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Untertitel: Die Philippsprüche Walthers von der Vogelweide
Hauptseminararbeit, 2006, 14 Seiten
Autor: Michael Bradley
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Details
Institution/Hochschule: Bergische Universität Wuppertal
Tags: Verwendung, Motive, Literatur, Erich, Auerbachs, Mimesis
Jahr: 2006
Seiten: 14
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 9 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-02852-3
ISBN (Buch): 978-3-638-92773-4
Dateigröße: 126 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Seit der Zeit der Kirchenväter wird der Zusammenhang zwischen Altem und Neuem Testament als Verhältnis von Verheißung und Erfüllung ausgelegt. Das Geschehen von Ereignissen und das Auftreten von Personen des NT sollen demnach bereits im AT angekündigt worden sein. Die Verheißung wird in der christlichen Terminologie mit Typus bezeichnet, die Erfüllung des Angekündigten mit Antitypus. So ist z. B. Adam der Typus Christi: Adam hatte Teil am Sündenfall und am Ausgestoßenwerden aus dem Paradies; Christus ist dann insofern der Antitypus des Adam dessen Leben die Geburt Christi verheißen soll und mit ihm die Erlösung von der menschlichen Erbsünde. Diese Form der Bibelexegese wird als typologische Interpretation oder auch als Figuraldeutung bezeichnet. Die figura als Auslegungsverfahren nimmt zwar ihren Ursprung in der Bibelausdeutung, ist aber nicht auf sie beschränkt. Gerade im Mittelalter prägte sie die Denkweise der Menschen. Und so ist sie auch in der profanen mittelalterlichen Literatur anzutreffen. Diese Arbeit untersucht die halbbiblische Verwendung der figura am Beispiel eines Philippspruches Walthers von der Vogelweide. In Kapitel 2 soll zunächst die figura exakt bestimmt und ein anschließender Umriss ihrer Verwendungsweise gegeben werden (2.2). Dazu findet sich in 2.1 eine kurze etymologische Geschichte des Wortes figura sowie seines Bedeutungswandels hin zum Gegenstand christlich-mittelalterlicher Weltdeutung. Kapitel 3 beschäftigt sich mit dem Textmaterial und gibt eine geschichtliche Einführung, die die das ausgewählte Gedicht umrankenden historischen Hintergründe darstellt (3.1). Im zweiten Teil des dritten Kapitels schließlich wird das Gedicht interpretiert und aufgezeigt wie es sich durch den typologischen Zusammenhang mit immenser Wirkungskraft speist. Im Anhang finden sich das Originalgedicht und eine Übersetzung. Auerbach zeichnet den etymologischen Werdegang des Begriffes figura in seinem gleichnamigen Aufsatz von 1967 nach. Erstmals zu finden ist figura (vom gleichen Stamm wie fingere, figulus, fictor, effigies) bei Terenz. Dieser wie andere Schreiber der Antike nutzte den Begriff ursprünglich zur Bezeichnung von geometrischen Formen verschiedenster Art, später dehnte er sich auch auf akustische und grammatische Formen aus. Jedoch verengte sich die Bedeutung von figura schon bald auf die komplementärantonymische Bezeichnung zu forma´Gussform` als dem plastischen Gebilde, das aus der Form hervorgeht.
Textauszug (computergeneriert)
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
3
2 Figura
4
2.1
Figura
als heidnischer und als christlicher Begriff 4
2.1 Die Gestalt der
figura
5
3 Die Philippsprüche Walthers von der Vogelweide
7
3.1 Geschichtliche Hintergründe 7
3.1.1 Der Investiturstreit 7
3.1.2 Die doppelte Königswahl 9
3.2
Ez gienc, eins tages als unser herre wart geborn
10
4 Schluss
12
5 Bibliografie
13
Anhang
14
1 Einleitung
Seit der Zeit der Kirchenväter wird der Zusammenhang zwischen Altem und Neuem
Testament als Verhältnis von Verheißung und Erfüllung ausgelegt. Das Geschehen von
Ereignissen und das Auftreten von Personen des NT sollen demnach bereits im AT
angekündigt worden sein. Die Verheißung wird in der christlichen Terminologie mit Typus
bezeichnet, die Erfüllung des Angekündigten mit Antitypus. So ist z. B. Adam der Typus
Christi: Adam hatte Teil am Sündenfall und am Ausgestoßenwerden aus dem Paradies;
Christus ist dann insofern der Antitypus des Adam dessen Leben die Geburt Christi verheißen
soll und mit ihm die Erlösung von der menschlichen Erbsünde. Diese Form der Bibelexegese
wird als typologische Interpretation oder auch als Figuraldeutung bezeichnet.
Die
figura
als Auslegungsverfahren nimmt zwar ihren Ursprung in der Bibelausdeutung, ist
aber nicht auf sie beschränkt. Gerade im Mittelalter prägte sie die Denkweise der Menschen.
Und so ist sie auch in der profanen mittelalterlichen Literatur anzutreffen. Diese Arbeit
untersucht die halbbiblische Verwendung der
figura
am Beispiel eines Philippspruches
Walthers von der Vogelweide.
In Kapitel 2 soll zunächst die
figura
exakt bestimmt und ein anschließender Umriss ihrer
Verwendungsweise gegeben werden (2.2). Dazu findet sich in 2.1 eine kurze etymologische
Geschichte des Wortes
figura
sowie seines Bedeutungswandels hin zum Gegenstand
christlich-mittelalterlicher Weltdeutung.
Kapitel 3 beschäftigt sich mit dem Textmaterial und gibt eine geschichtliche Einführung, die
die das ausgewählte Gedicht umrankenden historischen Hintergründe darstellt (3.1). Im
zweiten Teil des dritten Kapitels schließlich wird das Gedicht interpretiert und aufgezeigt wie
es sich durch den typologischen Zusammenhang mit immenser Wirkungskraft speist.
Im Anhang finden sich das Originalgedicht und eine Übersetzung.
3
2 Figura
2.1
Figura
als heidnischer und als christlicher Begriff
Auerbach zeichnet den etymologischen Werdegang des Begriffes
figura
in seinem
gleichnamigen Aufsatz von 1967 nach. Erstmals zu finden ist
figura
(vom gleichen Stamm
wie
fingere
,
figulus
,
fictor
,
effigies
) bei Terenz. Dieser wie andere Schreiber der Antike nutzte
den Begriff ursprünglich zur Bezeichnung von geometrischen Formen verschiedenster Art,
später dehnte er sich auch auf akustische und grammatische Formen aus. Jedoch verengte sich
die Bedeutung von
figura
schon bald auf die komplementärantonymische Bezeichnung zu
forma
´Gussform` als dem plastischen Gebilde, das aus der Form hervorgeht. Diese
Bedeutungsverschiebung, die den Übergang von der Gestalt zu seinem Abbild bezeichnet, ist
für die spätere Auffassung von
figura
überaus bedeutsam. Am besten lässt sie sich laut
Auerbach an einer Stelle bei Lucrez fassen, ,,die von der Ähnlichkeit der Kinder mit ihren
Eltern, von der Mischung der Samen und der Vererbung handelt; von den Kindern, die
utriusque figurae
, des Vaters und der Mutter sind" (AUERBACH: ,,
Figura
": S. 58). In vielen
Sachbereichen etabliert sich
figura
derweil als fachlicher Ausdruck eines Abbil-
dungsverhältnisses, so z. B. in der Architektur als Grundriss/Plan
Gebäude oder in der
Malerei als Gestalt Porträt. Die letzte Bedeutung in der heidnischen Antike kommt
figura
als Stilfigur in der antiken Rhetorik zu. Im 9. Buch derselben scheidet Quintilian die Figur
von der Trope. Die Trope stehe dem eigentlichen Wortsinn nahe; die Figur aber sei mehr,
nämlich bereits Übertragung des Wortsinnes auf eine andere Ebene. Dies verdeutlicht die
Figur, die als wichtigste angesehen wurde: die versteckte Anspielung. Sie bleibt z. B. als
Mittel der Kritik an den herrschenden Verhältnissen unausgesprochen und offenbart sich nur
im Übertragenen.
Bei Tertullian findet sich erstmals
figura
im religiösen Kontext als vorausdeutende Gestalt
des Zukünftigen.1 ,,Die Art der Interpretation zielte darauf ab, die im Alten Testament
auftretenden Personen und Ereignisse als Figuren oder Realprophetien der Heilsgeschichte
des Neuen zu deuten" (
F
: S. 66). Mit der Ausdeutung des AT durch den Kirchenvater
Augustin schließlich erreicht die
figura
den Höhepunkt ihrer christlichen Auslegung. Ein
früher Konflikt in der Bibelexegese teilt das gläubige Lager in die Hälften derjenigen, die den
Inhalt des Alten Testaments unter Verflüchtigung des Geschichtlichen ins Geistige wenden
wollen und derjenigen, die den innergeschichtlichen Zusammenhang zu bewahren trachten.
Denselben Anspruch die christliche Bibel als Niederschrift von Realgeschehen aufzufassen
verfolgt die Bibelexegese als Lehre vom vierfachen Schriftsinn. Diese Lehre trachtet
1 Vgl. AUERBACH, E.: ,,
Figura
", S. 65.
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