Gegensatz zu den Europäern war extrem. Für sie zählte nur der materielle Wert des Handels. • Chinesische Händler standen an Initiative und Geschicklichkeit nicht hinter den Europäern zurück. Aber das Fehlen jeder Rechtssicherheit für Privateigentum und für private wirtschaftliche Unternehmungen war das größte Hindernis für die Entwicklung eines privaten Kapitalismus. Der Staat und seine privilegierten Beamten konnten jederzeit jedes privatwirtschaftliche Unternehmen zum erliegen bringen. Das Literaten-Beamtentums spielte auch für die Geschäftsleute eine Vorbildfunktion. Ungleich der europäischen Bürgern strebten sie nicht danach, ihr Leben unabhängig von der bürokratischen Schicht nach einem eigenen Standesethos zu formieren. Der
bürokratische Staat betrachtete die Wirtschaft weitgehend als sein Monopol und war lediglich bereit, private Unternehmer gleichsam als seine Agenten zuzulassen. • Die Chinesen waren sich ihrer Überlegenheit über die Barbaren auf kulturellem Gebiet voll bewußt. Benachbarte Völker und Eindringlinge wurden bald sinisiert. • Für China war das 16. und 17. Jh. durch den Verfall der Ming-Dynastie und ihre Ablösung durch die mandschurische Dynastie der Tsing gekennzeichnet, die von 1644 an erfolgte. China zog sich während dieser Periode auf sich selbst zurück, und seine vor der Mitte des 15. Jahrhunderts relativ bedeutsame Expansion zur See kam zum Stillstand.
• 1517 war eine portugiesische Gesandtschaft in Kanton erschienen. Ihr Anführer, Thomé Pires, hatte sich zwar nach Peking begeben. Abneigung und Feinschaft der Chinesen herrschte vor. Dennoch war der legale wie illegale Handel für beide Seiten so gewinnbringend, daß er sich trotz mancher Versuche auf Dauer nicht unterbinden lies. Erst 1557 erhielten die Portugiesen die Genehmigung, sich in Macao niederzulassen und einmal im Jahr zu Handelsgeschäften nach Kanton zu kommen. Von dort aus trieben sie Handel mit Japan, Indochina und Malaysia. Die Konzentration der Ausländer beruhte auf dabei auf einer gängigen chinesischen Politik. Die Blütezeit Macaos, während der die Portugiesen fast eine Monopolstellung im Überseehandel mit China hatten, dauerte nicht länger als bis zum Ende des 16. Jh. Noch vor der Jahrhundertwende kamen von Manila aus die Spanier und ab 1601 die Holländer nach China. Sie gerieten sogleich in Konflikt mit den Portugiesen, und es gelang ihnen, nach bewaffneten Auseinandersetzungen, die Monopolstellung zu beseitigen. 1635 kamen auch noch die Engländer hinzu. Zentrum des Handels war Kanton, aber auch andere Häfen wie Amoy oder Ningpo. Die chinesische Regierung betraute eine Reihe von Handelsfirmen (die 13 Hong) mit der Wahrnehmung des Überseehandels. Exportgüter waren: Tee, Seide und Porzellan, importiert wurden Wollstoffe und Silber. Da das Wertverhältnis von Gold und Silber in China 1 zu 10 und in Europa 1 zu 15 war, versorgte man sich mit Silber (später geschmuggelt aus Südamerika) und tauschte es gegen Gold.
• Als die Spanier 1571 Manila gründeten, versuchten sie zwar in China Fuß zu fassen, wurden aber abgewiesen. Die Philippinen wurden jedoch Verbindungsglied zwischen dem Fernen Osten und Amerika und Manila ein Umschlagplatz für Seide, die über Macao aus China kam. Von Manila aus gelangten die Güter nach Acapulco, Veracruz, Sevilla und Europa. Mit der Trennung von Spanien und Portugal 1640 brach die Verbindung Macaos mit Manila ab.
• Die Holländer andererseits hielten die japanische Schifffahrt von den Philippinen fern, um selbst dieses einträgliche Geschäft über ihre Handelskontore von Nagasaki und Formosa zu übernehmen.
• Ab 1584 hatten die Portugiesen den Engländern und anderen Europäern den Einkauf von Tee, Porzellan, Seide und Gold in Macao gestatten müssen, aber trotzdem blieb dieser Hafen zur See der einzige Berührungspunkt der Europäer mit China, bis ihnen 1702 Kanton halb geöffnet wurde. Mission
• Den europäischen Kaufleuten folgen bald christliche Missionare. Der eigentliche Begründer der China-Mission war der italienische Jesuit Mateo Ricci. Nach langjährigem Aufenthalt in Südchina wechselte er 1601 in die Hauptstadt Peking. 1584 hatte es die erste Taufe eines Chinesen gegeben, 1636 waren es fast 40000. • Ricci erkannte, daß es darauf ankam, den Missionaren eine feste und angesehene Stellung in der sozialen Struktur Chinas zu schaffen. Vorbedingung war das Studium
der Kultur und der Sitten Chinas. Aus seinen Beobachtungen schloß er, daß nur die Verbindung mit der herrschenden Literaten-Beamten-Klasse den Missionaren eine gute Ausgangsstellung in China verschaffen könne. Dies gelang ihm durch philosphische und naturwissenschaftliche Kenntnisse, sowie durch Annahme der Sprache und Gebräuche. Auf diese Art verschaffte er sich sogar Zugang zum Kaiserhof. Die Verkündigung der christlichen Religion sollte dann im Einklang mit den Lehren Konfuzius erfolgen. 1601 konnte er mit kaiserlicher Erlaubnis eine Missionsstation in Peking gründen, wo er 1610 starb.
• Wie in Japan profitierten die Missionsversuche der Jesuiten auch in China von einer allgemeinen Krise des Landes im Niedergang der Ming Dynastie (1368-1644), was geistige Strömungen begünstigte, die Alternativen zur herrschenden neokonfuzianischen Orthodoxie der Sung-Schule versprachen. Ricci und seine Mitarbeiter gingen über das Vorbild der japanischen Erfahrungen hinaus, denn sie versuchen über rein äußere kulturelle Anpassung hinaus eine Beziehung zwischen ihrem Christentum und dem Konfuzianismus als geistigem Kern der chinesischen Kultur herzustellen. Ricci glaubte bei Konfuzius einen Monotheismus von großer Reinheit vorzufinden. • Durch die Vermittlung von naturwissenschaftlichem Wissen sicherten sich die Jesuiten eine wichtige Stellung beim chinesischen Kaiser (Kalenderreform). Der erste große Hofastronom, Johann Adam Schall von Bell, konnte sogar den blutigen Dynastiewechsel 1644 heil überstehen und das Vertrauen des ersten Mandschu-Kaisers Sunzhi (1644-1688) in solchem Maße gewinnen, daß er zum Mandarin erster Klasse aufstieg.
• Nachdem die Jesuiten sich auch noch Verdienste um das Zustandekommen des chinesisch-russischen Vertrags von Nertschinsk 1689 erworben hatten, brachte ihnen das Toleranzedikt von 1692 endlich den Lohn ihrer Mühen. Doch schon 1723 setzte eine neue Welle heftiger Verfolgungen ein, die während des 18. Jh. immer wieder aufflammen sollten.
• 1478 bis 1573 Sengoku-Zeit (Zeit der kämpfenden Provinzen). Der Staat löst sich nahezu auf; organisierte Seeräuber (Wako) plündern das Land. Die ca. 1500 Daimyo werden erbliche Fürsten.; ihre Vasallen steigen in die Kriegerkaste der Samurai auf. Aus dem konfuzianischen Geist bildet sich im Bushido das japanische Ritterideal. In der Shogunlosen Zeit (1573 bis 1603) wirken die drei großen Schöpfer des neuen japanischen Reiches. Oda Nobunaga (1534-82) bekämpft die Widersacher des Tenno, zieht in Kyoto ein und beseitigt 1573 den letzten Ashikaga-Shogun. Zur Schwächung der buddhistischen Mönche unterstützt er die christliche Mission. Hodeyoshi Toyotomi (1535-98). Der genialste Feldherr und Staatsmann Japans bricht die Daimyo-Herrschaft. Seit 1582 Kanzler, bildet er eine neue Zentralmacht. 1592-98 unternimmt er einen Feldzug zur Unterwerfung Koreas. Ieyasu Tokugawa (1542-1616) sichert sich die Macht durch die Ausrottung der Toyotomi. Es folgt eine Neuverteilung der Lehen und die Errichtung eines Polzeistaates. In dem von ihm begründeten Tokugawa-Shogunat (1603-1867), nimmt die neue Militäraristokratie nunmehr unbeschränkt die Vormachtstellung ein.
• Marco Polo war der erste Europäer, der dem Westen Wunderbares über Japan (Xipangu) berichtete, obwohl er es selbst nie besucht hatte. Erste Berichte erfolgten durch den Portugiesen Fernao Mendez Pinto, der sich in Kanton nach einem Schiffbruch auf einer chinesischen Dschunke einschiffte, und auf dem Weg nach
Malakka 1543 in Japan strandete. Durch ihn wurde die Verbindung mit Portugal hergestellt und durch den Nachbau seiner Arkebuse änderte sich die Strategie der Daimyatstruppen grundlegend.
• Es sollten drei Hauptarchitekten sein, Oda Nobunaga (bis 1582), Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu, die das Land unter militärischer Herrschaft einten. • Ab 1545 nahm der Handel mit Japan stetig zu und den chinesischen Händlern entstand eine ernsthafte Konkurrenz. Die Daimyate auf Kyushu waren an dem Handel mit den Europäern, die neben den begehrten Feuerwaffen Woll- und Glaswaren, Uhren, optische Geräte, Tabak u.a. einführten, besonders interessiert und versuchten diesen an ihre Häfen zu binden. Das jährlich fahrende "große Schiff", das von Goa kommend über Macao meist chinesische Waren nach Japan brachte, war der größte Einzelfaktor im japanischen Außenhandel.
• Nach den Portugiesen kamen 1584 die Spanier nach Japan. Im Jahr 1600 folgten die Holländer, 1613 England (bis 1623). Japan stand den Kontakten mit dem Westen aufgrund von Problemen mit dem Festland und dem gesellschaftliche Strukturwandel aufgeschlossen gegenüber.
• 1609 eröffneten die Niederländer die erste Faktorei in Hirado auf ausdrücklichen Wunsch von Ieyasu. Die Portugiesen waren zuvor gescheitert, die Neuankömmlinge als Piraten zu denunzieren.
• Die 1613 eingetroffenen Engländer erhielten die gleichen Handelsrechte wie die Holländer.
• Japan verschloß sich den Europäern mit Ausnahme der Holländer, die als Protestanten keine Bekehrungsversuche machten und 1641 die Erlaubnis erhielten, sich auf einer kleinen Insel in der Bucht von Nagasaki niederzulassen. Durch die konsequente Abschließungspolitik schufen sich die Tokugawa-Shogune die Möglichkeit, ihre innenpolitischen Ziele ungestört zu verfolgen und eine Staatsorganisation aufzubauen, die dem Land einen mehr als 250jähringen Frieden schenkte. Mission
• Im Jahr 1549 lief das chinesische Schiff, das Francisco Xaver (1506-52) und die Patres Juan Fernandez und Cosme de Torres nach Japan brachte, in der Bucht von Kagoshima auf Kyushu ein. Mit seiner Ankunft beginnt die Periode, die heute als das "Christliche Jahrhundert" (1549-1638) bezeichnet wird. Trotz seines kurzen Aufenthaltes (Abreise 1551) hatte er in Kriegerkreisen und Aristokratie guten Erfolg. Die Jesuiten erkannten, daß in erster Linie die Daimyatsherren bekehrt werden mußten, die mit Handelsvorteilen mit Portugal geködert werden konnten. Kyushu wurde die erste christliche Bastion in Japan, nachdem der Daimyo die neue Religion angenommen hatte und dies auch seinen Untertanen befahl. • Wichtiges Mittel war die von Xaver als notwendig erkannte Anpassung an die Mentalität der zu missionierenden. Der Begriff "Deus" wurde wörtlich übernommen. Nur die Theodizeefrage blieb den Asiaten vollkommen unverständlich. Finanziert wird die Mission vor allem durch die Beteiligung am Seidenhandel zwischen China und Japan.
• Neben Kyushu entstand nach der Ankunft des Paters Gaspar Vilela in Kyoto im Jahr 1556 ein zweites Zentrum der Missionsarbeit (1560). Er betrachtete jedoch die politischen Massenkonversionen mit Sorge und bemühte sich, eine japanische Kirche zu schaffen. Oda Nobunaga unterstützte diese Maßnahmen. Erst unter seinem Nachfolger Toyotomi Hideyoshi wandelte sich das Verhältnis zum Christentum. Er fürchtet, daß das Christentum zu einer eigenständigen Macht nach Vorbild der Ikko- Sekte werden könnte, insbesondere, da es sich auf die Adligen konzentriert. 1587
müssen laut einem Edikt Hideyoshis alle Missionare das Land innerhalb von 20 Tagen verlassen, jedoch führt es noch nicht zu einer Vertreibung aller Missionare. • Zum Konflikt kam es erst, als Toyotomi Hideyoshi diplomatische Beziehungen zu den Philippinen anknüpfte und so 1593 und 1594 Franziskaner als Gesandte von dort nach Japan kamen und mit seiner Erlaubnis eine rege Missionstätigkeit in Kyoto entwickelten. Als ein spanisches Schiff strandete und man als Ladung Waffen fand und er eine baldige Invasion vermutete. 1596 erfolge in Nagasaki die Kreuzigung von 26 Christen, darunter Franziskaner.
• Toyotomi Hideyoshis Nachfolger Ieyasy Tokugawa stellte die Verfolgungen zunächst ein, um den Außenhandel zu festigen. Aber da der Handel mit dem Ausland zugelassen ist, nutzt die Evangelisation die Handelswege aus, was die Regierung zuläßt, mit dem Ergebnis, daß es 1605 250-000 (700000, die manchmal genannt werden sind unrealistisch laut Boxer) Christen gibt. Zu den Jesuiten kommen Vertreter der anderen Orden hinzu. Schließlich bekommt Tokugawa Angst. Das Christentum in Form des politischen Katholizismus beinhaltete für Japan, jenen Machtanspruch den es fürchtete. Die Holländer (Protestanten) bestärkten sie darin. Die Furcht war um so stärker, als das Shogunat noch nicht in der Weise gefestigt war, daß ein innerer Umsturz mit ausländischer Hilfe nicht möglich gewesen wäre. Daher wird 1614 ein neues Verbotsedikt erlassen. Es setzt die zweite Welle der Christenverfolgung ein, an deren Ende die Vernichtung der Kirche in Japan stand.
• Wenn das erste antichristliche Edikt von 1587 möglicherweise innenpolitisch durch die Befürchtung motiviert war, das Christentum könnte sich zu einer autonomen politischen Macht entwickeln wie die erst 1580 endgültig überwundene buddhistische Ikko-Sekte mit ihrer Bauernorganisation, ihrer Bonzenhierarchie und ihren Tempelfestungen, so tritt nun der außenpolitische Aspekt stärker in den Vordergrund. Eine Lehre, deren Anhänger ihrem Gott und notabene dessen Dienern mehr gehorchen müssen als den Menschen, die Obrigkeit eingeschlossen, stellt eine doppelte Bedrohung des eben erst geschaffenen politischen Systems des Tokugawa-Shogunats dar. Jeder Japaner mußte sich einer der buddhistischen Hauptsekten anschließen und die gegenseitige Kontrolle der sozialen Grundeinheit der jeweils fünf Familien, die füreinander haftbar gemacht wurden, erstreckte sich auch auf die Religion. • 1614 wies ein Edikt die christlichen Missionare aus dem Land. Ein Rest blieb und ging in den Untergrund. Schon 1616 gab es nur noch zwei Häfen für Europäer (Hirado/Nagasaki). Die Handelsbeziehungen mit Portugal, Spanien und England fanden ihr Ende.
• 1625 erreichte die antichristliche Bewegung ihren Höhepunkt unter Shogun Iemitsu (seit 1623). Im Gegensatz zu der Situation 1587-1597 gab es aber keine christlichen Daimyos oder Christenfreunde am Hof mehr. Zugleich wurden die Maßnahmen zur endgültigen Abschließung des Landes forciert. Bis zum endgültigen Abschluß gab es jedoch noch ein reges Krypto-Christentum und zahlreiche erfolgreiche Versuche portugiesische Missionare ins Land zu schmuggeln. Der Handel ging ebenfalls weiter, wenn auch zunehmend direkte Handelsverbindungen mit China aufgenommen wurden.
• 1637/38 Shimbara Aufstand der letzten Christen in Japan wird blutig niedergeschlagen.
• Im Jahr 1639 untersagt der Shogun den Portugiesen auf Wunsch der Holländer, ihrer Handelskonkurrenten, den Zugang nach Japan. Engländer und Spanier waren bereits ausgewiesen worden. Japan schließt sich so fast völlig von der Außenwelt ab (Sakogu). Um auch die letzten Gefahrenherde zu beseitigen, die man in den Anhängern des Christentums und ihrer Verbindung zur Außenwelt sah, wurde das
Amt für Sektenkontrolle eingerichtet. Gegenüber Christen bestand nun Anzeigepflicht, die Verfolgung ging weiter bis zur Meiji-Ära (1868).
• Die Abschließung des Landes nach der für das Regime traumatischen Erfahrung des Shimbara-Aufstandes von 1637/38 ist die politische Vollendung der soziolkulturellen Neu-Integration des Landes durch klare Abgrenzung nach außen, erleichtert durch die Insellage. Dem entsprach der ebenso brutale wie effiziente Terror der Verfolgung im Innern.
• Freilich sickerte über die unter höchst restriktiven Bedingungen geduldete niederländische Faktorei Deshima weiter europäisches Kulturgut in Japan ein. Ansonsten versorgte sich Japan selbst und mit direktem Handel mit China.
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