Inhaltsverzeichnis:
I. Einleitung. 3
II. Hauptteil 4
1. Münsters Biografie 4
2. Münsters Werk - die Cosmographia 5
3. Der Mythos der Menschenfresser 6
4. Der Amerika-Teil der Cosmographia. 11
5. Münsters Quellen 12
5.1. Peter Martyr von Anghiera. 12
5.2. Amerigo Vespucci. 20
III. Fazit. 23
IV. Literaturverzeichnis: 25
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I. Einleitung
Bei der Cosmographia von Sebastian Münster handelt es sich um eine 1544 in Basel erschienene Weltbeschreibung, die von sich selbst behauptete, eine komplette und genaue Darstellung der gesamten Erde und ihrer Geschichte zu sein. Der Titel der deutschen Ausgabe lautete in voller Länge: Cosmographia - Das ist die Beschreibung aller Länder durch Sebastian Münster, in welcher alle Völker, Herrschaften, Städte und namhafte Orte vorkommen, dazu die Sitten, Bräuche, die Rechtsordnung, der Glauben und der Umgang damit in der ganzen Welt und besonders in der Deutschen Nation. Dazu alles, was in jedem Land an Besonderem vorkommt und was darin geschehen ist. Das alles mit Bildern und schönen Landkarten erklärt, und dem Auge dargeboten.
Die erste Ausgabe umfasste 660 Seiten, mit 24 doppelseitigen Karten und fast 500 in den Text integrierten Holzschnitten. Trotz des stolzen Preises von etwa 2 Gulden, der den Jahreslohn einer Magd überstieg, wurde die Cosmographia sofort ein Verkaufserfolg. Bis 1626 wurden insgesamt 70000 Exemplare verkauft - allein die deutsche Fassung durchlief 27 Auflagen, dazu kamen Übersetzungen ins Lateinische, Italienische, Tschechische, Englische, Französische und Polnische. Bis 1650 erschienen nicht weniger als 46 Ausgaben in 7 verschiedenen Sprachen. Neben der Bibel war die Cosmographia das meistgelesene Buch in Deutschland, das eine weit höhere Leserschaft als lediglich die jeweiligen Käufer der einzelnen Exemplare erreichte, da das private Verleihen der Bücher eine gängige Gepflogenheit darstellte, die sich für die Angehörigen unterschiedlicher sozialer Schichten belegen lässt. 1
Ziel dieser Arbeit ist es herauszuarbeiten, was Sebastian Münster zum Thema des Kannibalismus in seiner Cosmographia zu berichten weiß und welche Rolle dieser spielte. Spezielles Augenmerk soll dabei auf den knappen Bericht über Amerika gelegt werden. Von großer Bedeutung sind hier die Quellen, die Münster für seine Beschreibung herangezogen hat. Es gilt also herauszufinden, welche diese waren
1 Wessel, Günther (2004): Von Einem, der daheim blieb, die Welt zu entdecken: die Cosmographia des Sebastian Münster oder wie man sich vor 500 Jahren die Welt vorstellte. Franfurt a. M., S.12; Menninger, Annerose (1995): Die Macht der Augenzeugen: neue Welt und Kannibalen-Mythos, 1492-1600. Stuttgart (Beiträge zur Kolonial- und Überseegeschichte, Bd. 64), S. 44.
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und wie sie zu beurteilen sind. Die Untersuchung dieser Quellen mit der Überprüfung auf ihren Wahrheitsgehalt wird den Großteil dieser Arbeit ausmachen. Letztendlich soll aufgezeigt werden, welches Bild Münster den Europäern von den Bewohnern der Neuen Welt übermittelte und inwiefern er möglicherweise einen antiken Mythos transportierte.
Als Grundlage für diese Arbeit wurden lediglich die ersten Ausgaben der Cosmographia herangezogen, die bis zum Ende des 16. Jahrhunderts erschienen sind. Zwar sind in späteren Auflagen noch Berichte über kannibalische Riten der Bewohner Brasiliens hinzugefügt worden, allerdings nicht mehr durch Sebastian Münster - daher sollen sie auch in dieser Arbeit nicht behandelt werden.
II. Hauptteil
1. Münsters Biografie
Sebastian Münster wurde 1488 in Ingelheim als Sohn eines Winzers geboren. Im Gegensatz zu den meisten seiner damaligen Altersgenossen erhielt er Schulunterricht. Er lernte Latein, die Sprache der gebildeten Stände - am Ende des 15. Jh. gab es weitaus mehr lateinische Literatur als volkssprachliche. 2 Münsters Eltern bereiteten ihn somit auf ein Studium vor, denn auch an den Universitäten wurde nur auf Latein unterrichtet. Zu diesem Zweck verließ Münster dann siebzehnjährig seine Heimatstadt. Er studierte Mathematik, Geographie, Hebräisch, Astronomie und Kosmographie in Heidelberg, Brüssel und Freiburg. 1507 trat er dem Franziskanerorden bei und lebte ab dem Zeitpunkt im Kloster, was ihm die Gelegenheit für ein intensives Studieren bot, ohne sich Sorgen um seinen Broterwerb machen zu müssen. 3
Im Jahre 1514 übernahm Münster in Tübingen seine erste Lehrerstelle für Theologie und Philosophie. 1520 erschien sein erstes selbst verfasstes Werk, eine kurze hebräische Grammatik, mit der er sich als Hebraist etablierte. 4 1524 ernannte ihn dann Kurfürst Ludwig V. zum Professor für Hebräisch. Im selben Jahr begann Münster mit den ersten Vorarbeiten zu dem Werk, das ihn später berühmt machen
2 Wessel 2004: 27f.
3 Wessel 2004: 68f.
4 Wessel 2004: 120
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sollte: der Cosmographia. Im Alter von 40 Jahren zog Münster 1529 nach Basel, um dort die ihm angebotene Professur für Hebräisch an der Universität anzutreten. Bis zu seinem Tod, der ihn während einer Pestseuche 1552 ereilte, verließ er die Stadt nur noch für kürzere Reisen. Seine Tätigkeit als Universitätsprofessor, die nur wenige Wochenstunden umfasste, bot ihm viel Freiraum, sich auch seinen anderen Interessen zu widmen. Er arbeitete als Publizist und Verleger, zeichnete Karten, schrieb über Sonnenuhren, deutsche Regionen und Geographie. Münster verbrachte viel Zeit in der Studierstube und sammelte und las, was er an Berichten über die Welt finden konnte. Fasziniert von den neuen fremden Ländern und den Abenteuern der frühen Entdecker, lernte Münster die Welt durch die Bücher anderer kennen. Er las antike und mittelalterliche Reiseberichte, studierte die Berichte der römischen Geographen über Afrika, des Marco Polo über Asien, des Kolumbus und Vespucci über die Neue Welt. 5
2. Münsters Werk - die Cosmographia
Nach mehr als 20 Jahren intensiver Recherche erschien im Herbst 1544 das Lebenswerk des Sebastian Münster: die Cosmographia. Ihr Markenzeichen ist der Bilderreichtum - der Text ist durchsetzt mit einer Fülle von Holzschnitten, die Städte, Bauwerke, Tiere, Pflanzen, Menschen oder kuriose Fabelwesen und Missgeburten zeigen. Münster ließ sein Werk auf Deutsch verlegen, um das Wissen von der Welt einer breiten Leserschaft zugänglich zu machen - aus diesem Buch erfuhr der Leser erstmals über die Wunderwelt außerhalb seines Dorfes oder seiner Stadt. Die Cosmographia sollte nicht nur der kurzweiligen Unterhaltung, sondern auch als Nachschlagewerk, Weltbeschreibung und geschichtliches Lesebuch dem niederen Volk wie den Gebildeten dienen. Münster selbst ist nicht weit herumgekommen, alles was er in der Cosmographia über die Welt zu berichten weiß, hat er in vielen Jahren mühevoll aus Berichten und Büchern zusammen getragen. Auch nach dem Tod des Verfassers im Jahre 1552 wurde die Cosmographia ständig durch die Verlagsredaktion aktualisiert und erweitert, so dass die letzte deutsche Ausgabe von 1650 einen Umfang von 1600 Seiten umfasste. 6
5 Wessel 2004: 16f.; 201
6 Menninger 1995: 59-60
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Münster gliederte die erste Ausgabe der Cosmographia in sechs Bücher. Das erste Buch behandelt die physische Geographie der Erde, die er in drei Erdteile gliederte: Europa, Asien und Afrika - vom vierten Erdteil Amerika ist hier noch nirgendwo die Rede. Dazu beschrieb er die Tier- und Pflanzenwelt und fügte ein Extrakapitel über Meeresgeschöpfe und -ungeheuer hinzu, denn alle Entdeckerberichte erwähnen seltsame Meereskreaturen.
Das zweite Buch handelt von Europa und der geographischen Beschreibung der einzelnen Länder, deren Geschichte und Gebräuche. Das dritte Buch widmet sich Deutschland und allem, was Münster zu dessen Geschichte und Geographie in Büchern finden konnte. Ein Großteil dieses Buches nimmt die Beschreibung deutscher Städte und Landschaften ein, wobei der süddeutsche Raum wesentlich ausführlicher und genauer beschrieben wird als der Rest des Landes, was in Hinblick auf Münsters Herkunft wenig erstaunlich ist. Das vierte Buch behandelt die Länder Ost- und Nordeuropas mit Skandinavien, Russland und den Staaten des Balkans.
Im fünften Buch, in dem auch der Amerikateil enthalten ist, schrieb Münster seine Kenntnisse über Asien nieder, die weitestgehend auf antiken Reiseberichten beruhen. Und auch seine Darstellung Amerikas ist wenig aktuell, da er die Entdeckung und Eroberung Mexikos und Perus nicht erwähnt, obwohl sie ihm bekannt sein mussten. Diese Informationen wurden der Cosmographia erst in späteren Auflagen hinzugefügt.
Das letzte Buch, das Sechste, widmet sich Afrika. Auch dieses bezieht sich weitgehend auf Reiseberichte der Antike und kaum auf die Erkenntnisse der neuen Entdeckungsfahrten. Sie wurden erst in späteren Editionen ergänzt. 7
3. Der Mythos der Menschenfresser
Münster konzentriert sich bei der Beschreibung der Landessitten in der Cosmographia auf das Außergewöhnliche und Spektakuläre, insbesondere den Kannibalismus. Menschenfresser gibt es bei Münster auf allen Kontinenten außerhalb Europas. Sie sind der Schrecken der Reisenden und stehen für das Barbarische schlechthin, für das Unzivilisierte und Unchristliche. Wie bereits erwähnt, bezieht sich Münster bei der Beschreibung der fernen Kontinente vor allem auf antike
7 Wessel 2004: 268-274
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und mittelalterliche Schriften - und diese wissen schon früh über den Menschenfresser-Mythos zu berichten.
So werden in der griechischen Mythologie und Literatur vielfältige anthropophage Handlungen erwähnt, die verschiedene Ursachen und Motive aufweisen, wie z.B.: Hass- und Rachegefühle, Vernichtung des Gegners, der Wunsch nach Einverleibung begehrter Eigenschaften und Fähigkeiten, Gier, Gewohnheit, als Teil von Opferritualen oder zur Abwendung von Unheil. 8
Menschenfresser wurden in der mythischen Vorstellungswelt mit der dunklen Seite der Welt assoziiert, die den Gegenpart zum paradiesischen Dasein bildete. Die ersten Menschen beschrieb der Tragiker Moschion im 3. Jahrhundert v. Chr. als Anthropophagen, bei denen das roheste Faustrecht geherrscht und die ein tiernahes Leben in Höhlen und Schluchten geführt hätten. 9
In anderen antiken Quellen, wie z.B. in den Historien des Herodot (ca. 484 - 424 v.Chr.) werden Völker erwähnt, die weit entfernt lebten und Menschenfleisch verzehrten. Diese Sitte schrieb Herodot beispielsweise den Skythen zu, deren Siedlungsgebiet man nördlich des Schwarzen Meeres lokalisierte und das somit am Rand der damals bekannten Welt lag. Bei Herodot lassen sich die verschiedenen Stufen der „Wildheit“ bis hin zu Monsterwesen, an deren Existenz er zwar nicht glaubte, sie aber trotzdem erwähnte, gut verfolgen. In der Darstellung des damaligen Weltbildes standen die Griechen und vergleichbare Völker im Zentrum. Kreisförmig um diese gruppierten sich immer primitivere und weniger zivilisierte Volksstämme, über die die Informationen immer spärlicher und unsicherer wurden, die aber auch umso weniger hinterfragt und in Zweifel gezogen wurden. 10 Im Alten Testament begegnet uns die Menschenfresserei als grausame Strafandrohung Gottes gegen jene, die sich von ihm abwenden und seine Gebote nicht beachten. Zur Strafe würden jene in ihrer Angst und Not gezwungen sein, ihre eigenen Kinder und Neugeborenen samt Nachgeburt zu essen (3.Mose 26, 27ff. und 5.Mose 28, 53ff.). 11
8 Peter-Röcher, Heidi (1998): Mythos Menschenfresser: ein Blick in die Kochtöpfe der Kannibalen. München, S. 62.
9 Peter-Röcher 1998: 59
10 Peter-Röcher 1998: 68; 72
11 Peter-Röcher 1998: 62f.
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Arbeit zitieren:
Ulrike Caspari, 2005, Das Kannibalenthema in Sebastian Münsters Cosmographia, München, GRIN Verlag GmbH
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Luthers Bedeutung für die Entwicklung der neuhochdeutschen Schriftspra...
Hausarbeit, 19 Seiten
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