2
Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 3
1. Soziale Ungleichheit und der feministische Diskurs 5
2. Das Geschlechterverhältnis im privaten Lebenszusammenhang 13
3. Die Küche als geschlechts- und klassenstrukturierter Raum 19
Zusammenfassung. 23
Bibliografie 26
3
Einleitung
Mit der vorliegenden Arbeit möchte ich einen Überblick über den feministischen Diskurs in der sozialwissenschaftlichen Frauenforschung seit den sechziger Jahren in Bezug auf die Diskussion soziale Ungleichheit und Geschlecht geben. Mit dem Entstehen von sozialen Bewegungen und den Forderungen nach Emanzipation bekam die Kategorie „Geschlecht“ im Zusammenhang mit sozialer Ungleichheit in der sozialwissenschaftlichen Frauenforschung eine größere Bedeutung. Bereits in den siebziger und achtziger Jahren wurde ein feministischer Diskurs entgegen der herrschenden Soziologie aus diesen Reihen geführt. Dieser wendete sich gegen die vorhandene Geschlechtsblindheit in der Soziologie, da vorher soziale Ungleichheit als erwerbsarbeitsvermittelte, vertikale
Strukturierung in westlichen Industriegesellschaften betrachtet wurde. Die Kategorie Geschlecht wurde dabei nicht als Strukturkategorie angesehen. Im ersten Teil der Arbeit möchte ich einen Überblick über den feministischen Diskurs der siebziger bis neunziger Jahre geben. Dabei beziehe ich mich auf das Buch von Karin Gottschall, in dem die Autorin verschiedene Argumentationen und Thesen der Frauenforschung präsentiert. Besonders wichtig sind die These des „weiblichen Arbeitsvermögens“ von Ostner und Beck-Gernsheim und das Konzept der „doppelten Vergesellschaftung“ von Becker-Schmidt und Knapp. Mit Beginn der neunziger Jahre kann von einer Öffnung der Soziologie gesprochen werden.
Im zweiten Teil diskutiere ich die Argumentationen Eva Cybas zu Geschlecht und sozialer Ungleichheit. Anhand einer spezifischen Definition zu sozialer Ungleichheit beschäftige ich mich mit dem
geschlechtsspezifischen Verhalten im privaten Lebenszusammenhang. Die Autorin geht von einer dauerhaften Konfrontation von Frauen und Männern, von Benachteiligten und Benachteiligenden aus. Sie geht der Frage nach, ob die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung eine starre Rollenzuordnung oder das Ergebnis von Tauschakten ist.
4
Der dritte und letzte Teil ist im Bereich der Mikrosoziologie angesiedelt. In der empirischen Studie von Petra Frerichs und Margareta Steinrücke wird der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung im Haushalt am Beispiel des Kochens nachgegangen. Die beiden Autorinnen beziehen den Akt des Kochens sowohl auf das Geschlecht als auch auf die Klasse. Dabei beruht ihre Untersuchung auf der Geschlechtsklassenhypothese, der zufolge Angehörige jeweils eines Geschlechts sozialklassenübergreifend
bestimmte Gemeinsamkeiten aufweisen, und der Klassengeschlechtshypothese, der zufolge die soziale Strukturierung durch Geschlecht eine klassenspezifische Brechung erfährt. Im Mittelpunkt stehen ein Arbeiterpaar, ein Angestelltenpaar, ein Lehrerpaar und ein Managerpaar. Es wird der Frage nachgegangen, was und wie gekocht wird und auch von wem wann.
5
1. Soziale Ungleichheit und der feministische Diskurs
In dem Nachschlagewerk von Bernhard Schäfers „Grundbegriffe der Soziologie“ 1 ist nachzulesen, dass soziale Ungleichheit der Zustand der sozialen Differenzierung ist, in dem es eine ungleiche und als ungerecht angesehene Verteilung von ökonomischen und anderen Ressourcen, sozialen Positionen und Rängen gibt. Mit diesem Begriff sind auch die aus ungleich bewerteten sozialen Positionen resultierenden Möglichkeiten der Ausübung von Macht und Herrschaft und der Aneignung von Ressourcen verknüpft. Die Feststellung von sozialer Ungleichheit kann einerseits als Form der sozialen Differenzierung und der Sozialordnung angesehen und akzeptiert werden, solange bestimmte gesellschaftsspezifische Toleranzgrenzen nicht überschritten werden. Andererseits kann sie auch als völlig inakzeptabler gesellschaftlicher Zustand, also als Ausbeutung und Unterdrückung, bestimmt werden, und kann dann nur durch eine revolutionäre Veränderung der Gesellschaftsstrukturen behoben werden. Mit dem Entstehen von sozialen Bewegungen und Emanzipations-forderungen seit dem Ende der sechziger Jahre bekam die Dimension der geschlechtsspezifischen sozialen Ungleichheit eine größere Bedeutung sowohl in der sozialwissenschaftlichen Frauenforschung als auch in der Gesellschaftspolitik. Speziell in der sozialwissenschaftlichen Frauen-forschung begann in den siebziger und achtziger Jahren ein intensiver feministischer Diskurs, der sich gegen den herrschenden „orthodoxen Konsensus“ in den Sozialwissenschaften richtete. Zur damaligen Zeit wurde soziale Ungleichheit im Wesentlichen als erwerbsarbeitsvermittelte, vertikale Strukturierung innerhalb westlicher Industriegesellschaften begriffen. Das Geschlechterverhältnis wurde nur unzulänglich betrachtet. Der dann in den siebziger Jahren einsetzende feministische Diskurs zu Geschlecht und sozialer Ungleichheit kann als Reaktion auf die Geschlechtsblindheit der traditionellen Soziologie gesehen werden. Der Diskurs entwickelte sich in Form einer umfangreichen Kritik an der
1 Schäfers, Bernhard. 1995. Grundbegriffe der Soziologie. Opladen. S. 367 ff.
6
Vernachlässigung von Frauen in der Sozialstrukturanalyse und auch als Kritik an ungenügenden Gesellschaftskonzeptionen in marxistischen bzw. kritischen Theorieansätzen. Daraus entstanden eigene Theorien zur Analyse des Geschlechterverhältnisses als Ungleichheitsstruktur. Die zentrale Leistung dieses Diskurses besteht darin, dass er zeigen kann, dass das Geschlechterverhältnis die Konstitution moderner
Gesellschaften, einschließlich des sozialen Handelns aller Gesellschaftsmitglieder, wesentlich prägt. Die Kategorie „Geschlecht“ ist als Strukturkategorie für die Theoriebildung und Forschung in den Sozialwissenschaften anzusehen. Laut Karin Gottschall 2 können in der frühen Phase der deutschen Frauenforschung ein konflikttheoretischer und ein differenztheoretischer Argumentationsstrang unterschieden werden. Die konflikttheoretische Argumentation ist vor allem von der „Geschlecht-und-Klasse-Debatte“ gekennzeichnet. Es wurden zwei Schwerpunkte herausgearbeitet: Die sogenannte Hausarbeitsdebatte und die
dualistischen Konzeptionen von Kapitalismus und Patriarchat aus dem angelsächsischen und amerikanischen Raum kommend. In der Hausarbeitsdebatte wird die unbezahlte, in der Regel Frauen zugewiesene, Hausarbeit als „blinder Fleck der Kritik der politischen Ökonomie“ von Werlhof erkannt und ist Gegenstand eigenständiger Analysen, z. B. Oakley. In der Diskussion stehen vor allem die werttheoretische Bestimmung von Hausarbeit, die strukturlogische Verortung von Hausarbeit im System gesamtgesellschaftlicher Produktionsprozesse und die Bestimmung von Klassenlagen von Frauen, nicht nur als Arbeiterinnen und Arbeiterehefrauen, sondern auch als Hausfrauen und Mütter. In den dualistischen Konzeptionen werden, um die strukturelle und historische Spezifik von Frauenunterdrückung zu begreifen, „Geschlecht“ und „Klasse“ als zwei relativ autonome Mechanismen von Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen konzipiert. Dabei wird von der gleichzeitigen Existenz kapitalistischer und
2 Gottschall, Karin. 2000. Soziale Ungleichheit und Geschlecht. Kontinuitäten und Brüche,
Sackgassen und Erkenntnispotenziale im deutschen soziologischen Diskurs. Opladen
7
patriarchaler Strukturen ausgegangen, die z. B. von Hartmann und Walby analysiert werden.
Als weiterführende Ansätze wären zwei Konzepte zu nennen, die versuchen, Haus- und Familienarbeit in ihrer inhaltlichen Differenz zu Lohnarbeit näher zu bestimmen. Das ist die politökonomische Arbeit von Senghaas-Knobloch zu „weiblicher Arbeitskraft und gesellschaftlicher Reproduktion“ und die marxistisch-kulturkritische Arbeit von Prokop zur Bestimmung von Frauenbewusstsein aus der Besonderheit eines „weiblichen Lebenszusammenhangs“. Die zentrale These von Senghaas-Knobloch lautet, dass der erzwungenen unentgeltlichen Haus- und Familienarbeit von Frauen eine Schlüsselrolle für die Erhaltung der kapitalistischen Produktionsweise zukommt. Ulrike Prokop dagegen thematisiert bisher unbegriffene widerständige Subjektpotenziale von Frauen als Ausdruck eines widersprüchlichen Lebenszusammenhangs und kritisiert moderne philosophische und sozialwissenschaftliche
Konstruktionen von Weiblichkeit. Ihre zentrale These lautet, dass sich aus dem weiblichen Lebenszusammenhang bestimmte Produktivkräfte und Fähigkeiten herausgebildet haben. Diese können sich aber, aufgrund der patriarchalisch-kapitalistischen Formbestimmtheit der Familie und der Ausrichtung der häuslichen Produktion auf die Reproduktion der Arbeitskraft, nicht voll entfalten. Der objektiv erlebten Wirklichkeit entspreche eine subjektiv erlebte Ambivalenz, die sich in spezifischen Verhaltensweisen, Bewusstseinsformen bis hin zu Krankheitsbildern von Frauen ausdrücke. Die daraus resultierende ambivalente
Kompromisshaltung sei sowohl Ausdruck von Anpassung als auch von Widerständigkeit.
Die differenztheoretischen Ansätze gehen davon aus, dass sich die ungleiche Lage von Frauen im Kontrast zu Männern aus einer Geschlechterdifferenz erklären lässt. Sie orientieren sich vorrangig am horizontalen und nicht am vertikalen Aspekt des Geschlechterverhältnisses. Repräsentiert wird dieser Argumentationsstrang durch die Arbeiten von Ostner und Beck-Gernsheim zur Frauenarbeit. Kennzeichen dieses
Arbeit zitieren:
M.A. Claudia Kerber, 2001, Soziale Ungleichheit und Geschlecht, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Ein Überblick am Beispiel Deut...
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hausarbeit, 26 Seiten
Soziale Ungleichheit und Geschlecht
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Das Grangiensystem der Zisterzienser - ein Reaktion auf sozioökonomisc...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 20 Seiten
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hausarbeit, 19 Seiten
Wiener Aktionismus: Die frühen Aktionen von Günter Brus
Körperbemalung der Ana, Selbst...
Kunst - Installationen, Aktionskunst, 'moderne' Kunst
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Die Familie und die Gleichberechtigung der Geschlechter
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Forschungsarbeit, 26 Seiten
Der Umgang des Individuums mit...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Frauen im Idealstaat: Die Rolle der Frau und die Thematisierung des Ge...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 15 Seiten
Frauen zwischen Beruf und Familie
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Das abweichende Verhalten junger Ausländer aus äthiologischer und reak...
Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten
Hausarbeit, 24 Seiten
Heroinabgabe statt Methadonsubstitution
Eine aktuelle Streitfrage und ...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 134 Seiten
Strategische Personalentwicklung: Förderung organisationalen Lernens
BWL - Personal und Organisation
Seminararbeit, 23 Seiten
Die Rolle des Körpers in den frühen Videoperformances Bruce Naumans
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Die Entdeckung und Förderung künstlerischer Begabung im Grundschulalte...
Examensarbeit, 87 Seiten
Claudia Kerber's Text Soziale Ungleichheit und Geschlecht ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Claudia Kerber hat den Text Soziale Ungleichheit und Geschlecht veröffentlicht
Claudia Kerber hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare