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Das verlorene Schaf Lk 15,3-7: Eine Analyse

Hauptseminararbeit, 2008, 25 Seiten
Autor: Benjamin Finkenrath
Fach: Theologie - Biblische Theologie

Details

Veranstaltung: Die Rede von Gott in den Gleichnissen Jesu
Institution/Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Tags: Schaf, Eine, Analyse, Rede, Gott, Gleichnissen, Jesu
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2008
Seiten: 25
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 16  Einträge
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V91316
ISBN (E-Book): 978-3-638-04108-9
ISBN (Buch): 978-3-638-93810-5
Dateigröße: 125 KB

Zusammenfassung / Abstract

In dieser Arbeit soll die Perikope Lk 15, 3-7 näher betrachtet und herausgestellt werden, was Lukas mit diesem Text aussagen, beziehungsweise bei seinen Lesern erreichen wollte (will). Nach der Übersetzung aus dem Griechischen wird der Text in seine Sinnabschnitte unterteilt, um die Struktur des Gleichnisses herauszuarbeiten. Die ursprünglichen Adressaten des Lukas-Evangeliums lebten in der gleichen Alltagswelt wie der Verfasser, so dass ihnen die im Text benutzten Vergleiche Jesu geläufig waren. Daher werden die Verhältnisse zur Zeit Jesu verdeutlicht, da nur mit ihrer Kenntnis ein richtiges Verständnis von Sachverhalt und Aussage möglich ist. Außerdem ist es wichtig zu betrachten, in welchen Kontext der Vergleich vom Evangelisten eingebettet wurde. Oft ging der ursprüngliche Gesprächskontext, in den hinein ein Gleichnis verloren. Dafür, dass dies auch hier der Fall sein könnte, spricht der Umstand, dass das Gleichnis bei Lukas einen anderen Rahmen hat als bei Matthäus (18,12-14). Einerseits erschwert dies die ursprüngliche Intention Jesu zu erkennen, andererseits weist es aber auch darauf hin, dass Lukas durch seine Positionierung etwas bestimmtes ausdrücken möchte. Dementsprechend soll der nächste Schritt eine gründliche Untersuchung des Kontextes sein. Lukas und Mathäus bedienen sich beide des Markus-Evangeliums und der so genannten Logienquelle "Q" als Vorlage für ihre Evangelien und ergänzen sie durch ihr jeweiliges Sondergut. Da das Gleichnis vom verlorenen Schaf sowohl bei Lukas als auch bei Matthäus nicht aber bei Markus zu finden ist, ist davon auszugehen, dass Lukas und Matthäus diese Erzählung aus der Logienquelle "Q" übernommen haben. Von daher soll im weiteren Verlauf mit Hilfe eines synoptischen Vergleichs untersucht werden, in wie weit die beiden Evangelientexte übereinstimmen bzw. sich unterscheiden - und ob die Unterschiede eventuell verschiedene Ziele erkennen lassen. Nach diesen Untersuchungen wird es darum gehen, die Ergebnisse zusammen zu fassen und dadurch die Intention des lukanischen Textes zu verdeutlichen. Im zweiten Teil der Arbeit folgen dann eine Zusammenschau und Gegenüberstellung der Ergebnisse und Meinungen verschiedener exegetischer Ansätze zu dieser Perikope, so dass anschließend eine Schlussreflexion möglich ist.


Textauszug (computergeneriert)

Katholisch Theologische Fakultät

"Die Rede von Gott in den Gleichnissen Jesu"

Seminararbeit

Thema:

Das verlorene Schaf

Lk 15, 3-7

WS 07/08

Seminar für Exegese des Neuen Testaments




Name:

Benjamin Finkenrath

Fachsemester:

9

Westfälische Wilhelms-Universität Münster


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung _______________________________________________________ 3

2. Analyse von Lk 15, 3-7_____________________________________________ 4

2.1 Deutsche Übersetzung des griechischen Originaltextes ________________ 4

2.2 Inhaltliche Gliederung und Komposition der Perikope __________________ 5

2.3 Optische Umsetzung der Handlung ________________________________ 6

2.4 Realienabklärung ______________________________________________ 6

2.5 Andere Biblische Texte mit gleichen Aktanten ________________________ 7

2.6 Synoptischer Vergleich__________________________________________ 9

2.7 Der Kontext bei Lukas - die Gleichnistrias __________________________ 11

2.8 Die Intention des Textes________________________________________ 16

2.9 Zusammenfassung der Ergebnisse _______________________________ 17

3. Betrachtung verschiedener exegetischer Ansätze_______________________ 18

4. Schlussreflexion _________________________________________________ 22

5. Literaturverzeichnis ______________________________________________ 24

2


1. Einleitung

In dieser Arbeit soll die Perikope Lk 15, 3-7 näher betrachtet und herausgestellt wer-

den, was Lukas mit diesem Text aussagen, beziehungsweise bei seinen Lesern er-

reichen wollte (will).

Dazu verwende ich zunächst einmal eine möglichst wortgetreue Übersetzung des

griechischen Textes. Des weiteren wird der Text in seine Sinnabschnitte unterteilt,

um die Struktur des Gleichnisses herauszuarbeiten.

Im Gegensatz zu uns heute lebten die ursprünglichen Adressaten des Lukas-

Evangeliums in der gleichen Alltagswelt wie der Verfasser, so dass ihnen die im Text

benutzten Vergleiche Jesu geläufig waren.

Von daher werde ich die im Gleichnis benutzten Verhältnisse zur Zeit Jesu etwas

verdeutlichen, da nur mit ihrer Kenntnis ein richtiges Verständnis von Sachverhalt

und Aussage möglich ist.

Außerdem ist es wichtig zu betrachten, in welchen Kontext der Vergleich vom Evan-

gelisten eingebettet wurde. Denn oft ging bei der Überlieferung der Texte oder der

Komposition der Evangelien der ursprüngliche Gesprächskontext, in den hinein ein

Gleichnis oder auch ein anderer Text gesprochen wurde, verloren.

Dafür, dass dies auch hier der Fall sein könnte, spricht der Umstand, dass das

Gleichnis bei Lukas einen anderen Rahmen bzw. Kontext hat als bei Matthäus

(18,12-14).

Einerseits erschwert dies die ursprüngliche Intention Jesu zu erkennen, andererseits

weist es aber auch darauf hin, dass Lukas durch seine Positionierung etwas be-

stimmtes ausdrücken möchte.

Das heißt: Er nutzt das Gleichnis mit seinem Kontext für eine bestimmte Aussage -

sofern es sich nicht um eine eher zufällige bzw. pragmatische Komposition von drei

ähnlichen Gleichnissen (Gleichnistrias) handelt.

Um diesen Sachverhalt zu klären soll dementsprechend der nächste Schritt eine

gründliche Untersuchung des Kontextes sein.

Lukas und Mathäus bedienen sich beide des Markus-Evangeliums und der so ge-

nannten Logienquelle "Q" als Vorlage für ihre Evangelien und ergänzen sie durch ihr

jeweiliges Sondergut.

3


Da das Gleichnis vom verlorenen Schaf sowohl bei Lukas als auch bei Matthäus

nicht aber bei Markus zu finden ist, ist davon auszugehen, dass Lukas und Matthäus

diese Erzählung aus der Logienquelle "Q" übernommen haben.

Von daher soll im weiteren Verlauf mit Hilfe eines synoptischen Vergleichs unter-

sucht werden, in wie weit die beiden Evangelientexte übereinstimmen bzw. sich un-

terscheiden - und ob die Unterschiede eventuell verschiedene Ziele erkennen lassen.

Nach diesen Untersuchungen wird es darum gehen, die Ergebnisse zusammen zu

fassen und dadurch die Intention des lukanischen Textes zu verdeutlichen.

Im zweiten Teil der Arbeit folgen dann eine Zusammenschau und Gegenüberstellung

der Ergebnisse und Meinungen verschiedener exegetischer Ansätze zu dieser Peri-

kope, so dass anschließend eine Schlussreflexion möglich ist.

2. Analyse von Lk 15, 3-7

2.1 Deutsche Übersetzung des griechischen Originaltextes

3

ei=pen de. pro.j auvtou.j th.n parabolh.n tau,thn le,gwn(

4

Ti,j a;nqrwpoj evx u`mw/n e;cwn e`kato.n pro,bata kai. avpole,saj evx auvtw/n e]n

ouv katalei,pei ta. evnenh,konta evnne,a evn th/| evrh,mw| kai. poreu,etai evpi.

to. avpolwlo.j e[wj eu[rh| auvto,È

5

kai. eu`rw.n evpiti,qhsin evpi. tou.j w;mouj auvtou/ cai,rwn

6

kai. evlqw.n eivj to.n oi=kon sugkalei/ tou.j fi,louj kai. tou.j gei,tonaj le,gwn auvtoi/j(

Sugca,rhte, moi( o[ti eu-ron to. pro,bato,n mou to. avpolwlo,jÅ

7

le,gw u`mi/n o[ti ou[twj cara. evn tw/| ouvranw/| e;stai evpi. e`ni. a`martwlw/| meta-

noou/nti h′ evpi. evnenh,konta evnne,a dikai,oij oi[tinej ouv crei,an e;cousin meta-

noi,ajÅ

3

Er sprach aber zu ihnen dieses Gleichnis, sagend:

4

Welcher Mensch von euch, habend hundert Schafe und verlierend von ihnen ei-

nes, lässt nicht zurück die neunundneunzig in der Öde, und geht zu dem verlore-

nen, bis er es findet?

5

Und wenn er (es) gefunden hat, auflegt er (es) auf seine Schultern, sich freuend

6

und wenn er gekommen ist ins Haus, zusammenruft er die Freunde und die Nach-

barn, sagend ihnen: Freut euch mit mir, weil ich fand mein Schaf das verlorene.

7

Ich sage euch: So wird (mehr) Freude im Himmel sein über einen umkehrenden

Sünder als über neunundneunzig Gerechte, welche nicht nötig haben eine Um-

kehr.

4



2.2 Inhaltliche Gliederung und Komposition der Perikope

Um das Gleichnis verstehen zu können, ist es wichtig zunächst die Handlung zu ver-

stehen. Dazu wird im Folgenden der Text in Sinnabschnitte unterteilt.

+ In den Versen 1 - 2 wird dem Gleichnis eine konkrete Situation vorangestellt, auf

die sich die folgenden drei Gleichnisse beziehen.

+ Der hier zu untersuchende Text beginnt mit Vers 3, in dem das Gleichnis ange-

kündigt bzw. eingeleitet wird.

+ In Vers 4 wird zunächst eine Alltagssituation geschildert, die den Zuhörern be-

kannt ist. - Ein Schäfer verliert eines seiner Schafe.

+ Jetzt folgt allerdings eine ungewöhnliche Reaktion, die die Hörer aufhorchen lässt.

- Der Hirte lässt die übrigen Schafe zurück und geht das eine Verlorene suchen.

Dadurch riskiert er auch noch andere Schafe zu verlieren.

+ In Vers 5 findet der Hirte das Schaf, das er verloren hat und trägt es zurück zu den

anderen.

+ Vers 6 beschreibt, dass der Hirte ein Fest gibt, weil er das Schaf gefunden hat.

+ Vers 7 ist gewissermaßen ein Fazit, das das Gleichnis erklärt und auf eine andere

nämlich die eigentliche Sachebene bringt.

Dass hier nicht von der Freude Gottes, sondern allgemein von der Freude im

Himmel die Rede ist, ist auf die jüdische Scheu etwas über Gottes Gefühle auszu-

sagen zurück zu führen. - Die spätere Nennung des Gottesnamens in Vers 10 ist

wahrscheinlich einem heidenchristlichen Überlieferer zu zuschreiben.1






1

vgl. Eta Linnemann, Gleichnisse Jesu, Einführung und Auslegung, 5. Ausgabe, Vandenhoeck & Rup-

recht, Göttingen 1969, Seite 72

5



2.3 Optische Umsetzung der Handlung

Ein weiterer hilfreicher Schritt zum Verständnis des Gleichnisses ist es den Inhalt

aufzuzeichnen.

Szene: Hirte, Berge, Schafe

Im Gleichnis, geht es um einen Hirten, der 100 Schafe hat und eines verliert.

verliert

100 Schafe

Hirte

1 Schaf

Der Hirte lässt die 99 nicht Verirrten zurück und geht das eine Verlorene suchen. Als

er es gefunden hat, freut er sich.

lassen sucht

99 nicht verirrt

Hirte verliert

Verlorenes

findet = Freude

2.4 Realienabklärung

Den ursprünglichen Adressaten des Gleichnisses war die darin geschilderte Situation

bekannt. Die Welt, in der die Handlung spielt, entsprach Ihrem Alltag. Dieses Wissen

ist nötig, um die Übertragung verstehen zu können. Von daher ist es wichtig mög-

lichst viele Informationen über die Situation in Erfahrung zu bringen. Denn dies er-

möglicht ein besseres Hineindenken in das Gleichnis.

Schafe sind Herdentiere und haben durch die Haltung als Haustiere ihre wehrhaften

Eigenschaften verloren. Zudem mangelt es ihnen an solchen Fähigkeiten, die ihnen

eine sichere Flucht, ein schützendes Verbergen oder eine Täuschung ermöglichen.

Bei Gefahr scharen sie sich zusammen. Ein Schaf kann kaum alleine überleben und

findet nicht von selbst zur Herde zurück2. "Ein von der Herde abgekommenes Schaf,

2

vgl. Kühnemann, Helmut: Ratgeber Nutztiere Schafe, Ulmer, Stuttgart 2000 S. 9-13

6



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