Das Frauenbild in Erich Kästners lyrischen Werken
Proseminararbeit
Universität Innsbruck, Geisteswissenschaftliche Fakultät
Proseminar Erich Kästner (SS 2007)
2. Semester
Juli 2007
Regina Seiwald
2
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung ... 3
2
Der Status der Frau in der deutschsprachigen Literatur und Gesellschaft zur
Zeit der Weimarer Republik... 4
3
Der Status der Frau in Kästners lyrischen Werken ... 7
3.1
Das positive Frauenbild in ausgewählten Gedichten ... 9
3.2
Das negative Frauenbild in ausgewählten Gedichten ... 11
4
Zusammenfassung... 13
5
Literaturverzeichnis... 15
3
1
Einleitung
Die Proseminararbeit Das Frauenbild in Erich Kästners lyrischen Werken beschäftigt
sich mit dem Schriftsteller und Journalisten Erich Kästner, welcher im Zeitraum von
1919 bis 1955 in Deutschland als Lyriker tätig war. In dieser Zeit hat er zahlreiche
Gedichte in Zeitungen, Zeitschriften und Gedichtbänden veröffentlicht. Bis zum Beginn
der NS-Diktatur 1933 erschienen vier Gedichtbände: Herz auf Taille (1928), Lärm im
Spiegel
(1929), Ein Mann gibt Auskunft (1930) und Gesang zwischen den Stühlen
(1932). Auffällig an diesen Gedichten aus der Epoche der Neuen Sachlichkeit ist die
überdurchschnittlich häufige Auseinandersetzung mit Frauen als solchen, die hier
immer wieder mit bestimmten oft negativen Charaktereigenschaften und
Verhaltensmustern versehen werden. Tatsächlich wurde das von Kästner in seinen
Werken vermittelte Frauenbild vielfach angegriffen und zumeist auf seine
Biographie
1
zurückgeführt.
Der Inhalt dieser Analyse ist die Darstellung der Frau in seinen lyrischen Werken.
Dabei wird zuerst ihr Status in der deutschsprachigen Literatur zur Zeit der Weimarer
Republik aufgezeigt. Das besondere Augenmerk wird dabei auf Lyriken gerichtet. Dies
soll den Vergleich mit anderen Schriftstellern ermöglichen. Der zweite Teil der Arbeit
beschreibt die Darstellung der Frau in Kästners lyrischen Werken, d.h. wie die Frau aus
seiner Sicht in der Gesellschaft existiert und welche Stellung sie einnimmt. Außerdem
wird sowohl seine positive, als auch seine negative Ansicht der Frau dargestellt.
Wie die Untersuchung zeigen wird, beschreibt Kästner das schwächere Geschlecht
bereits als sehr emanzipiert und selbstständig, kritisiert jedoch auch den
verschwenderischen Charakter der Reichen. Hierfür werden Teile von ausgewählte
Gedichte Erich Kästners einer genaueren Betrachtung unterzogen. Die zentrale Frage
dieser Analyse ist, ob der Lyriker für seine Zeit eine moderne Ansicht gegenüber
Frauen vertritt. Anschließend erfolgt ein Vergleich mit seiner kritischen, jedoch nicht
altmodischen, Darstellung der Frau. Es werden nur ein paar Texte exemplarisch
untersucht, da bei einer solchen quantitativen Fülle nicht alle lyrischen Werke
miteingebunden werden können.
1
Enderle. Kästner. Eine Bildbiographie (1960); Wagener. Erich Kästner (1973); Hanuschek. Keiner blickt dir
hinter das Gesicht. Das Leben Erich Kästners (2003); Hanuschek. Erich Kästner (2004).
4
Der letzte Teil, die Zusammenfassung, stellt die Ergebnisse der Untersuchung
nochmals kurz dar. Zusätzlich wird ein Ausblick auf mögliche Untersuchungen
gegeben, die auch Denkanstöße für weitere Analysen sein sollen.
2
Der Status der Frau in der deutschsprachigen Literatur und Gesellschaft zur
Zeit der Weimarer Republik
2
Die Forderung nach der emanzipatorischen Gleichstellung der Frau in Deutschland
findet im Vergleich mit Frankreich und England erst relativ spät ihren Anfang. Zu
Beginn des 19. Jahrhunderts bildet sich allmählich eine Bewegung, die jedoch noch
nicht zu einer Frauenvereinigung führt. Die neue Diskussion um die Definition der
Rolle der Frau findet in literarischen Zirkeln einiger Romantikerinnen wie Caroline
Schlegel-Schelling (1763-1809), Rahel Varnhagen (1771-1833) und Bettina von Arnim
(1785-1859) statt. Schlegel-Schelling ist dabei ein gutes Beispiel für die gebildete Frau.
Sie hat sich meistens damit begnügt, im Stillen an den Rezensionen und Aufsätzen
ihres Mannes mitzuarbeiten, las Bücher für ihn und entwarf einzelne Abschnitte seiner
Essays. Doch sie hat auch selbstständig mehrere Essays und Aufsätze verfasst.
Im Jahre 1893 wurde die Zulassung der Frau zum Abitur, erst um 1900 zu den
Universitäten erkämpft. Somit waren es nur einige wenige Frauen, die zu dieser Zeit
schriftstellerisch tätig waren. Der Großteil der Frauen in der Ehe war dem Mann
untergeordnet, was zu dieser Zeit juristisch fixiert war. Die Emanzipation erfolgte
anfangs erst in der bürgerlichen Mittelklasse, denn diese konnte sich Bildung auch
leisten.
Schriftsteller und Schriftstellerinnen reagierten auf den Lebenswandel der Frauen der
Weimarer Republik. Nicht nur die beinschwingenden Tiller-Girls, das äußere
Erscheinungsbild der Frauen, Sexualität, Ehe und Familie wurden thematisiert, auch die
so genannten Tippmamsells, Bürofräuleins und Ladenmädchen wurden zum
Gegenstand der Literatur. Zahlreiche Romane, Gedichte, Zeitschriftenartikel - ja sogar
Textlieder und Werbeanzeigen - zeigen sehr unterschiedliche Facetten der Reflexion
der Angestelltenkultur auf. Verschiedene Sichtweisen gibt es dabei nicht nur zwischen
2
Lindhoff, Lena: Einführung in die feministische Literaturtheorie (1995).
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