Gliederung
1. Prolog 1
2. Begriffsbestimmung des Case Managements 2
3. Historische Entwicklung des Case Managements 4
4. Axiologie des Case Managements 5
5. Theoretischer Hintergrund des Case Managements 7
5.1 Zentrale Funktionen des Case Managements 7
5.2 Systemtheorie 8
6. Praxiologie des Case Mangements 9
6.1 Handlungsfelder und Anwendungsgebiete 11
6.2 Überblick verschiedener Phasenmodelle 14
6.3 Das Phasen-Modell nach Manfred Neuffer 17
6.4 Schlüsselqualifikationen des Case Managers 23
7. Möglichkeiten und Grenzen des Case Managements in der Sozialarbeit 26
8. Epilog 28
Literaturverzeichnis NA
1. Prolog
Im Fokus der Fachdiskussionen der Sozialarbeit steht wieder vermehrt die Fall- arbeit mit Einzelnen und Familien. Die Leistungs- und Qualitätsanforderungen an die Fallarbeit nehmen immer höhere Ausmaße an, da sich die Lebenslagen der Menschen geändert, ihre Problemsituationen gewandelt und häufig zu kom- plexen mehrbelasteten Problemsituationen geworden ist. Hinzu kommt der An- stieg des Rechtsanspruches auf eine professionelle Hilfestellung. 1 „Die Schwierigkeiten und Nöte von Menschen sind inzwischen im Alltag so sehr verwickelt, daß (!) sie kaum verschwinden, wenn ab und an Geld gegeben wird oder guter Rat oder wenn man den sozialen Belastungen mit einer Psycho- therapie oder mit Medikamenten beizukommen sucht. In einer komplexen Lage ist vielleicht alles zusammen erforderlich, abgestimmt aufeinander, oder auch nur eine bessere Organisation in der Bewältigung des Alltags.“ 2 Diese multidimensionalen Lebenssituationen des Klientels, aber auch neue handlungstheoretische Erkenntnisse des systemischen Denkmodells verlangen es, neue ganzheitliche Konzepte zu entwerfen und anzuwenden. Ebenso tragen die Reformen im Sozial- und Gesundheitswesen ihren Teil dazu bei. „Die Rich- tung der Neugestaltung ist in allen Versorgungsdiensten für Menschen ... die gleiche: es muß (!) rationalisiert werden, wobei auf die Gewährleistung von Qualität und auf die Begrenzung der Kosten gesehen wird.“ 3 Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Bedürftigen die für sie geeigneten Hilfeleistungen nicht kennen oder ihnen nicht zugänglich sind. Daher ist es „In wachsendem Maße ... [erforderlich,/ die Verf.] Abstimmungen und Kooperatio- nen zwischen den Diensten, den Leistungsträgern, den Fachkräften und denen ..., welche die Unterstützung erhalten sollen[zu treffen/ die Verf.].“ 4 Seit einiger Zeit richtet sich daher die Aufmerksamkeit auf das Konzept des Ca- se Managements, das eine qualifizierte Fortschreibung der sozialen Einzelfall- hilfe darstellen könnte. 5
1
2. Begriffsbestimmung des Case Managements
Um eine erste Annäherung an den Begriff „Case Management“ zu erzielen, ist es nach meiner Ansicht sinnvoll, ihn ins Deutsche zu übersetzen. „Case“ bedeu- tet „Fall“ und „to manage“ bezeichnet Tätigkeiten wie Führen, Verwalten und das Leiten von Betrieben.
Bezogen auf die Sozialarbeit geht es also grob skizziert darum, einen Fall mit all seinen Facetten aufzunehmen, an andere Stellen und Institutionen weiterzu- vermitteln, jedoch den Gesamtüberblick zu behalten und den Fall somit zu ver- walten und zu führen.
Das Case Management nimmt laut Wendt ihren Ausgang in zwei Tatsachen. Die erste ist die Feststellung, dass die Klienten in der Sozialarbeit zumeist einen ganzen Problempool aufweisen. Die zweite Tatsache bezieht sich auf die Viel- zahl von Hilfen und Unterstützungsleistungen die für eine Problemsituation in Frage kommen würde. Daraus folgert Wendt, dass „... eine koordinierende und arrangierende Leistung nötig ...“ 6 scheint, um mit dieser Situation erfolgreich umzugehen. 7 Stimmer erklärt, dass das Case Management in der Einzelfallhilfe eben dieses unkoordinierte Nebeneinander verschiedener Hilfeleistungen zu einem Gesamt- prozess zusammenfügt. 8 Dieser wird von dem Case Manager koordiniert und investigiert, um somit den verschiedenen Aspekten der komplexen Lebenslage von Menschen möglichst effektiv zu begegnen. Der Klient wird „als aktiver Partner und eigenständiger Nutzer des Dienstleistungsangebotes gesehen...“ 9 . Daher wird das Case Management wohl von seinen Befürwortern auch als eine Weiterentwicklung der klassischen Einzelfallhilfe verstanden, die eine Akzent- verschiebung vornimmt. 10 Gemäß Ballew und Mink weist das Case Management zwei Akzentuierungen auf, die Stimmers Meinung unterstreichen:
1. Die Entwicklung/ Verbesserung eine Ressourcen-Netzwerkes 2. Die Stärkung der persönlichen Befähigungen des Klienten.
Ersteres entsteht durch den Wunsch verschiedener Personen und Institute einem Klienten zu helfen und die Koordinierung dieser Hilfen durch einen Case Ma- nager. Zweiteres umfasst „das Wissen, die Fertigkeiten und die Einstellungen des Klienten.“ 11 . 12
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„Sorgfältige Einschätzung („assessment“) der Bedürftigkeit, umfassende Pfle- geplanung, Koordination der Dienstleistungen und Nachuntersuchung – das zu- sammen macht im großen (!) und ganzen (!) Case Management aus. (...) Seine spezifischen Ziele und Funktionen können beträchtlich variieren.“ 13 Nach Easterling kann das Case Management nach seiner beruflichen Verortung in fünf Kategorien unterteilt werden. Er spricht hier von dem privaten, dem primärärztlichen, dem krankenpflegerischen und dem Case Management bei Versicherungen. Hinzu kommt das soziale Case Management * , dass sich durch die „... Unterstützung einer Person oder Familie mit einer Mehrzahl von Diens- ten, die planmäßig und koordiniert zum Einsatz kommen sollen.“ 14 auszeich- net. 15 Das Case Management versteckt sich hinter vielen Begrifflichkeiten. ** Im Eng- lischen wird dem Case Management je nach Fachbereich ein weiteres Adjektiv hinzugefügt (siehe Pkt. 6.1.). Wendt hat den Terminus „Unterstützungsmana- gement“ als deutschen Begriff vorgeschlagen, der sich mittlerweile eingebürgert hat. Des Weiteren finden sich die Begriffe Fallmanagement bzw. klinisches Fallmanagement, die für das Case Management im medizinischen Bereich ge- braucht werden. 16 „Case Management ... bietet also die Chance, einzelfallorientiertes Vorgehen mit personaler Netzwerkarbeit und Sozialraumorientierung ganzheitlich verbin- den zu können. Der grenzüberschreitende Ansatz gibt den Betroffenen mehr Si- cherheit, differenzierte Hilfestellungen zu finden in ihren vielschichtigen Prob- lemen, Belastungen und Benachteiligungen, in der auf sie zugeschnittenen Form und zum richtigen Zeitpunkt, bei gleichzeitig weniger zu leistenden Anpas- sungsbemühungen.“ 17
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3. Historische Entwicklung des Case Managements
In den USA dominiert, anders als in Europa, freies Engagement. Daher wird „... die Erbringung von Sozialleistungen weniger durch Ämter mit breiter Zustän- digkeit, wie sie bei uns die Jugend-, Sozial- und Gesundheitsämter besitzen [, /die Verf.] reguliert.“ 18 Laut Galuske wurde das Case Management ab Ende der 70er Jahre in den USA als eine Methode der Sozialen Arbeit aus zwei Beweggründen entwickelt: Die Zersplitterung sozialer Dienstleistungsangebote führte zu Orientierungs- problemen auf der Seite der Klienten, auf der Seite der Anbieter führte diese Zersplitterung zu wenig effektiven Überschneidungen und zu Koordinations- problemen. 19 Hinzu kam, dass „... das System sozialer Dienstleistungsangebote im Zuge der konservativen, neoliberalen Politik der Reagan-Administration zu- nehmend unter Druck gesetzt [wurde/ die Verf.], soziale Dienste kostengünsti- ger und effizienter zu organisieren.“ 20 .
Mitte der 70er Jahre kam es außerdem in den USA und in weiteren Ländern zu der Kampagne der Deinstitutionalisierung die dazu führte, dass die stationären Angebote reduziert wurden. Es wurden „... chronisch psychisch kranke, geistig behinderte und pflegebedürftige Menschen in gro- ßer Zahl aus der stationären Unterbringung [entlassen/ die Verf.]. Man hielt es von den Rechten der Bürger her nicht mehr für vertretbar, sie in Heimen und Anstalten festzuhalten, und hatte auch erkannt, dass (!) die Versorgung dort die Insassen lebensuntüchtig macht, viel kostet und mehr schadet als nutzt.“ 21 Durch die Deinstitutionalisierung wurde es nun notwendig „... eine hinreichen- de ambulante Betreuung durch soziale und medizinische Dienste zu organisie- ren.“ 22 Das Case Management sollte als ein Instrument des Umgangs mit dieser spezifi- schen Problemkonstellation dienen. Das Ziel war es in erster Linie eine organi- sierte Abstimmung von Angebot und Nachfrage nach sozialen Dienstleistungen zu schaffen. 23 1988 legte die britische Regierung ihr Konzept innerhalb eines White Papers vor „und definierte darin community care als lokale Bereitstellung der Dienste und der Unterstützung, welche Menschen mit Problemen des Alters, einer psy- chischen Erkrankung, mit geistiger oder körperlicher Behinderung oder einer Sinnesbehinderung benötigen, um fähig zu sein, weitestgehend unabhängig in ihrer eigenen Wohnung oder in vergleichbaren Wohnformen am Ort leben zu
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können (...) Ein Management im Einzelfall diene diesem Zweck und wird dar- um ausdrücklich empfohlen.“ 24 Seit Ende der 80er Jahre wird das Case Management auch verstärkt in Deutsch- land genutzt. 25
4. Axiologie des Case Managements
Laut Wendt geht das Case Management von der Annahme aus, „daß (!) Men- schen, die in ihrer Lebensführung allein zurechtkommen und einigen Erfolg ha- ben, auf den Gebieten geschäftig sind oder sein können, wo im eingetretenen Fall der Unterstützungsbedürftigkeit ein Defizit besteht.“ 26 Demnach ist dem Sozialarbeiter bewusst, dass das angestrebte Ergebnis des Ca- se Managements nicht lieferbar ist. Lediglich der Klient selbst und das entstan- dene Ressourcen-Netzwerk können dieses Ziel erreichen. Daher trägt der Klient die Verantwortung für seinen möglichen Lernprozess. 27 Jegliche Hilfen und Unterstützungen knüpfen an die Ressourcen des Klienten an. „Daß (!) solche Stärken vorhanden sind, muß (!) nicht der Klient beweisen; es gehört schon zur Sache der Sozialarbeit, die Kompetenzen in gemeinsamer Einschätzung festzustellen und mit ihnen, nicht an den Defekten, produktiv zu werden.“ 28 Moxley beschreibt sechs leitende Grundsätze der Praxis des Case Managements im Rahmen der Sozialarbeit. Obwohl sich nicht alle diese Grundsätze auf das Menschenbild des Case Managements projizieren lassen, möchte ich der Voll- ständigkeit halber trotzdem alle nennen.
Zunächst soll der Case Manager sich an das Prinzip halten, den Klienten dort abzuholen wo er gerade steht. Zudem soll eine ganzheitliche Betrachtung des Klienten und seiner Problemlage stattfinden, anstatt den Klienten auf das spezi- fische, aktuelle Problem zu reduzieren. Da das Case Management mit Verwal- tungsprozessen zu tun hat, müssen die Case Manager Kompetenz im administra- tiven Bereich vorweisen. Klinische Verfahren und Fähigkeiten ermöglichen eine profunde Beschäftigung mit dem Verhalten des Klienten und dessen Hinter- gründen. Im Gegensatz zu Wendt schreibt Moxley in seinem fünften Grundsatz: „Der Case Manager konzentriert Verantwortlichkeit mit seinem Wissen über Klienten und ihre Lage auf sich.“ 29
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Arbeit zitieren:
Sarah Giehring, 2008, Case Management - Ein kurzer Überlick, München, GRIN Verlag GmbH
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