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II.1 Preußische Lebensmaxime und Hintergrundsituation des Buches (filmische Umsetzung)
II.2 Analyse filmischer Mittel anhand von drei Szenen, Umsetzung. II.3 Dramaturgische Struktur, Analyse von gezielten filmischen Abweichungen von der Roman-Vorlage
,,, 6FKOXVVXQG)D]LW±6HLWH Bewertung der Gelungenheit des Films
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Das Bild von Theodor Fontane als leichtfertig abgetaner „Märksicher Heimatdichter“, der sich auf die Lobpreisung des Adels und der preußischen Überlegenheit beschränkt wandelte sich erst in den späten sechziger Jahren als man begann seine Bedeutung als zeitgenössischer Berichterstatter und Kritiker Preußens und des Bismarkschen Kaiserreichs zu erkennen.
Was macht die enorme Bedeutung von Theodor Fontanes (IIL%ULHVWtatsächlich aus? Die Geschichte aus der Berliner Gesellschaft besitzt allein nicht genügend Skandalösität, um aus purem Sensationsinteresse ein breites Publikum zu erreichen, obwohl Fontane selbstverständlich nie auf ein solches Interesse spekuliert hätte. Auch seine formale Brillianz und die qualitativ einmalige Kunst des Dialoges stellte Fontane bereits in vorrangegangen und später in folgenden Werken außerhalb jedes Schattens eines Zweifels.
Es ist der Hintergrund, die handlungsumhüllende Gesamtsituation im preußisch-bismarckschen Kaiserreich und die perfektionierte Fähigkeit dem Leser durch subtilste Details einen Einblick in eine Epoche deutscher Geschichte, geprägt von Obrigkeitsdenken und Militarismus, zu vermitteln, die Fontanes Werk seine monumentale Bedeutung geben. Der Autor versetzt seine Figuren in eine solche Ohnmacht gegenüber dem sie beherrschenden System und den Ansprüchen und Normen, die es aufstellt, dass es leicht nachvollziehbar ist wie passiv sich die Charaktere von den Strömungen ihrer Gesellschaft mitreißen lassen. Vergebens sucht der Leser nach dem HLQHQ Rebellen, der die Konventionen gänzlich abschüttelt und sich dem Gesellschaftsstrom entgegenstellt. Selbst Crampas, ein Charakter reich an Kanten und Tadel, resigniert zuletzt und stellt sich dem von der Ehre geforderten Duell. Auch die elterliche Gnade gegenüber ihrer Effi geschieht in beschämter Verborgenheit, voller Angst und schlechtem Gewissen gegenüber der Majorität. Ziel der Analyse soll es sein, letztendlich heraus zu kristallisieren wie Luderers Werk versucht den Zeitgeist einer ganzen komplexen Epoche parallel zur Handlung zu transportieren und in wie weit sich die Aussage des Stoffs durch die notwendigen Kürzungen und Interpretationen des Regisseurs veränderte.
Zu diesem Zweck wird zunächst an verschiedenen Sequenzbeispielen das im Film dargestellte preußische Lebensgefühl untersucht und bewertet.
Danach verschiebt sich der Focus auf die film-sprachlichen Mittel, die anhand von drei kurzen Szenen auf ihre Machart, Umsetzung des Originals und Intention untersucht werden. Darauf folgt die Auseindersetzung mit dem ur-typischsten Kriterium für Verfilmungen: die Werk-Treue. Denn Aussage und Intention sind nicht nur in der Adaption der dargestellten Teile, sondern auch in der Auswahl der weggefallenen Kapitel des Originals zu suchen.
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Abrundend schließt die Arbeit ein Resumée über die angestrebte Intention des Films im Vergleich zu Fontanes ursprünglicher Aussage sowie die Bewertung filmischer Qualität des Defa Verfilmung von 1970.
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an diversen Stellen beschriebene preußische Lebensart große Ansprüche an den in seiner Länge und Ausstattung naturgemäß beschränkten Film von Wolfgang Luderer. Denn wie einst der namenhafte Regisseur Wolfgang Petersen (u.a. ‚Das Boot’) sagte: „Bei einer Verfilmung ist jeder Zuschauer scharfer Kritiker, ob belesen oder nicht.“
Die mit der Novelle vertrauten Zuschauer hätten eine Adaption ohne eine adäquate Darstellung des preußischen Zeitgeistes kaum akzeptiert, während den Unbelesenen der wichtige Hintergrund für das Verständnis der Charaktere und ihrer Handlungen gefehlt hätte.
Daher beginnt der Film vorsichtig und steigernd mit der Heranführung an das Preußentum und seine Grundsätze, die da neben anderen wären: /LQLHQWUHXH (Gehorsam und Obrigkeitsdenken als Tugend), $QVWDQG und 2UGQXQJ, 3QNWOLFKNHLWund 6DXEHUNHLW sowie 3DWULRWLVPXV. Zweifellos ließen sich ein halbes Dutzend weiterer ÄW\SLVFK³ preußischer Eigenschaften finden, doch sind es diese fünf, die im Film primär zur Geltung kommen und exemplarisch die gesellschaftlichen Lebensmaxime repräsentieren.
Schon früh zu Beginn des Films, bei der Vorstellung des zukünftigen Ehepaares in Hohen-Cremmen, fällt der Kontrast zwischen den beiden schauspielerischen Darstellungen leicht auf. Angelika Domröse zeigt sich als Effi ungestüm, „zappelig“ und ausgelassen schaukelnd und scherzend, während Horst Schulze als Baron von Instetten betont gemäßigt; mit zurückhaltender Höflichkeit auftritt. Während des eigentlich unverbindlichen Spaziergangs mit seinem zukünftigen Schwiegervater, Ritterschaftsrat von Briest, im Garten geht er auffällig gerade, mit steif angelegten Händen, was ihn fast stolzierend und scheinbar stets auf sein Erscheinen bedacht wirken lässt. Kein Vergleich zum unbefangenen Vater Briest, der gelassen gestikuliert und schlendert. Sobald die Handlung das für Effi kindlich-unschuldige und das beinahe paradisich-anmutende Hohen-Cremmern verlässt, mehren sich in Instettens Domäne Kessin die fein gespickten Anzeichen des allgegenwärtigen Preußentums. 3QNWOLFKNHLW und die Bindung an geregelte Zeiten sind die ersten und kaum subtilen Merkmale, die dem aufmerksamen Zuschauer vom Film in fast inflationärem Maße aufgezeigt werden. Zusätzlich zur vom Buch angegebenen Szene der verschlafenden Effi, die erfahren muss, dass der „Herr“ bereits das Haus verlassen hat, denn wie wir von Johanna hören: Ľ½'DULQ LVWHUVWUHQJ¾¾³5HFODP$XVJDEH6HLWH=HLOH, ergänzt der Film das Bild durch den Glockenschlag, der stets genau dann zuhören ist, wenn Instetten gemäß preußischer Pünktlichkeit das Landratsamt oder die Schwelle seines Hauses betritt. Auch Gieshübler
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Arbeit zitieren:
Florian Reimer, 2002, Effi Briest und Preußen, München, GRIN Verlag GmbH
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