Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Pränatale Wahrnehmungsfähigkeiten 4
3. Musikalische Wahrnehmungsfähigkeiten im ersten Lebensjahr 6
4. Musikalische Wahrnehmung bis zum zehnten Lebensjahr 11
5. Entwicklung rhythmischer Fähigkeiten 13
6. Entwicklung des Verständnisses für Harmonik und Tonalität 15
7. Entwicklung begrifflicher Konzepte 17
8. Entwicklung des musikalischen Erlebens und des Ausdrucksverständnis 19
9. Fazit 21
10. Quellenangaben 23
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1. Einleitung
In dieser Hausarbeit möchte ich mich mit der Entwicklung der musikalischen Wahrnehmungsfähigkeiten in den ersten 10 Lebensjahren beschäftigen. Ich werde zunächst den Verlauf allgemeiner musikalischer Wahrnehmungsfähigkeiten von der pränatalen über die im ersten Lebensjahr bis zur Wahrnehmung im zehnten Lebensjahr nachzeichnen. Daraufhin möchte ich die Entwicklung von bestimmten Parametern bzw. Aspekten der musikalischen Wahrnehmungsfähigkeit beschreiben und zwar die Rhythmik, die Harmonik, das Ausdrucksverständnis sowie die Versprachlichung von musikalischer Wahrnehmung.
Dadurch hoffe ich mir eine bessere Kenntnis, was man von Kindern in welchem Alter fordern und fördern kann und ob es Inhalte gibt, die man in einem bestimmten Alter eben noch nicht zu fordern zu versuchen sollte, weil die dafür notwendigen akustischen Wahrnehmungs- und Unterscheidungsfähigkeiten noch nicht vorhanden sein können. Des Weiteren erhoffe ich mir zu erkennen, welches Verständnis von Musik Kinder haben, wenn sie Musik hören bzw. erleben, also ob ihre Hörfähigkeiten nur bestimmte Arten des Musikerlebens zulassen.
Ein weiteres wünschenswertes Ergebnis wäre, zu sehen, inwiefern die Bewertung von Wahrnehmungsfähigkeiten davon abhängig ist, dass festgelegt wird, was wahrgenommen werden soll - also dass kulturabhängig bestimmt wird, welche Wahrnehmungseigenschaften als wünschenswert gelten und daher untersucht werden. Auf dieses grundsätzliche Problem bei der Untersuchung von Wahrnehmungsfähigkeiten weisen bereits K.-E. Behne, E. Kötter und R. Meißner hin: „Damit stellt sich das Problem, dass derartige Tests nur solange sinnvoll sind, wie die Ziele, deren Erreichung sie prüfen, auch bildungspolitisch als erstrebenswert angesehen werden.“ 1
1 , K.E., Kötter, E. & Meißner, R. „Begabung - Lernen - Entwicklung“ in: Dahlhaus, C. & Motte-Haber, H. de la (Hg.) „Neues Handbuch der Musikwissenschaft“ Bd.10: Systematische Musikwissenschaft, Wiesbaden, 1982, S.274.
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Des Weiteren wäre es interessant zu erkennen, in welchem Maß Wahrnehmungsfähigkeiten davon abhängig sind, ob Kinder selbst musizieren oder nicht. Damit stellt sich eine essentielle Frage der Musikpädagogik, ob bestimmte Wahrnehmungsleistungen durch aktives Musizieren erlernt werden müssen oder ob diese Fähigkeit auch allein durch Musik rezipieren und darüber sprechen erlernt werden kann.
Inhaltlich werde ich mich im Wesentlichen auf das Kapitel 14 „Wahrnehmungsfähigkeit und musikalisches Lernen“ aus „Grundlagen musikalischer Begabung und Entwicklung“ von Heiner Gembris stützen.
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2. Pränatale Wahrnehmungsfähigkeiten
Die Nervenzellen des Innenohres eines Menschen werden im 5. bis 6. Monat der Schwangerschaft gebildet, aber erst ab dem 7. Monat können extrautinere akustische Reize wahrgenommen werden. Allerdings werden die Stimmen im Uterus durch die Umgebung so verändert, dass männliche und weibliche Stimmen nicht unterschieden werden können. 2
Neueren Studien zufolge gelingt diese Unterscheidung doch (z.B. Papoušek 1996) Jedoch ist die Mutterstimme für das Baby nach der Geburt sofort wiedererkennbar, wobei unklar ist, ob dies aufgrund der pränatalen Erfahrungen oder aufgrund von genetischen Prädispositionen geschieht. So könnte es auch sein, dass das Kind aus genetischen Gründen eine Präferenz für die hohe weibliche Stimme hat bzw. eine angeborene Prädisposition zur Wahrnehmung und Bearbeitung rhythmisch-metrischer Konturen der mütterlichen Stimme besitzt 3 .
Auch andere Wiedererkennungseffekte von akustischen Reizen nach der Geburt sind feststellbar. So zeigten diverse Untersuchungen, dass Babys Melodien, die sie vor ihrer Geburt gehört haben, wieder erkennen können 4 . Von daher kann man offensichtlich Kinder schon vor der Geburt an bestimmte Musik gewöhnen, was auch eine spätere Präferenz für diese Musik vermuten lässt.
Es ist jedoch unklar, ob die Babys direkt oder indirekt auf vor der Geburt vorgespielte Musik reagieren, denn auch auf die Musik, die der Mutter nur über Kopfhörer vorgespielt wurde, reagierten die Babys, v.a. wenn es sich um Lieblingsstücke der Mutter handelte 5 . Das deutet also daraufhin, dass das Baby im Mutterleib vor allem die Reaktionen der Mutter auf die Musik wahrgenommen hat.
Dies ändert jedoch nichts daran, dass das Musikhören der Mutter für das ungeborene Kind förderlich ist.
2 Vgl. Fassbender, 1993, S.269.
3 Vgl. Papoušek, „Vom ersten Schrei zum ersten Wort. Anfänge der Sprachentwicklung in der vorsprachlichen Kommunikation“, Bern, 1994. Zitiert nach Gembris, 2002, S. 267.
4 Vgl. Feijoo, J. “Le foetus Pierre et le Loup…ou une approche originale de l’audition prenatale humaine” in: HerbinetE. & Busnel, M.C. (Hrsg.) “L’aube des Sens”. Paris:Stock. Zitiert nach: Fassbender, 1993, S. 271f.
5 Vgl. Zimmer, E.Z. et al. „Maternal exposure to music and fetal activity” in: European Journal of Obstetrics and Gynecology and Reproductive Biology, o.O., 1982. Zitiert nach Gembris, 2002, S. 268.
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Des weiteren ist ein deutlich positiver Effekt von Musik auf zu früh geborene Baby festzustellen. Wenn diese zwei Mal täglich 30 Minuten Wiegen- und Kinderlieder zu hören bekamen, zeigte sich eine höhere Nahrungsaufnahme, schnellere Gewichtszunahme, weniger Stressverhalten, höhere und stabilere Sauerstoffsättigung und auch Atmung und Herzschlag wurden stabiler. Negative Auswirkungen der Musik konnten dagegen nicht festgestellt werden, vorausgesetzt die Musik wurde vorsichtig dosiert vorgespielt. 6
Vor allem aus letzterem Befund geht deutlich hervor, dass es tatsächlich sehr sinnvoll ist, Kinder so früh, wie es geht, schon mit Musik in Kontakt zu bringen, da eine Beeinflussbarkeit deutlich gegeben ist.
6 Vgl. Caine, J. „The effects of music on the selected stress behaviours, weight, caloric and formula intake, and length of hospital stay of premature and low birth weight neonates in a newborn intensive care unit” in: Journal of Music Therapy vol. 28, no. 4, o.O., 1991. Zitiert nach Gembris, 2002, S. 268.
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Arbeit zitieren:
Lorenz Lassek, 2007, Musikalische Wahrnehmungsfähigkeit in den ersten zehn Lebensjahren, München, GRIN Verlag GmbH
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