1
Inhalt
Inhalt 1
1. Vorbetrachtungen 2
2. Die Welfenprinzessin Sophie Charlotte 3
2.1. Herkunft 3
2.2. Eindrücke in der Jugend und die modischen Welten 5
2.3. Vermählung mit dem brandenburgischen Kurprinzen Friedrich 8
3. Die Kurfürstin und ihr Hof zu Lietzenburg 18
3.1. Der Bau des Schlosses und die Finanzen der Kurfürstin 18
3.2. Die Hofhaltung Sophie Charlottes 21
3.3. Wohnkultur und Lebensart in Lietzenburg 23
3.4. Die schönen Künste 33
4. Fazit 42
5. Anhang 43
5.1. Quellen 43
5.2. Literatur 43
5.2.1 Katalog 43
5.2.2 Monographien 43
5.2.3. Aufsätze 44
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1. Vorbetrachtungen
Die vorliegende Arbeit stellt sich zwei wesentliche Anliegen. Zum Einen soll das nach wie vor beständige Etikett des sogenannten Musenhofes hinterfragt und aufgeklärt werden. Dabei muss zunächst geklärt werden, was darunter zu verstehen ist, wenn von einem deutschen Fürstenhof als einem Musenhof die Rede ist. Es gilt zu klären, welche Merkmale einen solchen ausmachen, wobei schon die erste Schwierigkeit darin besteht, von regionalen Einzelfällen auf eine gesamtgültige Definition zu schließen. Aus diesem Grund muss stets erwogen werden, welcher Aspekt nun speziell ist und welcher als allgemeingültig gelten darf. Des Weiteren wird schon mit diesem ersten Arbeitsschritt herauszustellen sein, welche Unterschiede es im europäischen Vergleich der Fürstenhäuser gibt. Dies wiederum leitet auch den zweiten Aspekt dieser Arbeit ein. Nach dem Ausloten des Begriffs Musenhof muss sich eine Betrachtung darüber anschließen, welche Möglichkeiten einer deutschen Prinzessin zur Verfügung standen, sich im Rahmen einer fürstlichen Herrin an der Seite eines Regenten ein mehr oder minder eigenständiges Leben aufzubauen. Dazu müssen auch Fragen nach der Rolle der Frau in der hochadeligen Gesellschaft geklärt werden, ebenso ist prinzipiell nach der Herkunft einer fürstlichen Person zu fragen. Außerdem ist zu beleuchten, weshalb sich in Lietzenburg nur diese Art von Hofhaltung etablieren konnte, jede andere Möglichkeit jedoch nicht denkbar war.
Überdies soll ausgewertet werden, wie sich die Hofhaltung der ersten preußischen Königin darstellte, welche Ausmaße diese hatte, wo die Gründe und Vorbilder für ihren Hof zu suchen sind. Vermutlich finden sich Vorbilder und Inspirationen in Frankreich und dem französischen Königshof, weswegen sich der Blick auch auf die Hofhaltung Ludwigs XIV. richten muss. Als Quellen sollen dabei vorwiegend Briefwechsel zwischen Frankreich und Hannover, sowie zwischen Hannover und Berlin dienen. Zudem werden weitere zeitgenössische Berichte über Sophie Charlottes Hof herangezogen und auch der Blick der Forschung untersucht und diskutiert.
Die Arbeit stützt sich im Folgenden argumentativ auf eine zu beweisende These: Der Hof der ersten Königin in Preußen war nicht der Musenhof, der in der Forschung immer wieder gern heraufbeschworen wird. Vielmehr muss er als der Versuch einer Fürstin gesehen werden, sich selbst in angemessenem Rahmen in der höfischen Gesellschaft des ausgehenden 17. und frühen 18. Jahrhunderts nach außen hin zu präsentieren, und zwar auf der Grundlage eines Selbstverständnisses, das aus einer dynastischen Tradition herrührte. Inwiefern dies für den Zeitgenossen und unsere heutige Welt an höfischer Kunst und Kultur ablesbar war bzw. ist, soll im Weiteren herausgestellt und besprochen werden.
2. Die Welfenprinzessin Sophie Charlotte
2.1. Herkunft
Die 1668 unweit von Osnabrück auf Iburg geborene Sophie Charlotte ist die einzige Tochter Sophies von der Pfalz und ihres Gemahls Ernst August von Braunschweig-Lüneburg. Die Wichtigkeit von Nachkommen in der fürstlichen Gesellschaft braucht an dieser Stelle nicht betont zu werden, es sei nur darauf verwiesen, dass Kinder beiderlei Geschlechts mitunter ein Problem darstellen konnten. So musste ein Sohn, wenn er nicht nach hauseigenem Primogenitur-Gesetz die Landesherrschaft übernahm, mit einer Apanage ausgestattet werden, um versorgt zu sein. Töchter mussten wiederum verheiratet werden, was mitunter auch extrem kostspielig werden konnte, wenn es darum ging eine standesgemäße Aussteuer zu finanzieren. Kurzum, die Versorgung der Kinder war nicht selten schwierig und musste gut bedacht sein. Für Sophie Charlotte stellte sich das Problem der Verheiratung insofern nicht, als sie die einzige Tochter des Herzog-Paares war. Zudem gehörte sie einem der ältesten Fürstengeschlechter im Reich an, eine Tatsache, die nach damaligem Verständnis wichtiger war als bloßer Prunk und Prachtentfaltung. Die Notwendigkeit der Selbstdarstellung ist unbestritten, nur kam es vor allem darauf an, worauf man Bezug nehmen konnte. Wichtig waren in diesem Zusammenhang glorreiche Vorfahren nebst ihren Ansprüchen und rühmliche Taten, die das eigene Selbstverständnis eines Hauses bestimmten. Es war nicht ausreichend mittels eines beeindruckenden Schlosses mit Porzellankabinett und Gemäldegalerien zu repräsentieren, denn all diese Erscheinungsformen fürstlicher Repräsentation konnten nicht über einen offensichtlichen Mangel an Größe des Hauses hinweg täuschen, geschweige denn ihn ausgleichen. 2
1 KÖNIG, Johann Ulrich: Des Herrn von Besser Schrifften. Beydes in gebundener und ungebundener Rede nebst dessen Leben und einem Vorberichte. Erster Theil, Leipzig 1732, S.220.
2 Vgl. HAHN, Peter-Michael: Hofkultur und Hohe Politik. Sophie Charlotte von Braunschweig-Lüneburg, die erste Königin in Preußen aus dem Hause Hannover. In: Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten
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Beide Elternteile hatten nun den Vorteil, dass sie auf nennenswerte Ahnen und eine beachtliche Dynastie-Geschichte verweisen konnten. Die Herrschaftsansprüche der Welfen auf den niedersächsischen Raum sind Jahrhunderte weit zurückzuverfolgen und belegbar. Die Mutter Sophie Charlottes wiederum konnte auf ihre pfälzischen Vorfahren und die englische Königsfamilie verweisen, was nach 1714 noch Bedeutung erlangen sollte, als einer ihrer Söhne als Georg I. den englischen Thron besteigt. Freilich konnte das am Ende des siebzehnten Jahrhunderts keiner wissen, umso mehr ist es bezeichnend, wie sehr auf Tradition und Ahnen Bezug genommen wurde.
Es konnte soweit gehen, dass, aus Sicht der Verwandten, unstandesgemäße Ehepartner ein Leben lang nicht vollends akzeptiert wurden. Wir sprechen von dem Fall d’Olbreuse. Ungeachtet dessen, dass Sophies Schwager Georg Wilhelm gegen das Abkommen, welches die Erbfolge des Hauses bestimmte, verstieß, war vor allem die Vermischung fürstlichen Blutes mit dem des niederen Adels skandalös. Vom Standesbewusstsein der Herzogin Sophie zeugen unter anderem auch ihre Heiratspläne für die eigenen Kinder. 3
So berühmt beide Fürstengeschlechter der Eltern waren, so kurios erscheint heute die Vermählung Sophies von der Pfalz mit Ernst August von Braunschweig-Lüneburg. Die Geschichte ist bekannt und liest sich wie der Stoff zu einem Film. Das für damalige Verhältnisse ältliche Fräulein heiratete den jüngeren Bruder eines Herzogs, nachdem dieser sich von der vorher geschlossenen Verlobung gelöst und zudem versprochen hatte, niemals zu heiraten und auf seinen Erbanspruch zu verzichten. Im Grunde für die fürstliche Welt von damals ein sonderbares Ding, für die Prinzessin Sophie war es ein Glücksfall. Nicht nur, dass sie fortan erst einmal abgesichert war, in ihrem Gemahl fand sie auch einen durchaus stattlichen Mann. „Ich hatte ihn sehr jung in Holland gesehen, sein schönes Aussehen hatte noch zugenommen, er gefiel jedermann“ 4 , schrieb Sophie in ihren 1680 begonnenen, wie sie im Vorwort angibt, zur Zerstreuung verfassten, Memoiren. Dass er damals noch nicht als potenzieller Heiratskandidat galt, hinderte beide nicht daran, einen Briefwechsel zu beginnen, der von Ernst August ausging, nach kurzer Zeit jedoch von Sophie abgebrochen wurde. „Ich hatte Angst, die Welt möchte sagen, meine Freundschaft für ihn wäre zu stark.“ 5 Schon hier wird deutlich, dass die späteren Eheleute eine gewisse Zuneigung empfunden haben dürften, und aus Sophies Memoiren ist herauszulesen, dass sie ihren Gemahl förmlich anbetete, so sehr, „daß ich mich verloren glaubte, wenn ich ihn nicht
Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Sophie Charlotte und ihr Schloß. Ein Musenhof des Barock in Brandenburg-Preußen, München u.a. 1999, S.31-42, [hier S.31].
3 Umso kurioser scheint uns heute, dass der Plan Sophie Charlotte mit dem französischen Dauphin zu verheiraten unter anderem auch deshalb gescheitert sein dürfte, da eine Prinzessin aus einem Haus, das noch nicht einmal die Kurfürstenwürde innehatte, nicht sonderlich interessant für das französische Königshaus gewesen sein dürfte.
4 GEERDS, Robert (Hrsg.): Die Mutter der Könige von Preußen und England. Memoiren und Briefe der Kurfürstin Sophie von Hannover, München u. Leipzig 1913, S.37.
5 Ebd.
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sah.“ 6 Es darf also davon ausgegangen werden, dass dieses Fürstenpaar über das politische Kalkül hinaus etwas verband, was beispielsweise bei deren Tochter Sophie Charlotte nicht der Fall sein sollte.
Für Sophie von Hannover waren die Voraussetzungen zu einem standesgemäßen Leben nach der Vermählung mit Ernst August gegeben, nachdem ihre Kindheit und Jugend mitunter wenig Anlass zur Freude gegeben hatte. Mit ihrem Gemahl konnte sie nun das Projekt der Rangerhöhung und Erhebung des Hauses Hannover in den Kurfürstenstand vorantreiben. Sie sollten es 1692 erreichen.
Eben dieses beschriebene Standesbewusstsein dürfte die junge Sophie Charlotte am Hofe ihrer Eltern soweit mitbekommen haben, dass sie sich in den folgenden Jahren, auch und vor allem nach ihrer Hochzeit mit dem Brandenburger, doch immer wieder als Hannoveranerin und Welfin fühlte, denn als eine der Hohenzollern.
2.2. Eindrücke in der Jugend und die modischen Welten
Da Sophie Charlotte die einzige Tochter Sophie von Hannovers war, kam ihrer Erziehung mit Sicherheit eine Sonderstellung zu. Vermutlich stellte sie für die Herzogin eine Art Lebensmittelpunkt in besonderem Sinn dar, während sich der Vater in der Politik erging und die vier Brüder Sophie Charlottes von Hofmeistern erzogen wurden. Vor diesem Hintergrund ist die enge Bindung von Mutter und Tochter leicht zu erklären.
Wie aber war nun die Mutter, und was davon hat möglicherweise auf die Tochter eingewirkt und ihr Wesen mitgeprägt? In einem amtlichen Führer des Sitzes Herrenhausen heißt es über die Schlossherrin: „Sophie, ’die Mutter der Könige’, verbindet das Zeitideal der inneren grandeur und sérenité mit Lebensklugheit und jenem überlegenen Humor, dem sie einen Teil ihrer Berühmtheit verdankt.“ 7 Freilich ist dem Leser hier etwas besonders schmackhaft dargestellt worden, gleichwohl kann nicht in Abrede gestellt werden, dass Sophie von Hannover, trotz aller Herrschaftsansprüche und Intrigen gegen unstandesgemäße Personen, eine überaus feinsinnige Frau war. Sie gilt als eine der geistreichsten und gebildetsten Frauen ihrer Zeit. 8 Und genau von ihr geht auch immer wieder das Etikett des Musenhofes aus, welches dann auf die Hofhaltung ihrer Tochter in Preußen übertragen wurde.
Es gibt kein geistiges Interesse, das die Kurfürstin Sophie nicht in den Kreis ihres Denkens zieht. [...] Der Kreis um die Kurfürstin hat im gleichzeitigen Deutschland sicher nicht seinesgleichen gehabt. Man möchte sagen, daß hier eine Kultur der Musenhöfe ihren Ausgang genommen und bei den Nachkommen Sophiens
6 Ebd, S.60.
7 VON ALVENSLEBEN, Udo: Herrenhausen. Die Sommerresidenz der Welfen. 2. Auflage, Berlin 1939, S.10.
8 Vgl. GHAYEGH-PISHEH, Kohra: Sophie-Charlotte von Preußen. Eine Königin und ihre Zeit, Stuttgart 2000, S.17.
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sich fortgepflanzt hat. Charlottenburg, Monbijou, Sans Souci, Bayreuth und das Weimar Anna Amalias sind Glieder einer Kette, die in Herrenhausen beginnt, und der das deutsche Geistesleben seine feinsten Erinnerungen verdankt. 9
Zunächst einmal dürfte es wohl richtig sein, wenn man den oben genannten Höfen ein musisches Potenzial nicht abspricht. Doch sollte auch nach den Gründen für die Herausbildung derselben gefragt werden. So muss davon ausgegangen werden, dass im Falle Sophies von Hannover nicht die mangelnde politische Präsenz auf der europäischen Bühne, wie etwa im Falle Weimars, zur aktiven Gestaltung des Geisteslebens geführt haben wird, sondern in Kunst und Kultur eher eine Ausdrucksweise des politischen Anspruches der Herzogin und späteren Kurfürstin zu sehen ist, wie er etwa am Vorbild Versailles wahrgenommen werden konnte. Zweifellos ist über das Ausmaß einer Vorbildfunktion des französischen Hofes unter Ludwig XIV. immer wieder diskutiert worden, gleichwohl kann nicht in Abrede gestellt werden, dass seine Besucher ihre Eindrücke mit in die Heimat nahmen und dort zu eigenen Ideen, je nachdem was die Mittel hergaben, umformten.
Es ist im Grunde der Aspekt der Moden, die in der Regel aus Frankreich, Italien oder den Niederlanden, ja selbst aus Fernost, kamen und sich an den europäischen Höfen verbreiten konnten. Im ausgehenden 17. und frühen 18. Jahrhundert war der Hof von Ludwig XIV. mit Sicherheit einer der bedeutendsten Höfe Europas, und konnte somit auch modisch tonangebend wirken. Die höfische Herrenmode entwickelte sich unter der Regierung Ludwigs in ihrer Form weiter und entfaltete einen besonderen Prunk, sodass der König mehrmals Verbote für das Tragen von Gold- und Silberbrokaten aussprach, und nur noch wenige privilegierte Personen solch edles Kleid tragen durften. 10 Allerdings war vor allem für die Damenmode kein ständiges Vorbild für neue Kreationen vorhanden, denn die Königin von Frankreich fristete ein Schattendasein und wurde von den Mätressen des Königs mehr oder weniger verdrängt und an schillernder Größe und Ausstrahlung überragt. Da der selbst ernannte Sonnenkönig bekanntermaßen zeitlebens dem schönen Geschlecht sehr zugeneigt gewesen war, wechselten die Favoritinnen seiner Majestät mitunter rasch, was zur Folge hatte, dass die Etablierung grundlegender modischer Veränderungen der höfischen Damenmode am Ausgang des 17. Jahrhunderts nicht gewährleistet war, wie es hingegen bei der Herrenmode durch die Person des Königs möglich sein konnte. 11 So wurden vor allem modische Details und Accessoires zum Interesse der höfischen Damenwelt. Solche Modeerscheinungen konnten mitunter auch ausarten, wie Elisabeth Charlotte von Orléans im Juni 1687 aus Versailles an ihre Tante in Hannover schrieb:
9 VON ALVENSLEBEN: Herrenhausen [wie Anm.7], S.11.
10 LOETZ, Hélène: Die höfische Mode. Von der Rhingrave zur Fontange. In: PAAS, Sigrun (Hrsg.): Liselotte von der Pfalz. Madame am Hofe des Sonnenkönigs, Heidelberg 1996, S.189-198.
11 Ebd., S.193.
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... Beßer daß wir nun von den moden sprechen. Wenn E.L. schon fontanges 12 trügen, were es woll gar kein wunder, denn alle welt trägt deren jetzt von 7 jahren biß in 80, undt nur das unterschiedt, daß die jungen leütte sie von allerhandt farben tragen, die bey jahren aber nur von schwartz oder sonstige dunckele farben; daß ich aber keine trage, ist die ursach, daß ich des tags nichts auf dem kopff vertragen kan, undt des nachts finde ich, daß das bandt auff dem kopff gar zu sehr rauscht, könte damitt durchauß nicht schlaffen; derowegen habe ich es dabey gelaßen. 13
Unter anderem berichtete neben den Briefwechseln der höfischen Gesellschaft auch die Pariser Zeitschrift Le Mercure galant von Modeneuheiten, was, beispielsweise ergänzt durch die Visualisierung in Form von Stichen, zur europaweiten Verbreitung und baldigen Nachahmung führte. Im Ende Januar 1688 schrieb Madame an ihre Tante: „Bei hoff tregt niemandts keine fichus [Damenhalstücher, C.G.], aber die coiffuren werden täglich höher.“ 14 Die Damen in England kopierten die neuen Modefrisuren offenbar so eifrig, dass ihre Sänften umgebaut und erhöht werden mussten. 15
Doch auch Geschmeide und Edelsteine standen hoch im Kurs. Die Erfindung des Diamantschliffs im 17. Jahrhundert wurde wesentlich durch Ludwig XIV. und dessen Premierminister Mazarin begünstigt, und schließlich hielt der Edelstein auch in der Herrenmodewelt ihren Einzug. 16 Die Vorliebe für Edelsteine teilte Ludwig mit vielen seiner Zeitgenossen, gleichwohl zu bemerken ist, dass sicher etliche davon sich diesen Luxus nicht ob ihrer Schönheit und aus ästhetischen Gesichtspunkten leisteten, sondern vielmehr um ihre Geltungshaftigkeit im Gefüge der höfischen Gesellschaft auszudrücken. Zweifelsohne kann hierfür der erste König in Preußen als Beispiel genannt werden, dessen Gewänder nicht selten üppig mit den kostbarsten Steinen geschmückt und von immensem Wert war. 17 Es ist allerdings anzumerken, dass durch die gesteigerte Nachfrage von Diamanten und anderen Edelsteinen nicht selten Imitationen erstanden wurden, insbesondere dann, wenn Originale zu teuer oder schwer zu bekommen waren. Da am Berliner Hof Gemälde, Porzellane und andere Wertgegenstände des Öfteren Kopien waren, kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch Schmuckstücke nicht immer von dem unschätzbaren Wert waren, für die man sie gehalten hatte. Dies dürfte jedoch zweitrangig gewesen sein,
12 Fontange bezeichnet eine Bandschleife als Kopfschmuck für Damen, die nach der Herzogin von Fontanges benannt wurde, welche um 1679 diesen Kopfschmuck zuerst am französischen Hof trug und damit einführte. Wenig später trug diese Erscheinung skurrile Blüten, da sich Frisuren entwickelten, die üppig aufgetürmtes und mit allerlei Zierrat wie Bändern und Diademen ausstaffiertes Haar für die höfische Damenwelt vorsahen.
13 BODEMANN, Eduard (Hrsg.): Aus den Briefen der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans an die Kurfürstin Sophie von Hannover. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts. [2 Bde.] Bd. 1, Hannover 1891, S. 82.
14 Ebd., S. 93.
15 Ebd.
16 KRÜLL, Burga u. NEUMAYER, Ulla: Perlen und Edelsteine im 17. Jahrhundert. In: PAAS, Sigrun (Hrsg.): Liselotte von der Pfalz. Madame am Hofe des Sonnenkönigs, Heidelberg 1996, S.199-204. [hier S.200].
17 Dazu SCHARMANN, Rudolf: Krönungsgewand, Campagne Kleid und Ritter-Ordenstracht. Herrscherkleidung Friedrichs I. In: Deutsches Historisches Museum & Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg (Hrsg.): Preußen 1701. Eine europäische Geschichte. 2 Bde. Band 2. Essays, Berlin 2001, S.68-72. [hier S.68f.].
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denn es kam in der Regel darauf an, zu zeigen, was man hatte, und dabei konnten gut gemachte Kopien auch dienlich sein.
Mode, das hieß aber nicht nur kostbare Kleider und edles Geschmeide, sondern auch architektonische und künstlerische Moden wie Möbel und ähnliches, die gemäß dem Stil der Zeit als schick galten und, die man haben musste, wollte man zur fürstlichen Gesellschaft dazugehören und akzeptiert werden.
2.3. Vermählung mit dem brandenburgischen Kurprinzen Friedrich
Beizeiten begann man in Hannover nach einem Heiratskandidaten für die junge Sophie Charlotte Ausschau zu halten. Um ihr alle Optionen offen halten zu können, war die Prinzessin ohne Festlegung auf ein Glaubensbekenntnis erzogen worden. Damit hätten sich sowohl protestantische oder calvinistische Prinzen zur Vermählung angeboten, als auch Potentaten aus katholischen Häusern des Reiches. Die Prinzessin konnte sich somit an jedes der Glaubensbekenntnisse anpassen. Das Herzogpaar wünschte sich beiderseits eine Verbindung für die geliebte Tochter, in der sie so glücklich werden mochte, wie sie es verdiente. 18 Verschiedene Heiratspläne mit dem französischen Königshaus oder dem bayerischen Kurfürsten Max Emanuel scheiterten. Trotzdem musste man darauf bedacht sein für das eigene Haus eine möglichst gute Partie zu finden, um sich vor den nicht minder ehrgeizigen nahen Ver-wandten in Celle und Wolfenbüttel behaupten zu können. Zudem konnte es nur von Vorteil sein in ein kurfürstliches Haus einzuheiraten, wenn man selbst diese Würde anstrebte. Gleichwohl verspürte die stolze Sophie von Hannover gegenüber dem Großen Kurfürsten eine gewisse Abneigung. 19 Dass der Brandenburger im Hinblick auf dynastische Herrlichkeit wenig zu bieten hatte, nahm Sophie in Kauf, die Verbindung mit einem Kurfürstenhaus schien mehr zu gelten. Doch nicht nur dynastische Beweggründe waren ausschlaggebend für die Wahl des Heiratskandidaten, auch politische Argumente konnten angeführt werden. Als Verbündete waren beide Häuser stark gegen die Schweden und andere Feinde, welche diese beiden Kräfte des Nordens einzeln eher würden besiegt haben können. 20
Obschon die Mark Brandenburg nicht eben das reichste Fleckchen Erde war, hatte es Kurfürst Friedrich Wilhelm doch geschafft, sein vom Dreißigjährigen Krieg gebeuteltes Land wieder aufzubauen. Dies gilt insbesondere für Wirtschaft und Handel. Vor allem religiöse Flüchtlinge wie die Hugenotten wurden aufgrund des Ediktes von Potsdam 1685 angezogen.
18 Vgl. KNOOP, Mathilde: Kurfürstin Sophie von Hannover, Hildesheim 1969, S.107.
19 Sie nannte ihn einen Dummkopf und Trunkenbold. Sie lästerte: „[D]ie dümmsten Gecken hätten immer das größte Glück.“ VON BRENTANO, Bernard: Sophie Charlotte und Danckelmann. Eine preußische Historie, Wiesbaden 1949, S.16.
20 Vgl. GHAYEGH-PISHEH: Sophie Charlotte [wie Anm.8], S.27.
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Clemens Götze, 2005, Das "musische Preußen" Sophie Charlottes - Kunst und Politik am Hof der ersten Königin in Preußen, München, GRIN Verlag GmbH
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