FSU Jena. SoSe 2001 HS: „Alexander der Große in der deutschen Literatur des Mittelalters“
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1. Einleitung
2. Datierungen und Quellen 2.1 Straßburger Alexander 2.2 Ulrich von Eschenbach 2.3 Hartlieb 3. Der Gymnosophistenbegriff 4. Die Gymnosophistenepisode im Pseudokallisthenes 5. Die Szenen in der deutschen Alexanderrezeption 5.1 Erste Szene: Die Einführung der Gymnosophisten 5.2 Zweite Szene: Die Botschaft der Gymnosophisten 5.3 Dritte Szene: Das Gespräch mit den Gymnosophisten 5.4 Vierte Szene: Die Bitte der Gymnosophisten 6. Schluß 7. Literatur
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Nicht nur in Europa hat der Name Alexander des Großen einen Bekanntheitsgrad erreicht, der seinesgleichen sucht. Über Jahrtausende hinweg in über 35 Sprachen wurden sein Leben und Werk weltweit literarisch und historisch aufgegriffen, erzählt und verarbeitet. So erfreute sich bereits im Mittelalter kaum ein literarischer Stoff größerer Beliebtheit und Bearbeitung. In zahlreichen Epen, Geschichtsbüchern, Romanen, Erzählungen, Legenden, religiösen Schriften und Liedern lassen sich die unterschiedlichsten Alexanderbilder finden. Einmal manifestiert sich der vorbildliche und vollendete Charakter des Königs, ein anderes Mal wird der kriegerische Welteroberer geschildert oder die superbia des Herrschers steht im Fokus der Erzählung. Jeder Dichter oder Bearbeiter fügte seiner Alexanderfigur seine eigene persönliche Interpretationen bei und veränderte, mystifizierte oder diskreditierte ihn in seinem Sinne. So erhob der eine Teil der Literaten Alexander zum Vorbild, andere wie zum Beispiel stoische oder christliche Erzähler nutzten die Alexanderfigur hingegen zur Kritikanbringung und Verurteilung seiner freizügigen, kriegerischen Lebensweise und stellten ihn als Negativexemplum dar.
Diese Verarbeitungen und Bearbeitungen in ihrer unterschiedlichen Akzentsetzung des ursprünglich übereinstimmenden Stoffes möchte ich zum Thema meiner Hausarbeit machen. Dabei werde ich mich in der folgenden Arbeit auf drei mittelalterliche literarische Bearbeitungen des Alexanderstoffes beschränken und mich mit den damit verbundenen differierenden Dichterintentionen auseinandersetzen. Die drei Werke - der Straßburger Alexander, der Alexanderroman Ulrich von Eschenbachs und das Alexanderbuch des Johann Hartliebs - beinhalten allesamt die sogenannte Gymnosophisten-Episode, die ich als Untersuchungsbasis nutze. Anhand der in dieser Episode auftretenden Gegenüberstellung von Alexander dem Großen und den Gymnosophisten formulieren und verweisen die Verfasser auf ihre persönliche Einstellung, deren Darstellung Aufgabe meiner Arbeit ist. Beginnen werde ich mit einer kurzen Darstellung der jeweiligen Datierungen und Quellen, wobei ich lediglich einen Überblick geben möchte und keinesfalls Vollständigkeit anstrebe. Auf das in der Forschung viel diskutierten Problem der Datierungen möchte ich nicht näher eingehen, sondern verweise an den einzelnen Stellen auf die entsprechende Forschungsliteratur. Die Auftragsgeberthematik bei Hartlieb und Eschenbach sowie die Frage inwieweit Eschenbach eine Parallelisierung des Lebens Alexanders mit dem des böhmischen
Königs angestrebt und gestaltet hat 1 , sollen
werde mich bei der Gymnosophisten- oder Brahmanenthematik auch lediglich auf das sogenannte „Alexandergespräch“ beschränken und den Briefwechsel mit Dandamis, dem König der Gymnosophisten und die Briefe Alexanders an seinen ehemaligen Lehrer Aristoteles und seine Mutter Olympias außer Acht lassen. 2 Nach der einführenden Datierungs- und Quellendarstellung folgt eine Klärung des Gymnosophistenbegriffes. Wer waren die Gymnosophisten und warum weckten sie das Interesse des großen griechischen Herrschers, sind die Fragen, die in diesem Abschnitt kurz beantwortet werden sollen. Der Pseudo-Kallisthenes als Ausgangstext und Quelle der drei Dichtungen - zumindest auf Umwegen - bildet die Grundlage für die nun folgenden textuellen Vergleiche, mit denen die unterschiedlichen Dichterintentionen in dieser einen Episode dargestellt und näher beleuchtet werden sollen.
Als Material habe ich den bereits erwähnten Pseudo-Kallisthenes, die drei Alexanderdichtungen und eine Auswahl der Sekundärliteratur herangezogen und mich besonders auf die Arbeiten von Karl Stackmann und Trude Ehlert konzentriert.
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Trude Ehlert geht in ihrem Buch „Deutschsprachige Alexanderdichtung des Mittelalters“ von vier Werken der Antike aus, „die wie eine Art Prisma fungieren. In ihnen fließt ein breiter Strom von Quellen zusammen, und sie wirken breit streuend in das Mittelalter hinein als Vermittler des Alexanderstoffs.“ 3 Bei diesen vier Werken handelt es sich um: die $OH[DQGUL 0DJQLKLVWRULD des Quintus Curtius Rufus, der von Justin verfasste „Auszug aus den heute verlorenen +LVWRULDH3KLOOLSLFDH des Pompejus Trogus“ 4 , die +LVWRULDDGYHUVXVSDJDQRV des
Osorius und der griechische Alexanderroman, auch als Pseudo-Kallisthenes bekannt. Über zahlreiche Umwege sind dies die Hauptwerke, auf deren Inhalt die mittelalterlichen Werke
1 Dies kann man in der Arbeit von Finckh ‚Ein böhmisches Lehr-Stück’ sehr gut nachlesen und sich informieren.
2 Pfister bietet zu dieser Problematik in seinem Aufsatz ‚Das Nachleben der Überlieferung von Alexander und den Brahmanen“ einen umfangreiche Ausarbeitung.
3 Ehlert 1989, S. 13
4 Ehlert 1989, S. 14
fundieren. 5 Bei den nun folgenden kurzen ich mich soweit keine anderen Angaben gemacht werden auf Buntz. 6
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Der Straßburger Alexander ist eine Erweiterung des vom Pfaffen Lamprecht 1150 verfassten $OH[DQGHUOLHG, die auf 1170 datiert wird. Ein oder zwei unbekannte Fortsetzer 7 ergänzten und
veränderten den von Lamprecht geschriebenen, wahrscheinlich unvollendeten Text 8 und glätteten vor allem Reim und Metrik. Lamprecht dichtete im moselfränkischen Mundartbereich und stammte möglicherweise aus Trier. Der Entstehungsort des $OH[DQGHUOLHG ist vermutlich Köln oder Regensburg. Als Vorlage diente das $OH[DQGHUOLHG des
Provençalen Alberich von Bisinzo, der damit die älteste volkssprachliche Alexanderdichtung in Europa erschaffen hatte. Dies in provinçalischer Mundart gedichtete Werk, bediente sich der Form der Chason de Geste (= achtsilbige gleich reimende Laissen). Neben dem Straßburger Alexander existieren zwei weitere auf Lamprechts Urtext zurückgehende Handschriften, einmal der Basler Alexander - bei dem es ebenfalls einen oder zwei Fortsetzer gegeben hat - und zum weiteren der sogenannte Basler Alexander, der dem Original am nächsten stehend vermutet wird.
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Der Alexanderroman Ulrich von Eschenbachs wurde laut Einleitungsverse für den böhmischen König Ottokar II gedichtet und entstand zwischen 1271 und 1286 in Prag, „ einem der bedeutendsten literarischen Zentren das späteren 13. Jahrhunderts, wo Ulrich von Eschenbach als ‚Hofdichter‘ arbeitete.“ 9 Eschenbach benutzte als Quelle fast ausschließlich
die $OH[DQGUHLV des Walter von Châtillon. Dieses lateinische Epos soll ihm in einer
5 Die jeweiligen Dependenzen der Werke mit- und untereinander lassen sich mit der Übersicht in Ehlerts Buch auf der Seite 17 sehr schnell erfassen.
6 Ruh sowie Pfister bieten in ihren Büchern eine kurze und übersichtliche Aufzählung der wichtigsten Alexanderverarbeitungen im Mittelalter.
7 Ehlert äußert die Vermutung, die Veränderungen des Straßburger Alexanders „ nicht nur einem einzigen Bearbeiter S zuzuschreiben sind, sondern daß sie sich zwei nacheinander tätigen Bearbeitern [...] verdanken“ S. 57. Allerdings geht sie dazu über, aufgrund der Ungeklärtheit dieser Tatsache nur von einem Bearbeiter zu sprechen - diesem Beispiel möchte ich folgen.
8 Hierüber gibt es in der Forschung zwei geteilte Meinungen: die einen vertreten die Ansicht Lamprecht habe sein Werk mit dem Tod des Königs Darius als beendet angesehen und daher einen kurzen und knappen Schluss gefunden, die anderen sehen das Werk mit einem vorzeitigen Abruch als unvollendet an.
Arbeit zitieren:
Anja Frentzel, 2001, Die unterschiedlichen Dichterintentionen in drei mittelalterlichen Dichtungen am Beispiel der Gymnosophisten-Episode, München, GRIN Verlag GmbH
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