Lehrbereich: Politische Theorie und Politische Philosophie
Seminar: Terrorismus und politische Gewalt
Semester: SS 2002
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Studiengang: Dipl. Politikwissenschaft
Hochschulsemester: 2. Hochschulsemester
Referat: „Macht und Gewalt“ von Hannah Arendt
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Über lange Zeit haben in Zentralafrika Konflikte zwischen Hutu und Tutsi geschwelt. Im Jahr 1994 kam es zum Ausbruch von organisierter Gewalt, einem Völkermord an den Tutsi. Der Genozid war seit Monaten geplant und wurde systematisch und in kurzer Zeit durchgeführt. Heute, sieben Jahre nach dem Völkermord, erinnert im Westen kaum jemand an die Ereignisse, die sich in Zentralafrika abspielten. Gewalt in diesem Ausmaß kann jedoch nur verhindert werden, wenn die Ursachen analysiert, wenn gesellschaftliche Spannungen und negative Entwicklungen frühzeitig erkannt werden. Im Fall Ruanda hat letztlich auch die internationale Gemeinschaft in dieser Hinsicht versagt.
In dieser Arbeit werden mögliche Ursachen des Völkermordes untersucht, die zu einem besseren Verständnis des Genozids beitragen sollen. Unter welchen Umständen ist der Mensch fähig, Aggressionen in solch einem Ausmaß zuzulassen? Wie ist es möglich, dass einer großen Bevölkerungsgruppe die Menschenwürde aberkannt wird? Wie kam es zur Spaltung der Bevölkerung?
Um in das Thema einzuführen, werden die Ereignisse von 1994 zu Beginn der Arbeit kurz dargestellt. Kapitel 3 diskutiert Erklärungsversuche für den Genozid im 20. Jahrhundert. Welchen Einfluss hat die Moderne? Im vierten Kapitel werden unterschiedliche Definitionen und Formen des Umgangs mit dem Begriff Genozid vorgestellt. Darauf aufbauend soll gezeigt werden, wie es zu der Abgrenzung zwischen Hutu und Tutsi kam. Als Ursachen und Bedingungen kommen die Ethnisierung, die zurückliegenden historischen Entwicklungen von der Kolonisation zur Unabhängigkeit und auch die Auswirkung von Überbevölkerung und Verarmung in Frage. Der letzte Teil der Arbeit demonstriert die Organisation der Tötungsmaschinerie. Inwieweit machte Propaganda den Völkermord erst möglich? Hier wird insbesondere der Einfluss der Medien, der Politik und der Verwaltung diskutiert.
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Lange schon hatten extremistische Hutu den Völkermord vorbereitet, ohne dass die internationale Gemeinschaft reagierte. Der damalige Präsident Habyarimana (ein Hutu) fühlte sich zunehmend von RPF 1 -Rebellen bedroht und versuchte, mit allen Mitteln an der Macht zu bleiben. Im August 1993 wurden Friedenskräfte - die UNAMIR (United Nations Assistance Mission in Ruanda) stationiert, die für Frieden zwischen der ruandischen Regierung und der RPF 2 sorgen sollten, doch die Vorbereitungen des Genozids schienen sie nicht zu bemerken. Die Partei Habyarimanas MRND 3 versuchte zwar den Konflikt zu entschärfen, doch verhinderte auch sie nicht, dass Hutu-Extremisten die Bevölkerung aufhetzten und die Vernichtung der Tutsi planten. Man wartete nur noch auf einen Anlass, loszuschlagen.
Am 6. April 1994 wurde ein Flugzeug abgeschossen, in dem Habyarimana und andere wichtige politische Persönlichkeiten saßen. Alle Insassen starben. Die Verantwortung für den Anschlag wurde bis heute nicht geklärt. Einige Tutsi behaupten, es habe sich um einen geplanten Mord der extremen Hutu gehandelt, die den in ihren Augen noch zu gemäßigten Präsidenten ausschalten wollten. Von Seiten der Hutu wurden pauschal die Tutsi beschuldigt und es begannen zunächst Pogrome, später organisiertes und systematisches Morden. Mit grausamen, qualvollen Methoden wurde getötet. Ohne Unterschiede fielen Kinder, Frauen und politisch Oppositionelle dem Genozid zum Opfer.
Schockiert von den Ereignissen in Ruanda rüstete die RPF auf und griff die ruandische Regierung an. Lange schaute die UN tatenlos zu., bis sie sich entschied, einzugreifen. Als die Friedenstruppe UNAMIR II letztendlich in Ruanda eintraf, war die Regierung schon von der RPF gestürzt und eine neue Regierung an der Macht.
Nur wenige Tutsi überlebten, da Hutu sie versteckt hielten, doch heute gibt es ÄQDKH]XNHLQHQ 0HQVFKHQLQ5XDQGDGHUQLFKWYRP9|ONHUPRUGEHWURIIHQLVW³
Die meisten Opfer waren Tutsi oder Hutu, die sich dem Massenmord nicht anschlossen oder Tutsi versteckt hielten. Über die Zahl der Toten ist sich die Literatur nicht einig. Meist wird sie auf 500.000 geschätzt, anderen Berichten zufolge ist es mindestens eine Million 5 .
1 s.Anhang.
2 s.Anhang.
3 s.Anhang.
4 vgl.: Bitala, M.: „115.000 Verdächtige warten seit Jahren auf ihr Verfahren - Dorfgerichte sollen Völkermord in Ruanda aufarbeiten“, in: Süddeutsche Zeitung Nr.139, Mittwoch, 19.Juni 2002, S.9.
5 vgl.: amnesty international: Länderbericht Ruanda - Übersetzung der Koordinationsgruppe Ruanda“, Juni 1999.
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Die Berichterstattung im Westen enthielt oft dramatische Beschreibungen der Grausamkeiten, weniger Analysen der Ursachen, z.B.:Ä0HQVFKHQLQ7DJHQ]HUVFKODJHQ ]HUVWFNHOW]HUKDFNW=XUFNEOLHEHQ:DLVHQNLQGHUXQJH]lKOWH:LWZHQ0LOOLRQHQYRQ )OFKWOLQJHQ/HLFKHQEHUJHXQG0DVVHQJUlEHU³
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Auch wurden die unmenschlichen Bedingungen in den Flüchtlingslagern angeprangert:Ä6LH ZLQGHQXQGElXPHQVLFKLP6FKPHU]DXI2GHUVLHOLHJHQJDQ]VWLOOXQGVWDUUHQ]XU'HFNH KRFK0DQFKHKDEHQGLH3XSLOOHQYHUGUHKWRGHU]HLJHQJODVLJHVWXPSIH%OLFNH$EJUQGHWXQ VLFKDXIZHQQPDQLQGLHVH$XJHQVFKDXW(VLVWDOVREHLQHQGDVJDQ]H8QJOFNGHU:HOW DQILHOHZHQQPDQGLH.LQGHUVLHKWLKUHDXIJHGXQVHQHQ%lXFKHLKUHVSLQGHOGUUHQ %HLQFKHQ³
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Massenmorde gab es viele in der Geschichte. Grausamkeit, Mordlust, erbitterte Feindschaft mit der Bereitschaft zur Ausrottung von Andersartigen waren früheren Zeiten nicht fremd. Was die Moderne von der Vergangenheit unterscheiden soll, ist gerade die durch die Aufklärung ermöglichte Überwindung von Hass und blinder Aggression und die Fähigkeit zu rationaler und friedlicher Konfliktlösung.
Im Westen propagierten Philosophen, individuelle Gewalt durch Institutionen einzugrenzen: „6R]LDOH2UGQXQJLVWHLQHQRWZHQGLJH%HGLQJXQJGHU(LQGlPPXQJYRQ*HZDOW*HZDOWLVW HLQHQRWZHQGLJH%HGLQJXQJ]XU$XIUHFKWHUKDOWXQJVR]LDOHU2UGQXQJ ³. Andererseits
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behauptet z.B. Z. Baumann, dass es in der Gegenwart noch keine Institution geschafft habe, Massenmorde zu verhindern und noch keine Wissenschaft erreicht, das Ä7LHULP0HQVFKHQ³
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6 vgl.:Fechner, C.: „Hunger der Seele, Hunger im Bauch“ , focus-film GmbH, 1996 Immendingen. 7 vgl.: Grill, B.: „ Cholera, Ruhr, Mord: Der Tod wütet weiter unter den ruandischen Flüchtlingen in Zaire. Die Anhänger der alten Regierung drohen den neuen Machthabern in Kigali: „Wir werden zurückschlagen“ - Warten auf die Zeit der Rache“ , DIE ZEIT Nr.12, 5.August 1994, S.3. 8 vgl.: Popitz,H.: „Phänomene der Macht“ , J.C.B.Mohr, Tübingen, 1992, S.63.
Auf Hannah Arendt und Popitz gehe ich in der Arbeit nur begrenzt ein, da ihr Verständnis von Gewalt im Seminar schon weitgehend diskutiert wurde.
9 vgl.: Baumann,Z.: „ Das Jahrhundert der Lager?“ in: „ Genozid und Moderne - Strukturen kollektiver Gewalt im 20.Jahrhundert“ , herausgegeben von Mihran Dabag und Kristin Platt, Leske + Budrich, Opladen 1998, S.82 Die Schlussfolgerung von Beobachtungen des Tieres auf einen Aggressionstrieb im Menschen ist stark kritisiert worden. Die Theorie geht insbesondere auf den Verhaltensforscher Lorenz zurück. Gewalt ist nach ihm ein natürlicher Instinkt jedes Lebewesens. Da der Mensch im Gegensatz zum Tier jedoch Vernunft besitzt, neigt er dazu den Aggressionstrieb zu unterdrücken. Gewalt lebt sich so irrational aus, d.h. der Täter empfindet keine Beziehung mehr zum Opfer. Er handelt nicht aufgrund seines Triebes, sondern weil ihm durch rationale
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Arbeit zitieren:
Jakob Kolleck, 2002, Der Genozid in Ruanda, München, GRIN Verlag GmbH
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ninuschka hat den Text Der Genozid in Ruanda kommentiert
ninuschka
lob.
tolle hausarbeit haste da geschrieben!
am Friday, March 23, 2007-