1 Einleitung
Die Referenztheorie ist ein nicht unwesentliches Kapitel in der Semantik. In dieser Hausarbeit werde ich versuchen, die Grundzüge dieser Theorie zu erläutern und zu beschreiben, wann und wo wir mit welchen Mitteln referieren und welche Bedingungen für erfolgreiches Referieren gewährleistet sein müssen. In meinen Ausführungen, sowie in der groben Gliederung werde ich mich eng auf das Buch von Schwarz/Chur (siehe Literaturverzeichnis) beziehen, da mir deren Gliederung und Ausführungen als sinnvoll und einleuchtend erschienen.
2 Die Referenz - Eine allgemeine Einführung
Zunächst einmal sollte man erwähnen, daß man traditionell von Referenzsemantik spricht, diesen Begriff aber besser durch Referenztheorie ersetzt, da sich die Referenzforschung nicht nur mit semantischen Aspekten, sondern auch mit pragmatischen Aspekten auseinandersetzen muß, da ,,grundlegende Fragen jeder Referenztheorie sind: Mit welchen Ausdrücken referieren wir? Worauf referieren wir? Wie kommt erfolgreiche Referenz zu Stande?" (Schwarz, Chur 1996, S. 83). Während der alltäglichen Kommunikation nehmen wir mittels einer sprachlichen Äußerung Bezug auf Dinge in der Welt, etwa auf Eigenschaften, Zeiten und Orte, einzelne Gegenstände, Zustände, Ereignisse, usw., wir referieren. (Theofilidis 1991). Die Referenz ermöglicht es uns also, ,,Aussagen über die uns umgebende Welt zu machen und unsere Gedanken mitzuteilen." (Schwarz, Chur 1996, S. 83). Referenz beschreibt also das Verhältnis, das zwischen dem sprachlichen Ausdruck und dem, wofür dieser Ausdruck steht, herrscht (Vater 1994). Die Referenz ist aber nicht von vornherein dem Ausdruck gegeben, sie stellt sich vielmehr erst in der konkreten Situation ein, in der Sprecher auf einen Gegenstand verweist, der Gegenstand selbst wird dabei als Referent bezeichnet (Schwarz, Chur 1996). Erfolgreiche Referenz kommt allerdings nur zustande, wenn sie für den Hörer eindeutig identifizierbar ist, also wenn dem Hörer der Gegenstand, auf den referiert wird, bekannt ist (Lyons 1980). Nach Searle ist Referenz eine Handlung, die gelingen oder aber auch mißglücken kann (Vater 1994). Man könnte also folgende Definition für Referenz verwenden:
Referenz ist die Relation, die in einer b estimmten Situation zwischen sprachlichen Ausdrücken und Gegenständen besteht, bzw. etabliert wird. Nicht Wörter per se referieren,
sondern Sprecher referieren mit der Hilfe von Wörtern, und Hörer etablieren Referenz im Verstehensprozeß. (Schwarz, Chur 1996; S. 83).
2.1 Probleme der Referenztheorie
Nicht alle Wörter der deutschen Sprache sind geeignet, um auf Dinge der Welt zu referieren. Funktionswörter, also Konjunktionen, Präpositionen und Adverben referieren nicht, sie drücken lediglich Relationen zwischen Sachverhalten aus. Lediglich Inhaltswörter sind mit einem Objekt oder Zustand der außersprachlichen Welt verbunden und können zum Referieren gebraucht werden (Schwarz, Chur 1996).
2.1.1 Prädikative Ausdrücke
Man ist lange davon ausgegangen, daß nur Nomen oder Nominalphrasen referierend sind. 1)Der Junge weint. 2)Die Rose ist gelb.
Demnach wären in den beiden obigen Sätzen die Ausdrücke Junge und Rosereferierend (Schwarz, Chur 1996). Doch auch prädikative Ausdrücke können auf Aspekte der Welt, z.B. auf Eigenschaften, Beziehungen oder Zustände, Bezug nehmen: 3) Das schöne Gelb der Bank.
In diesem Satz wäre dann das schöne Gelb referierend, obwohl es ja kein faßbarer Gegenstand oder Ereignis ist, sondern lediglich ein Zustand, nämlich der des ,,gelbseins" (Schwarz, Chur 1996).
Genau dieser Aspekt ist von den Philosophen heftig diskutiert worden. Im Wesentlichen gibt es drei Verschiedene Ansätze. Für die Nominalisten sind Prädikate und prädikative Ausdrücke nicht referierend. Sie argumentieren, daß es keinerlei Wesenseinheiten gibt, für die Prädikate stehen können.
Bei den Realisten hingegen stehen Prädikate für reale Entitäten und bei den Konzeptualisten stehen sie für begriffliche Einheiten (Schwarz, Chur 1996).
In den meisten Linguistiktheorien ist man der Auffassung, daß Prädikate nur den Referent charakterisieren, ohne dabei selbst auf Charakteristika zu referieren. Diese Auffassung ist allerdings nicht sehr überzeugend, Es ist zwar nicht möglich, Eigenschaften losgelöst vom Gegenstand erfassen, dennoch können wir auf die Eigenschaft Bezug nehmen (vgl. Satz 3; Schwarz, Chur 1996).
2.1.2 Eigennamen
Auch Eigennamen sind problematisch. Man kann zwar mit Eigennamen Bezug vergangene (Napoleon), lebende (Helmut Kohl) oder fiktive Personen (Mr. Spock) Bezug nehmen, trotzdem unterscheiden sie sich von den Gattungsnamen (Appellativa). Sie haben eigentlich keine Bedeutung im streng informationsbezogenen Sinne, sondern sind lediglich Etiketten, die aber keine wirklichen Informationen über den Träger geben (Schwarz, Chur 1996). Man kann zwar bei Namen wie Hans, Josef oder Rainer das Bedeutungsmerkmal männlich,sowie bei Namen wie Maria, Inge oder Ute das Bedeutungsmerkmal weiblich erkennen, doch gibt es auch hier wieder einige Grenzfälle , wie z.B. Rainer Maria Rilke oder Klaus Maria Brandauer (Schwarz/Chur 1996). ,,Eigennamen sind [...] an unser enzyklopädisches [...] und an das episodische Wissen angekoppelt. Es besteht immer nur Token-Referenz," (Schwarz, Chur 1996; S. 86) während bei den Appellativa die semantische Ebene der Token-Referenz vorgeschaltet ist (Schwarz, Chur 1996).
2.2 Möglichkeiten der Referenz
2.2.1 Perzepte als Referenten
Perzepte beschreiben in der Psychologie die objektiv reale Umwelt. Wir zweifeln also eigentlich nicht daran, daß wir auf Objekte, die außerhalb unseres Geistes existieren und von allen Menschen gleich erfahren werden, referieren können. Wenn ich also auf einen Gegenstand referiere, der sich in meinem Sehfeld befindet, gehe ich davon aus, daß der Hörer den gleichen Gegenstand auf die gleiche Weise wahrnimmt wie ich und ihn als realen Gegenstand sieht (Schwarz, Chur 1996).
2.2.2 Mentale Bilder als Referenten
Neben der realen Welt verfügen wir über ein geistiges Modell dieser Welt. ,,Mentale Bilder sind Repräsentationseinheiten in unserem Gedächtnis, die kognitive Abbildungen realer
Arbeit zitieren:
Stefan Frenzen, 1998, Die Referenztheorie - Ein Kapitel der Semantik, München, GRIN Verlag GmbH
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