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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse durch verschiedene Momente der Erzählung
2.1. Lenzes Wanderung und die Beziehung zu der Natur
2.2. Oberlins Einfluss
2.2.1. Die Beziehung zu Gott
2.2.2. Lenz und die Gesellschaft
2.3. Kaufmanns Ankunft und das Kunstgespräch
2.4. Die Bruchstelle: Oberlins Abreise
2.5. Die Passivität des Epilogs
3. Parallelität
4. Die Rolle der Sprache in Zusammenhang mit Lenzes Zustand
5. Zusammenfassung
Literaturverzeichnis
3
1. Einleitung
In dieser Arbeit wird Büchners „Lenz" in Betracht gezogen, da es mehr als eine Erzählung ist: es ist nämlich nicht nur eine Übertragung von Tatsachen, sondern auch eine Beschreibung eines geisteskranken Menschen. Deshalb kann es auch ein Psychogramm definiert werden, in dem den Zustand eines psychisch kranken Individuums dargestellt wird. Die Krankheit der Hauptfigur wird also als Thema für die folgende Untersuchung genommen. Nur dank der Analyse der Veränderung des Verhaltens Lenzes ist es möglich, sich der Entwicklung der Krankheit bewusst zu werden, deswegen wird der Zustand Lenzes in verschiedenen Momenten der Erzählung beobachtet. In dieser Weise wird es deutlich, dass die Erzählung in Zusammenhang mit Lenzes Verfassung aus Parallelitäten besteht und eine Beziehung mit der Sprache bildet.
Da alle Informationen im Text enthalten sind, werden Hinweise und Beispiele daraus oft geliefert.
2. Analyse durch verschiedene Momente der Erzählung
2.1. Lenzes Wanderung und die Beziehung zu der Natur
Die Erzählung beginnt in medias res mit einer Beschreibung der Natur, wo die Figur, die Situation, die Zeit und den Raum der Ereginisse gegeben werden. Die Natur, deren Schilderung meist ohne personifizierende oder beseelende Bilder auskommt, hat hier keine Seele, sondern ist die Evokation der Raumobjekte perspektivisch an Lenz gebunden, denn es ist eine Darstellung der Natur, die Lenz sieht. Das Adverb „so" wird eindringlich wiederholt, um Staunen und Desorientierung gegenüber die fremde und undurchdringlich Natur auszudrücken: „alles so dicht - […], so träg, so plump“ 1 . Lenz findet sich allein in dem Naturbild versunken, das eine negative Atmosphere verursacht und diese Fusion droht ihm, ihn zu zerstören. Es ist nämlich dunkel und „am Himmel zogen graue Wolken […] und dann dampfte der Nebel herauf“ 2 . Das Landschaft sieht so mächtig 3 und kalt aus, dass „er die Erde hinter den Ofen setzen mögen hätte" 4 . Außerdem scheint es ihm unendlich zu sein: „Er begriff nicht, daß er so viel Zeit brauchte […] er meinte, er müsse alles mit ein paar Schritten
1 Büchner, Georg : Lenz. Stuttgart (Reclam) 1957, S.3.
2 Büchner (Ans.1), S.3.
3 „die Täler hinunter graues Gestei, grüne Flächen, Felsen und Tannen“, Büchner (Ans.1), S.3.
4
ausmessen können" 5 . Die wilde Natur scheint figurativ eine Beschreibung eines Kampfes zu sein 6 und L enz erleidet die Fusion als Ekstase, die zu einem krampfhaft Anfall führt 7 . Während die Natur statisch ist, befindet sich das Subjekt in Bewegung, denn Lenz sucht nach etwas, was die Einheit wieder herstellen könnte, aber die Natur bietet nicht, was er sucht: „er suchte nach etwas, wie nach verlornen Träumen, aber er fand nichts" 8 . Lenz akzeptiert die Bedingungen der Normalität, die zum menschlichen Leben gehören, nicht, deshalb sind Langeweile und Gleichgültigkeit in ihm: „Müdigkeit spürte er keine, nur was er ihm manchmal unangenehm, dass er nicht auf dem Kopf gehen konnte" 9 . Er braucht , sich umgekehrt zu stellen, denn er kann sich durch die Polaritäten der Erde und des Himmels, des Endliches und des Unendliches rechtfertigen. Nur wenn der Sturm die Landschaft beseelt, ist er fähig, seine Gleichgültigkeit hinter sich zu lassen und sich von seiner Unruhe zu befreien. Lenz tritt also mit der Natur in Kontakt, der als poetisch bezeichnet werden kann. Ein unkontrollierter Schwung hebt Lenz von der Erde, gegen die Unendlich. Er muss sich der Festigkeit der Erde versichern und er kann es nur durch eine Fusion mit ihr machen. In dieser Weise verliert aber er sein Lebenswesen, denn er muss verzichten, als Individuum zu existieren, um in das Ganze zu treten. Er ist aus der Welt weggenommen und „ die Erde wich unter ihm“ 10 . Es handelt aber sich um eine scheinbare Erleichterung, die sich auf augenblickliche Unbewusstheit stützt: „er wusste von nichts mehr“ 11 . Nach dieser Erfahrung wird die Natur wieder fremd, schweigend und grau, wie schon am Anfang. Da Lenz völlig allein ist, ist er in diesem Nichts lahm gelegt und eine „namenlose Angst“ 12 erfüllt ihn.
2.2. Oberlins Einfluss
Auch wenn Lenzes Zustand noch nicht so schlimm ist, verschlechtert er sich im Laufe der Geschichte drastisch. In Oberlins Welt glaubte er etwas zu finden, deshalb ist sie für Lenz wichtig, weil sie ein heimliche Gefühl in ihm produziert 13 , und später nimmt sie eine feste
4 Büchner (Ans.1), S.3.
5 Büchner (Ans.1), S.3.
6 „bald wie fern verhallender Donner, […] wie wilde wiehernde Rosse heransprengten, und der Sonnenschein […] sein blitzendes Schwert an den Schneeflächen zog, so dass ein helles blendendes Licht […] in die Täler schnitt“,; Büchner (Ans.1), S.3-4.
7 „riss es ihm in der Brust, er stand, keuchend, den Leib vorwärts gebogen, Augen und Mund wie offen, […] es war eine Lust, die ihm weh tat“; Büchner (Ans.1), S.4.
8 Büchner (Ans.1), S.3.
9 Büchner (Ans.1), S.3.
10 Büchner (Ans.1), S.4.
11 Büchner (Ans.1), S.4.
12 Büchner (Ans.1), S.5.
13 Schon als er Lichter eines Hauses sieht, „wurde es ihm leichter“ und später „war er gleich zu Haus“; Büchner (Ans.1), S.5-6.
Arbeit zitieren:
Paola Bertolino, 2002, Büchners LENZ: eine Analyse seiner geistigen Krankheit, München, GRIN Verlag GmbH
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