Inhaltverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Melancholie in der Romantik 4
2.1 Die romantische Epoche 4
2.2 Melancholie- ein romantisches Gefühl 6
2.3 Darstellungen der Melancholie in der Kunst 9
3. Landschaftsmalerei in der Romantik 10
3.1 Geschichte der Landschaftsmalerei 10
3.2 Wandel des Naturbegriffs 13
3.3 Landschaften als Spiegel der Seele 14
3.3.1 Caspar David Friedrich 16
3.3.2 Carl Gustav Carus 18
4. Schluss/ Fazit 19
5. Bilder 21
6. Literaturverzeichnis 23
7. weitere Quellen 23
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1. Einleitung
Der Mensch ist dazu geboren Gesten zu machen. Er verleiht dadurch seinen Worten mehr Aussagekraft und seinen Empfindungen stille Worte. Es gibt viele verschiedene Arten von Gesten. Redebegleitende Gesten, so genannte Illuktoren, die abhängig von verbalen Äußerungen auftreten. Stimmungsbezeichnende, verbotene Gesten oder solche, die schlechte Erinnerungen in uns wach rufen, wie zum Beispiel der Hitlergruß. Adaptoren, die der physischen Stimulierung des Körpers dienen, weisen dagegen eine geringe Intentionalität auf. Sie können in zwei Gruppen geteilt werden, so genannte Selbstadaptoren, wie z. B. „Haare richten“ und Fremdadaptoren. Beispielhaft für eine solche Geste wäre ein Aufmerksamkeit erregendes „Ärmel zupfen“ im Gespräch. Diese Gesten sind Embleme, also ohne Sprache verständlich und dienen auch der nonverbalen Kommunikation. 1/2
Doch Gesten sind Codes, die es zu entschlüsseln gilt. Innerhalb einer kulturellen Gesellschaft ist dies Voraussetzung für eine unmissverständliche Kommunikation zwischen den Menschen. Vor Beginn jeweiliger Kommunikation steht die Wahrnehmung des Gegenübers, die sich aus Distanzmuster, Körperausrichtung, z.B. Fußwinkelstellung und Kopfhaltung zusammensetzten kann. Diese Codes funktionieren über kollektive Deutungsmuster generalisierter Erwartungen. Über einen kulturellen Rahmen hinaus, kann es zu unterschiedlichen Interpretationen ein und derselben Geste kommen. In der darstellenden Kunst kann aber auch dieselbe Geste mit verschiedenen Emotionen und Aussagen besetzt werden. 3 Das Gefühl der Melancholie wird mit Hilfe eines aufgestützten Arms verbildlicht, der den von schwerer seelischer Last geknickten Körper stützt. Diese Geste kann aber auch als Trauergeste interpretiert werden und bedarf einer genauen Analyse. Auch die Tatsache, dass Produktion und Rezeption von Kunstwerken immer eine zeitliche Distanz aufweisen, kann bei Interpretationsversuchen hinderlich sein. Der Kunst ist es nicht möglich räumlich versetzte Wahrnehmungsmodi zu reflektieren. Diese Nicht- Möglichkeit des zeitversetzten Agierens wirft ein Rezeptionsproblem auf, dass sich auf die Veränderung von Gesten und Deutungen innerhalb des Zeitwandels und der Gesellschaft bezieht. 4 So entstand die Möglichkeit, dass das
1 Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Geste
2 Vgl.: Vortrag von Dr. D. Zakharine im Rahmen des Seminars „Gefrorene Gesten“ vom 26.04.2006.
3 Vgl.: ebd.
4 Vgl.: ebd.
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melancholische Empfinden in verschiedenen Epochen mit unterschiedlichen Gesten ausgedrückt wurde, die im gegenwärtigen Diskurs neu interpretiert werden. Das Thema dieser Arbeit soll sich mit genau diesem Darstellungsproblem der Melancholie in der Epoche der Romantik befassen. Meine These besagt, dass in jener Epoche die Melancholie ihre übliche Darstellungsform verliert und eine neue Art der Gefühlsübermittlung entsteht, die sich völlig von dem menschlichen Darstellungsmodi löst. Der Mensch, aufgeladen durch dargestellte Gesten, ist nicht mehr Identifikationsfigur für den Betrachter. Es entsteht die Möglichkeit das Gefühl der Melancholie über die landschaftliche Darstellung, mit vollkommenen Verzicht auf menschliche Codes, zu vermitteln.
Im ersten Kapitel wird auf das Gefühl der Melancholie und dessen Bedeutung in der Epoche der Romantik eingegangen. Das zweite Kapitel widmet sich der (melancholischen) Landschaft in der romantischen Philosophie und im romantischen Bild. Hier soll aufgezeigt werden, dass die Landschaft als Vermittler der melancholischen Empfindung fungiert und somit die Aufgabe der dargestellten menschlichen Geste übernimmt. Dies wird an Werken von Casper David Friedrich und Carl Gustav Carus veranschaulicht.
2. Melancholie in der Romantik
2.1 Die romantische Epoche
Romantische Strömungen konstituierten sich im 18. Jahrhundert in ganz Europa. Die Grundsteine der Romantik wurden in den ersten fünf Jahren, der Periode der Frühromantik von 1796 bis 1801, gelegt. Hauptzentrum der romantischen Bewegung in Deutschland war die Stadt Jena, in der sich die „romantische Schule“ formierte. Diese Bezeichnung wurde allerdings erst viel später für den Kreis, der sich um das Ehepaar Schlegel bildete, von Heinrich Heine 5 verwendet. Das Haus August Wilhelm Schlegels und dessen Frau Caroline war der Versammlungsort vieler junger Schriftsteller und Dichter, auch der „schöne Kreis“ 6 (Caroline Schlegel) genannt. Neben August Willhelms Bruder Friedrich Schlegel gehörte auch Novalis zum erlesenen Kreis der romantischen Schule. Während Friedrich Schlegel sich für einige Zeit in Berlin niederließ, stießen der junge Ludwig Tieck, Johann Heinrich Wackenroder und Friedrich Schleiermacher dazu.
5 Heine, Heinrich: Die romantische Schule, Hamburg, 1856.
6 Hoffmeister, Gerhart: Deutsche und europäische Romantik, S.35.
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Durch die Ausweitung nach Berlin kam es zur Gründung der Zeitschrift „Arthenaeum“, einem wichtige romantischen Mitteilungsorgan. Der Beginn der Romantik wird allerdings noch von einer zweiten Generation geprägt. Zur ersten Generation, die um 1770 Geborenen, gehörte die romantische Schule, die zweite Generation setzte sich aus Mitgliedern der 1780er Geborenen zusammen und hatte ihren Hauptsitz in Heidelberg. In dieser Stadt sammelten sich seit etwa 1805 weitere Dichter und Schriftsteller um Armin und Brentano, an deren „Zeitschrift für Einsiedler“ aber auch Tieck und Wackenroder mitarbeiteten. 7 Historisch gesehen war die Epoche der Romantik, die sich bis ca. 1830 fortsetzte, von gewaltigen Veränderungen geprägt, die mit den Nachwirkungen der französischen Revolution und der Herrschaft Napoleons zusammenhingen. Die zunächst in Deutschland begrüßte französische Revolution, stieß nach der Ermordung Ludwig XVI. und der Schreckensherrschaft Robespierres auf Ablehnung. Das frühromantische, transzendentale Denken als Reaktion auf die gescheiterte französische Revolution wurde durch die Beschäftigung mit volksnaher, mit romantischen Motiven durchzogener Literatur, die wiederum als Reaktion auf Napoleon klassizistisches Regelwerk entstand, abgelöst. Die Darstellung universeller Wahrheiten durch einen rationalen, von rhetorischen Mustern geprägten Schaffensprozess, abgeleitet aus antiken Werken wurde verdrängt. 8 Auch dem Licht des „siècle de la lumière“ wurde, wie Schlegel es formulierte, die Nacht entgegengestellt: „Der Sonnenschein ist die Vernunft als Sittlichkeit- auf das tätige Leben angewandt, wo wir an die Bedingungen der Wirklichkeit gebunden sind. Die Nacht aber umhüllt uns mit einem wohltätigen Schleier und eröffnet uns dagegen durch die Gestirne die Aussicht in die Räume der Möglichkeit; Sie ist die Zeit der Träume.“ 9
Künstlerisch durchbrach die Romantik vor allem das Prinzip der Nachahmung. In der klassizistischen Landschaftsmalerei konzentrierte man sich auf die Nachahmung von Werken Nikolas Poussins oder Claude Lorraine. Doch das Sehnen nach dem Ideal der Schönheit, dass durch das Kopieren alter Meister zu finden erhofft wurde, blieb auf diesem Wege unerfüllt. Nicht die Wissenschaft ermöglicht schöne Bilder, sondern der Künstler selbst ist der Urheber dieses bewussten Schaffensprozesses. Kunst
7 vgl Abschnitt:
Behler, Ernst: Frühromantik, Einleitung und Kapitel IV.
Hoffmeister: Deutsche und europäische Romantik, S.1-66.
8 Vgl.: Hoffmeister: Deutsche und europäische Romantik, S. 163.
9 ebd. S. 162.
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wird zu einer Institution, der Selbstständigkeit zugeschrieben wird und deren Schöpfer die Vorstellung eines Genies erfüllen. Schlegel spricht von der romantischen Strömung als „ästhetische Revolution“. 10 Die Endphase der Romantik fiel in eine Periode der politischen Reaktionen. Zwischen dem Wiener Kongress, im Jahre 1815 und der Julirevolution 1830 fand die romantische Bewegung ihr Ende.
Die romantische Strömung erfasste viele andere Teile Europas, unter anderem auch Frankreich, England und Polen. Deutschland kommt in dieser Epoche eine zentrale Stellung zu, da dessen Nachbarländer nachhaltig beeinflusst wurden. Es handelt sich um eine europäische Bewegung, in der neben Deutschland später auch Frankreich eine wichtige Vermittlerrolle übernimmt. 11 Vielleicht ist es gerade die Tatsache des Einflusses dieser verschiedenen europäischen Kulturen, die der Romantik ihren disharmonischen Charakter verleihen. Es handelt sich weder in der Literatur noch in der Kunst um eine homogene Erscheinung. Die Romantik ist geprägt durch einen Pluralismus der Stile. 12 [Aber] Über die verschieden Schulen, Gruppierungen und Strömungen hinaus war [in der Kunst] die Ansprache der Seele für alle zum wichtigsten Ziel und Zweck des Kunstwerkes geworden. 13
2.2 Melancholie- ein romantisches Gefühl
Ursprünglich bezieht sich der Begriff der Melancholie auf die mélas cholé, die schwarze Galle. Es handelt sich dabei um einen der vier Körpersäfte, die im Rahmen der antiken, griechischen Humoralpathologie in der Temperamentenlehre erfasst wurde. Diesen Körpersäften, unter anderem auch die gelbe Galle (Choleriker), Wasser (Phlegmatiker) und Blut (Sanguiniker), werden neben den Temperamenten unterschiedliche Elemente, physische Zustände, Jahres- und Lebenszeiten zugeordnet. Im Falle des Melancholikers sind dies das Element Erde, der Herbst, kalt, trocken und das späte Erwachsenenalter. Die schwarze Galle, die das Blut versäuert, die Zirkulationswege verstopft, Herz und Hirn in Mitleidenschaft zieht, ist in jedem Menschen vorhanden, bei Melancholikern allerdings im Überschuss. Dies würde für den Veranlagungsmelancholiker gelten. Unter anderem können aber auch Ereignisse, die sich auf das Leben des einzelnen Menschen auswirken, zu einem Überschuss an schwarzer Galle führen. Sie kann also als mehr oder weniger lang
10 Vgl.: Behler: Frühromantik, S.33.
11 Vgl.: Hoffmeistert: Deutsche und europäische Romantik, S. 10.
12 Vgl.: ebd. S. 11.
13 Clair, Jean (Hrsg.): Melancholie, S.319.
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Arbeit zitieren:
Fleur Cannas, 2006, Melancholie in der deutschen Malerei der Romantik, München, GRIN Verlag GmbH
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