1. Was ist therapeutisches Reiten?
Der Begriff „Therapeutisches Reiten“ dient als Oberbegriff für die unterschiedlichen Bereiche, in denen das Pferd 1 , seine Bewegung und der Reitsport zur Therapie eingesetzt wird.
Schematische Darstellung der verschiedenen Bereiche im therapeutischen Reiten aus „Therapeutisches Reiten“ von
Heipertz
2. Das Pferd in der Medizin - Hippotherapie und Reittherapie in der Krankengymnastik
Hippotherapie bedeutet die Behandlung mit Hilfe des Pferdes mit dem Ziel der Heilung von Krankheiten und der Besserung von Schäden. Die Bewegung des Pferdes in seinen verschiedenen Gangarten Schritt, Trab und Galopp verursacht vielfältige, vorwiegend lockernde, durchblutungsfördernde, kräftigende und anregende Effekte im gesamten Stütz- und Bewegungsapparat, den inneren Organen und dem Herz-Kreislauf-System.
Der Verlauf der Therapie ist passiv für den Patienten, seine Aufgabe ist es lediglich, auf dem Pferderücken zu sitzen und sich den Schwingungen des Pferdes anzupassen. Diese werden auf das
1 Ich setze hierbei voraus, dass es sich um ein ruhiges, ausgeglichenes Pferd handelt, welches artgerecht gehalten
wird und somit keine Unarten aufweist und emotional zuverlässig ist.
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Becken und den Rumpf übertragen. Durch diese passive Anpassung an den Bewegungsrhythmus kommt es zu einem dauernden Wechsel zwischen An- und Entspannung, der dem der dynamischen Muskelarbeit vollkommen gleicht. Zeitgleich werden motorische Fähigkeiten wie z.B. Gleichgewicht geschult. Auf diese Weise erfahren gehbehinderte Personen die Vorstellung eines symmetrischen Ganges.
Klassische Anwendungsgebiete der Hippotherapie sind die infantile Cerebralparese, eine Form der frühkindlichen Hirnschädigung, die zu Störungen der Bewegungskoordination führt, multiple Sklerose und Lumbalgie, dem klassischen Hexenschuss.
In der Reittherapie handelt es sich im Gegensatz zur Hippotherapie um aktive, krankengymnastische Übungen auf dem Pferd. Diese unterscheiden sich in Lockerungs-, Dehnungs- und Kräftigungsübungen, sowie Gleichgewichts-, Reaktions-, Koordinations- und Vertrauensübungen. Das sieht dann zunächst so aus, dass der Patient die ausgewählten Übungen zunächst „trocken“ erlernt und eventuell auf einem Holzpferd übt, bevor er sie auf dem zunächst stehenden Pferd probiert. Ist der Patient sicher genug, wird das Pferd im Schritt herumgeführt. Die Steigerung der Anforderungen muss in solchen kleinen Schritten erfolgen, da es für Patienten, die noch nie auf einem Pferd gesessen haben, eine grosse Anstrengung bedeutet, beispielsweise auf dem Pferd mit nach oben gestreckten Armen zu sitzen.
Der Schwerpunkt in der Reittherapie liegt auf der Muskelarbeit bei der Behandlung von Gliedmaßenschäden, Querschnittslähmungen, Wirbelsäulenerkrankungen und allgemeinen Haltungsschäden. Der Gleichgewichtssinn, die Reaktions- und Koordinationsfähigkeit und das Vertrauen werden fast schon automatisch im Umgang mit dem Pferd und bei den ersten Reitversuchen mitgeschult.
Sowohl die Hippotherapie, als auch die Reittherapie, wird immer unter Aufsicht eines Arztes, eines Krankengymnasten und eines Reitlehrers durchgeführt. Hinzu kommen noch Helfer, die zum Beispiel das Pferd durch die Halle führen oder den Patienten an den Seiten absichern. Die folgende Grafik zeigt das Zusammenspiel des Behandlungsteams:
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3. Das Pferd im Behindertensport - Behindertenreiten und Behindertenvoltigieren
Im Behindertensport ist die eigentliche Rolle des Pferdes nicht so vordergründig. Hierbei geht es hauptsächlich um die Erweiterung des Angebots an sportlichen Betätigungen für körperlich und geistig behinderte Menschen. Auch an den Rollstuhl gebundene Menschen können das Reiten erlernen. Mittels verschiedener Sicherungsmassnahmen und Hilfsmittel können auch Gehbehinderte genauso auf ein Pferd einwirken wie Personen ohne körperliche Einschränkungen. Je nach Art der Behinderung findet sich für jeden eine Möglichkeit, dem Reitsport nachzugehen. Grundsätzlich gilt, dass diejenigen reiten können, „die über ausreichende Belastungsfähigkeit und Bewegungskontrolle verfügen und ausreichende intellektuelle und charakterliche Fähigkeiten besitzen, um mit dem Pferd eine Partnerschaft einzugehen“ (Ch. Hengst). Mit der Hilfe verschiedener Hilfsmittel können die Behinderungen des Reiters häufig weitgehend ausgeglichen werden, dadurch haben vor allem die körperlich behinderten Reiter die gleichen Möglichkeiten wie jeder andere Reiter auch. Im Behindertensport werden drei Bereiche unterschieden: a) Freizeitreiten und -voltigieren
Auf diese Art und Weise nutzen die meisten behinderten Reiter ihre Möglichkeiten. Der Spass am Sport und am partnerschaftlichen Umgang mit dem Pferd steht im Vordergrund.
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b) Leistungssport
Mit Hilfe abgeänderter Richtlinien und Aufgabenstellungen werden Turniere gemeinsam mit nichtbehinderten Reitern durchgeführt, sowohl im Voltigieren, als auch im klassischen Reiten.
c) Fahrsport
Durch eine behindertengerecht umgebaute Kutsche ist es hier vor allem gehbehinderten Personen möglich, ihre Freude am Pferdesport auszuleben.
4. Das Pferd in Pädagogik und Psychologie - Heilpädagogisches Reiten und Voltigieren
Ich komme nun zu dem dritten Bereich des therapeutischen Reitens, der mir persönlich auch am wichtigsten ist, von daher möchte hier auch etwas ausführlicher werden als bei den vorangegangenen Teilen, da therapeutisches Reiten im pädagogischen Bereich auch das ist, was ich als Beruf nach meinem Studium anstrebe.
4.1. Die Rolle des Pferdes
Warum gerade Pferde? Diese Frage wurde mir schon x-mal gestellt, wenn ich äusserte, dass ich Reittherapeutin werden möchte. An dieser Stelle möchte ich nun einige Begründungen aus verschiedenen Sichtweisen darstellen.
SCHEIDHACKER begründet mit der Verwandtheit der Instinktausstattung von Mensch und Pferd und den wesentlichen Entsprechungen in der Verhaltensorganisation und Interaktion. So könne der Therapeut an den Reaktionen des Pferdes auf den Menschen, der sich ihm nähert, bereits dessen unbewussten Gefühlszustand erkennen. „So können die Reaktionen des Pferdes wie ein Spiegel unbewusster Seelenzustände erlebt und gedeutet werden“(Scheidhacker). KLÜWER ergänzt dies noch damit, das der Mensch durch das Erscheinungsbild des Pferdes, Nähe zu ihm empfindet. Die Grösse unterscheidet sich im Durchschnitt nur wenig, die Augen blicken sanft und starren nicht und das Gesicht ist ebenso aufgebaut, wie das des Menschen. Dies spreche gemeinsam mit dem edlen Erscheinungsbild des Pferdes den Menschen an (vgl. KLÜWER 1995).
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Arbeit zitieren:
Mandy Hibbeler, 2001, Therapeutisches Reiten - Das Pferd in Medizin, Pädagogik und Sport, München, GRIN Verlag GmbH
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Bericht zum Praktikum in einem Rehabilitationszentrum
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