Idealstädte verschiedener Epochen
von Björn Seewald
Gliederung
I. Einleitung 4
II. Was ist eine Idealstadt? 5
II. 1 Geplante oder gewachsene Stadt? 5
II. 2 Was macht eine Stadt zur Idealstadt? 6
II. 3 Zwischenergebnis 8
III. Idealstadtkonzeptionen aus verschiedenen Epochen 9
III. 1 Antike und Mittelalter 9
III. 1. 1. Zwischenergebnis 11
III. 2 Renaissance 11
III. 2. 1 Zwischenergebnis 13
III. 2.2 Pienza 13
III. 3 Absolutismus 17
III. 3. 1 Staatsaufbau im Absolutismus 17
III. 3. 2 Gesellschaftliche Entwicklung im Absolutismus 18
III. 3. 3 Zwischenergebnis 19
III. 3. 4 Schloß und Stadt Karlsruhe
- Ausdruck des absolutistischen Herrschaftsgedankens? 19
III. 4 20. Jahrhundert 20
Howards Gartenstadtidee 20
IV. Resumee 22
Abbildungsverzeichnis 24
Literaturverzeichnis 29
I. Einleitung
"So gibt es politisch einen totalitären Raum, der nicht dem Menschen etwas ausrichtet, sondern der ... den Menschen ausrichtet" . Diese Äußerung machte der damalige Berliner Kultursenator Adolf Arndt im Zusammenhang mit der Berliner Philharmonie. Man könnte auch sagen: "Totalitäre Räume richten den Menschen aus, demokratische richten dem Menschen etwas aus". Im Fall der Philharmonie ist es sicherlich die Musik, die dem Menschen ausgerichtet wird. Arndt fand offenbar, daß das Prinzip der Demokratie durch die Philharmonie baulich zur Geltung kommt. Die Philharmonie - ein ideales Gebäude? Die Aussage Arndts setzt erstmal nur voraus, daß er sich einer bestimmten Gesellschaftsform bewußt ist, welche er in der gebauten Umgebung wiederzuerkennen glaubt. Eine ganz andere Frage ist, ob Scharoun als Architekt der Philharmonie tatsächlich bestrebt war, "Demokratie" baulich zu reflektieren und neben einem erstklassigen Konzerthaus auch ein demokratisches Haus zu entwerfen.
Wenn es möglich wäre, einzelne Gebäude zu errichten, die ein bestimmtes Weltbild idealisieren - es sei dahingestellt, ob vom Architekten beabsichtigt oder nicht -, gibt es dann auch ganze Städte, bei deren Bau diese Reflexion stattfand? Dieser Frage soll in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden.
Es ist ein großes Problem, den Begriff "Idealstadt" zu definieren und damit Kriterien zu finden, wann man von einer Idealstadt sprechen kann. Genügt schon das Vorhandensein eines regelmäßigen Stadtgrundrisses oder muß - was die interessantere Fragestellung ist - der Versuch vorliegen, ein bestimmtes Weltbild baulich auf den Punkt zu bringen? Nachdem dieses Problem im folgenden Kapitel zu klären versucht wird, werden Städte aus verschiedenen Epochen auf ihren Idealstadtcharakter hin untersucht. Abschließend soll überlegt werden, wie in der heutigen Zeit eine Idealstadt aussehen könnte - wenn es sie überhaupt gibt.
II. Was ist eine Idealstadt?
II. 1 Geplante oder gewachsene Stadt?
Im Sprachgebrauch wird häufig zwischen der geplanten oder "angelegten" Stadt einerseits und der gewachsenen (mittelalterlichen) Stadt andererseits unterschieden. Diese Unterscheidung ergibt sich aus einem oberflächlichen Blick auf die Stadtgrundrisse verschiedener Städte, wo sich das Wachstum mittelalterlicher Stadtkerne in krummen Gassen und scheinbar ungeordneten Häuserblocks äußert und sich damit klar vom gerasterten Grundriß mancher Festungsstadt, der nur auf dem Reißbrett entstanden sein kann, unterscheidet. Bei näherer Betrachtung dieses Themas läßt sich jedoch feststellen, daß sich "gewachsene" und "geplante" Elemente im städtischen Kontext ständig vermischen. So haben beispielsweise manche barocke Festungsstädte, die - sofern sie neu gegründet wurden - durchgeplant waren, nach der Schleifung der Festungsanlagen und mit der Industrialisierung neue Entwicklungsimpulse erhalten und sind weitergewachsen. Andererseits konnten auch mittelalterliche Städte "geplant" sein, was die Stadtgründung betrifft. Ein Beispiel hierfür ist Lübeck, wo ein Fürst sich als Landesplaner hervortat und Kaufleuten und Handwerkern bestimmte Siedlungsräume zuwies. Es erfolgte also ein erster Impuls von außen; die weitere Entwicklung der Stadt überließ man den Bürgern . Planung und Wachstum durchdrangen sich also auch hier.
Anläßlich der Schwammigkeit der Begriffe "gewachsen" und "geplant" erscheint eine Unterscheidung in "von innen" und "von außen" geplante Städte sinnvoller . Natürlich wächst keine Stadt von alleine, vielmehr liegt jeder Stadterweiterung, und sei sie auch noch so gering, ein gewisses Maß an Planung zu grunde, sei es hinsichtlich der Straßenführung oder der Parzellierung. Der Begriff des "Gewachsenen" für die mittelalterliche Stadt beinhaltet also nichts anderes als Planung von innen, also von den Stadtbewohnern selbst. Wird dagegen von Planstädten des Renaissance- oder Barockzeitalters gesprochen, meint man Planung "von außen", also nicht von den Stadtbewohnern, sondern von einem Herrscher bzw. einem beauftragten Baumeister .
Hier nähern wir uns dem Thema "Idealstadt" an. Es liegt nahe, nach dem Zweck zu fragen, für den diese Städte geplant wurden. Im Renaissance- und Barockzeitalter gab es zahlreiche "Reißbrett"-Stadtgründungen, die hauptsächlich zu Verteidigungszwecken errichtet wurden. Oft wird in diesem Zusammenhang von "Idealstädten" gesprochen, die Begriffe "geplant" und "ideal" also synonym verwendet. Im folgenden ist zu klären, ob diese Gleichsetzung ihre Berechtigung hat, oder ob noch andere Kriterien neben dem "von außen" Geplanten erfüllt sein müssen, um eine Stadtgründung als "Idealstadt" einordnen zu können. Dabei wird der Frage, was mit der Planstadt beabsichtigt wurde, besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
II. 2 Was macht eine Stadt zur Idealstadt?
[...]
Arbeit zitieren:
Diplomingenieur Björn Seewald, 2002, Idealstädte verschiedener Epochen, München, GRIN Verlag GmbH
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