Pierre Bourdieu: Die feinen Unterschiede
von Fabian Böer
Inhalt
Einleitung S. 3
Habitus S. 5
-Geschmack S. 8
Raum der sozialen Positionen S. 9
Raum der Lebensstile S. 12
-Herrschende Klasse(n) S. 13
-Mittlere Klasse(n) S. 16
-Untere Klasse(n) S. 17
Schluss S. 18
Literatur S. 20
Einleitung
"Und immer zirkuliert ein neues, frisches Blut.
So geht es fort, man möchte rasend werden!
Der Luft, dem Wasser, wie der Erden
Entwinden tausend Keime sich,
Im Trocknen, Feuchten, Warmen, Kalten!
Hätt′ ich mir nicht die Flamme vorbehalten:
Ich hätte nichts Apart′s für mich."
Mephisto aus Goethes "Faust" beschreibt hier das Leben, das trotz all seiner (Mephistos) Unternehmungen, es zu vernichten, immer Wege findet, sich neu zu erschaffen.
Für einen Vergleich mit Pierre Bourdieus Vorstellungen vom sozialen Raum ist sicherlich etwas Fantasie notwendig, ein Versuch soll dennoch gemacht werden:
Das immer neu zirkulierende frische Blut, das Leben also, dem der Teufel aus "Faust" das Ende machen will, ähnelt den immer neu zirkulierenden Produkten des Kunstmarktes, die, anfänglich immer von der herrschenden Klasse für sich beansprucht, doch ihren Weg zu den Massen finden.
Aber auch der Drang der Massen im sozialen Raum nach "oben" findet hier eine passende Beschreibung. Zweifellos ist niemandem daran gelegen, den, der unter ihm steht, zu vernichten; einem Stillstand sozialer und kultureller Bewegungen und somit Machterhalt ständen aber einige nicht abgeneigt gegenüber.
Mephistos Streben nach Distinguiertheit, das ein Indiz für seine Zugehörigkeit zu der herrschenden Klasse ist (wenn man Mephisto nicht zugestehen will, dass er über der Menschheit allgemein steht), kommt besonders in den letzten beiden Zeilen des Zitats zum Vorschein:
Behält sich der Faust-Charakter in der fiktiven Welt die Flammen vor, um etwas "Apart′s" für sich zu haben, so sind es in der französischen Gesellschaft (und nicht nur da), die in "Die feinen Unterschiede" des Soziologen Bourdieu untersucht wird, in allen Bereichen des täglichen Lebens bestimmte Verhaltensweisen, die nur denen, "die oben stehen", zu eigen sind.
Doch nicht nur die eigene Beschreibung seines ausgeprägten Distinktionsverhaltens macht deutlich, dass Mephisto im sozialen Raum ganz oben steht. Vielmehr ist er auch im reichlichen Besitz aller von Bourdieu benannten Kapitalsorten:
"Ich kenne manchen schönen Platz
Und manchen altvergrabnen Schatz" ,
so Mephisto über seine ökonomischen Verhältnisse. Über den Umfang an kulturellem Kapital (womit Bourdieu im weitesten Sinne Bildung meint) kann nur spekuliert werden. So scheint ein in "Auerbachs Keller" vorgetragenes Lied etwas zu volkstümlich, um als Avantgarde-Vorführung durchzugehen. Immerhin zaubert Mephisto in derselben Szene Wein aus dem Tischrand, was auf eine lange und gute Ausbildung schließen lässt. Was das soziale Kapital (die Beziehungen eines Akteurs) und das symbolische Kapital (alles, was auf Anerkennung durch andere abzielt, Statussymbole) angeht, so muss wohl nur auf die Wette mit Gott beziehungsweise den Pferdefuß verwiesen werden.
Bringt der Versuch, Mephistos Position im sozialen Raum zu finden, einen nicht gleich in die Hölle, so wird doch auch dem, der ihn zitiert, von Mephisto, also im Wechselspiel, ein Platz im gesellschaftlichen Gefüge zugeordnet.
Goethe, besonders sein "Faust", wirkt zu schulmäßig, um einen Intellektuellen zu beeindrucken, kann aber bei einem weniger gebildeten durchaus Eindruck schinden. Derjenige, der hier, mit seinem Geschmack für bestimmte Literatur zum Beispiel, klassifiziert, wird dadurch auch selbst zum Klassifizierten. Und auch der Versuch durch Selbstanalyse eine Ebene zu erreichen, die nicht klassifiziert werden kann, führt wiederum zu einer Klassifikation durch andere und so fort. Pierre Bourdieus "… Habitus ist Erzeugungsprinzip objektiv klassifizierbarer Formen von Praxis und Klassifikationssystem (principium divisionis)…" in einem.
Anhand der Fragestellung "Was versteht Bourdieu unter dem Habitus und wie setzt sich der Soziale Raum zusammen?" werden im Folgenden der Habitus, das woraus er entsteht und das was er entstehen lässt aus Pierre Bourdieus "Die feinen Unterschiede" herausgearbeitet.
Habitus
[...]
Arbeit zitieren:
Diplom-Sozialwissenschaftler Fabian Böer, 2002, Pierre Bourdieu: Die feinen Unterschiede, München, GRIN Verlag GmbH
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