INHALTSVERZEICHNIS
1. ZUR PERSON PETER PETERSE-N EIN ÜBERBLICK ÜBER
BIOGRAFISCHE 3
2. ERZIEHUNGSWISSENSCHAFTLICHE THEORIEN PETERSENS
JENAPLAN’ UND FÜHRUNGSLEHRE DES UNTERRICHTS’ 5
2.1 Zur Entstehung des Jenaplans 5
2.2. Grundlagen des Jenaplans 6
2.2.1 Zu den Aufgaben der Schule 6
2.2.2 Zu den Forderungen an die Erzieher 6
2.2.3 Gemeinschaft versus Gesellschaft 7
2.2.4 Die Rolle der Eltern 9
2.3.5 Ergebnis 9
2.4 Zur Führungslehre des Unterrichts’ 10
2.4.1 Zur Planung des Unterrichts 11
3. ZU DEN GRUNDLAGEN NATIONALSOZIALISTISCHER ERZIEHUNG
UND ERZIEHUNGSPOLITIK 12
3.1 Rassetheorien im 19. Jahrhundert und ihre Übertragung auf die NS- Ideologie 13
3.1.1 Die Entwicklung der rassebiologischen Bewegung und ihre Bedeutung für die
Entwicklungsrichtung der Pädagogik nach dem 1. Weltkrieg 13
3.2 Die nationalsozialistischen Erziehungsgrundsätze 15
4. DIE DEUTSCHE PÄDAGOGIK AB 1927 UNTER BESONDERER
BETRACHTUNG DES JENAPLANS UND DER ROLLE PETER
PETERSENS 16
4.1 Reformbemühungen Petersens in Thüringen und Versuche zur Verbreitung des Jenaplans16
4.2 Antidemokratie und konservative Einstellungen in der Erziehungswissenschaft in der Krise
Weimars 1930 1933 17
5. POSITIONEN ZUR ROLLE PETERSENS UND ZU SEINER
THEORIEBILDUNG AUF DEM WEG IN DEN NATIONALSOZIALISMUS
18
6. STATEMENT 23
2
1. Zur Person Peter Petersen- ein Überblick über biografische Daten und Fakten
Peter Petersen wurde am 26. Juni 1884 in Großenwiehe bei Flensburg geboren. Als Sohn eines Kleinbauern finden seine ersten Lernerfahrungen in der bäuerlichen Familiengemeinschaft statt.
Hier bekommt er eine Vorstellung von einer uneigennützigen Fürsorge der Menschen untereinander, die ihn für sein gesamtes Leben prägen wird.
Schon als Kind erfüllt er wichtige Aufgaben für die Familie und erfährt so die positive Wirkung einer sinnerfüllten Arbeit auf das Selbstbewusstsein und die eigene Wertschätzung eines Menschen.
Später wird sich in ihm die Auffassung verfestigen, dass eben diese Wirkung von der Institution Schule nicht genutzt, sondern, zu Gunsten eines stetigen Leistungsdruckes, zerstört wird.
In der Zeit von 1890 bis 1896 besucht Petersen die Dorfschule.
Sie besteht aus nur einer Klasse, jedoch macht der Schüler hier gute Erfahrungen, was nicht zuletzt seinen Lehrern, den Küstern Nissen (Vater und Sohn), zuzuschreiben ist, die die Entwicklung seiner Selbstständigkeit fördern und dem wissbegierigen Jungen ermöglichen, die Schulzeit um drei Jahre zu verkürzen.
Der Schulreformer Petersen wird seine Lehrer später als „echt und begnadet“ 1 loben. Die folgenden Jahre bis 1904 verbringt Peter Petersen am Flensburger Gymnasium. Hier lebt er in einer Schülerpension und erfährt zum ersten Mal was es heißt, einsam zu sein, denn die vorwiegend großbürgerlichen und bürgerlichen Mitschüler grenzen ihn, den Sohn eines Bauern, zunehmend aus, wodurch sich eine erste Sensibilität für soziale Ungerechtigkeit in ihm entwickelt.
Im Anschluss an das Gymnasium studiert Peter Petersen in Leipzig, Kiel, Kopenhagen und Posen die Fächer Geschichte, Philosophie, Englisch und Evangelische Theologie. Im Laufe dieser Zeit begegnet er dem, in Leipzig lehrenden, Psychologen und Philosophen Wilhelm Wundt sowie dem Sozialhistoriker Karl Lamprecht. Die Kontakte zu diesen Personen werden entscheidend für sein weiteres Leben, insbesondere für die Entwicklung des Jenaplans, sein, denn sie regen den Studenten zur Beschäftigung mit neuen Fragestellungen der Gesellschaft an, die sich aus der damalig
1 Basiswissen Band 3 (2002), S. 11-53.
3
aktuellen Entwicklung des Landes von einer Agrar- zur Industrienation und den damit verbundenen gesellschaftlichen Beunruhigungen in der Arbeiterklasse ergeben hatten.
Nachdem er promoviert hat, tritt Petersen seine Referendariatszeit am Königlichen Carola- Gymnasium in Leipzig an und wird nur sechs Monate später, im Jahre 1909, nach Hamburg berufen, das in dieser Zeit als ein Zentrum der sich stetig entwickelnden Reformpädagogik gilt.
Petersen wird bis 1923 in Hamburg bleiben und viele Erfahrungen aus dieser Zeit in seine spätere Tätigkeit als Schulreformer einfließen lassen. 1912 besucht er als Sekretär des Deutschen Bundes für Schulreform das, von Julius Lohmann geleitete, Landschulheim Schondorf am Ammersee.
Der Besuch eröffnet ihm Perspektiven über eine neue Form der Schulwirklichkeit. Die Idee einer Einheitsschule als freie und allgemeine Volksschule, die Kinder vom Kindergarten bis zum Abitur begleitet und auf die Entwicklung einer selbstständigen Persönlichkeit abzielt, formt sich.
1920 erfolgt dann die Berufung an die einzige Versuchsschule des höheren Bildungswesens in Hamburg, die Lichtwark- Schule. Hier erfolgen unter der Leitung Petersens erste Schritte zur Umformung. So werden zum Beispiel die Koedukation und die Elternarbeit, das jahrgangsübergreifende und ganzheitlich angelegte Kurssystem und auch Feste und Fahrten eingeführt.
1923 soll Peter Petersen, nachdem seine Kandidatur für den eben entstandenen Lehrstuhl für Pädagogik an der Universität in Hamburg abgelehnt wird, an der Universität Jena die Nachfolge des anerkannten Wilhelm Rein antreten. Die Berufung geht nicht ohne Probleme von statten und erfolgt auf das Drängen des sozialistischen Ministeriums Greil und gegen den Willen der stark konservativ ausgerichteten Fakultät in Jena.
Bevor Petersen jedoch sein Amt antreten kann, wird die Regierung Greils in Thüringen durch die einmarschierende Reichswehr gestürzt.
Der Schulreformer wird von nun an bis zu seinem Tod, im Jahre 1952, zwischen den politischen Fronten stehen, denn die Jenaer sehen ihn als Sozialisten wohingegen sein Reformkonzept den mehrheitlich links orientierten Schulreformern nicht parteipolitisch genug ist.
4
Trotzdem gelingt Petersen 1925 die Umwandlung der, dem Lehrstuhl angegliederten, Universitätsübungsschule in eine Versuchsschule entsprechend seiner Ideen von einer neuen Form der Erziehung.
2. Erziehungswissenschaftliche Theorien Petersens- ‚Jenaplan’ und ‚Führungslehre des Unterrichts’
Im Folgenden soll ein Überblick über die pädagogischen Theorien erfolgen, in erster Linie natürlich unter Einblick in die Grundlagen des Jenaplans. Da Peter Petersen seine Theorien zur Erziehung aber nicht nur dort, sondern in vielen Schriften u. a. auch in der ‚Führungslehre des Unterrichts’ (1. Auflage 1936) darlegt, sollen auch diese Werke teilweise einbezogen werden, um einen Überblick über die Kernpunkte seiner Erziehungsphilosophie zu erlangen.
2.1 Zur Entstehung des Jenaplans
Der Name „Jenaplan“ existiert seit der 4. Konferenz des New Education Fellowship in Locarno im Jahre 1927.
Petersen hatte sein Konzept, wie bereits erwähnt, schon ab 1925 umgesetzt und berichtete auf der genannten Tagung der interessierten Weltöffentlichkeit von der Praxis des Plans.
In Anlehnung an schon bestehende Konzepte wie den Dalton-, Winettka- oder Garyplan kündigte die englische Konferenzleitung den Vortrag Peter Petersens im Voraus als „Jenaplan“ an.
Anlass für den Aufbau der Versuchsschule gab ihm die Tatsache, dass mehrere Eltern in Jena mit der Bitte an ihn herantraten, ihre bereits schulpflichtigen Kinder in die Universitätsschule zu übernehmen, um „mit ihnen nach den Grundsätzen der Neuen Erziehung eine neue Schulform“ 2 zu entwickeln.
Für Petersen war dies die Möglichkeit, seine Idee der freien allgemeinen Volksschule zu versuchen, in der hochbegabte Mädchen und Jungen neben Hilfsschülern lernen, und sich gegenseitig in ihrer Zusammenarbeit anregen.
Beobachten wollte er dabei, wie die Kinder in so einer Schulform ihren Alttag und ihr Zusammenleben organisieren und inwieweit sie dabei Hilfe bzw. Führung brauchen.
2 Basiswissen Band 3 (2002), S. 54.
5
Die Begründung für ein Nebeneinander der Begabungen sah Petersen dabei u. a. darin, dass viele Untersuchungen „die hohen sittlichen Qualitäten der meisten begabten Kinder in ihrem Werte für die Schulgemeinschaft“ 3 herausstellten. Im ersten Jahr nahmen insgesamt 72 Kinder an dem Versuch teil, in den Folgejahren wuchs die Zahl der angemeldeten auf bis zuletzt 300 für ein Schuljahr, finanzielle Mittel und daraus resultierender Mangel an Räumen und Unterrichtsmitteln erlaubte jedoch keine so großen Schülerkapazitäten.
2.2. Grundlagen des Jenaplans
2.2.1 Zu den Aufgaben der Schule
Ziel des Jenaplans ist es, das Innere der Schule so umzugestalten, dass sich die ihr immanenten erzieherischen Funktionen entfalten können.
Dabei soll sie Kenntnisse und Fertigkeiten zur Selbstbehauptung und Mitbeherrschung der Zivilisation übermitteln und somit zur besseren Anpassung an die spätere Arbeitswelt führen.
Im Mittelpunkt steht dabei vor allem die Frage: „Wie soll die Erziehungsgemeinschaft beschaffen sein, in der und durch die ein Mensch seine Individualität zur Persönlichkeit vollenden kann?“ 4
Nach einer Untersuchung der möglichen Mittel ergibt sich für Petersen die Forderung nach einer freien und allgemeinen Volksschule (vom Volk gewollt und getragen), unter Mitarbeit von Eltern und Erziehern, um aus der bestehenden Form der Staatsschule, die unselbständig und unlebendig sei, eine Lebensstätte der Jugend zu machen. Petersen betont dabei die Entwicklung jener Forderung „unter schärfster Ablehnung der liberalen Staatsauffassung und des Individualismus, in der Erwartung, dass eine deutsche Selbstbesinnung den Weg zu einem echten Volksstaate bahnen werde.“ 5
2.2.2 Zu den Forderungen an die Erzieher
Von den Erziehern erwartet der Schulreformer ein planvolles Einwirken auf die Heranwachsenden im staatlich abgesteckten Rahmen.
Sie sollen den Kindern und Jugendlichen eine Hilfestellung beim Erkennen ihrer Umwelt und bei der Selbstfindung geben und ein Zusammenleben in einer Arbeitswelt
3 Ebd. , S. 55.
4 Peter Petersen: Der kleine Jena -Plan. (1946), S. 8
5 Ebd., S.9
6
ermöglichen, in der sich die Erziehungsfunktion so rein wie möglich auswirkt und alle Verhältnisse (darunter vor allem den Unterricht) bestimmt. Möglich soll dies am besten da sein, wo Schüler und Erzieher eine gemeinsame Weltanschauung teilen.
Petersen sieht dabei „Erziehung“ nicht als Summe erdachter und ausgeübter Maßnahmen sondern als „jene alle Wirklichkeit durchwaltende Funktion, welche das vollbringt, was wir am Menschen die Vergeistigung, die Humanisierung, sein persönliches Leben, die Persönlichkeit nennen.“ 6
Die inneren Ursachen dieser persönlich-geistigen Entwicklung sind, da sie einer inneren Selbstregulierung unterliegen, unbekannt, demnach werden nur
Ursachenzusammenhänge angenommen denn, „Leben wie Erziehung sind nicht in ihrem Wesen letztlich zu erfassen, sondern nur in ihren Erscheinungen einigermaßen zu erklären und […] zu deuten, […].“ 7
Ein guter Pädagoge ist nach Petersen jemand, der die Tatsache anerkennt, dass ein Mensch, um seinem Bildungsstreben nachzugehen und seine Vergeistigung zu erlangen, die Hilfe einer anderen Person benötigt.
Die darin liegende Verantwortung für den Erzieher muss diesem klar sein, er muss sie anerkennen und in ihr, aus einem inneren Antrieb heraus, aufgehen.
2.2.3 Gemeinschaft versus Gesellschaft
Die Idee der Gemeinschaft erkennt Peter Petersen als die oberste, die in der Schulgemeinschaft jegliches Geschehen normierende, an. Eine weitere Grundannahme ist, dass jede Sozialform einem äußeren, straff organisierten Zwang unterliegt, der sich „[…] aus der die Menschen zusammenführenden gemeinsamen Lebensnot, dem Lebenskampfe und der Lebensfürsorge, herleitet[…].“ 8
Damit ergibt sich der Fokus auf die Begriffe ‚Gemeinschaft’ und ‚Gesellschaft’, unter denen folgendes verstanden werden soll:
Die Gesellschaft unterliegt einer Geschlossenheit, da sie als „Kampfverband“ 9 verstanden werden soll, der solange bestehen bleibt, bis er zur Bekämpfung der Lebensnot, ungeeignet wird.
6 Ebd., S. 11
7 Ebd., S. 11f.
8 Der kleine Jena-Plan (1946), S. 12.
9 Ebd., S. 12
7
Arbeit zitieren:
Nicole Just, 2005, Zur Pädagogik Peter Petersens auf dem Weg in den Nationalsozialismus in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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