Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Analyse von Lk 15 3 7 4
2.1 Deutsche Übersetzung des griechischen Originaltextes 4
2.2 Inhaltliche Gliederung und Komposition der Perikope 5
2.3 Optische Umsetzung der Handlung 6
2.4 Realienabklärung 6
2.5 Andere Biblische Texte mit gleichen Aktanten 7
2.6 Synoptischer Vergleich 9
2.7 Der Kontext bei Lukas die Gleichnistrias 11
2.8 Die Intention des Textes 16
2.9 Zusammenfassung der Ergebnisse 17
3. Betrachtung verschiedener exegetischer Ansätze 18
4. Schlussreflexion 22
5. Literaturverzeichnis 24
1. Einleitung
In dieser Arbeit soll die Perikope Lk 15, 3-7 näher betrachtet und herausgestellt werden, was Lukas mit diesem Text aussagen, beziehungsweise bei seinen Lesern erreichen wollte (will).
Dazu verwende ich zunächst einmal eine möglichst wortgetreue Übersetzung des griechischen Textes. Des weiteren wird der Text in seine Sinnabschnitte unterteilt, um die Struktur des Gleichnisses herauszuarbeiten.
Im Gegensatz zu uns heute lebten die ursprünglichen Adressaten des Lukas-Evangeliums in der gleichen Alltagswelt wie der Verfasser, so dass ihnen die im Text benutzten Vergleiche Jesu geläufig waren.
Von daher werde ich die im Gleichnis benutzten Verhältnisse zur Zeit Jesu etwas verdeutlichen, da nur mit ihrer Kenntnis ein richtiges Verständnis von Sachverhalt und Aussage möglich ist.
Außerdem ist es wichtig zu betrachten, in welchen Kontext der Vergleich vom Evangelisten eingebettet wurde. Denn oft ging bei der Überlieferung der Texte oder der Komposition der Evangelien der ursprüngliche Gesprächskontext, in den hinein ein Gleichnis oder auch ein anderer Text gesprochen wurde, verloren. Dafür, dass dies auch hier der Fall sein könnte, spricht der Umstand, dass das Gleichnis bei Lukas einen anderen Rahmen bzw. Kontext hat als bei Matthäus (18,12-14).
Einerseits erschwert dies die ursprüngliche Intention Jesu zu erkennen, andererseits weist es aber auch darauf hin, dass Lukas durch seine Positionierung etwas bestimmtes ausdrücken möchte.
Das heißt: Er nutzt das Gleichnis mit seinem Kontext für eine bestimmte Aussagesofern es sich nicht um eine eher zufällige bzw. pragmatische Komposition von drei ähnlichen Gleichnissen (Gleichnistrias) handelt.
Um diesen Sachverhalt zu klären soll dementsprechend der nächste Schritt eine gründliche Untersuchung des Kontextes sein.
Lukas und Mathäus bedienen sich beide des Markus-Evangeliums und der so genannten Logienquelle "Q" als Vorlage für ihre Evangelien und ergänzen sie durch ihr jeweiliges Sondergut.
3
Da das Gleichnis vom verlorenen Schaf sowohl bei Lukas als auch bei Matthäus nicht aber bei Markus zu finden ist, ist davon auszugehen, dass Lukas und Matthäus diese Erzählung aus der Logienquelle "Q" übernommen haben.
Von daher soll im weiteren Verlauf mit Hilfe eines synoptischen Vergleichs untersucht werden, in wie weit die beiden Evangelientexte übereinstimmen bzw. sich unterscheiden - und ob die Unterschiede eventuell verschiedene Ziele erkennen lassen.
Nach diesen Untersuchungen wird es darum gehen, die Ergebnisse zusammen zu fassen und dadurch die Intention des lukanischen Textes zu verdeutlichen.
Im zweiten Teil der Arbeit folgen dann eine Zusammenschau und Gegenüberstellung der Ergebnisse und Meinungen verschiedener exegetischer Ansätze zu dieser Perikope, so dass anschließend eine Schlussreflexion möglich ist.
2. Analyse von Lk 15, 3-7
2.1 Deutsche Übersetzung des griechischen Originaltextes
3 ei=pen de. pro.j auvtou.j th.n parabolh.n tau,thn le,gwn(
4 Ti,j a;nqrwpoj evx u`mw/n e;cwn e`kato.n pro,bata kai. avpole,saj evx auvtw/n e]n ouv katalei,pei ta. evnenh,konta evnne,a evn th/| evrh,mw| kai. poreu,etai evpi. to. avpolwlo.j e[wj eu[rh| auvto,È 5 kai. eu`rw.n evpiti,qhsin evpi. tou.j w;mouj auvtou/ cai,rwn 6 kai. evlqw.n eivj to.n oi=kon sugkalei/ tou.j fi,louj kai. tou.j gei,tonaj le,gwn auvtoi/j( Sugca,rhte, moi( o[ti eu-ron to. pro,bato,n mou to. avpolwlo,jÅ 7 le,gw u`mi/n o[ti ou[twj cara. evn tw/| ouvranw/| e;stai evpi. e`ni. a`martwlw/| metanoou/nti h' evpi. evnenh,konta evnne,a dikai,oij oi[tinej ouv crei,an e;cousin metanoi,ajÅ
3 Er sprach aber zu ihnen dieses Gleichnis, sagend:
4 Welcher Mensch von euch, habend hundert Schafe und verlierend von ihnen eines, lässt nicht zurück die neunundneunzig in der Öde, und geht zu dem verlorenen, bis er es findet?
5 Und wenn er (es) gefunden hat, auflegt er (es) auf seine Schultern, sich freuend 6 und wenn er gekommen ist ins Haus, zusammenruft er die Freunde und die Nachbarn, sagend ihnen: Freut euch mit mir, weil ich fand mein Schaf das verlorene. 7 Ich sage euch: So wird (mehr) Freude im Himmel sein über einen umkehrenden Sünder als über neunundneunzig Gerechte, welche nicht nötig haben eine Umkehr.
4
2.2 Inhaltliche Gliederung und Komposition der Perikope
Um das Gleichnis verstehen zu können, ist es wichtig zunächst die Handlung zu verstehen. Dazu wird im Folgenden der Text in Sinnabschnitte unterteilt. + In den Versen 1 - 2 wird dem Gleichnis eine konkrete Situation vorangestellt, auf die sich die folgenden drei Gleichnisse beziehen.
+ Der hier zu untersuchende Text beginnt mit Vers 3, in dem das Gleichnis angekündigt bzw. eingeleitet wird.
+ In Vers 4 wird zunächst eine Alltagssituation geschildert, die den Zuhörern bekannt ist. - Ein Schäfer verliert eines seiner Schafe.
+ Jetzt folgt allerdings eine ungewöhnliche Reaktion, die die Hörer aufhorchen lässt.
- Der Hirte lässt die übrigen Schafe zurück und geht das eine Verlorene suchen. Dadurch riskiert er auch noch andere Schafe zu verlieren.
+ In Vers 5 findet der Hirte das Schaf, das er verloren hat und trägt es zurück zu den anderen.
+ Vers 6 beschreibt, dass der Hirte ein Fest gibt, weil er das Schaf gefunden hat. + Vers 7 ist gewissermaßen ein Fazit, das das Gleichnis erklärt und auf eine andere nämlich die eigentliche Sachebene bringt.
Dass hier nicht von der Freude Gottes, sondern allgemein von der Freude im Himmel die Rede ist, ist auf die jüdische Scheu etwas über Gottes Gefühle auszusagen zurück zu führen. - Die spätere Nennung des Gottesnamens in Vers 10 ist wahrscheinlich einem heidenchristlichen Überlieferer zu zuschreiben. 1
1
vgl. Eta Linnemann, Gleichnisse Jesu, Einführung und Auslegung, 5. Ausgabe, Vandenhoeck & Rup-
recht, Göttingen 1969, Seite 72
5
2.3 Optische Umsetzung der Handlung
Ein weiterer hilfreicher Schritt zum Verständnis des Gleichnisses ist es den Inhalt aufzuzeichnen.
Szene: Hirte, Berge, Schafe
Im Gleichnis, geht es um einen Hirten, der 100 Schafe hat und eines verliert.
Der Hirte lässt die 99 nicht Verirrten zurück und geht das eine Verlorene suchen. Als er es gefunden hat, freut er sich.
2.4 Realienabklärung
Den ursprünglichen Adressaten des Gleichnisses war die darin geschilderte Situation bekannt. Die Welt, in der die Handlung spielt, entsprach Ihrem Alltag. Dieses Wissen ist nötig, um die Übertragung verstehen zu können. Von daher ist es wichtig möglichst viele Informationen über die Situation in Erfahrung zu bringen. Denn dies ermöglicht ein besseres Hineindenken in das Gleichnis.
Schafe sind Herdentiere und haben durch die Haltung als Haustiere ihre wehrhaften Eigenschaften verloren. Zudem mangelt es ihnen an solchen Fähigkeiten, die ihnen eine sichere Flucht, ein schützendes Verbergen oder eine Täuschung ermöglichen. Bei Gefahr scharen sie sich zusammen. Ein Schaf kann kaum alleine überleben und findet nicht von selbst zur Herde zurück 2 . "Ein von der Herde abgekommenes Schaf,
6
Arbeit zitieren:
Benjamin Finkenrath, 2008, Das verlorene Schaf Lk 15,3-7: Eine Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Gleichnis 'Vom verlorenen Schaf', Lukas 15, 1-7
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