Universität Koblenz-Landau, Abteilung Landau Institut für Pädagogik Wintersemester: 1997/98 Seminar: Entwicklung des Schulwesens Semester: 2
Studiengang: Lehramt an Sonderschulen
Schule und
2
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung. Seite 3
2. Die ersten Schritte nach der Machtübernahme. Seite 4
2.1 Die Vereinheitlichung des Schulsystems. Seite 4
2.2 Umerziehung der Lehrer. Seite 5
2.3 Neue Lehrpläne und Richtlinien Seite 6
3. Die verschiedenen Organisationen und ihr Einfluß auf die Schulen Seite 7
4. Wichtige Personen der pädagogischen Bewegung der NS-Zeit. Seite 9
4.1 Reichserziehungsminister Bernard Rust. Seite 9
4.2 Hans Schemm, Gründer und Führer
des Nationalsozialistischen Lehrerbunds. Seite 10
4.3 Fritz Wächtler, Nachfolger Schemms. Seite 11
4.4 Bewertung pädagogischer Persönlichkeiten im Dritten Reich. Seite 11
5. Zusammenfassung Seite 12
6. Literaturverzeichnis Seite 14
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1. Einleitung:
„Wer die Jugend hat, hat die Zukunft.“ Nach diesem Wahlspruch hat der Nationalsozialismus und seine Pädagogik gehandelt. Der Jugend hat er sich dann auch ziemlich schnell angeeignet, was unter anderem durch die Perspektivlosigkeit - durch Massenarbeitslosigkeit und Wirtschaftsrezession - sowie durch eine massive Propaganda des Hitler-Regimes, begründet war. Die Pädagogik des Nationalsozialismus zielte darauf ab, kritiklose Gefolgsleute zu schaffen und die Ausbildung einer politischen nationalsozialistischen Elite zu fördern. Im Bildungsbereich wurde die Schule das wichtigste Ausführungsorgan des Nationalsozialismus, in ihr sollte das deutsche arische Geschlecht herangezogen werden. Ferner mußte sie folgende nationalsozialistische Erziehungsziele verwirklichen: Verbreitung des Blut-und-Boden-Kult, Einprägung der Rassentheorien, Stärkung der Volk-ohne-Raum-Bewegung, willenlose Opferbereitschaft für Hitler und das Vaterland, Umsetzung des Antisemitismus, um nur einige zu nennen.
Das Ziel der Erziehung war demnach:“ Der kollektiv denkende und handelnde, der leicht führ-und lenkbare, der unkritische und linientreue, der abgehärtete, blinden soldatischen Gehorsam beweisende und nach vermeintlicher Germanenart verfahrende Volksgenosse.“ 1 Auf den folgenden Seiten stelle ich die Machtübernahme des Nationalsozialismus in den Schulen dar, sowie die vom Regime umgeänderten Richtlinien und Lehrpläne, einige Personen der NS- Zeit und die verschiedenen Organisationen, die ihren Einfluß auf die Schulen ausübten.
Auch in dem Bereich der Pädagogik zeigt sich leider immer wieder, daß der Widerstand gegen die Bestrebungen der NSDAP nur gering war. Natürlich wurde es Personen, insbesondere den Lehrkräften, erschwert, Kritik zu äußern. Sie mußten mit Entlassung aus dem Schuldienst rechnen, oder mit Verfolgung. Trotzdem mußte ich feststellen, daß es nur durch massive Unterstützung - zum Beispiel durch den NSLB - der NSDAP möglich war, ihre Vorstellung von „Erziehung“ durchzusetzen.
Des weiteren zeigte sich mir, daß die Kompetenz der Personen weniger ausschlaggebend war, sondern mehr die Verbindung zur Partei. Hier seien unter anderem genannt: Reichserziehungsminister Rust, der vor Hitlers Machtergreifung sich amtlich seien Arbeitsunfähigkeit attestieren lies, um nicht mehr arbeiten zu müssen; der Vorsitzende des NSLB Schemm, hatte, so seine Kollegen, kaum kulturelle Bildung und bereicherte sich durch den NSLB, da alle Optionen des Vereins auf seinen Namen liefen und als letztes dessen Nachfolger Wächtler, der sich als pädagogisch wenig kompetent erwies und nur durch starre Einhaltung der Parteilinie sich auszeichnete und deshalb von Hitler befördert wurde. Zu den genannten Personen in einem späteren Kapitel ausführlicher.
1 Aus: Flessau, Ingo-Kurt : Schule der Diktatur: Lehrpläne und Schulbücher des Nationalsozialismus, München
1977
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2. Die ersten Schritte nach der Machtübernahme
Nach der Machtübernahme der NSDAP in Deutschland folgte recht schnell die Umsetzung des Nationalsozialismus auch im Schulsystem. Die kurz zuvor aufkommenden Strömungen der Reformpädagogik wurden rasch wieder verworfen. Individualität und eigenverantwortliches Handeln wurden nicht mehr geduldet. Auch in der Schule galt die Maxime „ Führerprinzip“ . Der Schüler war nunmehr nur noch Rezipient des von dem Lehrer vorgetragenen Stoffes. Der Lehrer war die bestimmende und führende Person, der der Schüler kritiklos zu gehorchen hatte.
Ebenso wurden - noch aus der Reformpädagogik - die musischen Fächer, Kunst und Musik, die als Ausgleich gegen die zu einseitig intellektuelle Ausbildung der Schüler eingeführt worden war, nun von dem Nationalsozialismus beschnitten auf die arteigene Kunst und der volkstümlich-volksverbundenen Musik. Ein immer wichtiger Faktor spielte von nun an auch der Sportunterricht.
Das NS-Regime vollzog die Machtübernahme auf sechs schulpolitischen Feldern:
- So wurde das Schulsystem vereinheitlicht, die Typenvielfalt reduziert und neue spezifische politische Schulen gegründet,
- die Lehrerbildung wurde verändert,
- neue Richtlinien und Lehrpläne wurden erlassen,
- die Stundenpläne wurden revidiert und der Staatsjugendtag eingeführt,
- die Pluralität der Bildungsmächte wurden beschnitten
- und Rassismus und Antisemitismus wurden in den Schulen fest verankert.
2.1 Die Vereinheitlichung des Schulsystems
Es widersprach der Lehre des Nationalsozialismus eine ausgeprägte Typenvielfalt von Schulen beizubehalten. Als Stichwort sei hier genannt: „ Gleichschaltung“ . Ebensowenig wurde eine ausgeprägte Individualität geduldet, was von verschiedenen Schulen jedoch gelehrt wurde. Vor allem Gymnasien und Oberschulen, von denen es mehr als 70 (!) verschiedene Typen gab, wurden von der Gleichschaltung getroffen. Entweder wurden sie geschlossen oder umgeändert. Konfessions- und Privatschulen wurden ganz untersagt. So wurde die Oberschule auf drei Grundtypen reduziert: Die neusprachliche und die naturwissenschaftliche Oberschule und das humanistische Gymnasium. Die Oberschulen bauten auf der vierjährigen Grundschule auf und umfaßten nur noch acht Schuljahre. Meist waren die Schulen für Jungen und Mädchen getrennt. Paradoxerweise gab es - trotz der Reduzierung der Oberschule - nun auch eine Zersplitterung derselben. Zurückzuführen ist dies auf die Kompetenzstreitigkeiten in der verschiedenen NS-Organisationen, die in den Schulen ihre Elite ausbilden wollten. So wurden unter anderem die Adolf-Hitler-Schulen gegründet, die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten, die Deutschen Heimschulen und die NS-Deutsche Oberschule Starnbergersee.
An diesen Schulen unterrichteten NS-treue Lehrer, die eine politische Elite heranziehen sollten, die dann später nationalsozialistische Laufbahnen einschlagen sollten. Ausgenommen von dieser Entwicklung waren die Volksschulen. Bei ihr änderte sich vor allem die Lehrerausbildung, die Stundenpläne und die Schulbücher, speziell die Lesebücher.
Arbeit zitieren:
Thomas Fey, 1998, Schule und Erziehung im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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