Wahrnehmung und ihre Bedeutung für Verhalten
Wintersemester 2001/2002
Syzane BERISHA
Psychologie, Universität Klagenfurt
INHALTSVERZEICHNIS
EMPFINDUNGEN UND WAHRNEHMUNGEN
1. DIE ENTSTEHUNG VON EMPFINDUNGEN UND WAHRNEHMUNGEN
1.1. Das subjektive Bild der Außenwelt
2. REIZ UND ERLEBEN
2. 1. Die Reizschwelle
2. 2. Die Unterschiedsschwelle
2. 3. Das Adaptionsniveau
2. 4. Sensorische Deprivation (Reizentzug)
3. DIE ENTSTEHUNG KOMPLEXER WAHRNEHMUNGSBILDER
4. DIE GESTALT
5. PRAXIS DER WAHRNEHMUNGSPSYCHOLOGIE
6. WAHRNEHMUNGSEINSTELLUNGEN
6. 1. Der Rosenthal-Effekt
7. DIE BEEINFLUSSUNG DES EINZELNEN DURCH DAS KOLLEKTIV
7.1. Angleichung der Leistung in der Gruppe
7.2. Angleichung von Urteilen und Konvergenz der Meinung
7.3. Abhängigkeit der individuellen Urteilsbildung vom Wissen um die Meinung anderer
7.4. Beeinflussung der Minorität durch die Majorität in Wahrnehmung, Urteil und Verhalten
8. DAS NERVENSYSTEM
9. DIE SINNESORGANE
I. EMPFINDUNGEN UND WAHRNEHMUNGEN
1. Die Entstehung von Empfindungen und Wahrnehmungen
1.1. Das subjektive Bild der Außenwelt
Der Trieb zur Erhaltung des Lebens ist dem Menschen und dem Tier eingepflanzt. Triebbefriedigung und Erhaltung des Lebens sind nur möglich, wenn sich die Lebewesen mit der Außenwelt in Verbindung setzen können. Zu diesem Zweck ist jedes Lebewesen mit Apparaten, Organen ausgestattet, die es befähigen, die Außenwelt wahrzunehmen. Die Sinnesorgane, AUGE, OHR, NASE, ZUNGE, HAUT, verschaffen uns die notwendigen Informationen darüber, was in unserer Umwelt vor sich geht und in welchem Verhältnis wir jeweils zu ihr stehen. Die zu den Sinnesorganen oder Rezeptoren gehörenden nervösen Systeme leiten diese Informationen weiter ins Zentralnervensystem und verarbeiten sie z.B. zu motorischen Befehlen, so dass der Bewegungsapparat auf die Wahrnehmung der Außenwelt entsprechend reagiert. Die im Gedächtnis gespeicherte Erfahrung bringt das, was wir empfinden, in einem geordneten und verstehbaren Zusammenhang.
Die Sinnesorgane, deren wir uns zur Außenwelt bedienen, gleichen in ihrem Bau und ihrer Funktion Instrumenten, die physikalischen Prinzipien gehorchen. Aber die Wahrnehmung selbst entsteht nicht in den Sinnesorganen und den äußeren aufnehmenden Apparaten, sondern im Gehirn. Die Weiterleitung der nervösen Erregung von dem Augenblick an, in welchem ein physikalischer oder chemischer Reiz von außen ein Sinnesorgan trifft, bis zur Verarbeitung im Gehirn und bis zur Reaktion, ist ein biologischer (physiologischer) Vorgang. Die biologischen Funktionen bauen auf physikalischen Vorgängen und chemischen Reaktionen auf, sind aber aus diesen bisher nicht erschöpfend erklärbar. Das Besondere der lebendigen Substanz lässt sich nicht zur Gänze gesetzmäßig erfassen; als Ergebnis des physiologischen Vorgangs im Zentralnervensystem tritt etwas qualitativ anderes als physikalische oder chemische Vorgänge auf, nämlich die bewusste Empfindung und Wahrnehmung. Die Außenwelt, die wir wahrnehmen, die wir "kennen", gibt es nur in unserem subjektiven Erleben. Die objektive Außenwelt der Physik besteht aus Atomen, Strahlungen und Energien. Sie hat weder Farbe noch Gestalt, weder Wärme noch Kälte.
Die Qualitäten entstehen und bestehen erst in unserer Empfindung und Wahrnehmung.
Wir sehen nicht die Moleküle, aus denen sich Gräser zusammensetzen, sondern wir sehen eine Wiese und nehmen sie als grün wahr. Wir empfinden die Strahlen der Sonne als Wärme, ihr Fehlen als Kälte. Den Lichtstrahl selbst können wir nicht sehen, erst wenn er als Reiz unsere Augen trifft, entstehen in ihnen nervöse Erregungsprozesse, welche in das Gehirn (bis zur Hirnrinde) weitergeleitet werden und es entsteht - auf eine uns unbekannte Weise - die Sinnesempfindung "hell" und wir nehmen eine Lichtquelle wahr. Die in den Sinnesorganen entstehenden Erregungen werden jedoch nicht einfach bis zur Hirnrinde weitergeleitet, sondern es werden die Reize innerhalb des sensorischen Systems in sehr komplizierter Weise verarbeitet, bevor es zum subjektiven Erleben kommt.
Die Beziehung zwischen objektiver und subjektiver Welt kann also folgendermaßen dargestellt werden:
[...]
Arbeit zitieren:
Syzane Berisha, 2002, Wahrnehmung und ihre Bedeutung für Verhalten, München, GRIN Verlag GmbH
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