Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die indische Frau 4
2.1. Ihre Rolle und ihr Status bis Mitte des 19 Jahrhunderts 4
2.2. Ihre Rolle und ihr Status vom späten 19 bis Mitte des 20 Jahrhunderts 6
2.3. Ihre Rolle und ihr Status ab Mitte des 20 Jahrhunderts bis heute 6
3. Die Darstellung der Frau im Bollywoodfilm 9
3.1. Das konventionelle Kino Indiens 9
3.1.1. Die Darstellung der indischen Ehefrau in Devdas 9
3.1.2. Die Darstellung berufstätiger Frauen in Dr Madhurika 11
3.2. Das Neue Kino Indiens 13
3.2.1. Das neue Frauenbild in Ek Baar Phir 13
3.2.2. Das neue Frauenbild in Dakhal 14
4. Die Darstellung der indischen Frau Wahrheit oder Fiktion 15
4.1. Film bleibt Film 15
4.2. Fazit 16
5. Bibliografie 18
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1. Einleitung
Als in den 1920ern der erste Bollywoodspielfilm veröffentlicht wurde, rechnete wohl kein Inder mit dem immensen Erfolg und der weltweiten Berühmtheit, die sich diese Filme in den nächsten Jahren erkämpften. Längst gilt Bollywood als selbstständige Produktionsquelle eines Kinos, das sich mit eigener thematischer Akzentsetzung vom einflussreichen Vorbild Hollywood gelöst hat und mittlerweile mit mehr als dem Entstehungsort Numbai (das frühere Bombay) in Verbindung gebracht wird; Legendäre Tanz- und Gesangsszenen innerhalb der meist melodramatischen Filme entführen den Zuschauer in eine Traumwelt und helfen so über die Mühsamkeit des Alltags hinweg. 1 Die Themen der jährlich knapp 300 produzierten Filme variieren von sozialen, gesellschaftlichen oder familiären Konflikten bis hin zu Konfrontationen mit der fremden westlichen Welt. 2 Innerhalb dieser Inhalte stellt auch immer wieder die indische Frau eine wichtige Figur dar. Abhängig von ihrer Funktion übernimmt sie dabei im Film eine bestimmte Rolle, die oftmals, gerade bei westlichem, unvertrautem Publikum, den Anschein erweckt, eine Wirklichkeit Indiens widerzuspiegeln. Doch inwieweit ist die reale Situation der indischen Frau tatsächlich Vorbild für die Produktionen Bollywoods, halten die Filme also bloß einen Mythos aufrecht oder repräsentieren sie doch authentische Wahrheit?
Im Folgenden werde ich versuchen, diese Frage zu beantworten. Um die notwenige Vergleichsbasis zu schaffen, ist ein Überblick über die Geschichte der sozialen Stellung der indischen Frau erforderlich, sodass dieser den ersten Teil meiner Arbeit bildet.
Anschließend werde ich die Bollywoodproduktionen näher betrachten. Es geht mir dabei um die Fragen, welche Frauentypen das indische Kino zeigt und wie es diese präsentiert. Dabei soll selbstverständlich die Entwicklung der Filmindustrie miteinbezogen werden, sodass zwischen dem konventionellen und dem Neuem Kino Indiens zu unterscheiden ist. Zusätzlich soll die Betrachtung einiger Frauendarstellungen innerhalb exemplarisch ausgewählter Filme helfen, den auf die Wirklichkeit bezogenen Vergleich auszuarbeiten.
Abschließend möchte ich ein Fazit ziehen, das nicht nur meine persönlichen Eindrücke beinhaltet, sondern auch die Eigenschaften des Medium Films und deren Einflüsse auf die Bollywoodproduktionen berücksichtigt.
1 Vgl.: Chidananda Das Gupta/Werner Kobe, Kino in Indien, Verlag Wolf Mersch, Freiburg, 1986, S.11.
2 Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Bollywood.
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2. Die indische Frau
Innerhalb der Emanzipationsgeschichte der indischen Frau gibt es zwei ausschlaggebende Bewegungen, die ihre gesellschaftliche Stellung nachdrücklich verändert haben- einerseits die soziale Reform im 19. Jahrhundert, andererseits die Unabhängigkeitsbewegung Mitte des 20. Jahrhunderts. Um diese Entwicklung vollständig nachvollziehen zu können und, wie sich später zeigen wird, um den richtigen Bezug für die Bollywoodproduktionen zu schaffen, ist es zudem notwendig, die soziale Stellung der indischen Frau schon vor den Reformen zu betrachten.
2.1. Ihre Rolle und ihr Status bis Mitte des 19. Jahrhunderts
Geprägt von kulturellen Idealen und Traditionen, bestimmten die gesellschaftlichen Normen Indiens auch die Rolle und Verhaltensweise der Frauen. Die Produktion von Ideologie, Religion und Rechtsformen wird dabei der brahmanischen Literatenklasse zugeschrieben, die zu jener Zeit rein aus Männern bestand. 3 Diese orientierten sich vor allem am Indiens angesehenem Epos „Ramayana“, in dem die ständige Abhängigkeit der Frau gegenüber ihrem männlichen Begleiter gefordert wurde. Ihr Leben gliederte sich dabei in drei Etappen, in denen sie als Tochter, Ehefrau und Mutter an den Vater, Ehemann und schließlich an die Söhne gebunden war. 4 Diese Einteilung verdeutlicht, dass sich das Aktionsfeld der Frau rein auf die Familie beschränkte. Die Teilnahme an Politik, religiösen Festen oder der Zugang zum Bildungswesen waren ihr verwehrt, vielmehr galt es, innerhalb ihres Aufgabenbereiches klare Rollenerwartungen zu erfüllen, die ständig der männlichen Überwachung unterlagen. Für die Wahl des Ehepartners waren die Eltern verantwortlich, bereits mit neun Jahren konnte ein indisches Mädchen verheiratet werden. Liebe war dabei nicht erforderlich, vielmehr stand im Vordergrund, die als Last empfundene Tochter mit möglichst geringer Mitgift abzuschieben, ohne jedoch den durch das Kastensystem definierten familiären Status zu verschlechtern. 5 Diese Bezahlung, die nötig war, um das Familienmitglied in ein neues Zuhause „abzugeben“, zeigt deutlich den niedrigen Stellenwert der Frau, zumal die Geld- und Güterforderungen der zukünftigen Ehemänner oftmals sehr hoch angesetzt waren. 6
3 Vgl.: Maria Mies, Indische Frauen zwischen Patriarchat und Chancengleichheit, Rollenkonflikte studierender
und berufstätiger Frauen, Verlag Anton Hain, Meisenheim am Glan, 1973, S. 7.
4 Vgl.: K.Moti Gokulsing/Winnal Dissanayake, Indian Popular Cinema- a narrative of cultural change, Orient
Longman Verlag, Neu Delhi, 1998, S. 75.
5 Vgl.: Christa Wichterich, Stree Shakti, Frauen in Indien: Von der Stärke der Schwachen, Lamuv Taschenbuch,
Bornheim-Merten, 1986, S. 67.
6 Vgl.: Neera Desai/Meithreyi Krishnaraj, Woman and Society in India, Ajanta Publications, Dehli, 1987, S. 205.
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Als Ehefrau galt es schließlich, sich an der Leitfigur „Sita“ zu orientieren. Diese ist „[…] die monogame, zu höchster Reinheit und Treue hochstilisierte Gattin […] aus dem [Epos] Ramayana“ 7 und genauso wie sie mit absoluter Keuschheit und Loyalität ihrem Mann gegenüberstand, sollte die indische Ehefrau dem ihrigen dienen. 8 Widerspruchslos gehorchte sie somit seinen Anweisungen und stand dabei mit ihrem Leben für seine Zufriedenheit ein. 9 Formaler Respekt und Distanz gegenüber dem Gatten bildeten die Norm, wahre Liebe innerhalb der Ehepartner galt als Ausnahme. 10 Dennoch zählte die Ehe als die größte und anstrebenswerte Errungenschaft der indischen Frau. „Wenn sie, aus welchen Gründen auch immer, aus der Ehe ausbricht, wird dies als Verrat an ihrer biologischen und gesellschaftlichen Rolle empfunden, und sie bezahlt dafür mit Demütigung und Erniedrigung.“ 11 Die wichtigste Aufgabe der indischen Ehefrau spiegelte sich in der Geburt männlicher Nachkommenschaft wieder, so lauten die Sagen der Hindus: „Die Frau ist nur dazu geschaffen, dem Manne die Fortsetzung seines Geschlechts durch Söhne […] zu ermöglichen.“ 12 Darauf aufbauend verwundert es nicht, dass weibliche Kindestötung genauso wie die Abschiebung einer Ehefrau, die nur weiblichen Nachwuchs gebar, weit verbreitete und gesellschaftlich tolerierte Tatsachen waren. 13 Die Mutterschaft galt als ihr einzig wahrer und erfüllender Beruf, der so genannten „Shakti“ wurde dabei die „weibliche Urkraft des Universums“ zugesprochen, mit der sie, unabhängig von der ehelichen Unterdrückung oder anderen Schicksalsschlägen, unerlässlich ihre Kinder beschützte. 14 Die Rolle der Mutter fand somit innerhalb der Gesellschaft hohe Anerkennung und stellt den „[…] Gegenpol zur praktischen Missachtung und Minderbewertung des weiblichen Geschlechts“ 15 dar.
Auch wenn die genannten Punkte durchaus durch weitere Beispiele ergänzt werden könnten, zeigen sie bereits deutlich die patriarchale Gesellschaftsstruktur, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts vorherrschte. Die indische Frau war Opfer der sozialen Konventionen, die ihre Personalität und Individualität auf ein Minimum einschränkten. Aus den Epen übernommen, galt sie in jeder Lebensphase als „bewegliches Eigentum“ des Mannes und lebte somit in
7 Maria Mies, Indische Frauen zwischen Patriarchat und Chancengleichheit, a.a.O., S. 103.
8 Vgl.: Hrsg: Freunde der Deutschen Kinemathek e.V., Filmland Indien, Eine Dokumentation, Berlin, Jahr unbekannt, S. 69.
9 Vgl.: K.Moti Gokulsing/Winnal Dissanayake, Indian Popular Cinema- a narrative of cultural change, a.a.O., S. 75.
10 Vgl.: Maria Mies, Indische Frauen zwischen Patriarchat und Chancengleichheit, a.a.O., S. 5. 11 Hrsg: Freunde der Deutschen Kinemathek e.V., Filmland Indien, a.a.O., S. 68.
12 Maria Mies, Indische Frauen zwischen Patriarchat und Chancengleichheit, a.a.O., S. 24.
13 Vgl.: Christa Wichterich, Stree Shakti, a.a.O., S. 69.
14 Vgl.: Hrsg: Freunde der Deutschen Kinemathek e.V., Filmland Indien, a.a.O., S. 68.
15 Christa Wichterich, Stree Shakti, a.a.O., S. 155.
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Arbeit zitieren:
Catharina Cerezo, 2006, Die Repräsentation der indischen Frau im Bollywoodfilm, München, GRIN Verlag GmbH
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