Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Der Mythos Don Juan 2
3. Die Entstehung von Mozarts Don Giovanni 4
4. Hoffmanns Beziehung zur Musik 5
5. Hoffmanns Interpretation von Mozarts Oper 6
5.1. Welche Teile werden berücksichtigt und welche weggelassen? 7
5.2. Wie ist die lückenhafte Beschreibungsart zu verstehen? 9
5.2.1. Die positive Darstellung von Don Giovanni 10
5.2.2 Die Hervorhebung von Donna Anna in den Mittelpunkt des Geschehens. 14
5.3. Die Vorstellung des Enthusiasten von der Beziehung zwischen Don Giovanni und
Donna Anna 15
6. Schluss. 17
7. Literaturverzeichnis. 18
Primärliteratur 18
Sekundärliteratur. 18
1
1. Einleitung
In dieser Arbeit sollen jeweils ein Werk von zwei wichtigen Künstlern dargestellt und mit einander verglichen werden: E.T.A. Hoffmanns Novelle Don Juan und W.A. Mozarts Oper Don Giovanni. Beide behandeln das gleiche und in der Geschichte oft vorkommende Thema eines Verführers, der jedoch bei verschiedenen Autoren verschiedener Nationen nicht nur anders genannt, sondern auch aus vielen unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wird. Zunächst soll einen Überblick über die verschiedenen Bearbeitungen des Don-Juan-Themas der letzten Jahrhunderte gegeben werden, wobei nur eine kleine Auswahl der besonders zahlreichen Versionen dargestellt werden kann. Der dritte Abschnitt konzentriert sich auf Mozart und die Entstehung seiner Don Giovanni. Danach kommen wir zu Hoffmann und seiner Beziehung zur Musik, wobei nicht nur seine literarischen Werke, sondern auch seine musikalischen in dem Mittelpunkt stehen. Der fünfte Abschnitt gilt als Hauptteil der Arbeit, wo die Inhalte beider Werke miteinander verglichen werden sollen. Es wird untersucht, wie Hoffmann in seiner Novelle Mozarts Oper darstellt und neu interpretiert, indem er beispielsweise bestimmte Teile der Oper weglässt. Die möglichen Gründe dafür werden erläutert und Hoffmanns Interpretation von den Rollen des Don Giovanni und der Donna Anna, sowie die Beziehung zwischen diesen Charakteren werden diskutiert. Am Schluss werden die Einflüsse erwähnt, die Hoffmanns Novelle auf nachfolgende Bearbeitungen des Don Juan-Stoffs ausgeübt hat.
2. Der Mythos Don Juan
Seit vier Jahrhunderten lebt der Mythos von Don Juan, in all seinen unterschiedlichen Varianten. Diese literarische Figur hat schon eine Rolle nicht nur im Sprechtheater gespielt, sondern auch in der Oper, der Poesie und der Epik. Jede Don-Juan-Bearbeitung schafft eine andere Perspektive und verschiedene Charakterzüge dieses berühmten Verführers. Don Juan, der rein fiktiv ist, muss man von dem genauso berühmten Casanova unterscheiden, der eine historische Figur aus dem 18. Jahrhundert ist. Casanova wollte sich mit den Frauen einfach vergnügen, und für ihn war das Ganze ein “unterhaltsames Spiel” 1 , während Don Juan die Damen, denen er begegnet, zerstören will, und bereit ist, die Männer, die in seinem Weg stehen, zu töten.
Den Ursprung des weltberühmten Don Juan-Mythos findet man im Jahre 1613 in Spanien. Der Autor war ein Mönch mit dem Namen Gabriel Tellez, der sich Tirso de Molina nannte. Er
1 Gnüg, Hiltrud: Don Juan: Ein Mythos der Neuzeit. Bielefeld 1993. S. 7
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schrieb eine Komödie für die Bühne mit dem Titel El burlador de Sevilla y convidado de piedra. Als religiöser Mensch wollte Molina einen Charakter schaffen, der große Sünden gegen Gott begeht, und dadurch eine himmlische Strafe erleidet. Im Gegensatz zu dem Glauben der Antike war die christliche Meinung dieser Zeit, dass alles Erotische und Sinnliche, sowie Sexualität außerhalb der Ehe negativ und sündhaft sei. Deshalb entstand Don Juan, der durch seine Gerissenheit und seinen Reiz so viele Frauen wie möglich verführt, und am Ende in die Hölle gezogen wird.
Dem ursprünglichen Don-Juan-Stück des 17. Jahrhunderts folgten unzählbare Varianten des Stoffes, von Autoren in verschiedenen Länden, Sprachen und Epochen. Der Franzose Molière schrieb eine gesellschaftskritische Komödie mit dem Titel Dom Juan ou le festin de pierre, wobei er nicht nur Tirso de Molinas Stoff benutzt hat, sondern auch italienische Bearbeitungen in der Form der Commedia dell’arte. Bei Molière ist der Held ein Atheist und Rationalist, und außerdem spielten in diesem Stück die Herr-Diener-Dialoge eine größere Rolle als vorher. Es sind danach auch Stücke entstanden, die sich auf Molières Interpretation des Stoffes beziehen, beispielsweise von Brecht (1952) und Annouilh (1955). In der Zeit der Aufklärung war das Thema des Wunderbaren im normalen Sprechtheater verboten, und in dieser Zeit tauchte Don Juan zum ersten Mal im Musiktheater auf. Im Jahre 1761 schrieb Gluck sein Don Juan-Ballett und im Jahre 1787 folgte Mozarts Oper Il dissoluto punito o sia Il Don Giovanni. Dramma giocoso in due atti. (Der bestrafte Verführer oder Don Giovanni. Komödie in zwei Akten.), mit einem Libretto von Lorenzo da Ponte. 25 Jahren nachdem Mozart seine Oper komponiert hat, schrieb E.T.A. Hoffmann seine Novelle, Don Juan, mit dem Untertitel Eine fabelhafte Begebenheit, die sich mit einem reisenden Enthusiasten zugetragen. Es handelt sich hier um einen “Enthusiasten”, der eine Aufführung der Mozartschen Don Giovanni-Oper anschaut und diese in einem Brief an seinen Freund beschreibt. Hoffmanns Erzähler beschreibt sehr subjektiv und lückenhaft das, was er sieht, und dadurch ist eine neue Interpretation der Oper und des Don Juan-Mythos entstanden. Zusätzlich gibt es noch eine ganze Menge Don Juan-Bearbeitungen, von denen einige sich relativ stark am ursprünglichen Stoff orientieren, und andere kaum als Teil des Don Juan-Mythos betrachtet werden können. Es gab verschiedene Tendenzen, beispielsweise den Dandyismus. Diese Tendenz basierte auf einer echten Person namens Dandy aus dem 19. Jahrhundert, der bestimmte Ähnlichkeiten mit der Don Juan-Figur hatte. Christian Dietrich Grabbe hat Elemente von Don Juan und Faust genommen und die beiden kombiniert, während Théophile Gautier in seiner La comédie de la mort Elemente von Don Juan, Faust und auch Dantes La divina Commedia kombinierte. Verschiedene Autoren, wie Honoré de
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Balzac und Henry de Montherlant haben einen alten oder sterbenden Don Juan beschrieben und andere, zum Beispiel Byron und Max Frisch, haben den Helden so beschrieben, dass er nicht vor hat, die Frauen zu verführen, er gefällt ihnen einfach, weil er so charmant ist.
3. Die Entstehung von Mozarts Don Giovanni
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) ist in Salzburg geboren und seit einem sehr jungen Alter hat er von seinem strengen Vater Musik gelernt. Schon in seiner Kindheit ist er oft innerhalb Österreichs und auch durch Europa gereist und hat in vielen Konzerten als „Wunderkind“ gespielt. Außerdem hat er viel komponiert und wurde von den zeitgenössischen Musikern sehr beeinflusst. Nach zahlreichen Aufenthalten in wichtigen Städten wie Paris, Rom und London, wo er sich sehr hat inspirieren lassen, und nach dem Tod seiner Mutter im Jahre 1778, ist er 1781 nach Wien umgezogen, wo er seine letzten 10 Lebensjahre verbracht hat und ein wichtiger Vertreter der Wiener Klassik geworden ist. In dieser Zeit hat er eine Frau namens Konstanze Weber geheiratet und sechs Kinder bekommen, von denen nur zwei die Kindheit überlebten. 1791 ist Mozart erkrankt, und im Dezember dieses Jahres ist er gestorben.
Etwa 1784 hat Mozart angefangen mit Lorenzo da Ponte, einem berühmten Wiener Librettisten, zu arbeiten und hat diesen dann gewählt, das Libretto zu Don Giovanni zu schreiben. Insgesamt haben Mozart und Da Ponte zusammen an drei Opern gearbeitet: Le nozze di Figaro (1786), Don Giovanni (1787) und Così fan tutte (1790). Im Jahre 1787 war Mozart in Prag, weil seine Oper Le nozze di Figaro dort aufgeführt wurde. Er war mit Josefa Duschek befreundet und die Familie Duschek hat Mozart zu sich in die Stadt Moldau eingeladen. Eine wichtige Figur des Prager Nationaltheaters, Pasquale Bondini, hat ihm in diesem Jahr den Auftrag gegeben, seine Don-Giovanni-Oper zu komponieren. Obwohl Mozart nur kurz davor mit großem Optimismus an seinem Figaro gearbeitet hat, war seine Situation, als er anfing sich mit dem Don Giovanni Stoff zu beschäftigen, nicht mehr so günstig 2 . Er war in Wien weniger beliebt als vorher und seine wirtschaftliche Lage hatte sich verschlimmert. Bei einer Neubearbeitung des Don Giovanni Stoffs ging er auch auf ein Risiko ein, weil das Thema schon so oft behandelt worden war und deshalb für das Publikum vielleicht nicht mehr so spannend wäre. Mozart und Da Ponte haben entschieden, ihr Stück für die Prager Theaterbesucher zu komponieren, denn sie glaubten, es würde dort mehr Erfolg haben als in Wien.
2 Steptoe, Andrew: The Mozart-Da Ponte Operas. The Cultural and Musical Background to Le nozze di Figaro,
Don Giovanni, and Così fan tutte. Clarendon Press. Oxford 1988. S. 243
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„Mozart and Da Ponte gauged that the piece would be suitable for the musically intelligent but provincial and somewhat unsophisticated tastes of Prague.” 3 Die Uraufführung der Oper hätte am 14. Oktober 1787 in Prag zu Ehren von der Erzherzogin Maria Theresia Josepha von Österreich stattfinden sollen, musste aber verschoben werden, weil das Ensemble noch nicht bereit war. Die Herzogin schaute also stattdessen Le nozze di Figaro und Mozarts Don Giovanni wurde am 29. Oktober mit besonderem Erfolg uraufgeführt.
4. Hoffmanns Beziehung zur Musik
Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann (erst später hat er, wegen Mozart, den Namen „Amadeus“ angenommen) ist 1776 in Königsberg geboren. Er hat Jura studiert und ist danach Gerichtsassessor in Posen geworden. Hier hat er eine Polin namens Maria Thekla Michalina Rorer-Trzynska kennen gelernt und sie im Jahre 1802 geheiratet. Während seines Lebens hat Hoffmann in verschiedenen Städten gewohnt, als Jurist und nachher als freier Künstler gearbeitet und wurde ein wichtiger Vertreter der Romantik. Er war in vielen Bereichen der Kunst begabt und sah sich als Komponist, Schriftsteller, Musikkritiker und Zeichner. Besonders die Musik hat ihn begeistert; während seiner Zeit als Jurist hat er sich immer nebenbei mit Komponieren beschäftigt und gab auch privaten Musikunterricht. In Warschau hat er die „Musikalische Gesellschaft“ gegründet, die Konzerte veranstaltete. Er war aber nicht immer in allem erfolgreich; in Berlin wollte niemand sein Talent anerkennen und in Bamberg hat er seine Stelle als Musikdirektor schnell verloren. Jedoch als Musikkritiker für die „Allgemeine musikalische Zeitung“ in Leipzig hatte er mehr Erfolg und es ist ihm danach gelungen, 1809 seine Erzählung Ritter Gluck in dieser Zeitung zu veröffentlichen. Hoffmann hat verschiedene Stellen in Dresden, Leipzig und dann Berlin angenommen. Im September des Jahres 1812 schrieb er seine Novelle Don Juan; diese wurde 1814 in der ersten Band der Fantasiestücke bei Kunz veröffentlicht. Im Jahre 1822 hat er seine Erzählung Meister Floh geschrieben, die einen damals laufenden Gerichtsprozess parodiert hat. Dadurch bekam er große Schwierigkeiten mit dem Gericht, denn er hat dafür vertrauliche Informationen aus diesem Prozess benutzt. In demselben Jahr erkrankte Hoffmann und am 25. Juni 1822 ist er gestorben.
Es waren seine musikalische Erzählungen, die Hoffmann bekannt gemacht haben, und auch heute wird er vorwiegend als Dichter und Schriftsteller betrachtet. Eigentlich wollte er aber als Komponist anerkannt werden und strebte sein ganzes Leben danach. Bis 1814 hat er etwa
3 Ebd. S. 243
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Arbeit zitieren:
Helen Stringer, 2006, E.T.A. Hoffmanns 'Don Juan' als Interpretation von W.A. Mozarts 'Don Giovanni', München, GRIN Verlag GmbH
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