Inhalt
1 Einleitung 3
2.1 Was ist Romanisierung? 3
2.2 Wege der Romanisierung 4
2 Die Wichtigkeit von Städten in den Provinzen 6
3 Aufbau und Organisation des Städtewesens 9
3.1 Städtegründungen. 9
3.2 Verschiedene Typen von Städten. 10
3.3 Finanzierung und innere Organisation 13
3.4 Bauten und Lebensstil in den Städten 15
5 Die Städtepolitik der verschiedenen Kaiser 16
6 Ausblick 18
7 Schluss. 19
Bibliographie. 20
Quellen 20
Sekund ärliteratur 20
2
1 Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit versucht den komplexen Prozess der Romanisierung der Provinzen durch deren Urbanisierung in den ersten zwei nachchristlichen Jahrhunderten darzustellen. Es soll untersucht werden, welche Gründe die Römer dazu veranlasst haben, auf Städte als wichtigstes Mittel der Provinzorganisation zurückzugreifen und wie dieses konkret aussah. Dabei werden die verschiedenen Typen der antiken Stadt dargestellt, ebenso ihre Verwaltung und Finanzierung. Die Arbeit ist auf Fachliteratur zum Thema und auf diverse Aussagen antiker Autoren aufgebaut.
2.1 Was ist Romanisierung?
Unter Romanisierung versteht man die Übernahme römischer Zivilisationsformen wie des Lebensstils, der Sprache, der Literatur, der Moral und der Religion in eine andere Kultur. Der ab dem späten 19. Jh. gebräuchliche und seit dem umstrittene Begriff wird als Konzept gebraucht, um den ökonomischen, geistigen, kulturellen und politischen Wandel in den Provinzen zu erklären. Die Diskussion dreht sich um Antriebskräfte und Folgen der Romanisierung ebenso wie um ihre Wege und Träger. Ein weiterer Punkt in der Kontroverse ist, ob Romanisierung „von oben“ nach einem systematischen Konzept betrieben wurde oder ob sie mehr „von unten“ her stattfand. 1
Im Zuge der Romanisierung einer Gesellschaft kommt es zu Veränderungen auf beiden Seiten, wobei das „Endprodukt“ wesentlich vom Zustand der nichtrömischen Kultur abhängt. Dies wird besonders deutlich, wenn man das Ausmaß der Romanisierung im Westen und Osten des Reiches miteinander vergleicht. Im Osten stießen die Römer auf die sehr ausgeprägte griechisch-hellenistische Kultur, von der sie selbst schon beeinflusst worden waren und deren Oberhoheit sie auch während ihrer Herrschaft prinzipiell anerkannten. Im Westen dagegen trafen sie auf Länder, die ihrer Kultur nicht denselben mehrhundertjährigen Hintergrund entgegen zusetzten vermochten. Daher war es hier für Rom einfacher, eine eigene, dominante Richtung vorzugeben. 2
Die Rechtfertigung ihrer vielfältigen Annexionen leiteten die Römer zum einen daher ab, dass sie sich von den umliegenden Ländern bedroht fühlten (der gerechte Krieg), aber auch,
1 Woolf 122.
2 Heimberg 20.
3
dass sie es waren, die den barbarischen Völkern Kultur, Lebensstandart und Frieden bringen konnten. 3 Barbaren wurden also nicht als „unheilbar krank“, sondern als „romanisierbar“ betrachtet. So war jeder aus den Provinzen eingeladen, das Imperium mitzugestalten, vorrausgesetzt, er erkannte die römischen Normen an und verhielt sich loyal gegenüber den gesetzten Autoritäten. 4
Wenn man sich mit der Romanisierung der Provinzen auseinandersetzt, wird schnell ein Quellenproblem deutlich: Wir haben kaum schriftliche Zeugnisse darüber, was untere oder mittlere Schichten über Vorzüge und Nachteile römischer Herrschaft gedacht haben. 5 So muss Romanisierung gemessen werden an archäologischen Quellen wie Alltagsgegenständen, Architektur der Häuser, Städte und Strassen, sowie an epigraphischen Funden wie beispielsweise die Ausbreitung römischer Namen auf Grabsteinen in den Provinzen. Dass es eine Romanisierung der Gesellschaft in umfassendem Maße gegeben haben muss, ist ohne Zweifel, denn anders ist es nicht möglich zu erklären, warum die „Unterdrückten“ viele Aufstandsmöglichkeiten gegen das Reich ungenutzt ließen (z.B. 68/69). Dies ist nur vorstellbar, wenn man annimmt, dass das Imperium von seinen Einwohnern mehrheitlich bejaht wurde. Sicherlich war die erste Unterwerfung der Gebiete gewaltsam geschehen, aber auf der anderen Seite kann das riesige Reich auch nicht durch die Jahrhunderte hindurch allein durch Mittel der Gewalt gehalten worden sein. 6 Die Romanisierung der befriedeten Gebiete brach nie ab und war auch nach dem Untergang der Antike nicht beendet. Im gewissen Sinn lebt sie bis heute fort, da wir immer noch von den römischen Moral- und Rechtsvorstellungen und den Folgen der verschiedenen Renaissancen der Antike geprägt werden. Im Grunde genommen sind wir bis heute antike Menschen geblieben.
2.2 Wege der Romanisierung
Es ist offensichtlich, dass einige Faktoren die Romanisierung des Reiches entscheidend erleichterten. Bevor ich auf den meiner Meinung nach wichtigsten Faktor, nämlich die Urbanisierung eingehe, möchte ich einige andere Strukturen, die dazu ebenfalls wichtig waren, darstellen.
3 Heimberg 19.
4 Heimberg 20.
5 Malitz 7-8.
6 Malitz 2.
4
Hier wäre als erstes die hohe Integrationsfähigkeit der römischen Gesellschaft zu nennen. Sklaven konnten Freiheit und Bürgerecht erlangen, Bürger konnten als homo novis in den Senat aufsteigen, Plebejer konnten zu Patriziern erhoben werden. Diese Regelungen, wenn sie auch eher Ausnahmen darstellten, zeugen von einer prinzipiellen Dynamik innerhalb der Gesellschaft, die auch für die Menschen aus den Provinzen attraktiv gewesen sein muss. 7
Ein weiterer, sicher auch sehr ausschlaggebender Faktor ist die polytheistische Religion, die im Reich als Staatsreligion herrschte. Rom hat sich religiös nie eingekapselt und auch keinen religiösen Fanatismus entwickelt, so dass für die Verehrung lokaler Gottheiten im Reich genügend Platz blieb. Auf der anderen Seite hatte die römische Religion als Staatsreligion auch einen sehr verbindenden Charakter, weil sie in viele alltägliche Handlungen und in fast alle gesellschaftlichen Veranstaltungen miteingeflochten war. Probleme gab es nur, wenn sie auf „monotheistische Intoleranz“ stieß, wie das bei Juden und Christen der Fall war. Ansonsten war die römische Gottesvorstellung ein guter Oberbegriff; einerseits zwar offen genug, eine Fülle von anderen Kulten und Religionen aufzunehmen, aber dennoch fähig, dem ganzen Reich eine verbindende religiöse Prägung zu verleihen. Bei den praktischen Vorgängen innerhalb des Reiches war die lateinische Sprache von großer Wichtigkeit und ihre Verbreitung machte Romanisierung erst möglich. Latein war die Sprache der Weltmacht; niemand konnte Senator werden oder sonst einen hohen Posten bekleiden, wenn sie nicht beherrschte. Damit ist nicht gesagt, dass die Sprachen der unterworfenen Völker sofort verschwanden; viele von ihnen haben sich noch lange gehalten. Das Imperium Romanum ist im wesentlichen vielsprachig geblieben, auch wenn die Sprache in Verwaltung und Militär durchweg das Lateinische gewesen ist. Aber ohne Latein als bindendes Element des großen Reiches ist die Verbreitung der römischen Kultur nicht denkbar. 8
Dazu parallel ist die Bemühung der Römer zu werten, im ganzen Imperium für Bildung zu sorgen. Die Grundschulausbildung wurde reichsweit gefördert und darüber hinaus ließen viele Bürger ihre Kinder weiter durch private Erzieher, v.a. Griechen, unterrichten. Es gehörte zum guten Image größerer Städte, eine Bibliothek zu besitzen und so der Allgemeinheit und vor allem der Jugend Zugang zu römischem und griechischem Gedankengut zu ermöglichen. Dies hat die Romanisierung sicherlich in großem Maß vorangetrieben, vor allem, weil es auf
7 Gescha 162.
8 Malitz 7.
5
philosophischem Gebiet kaum etwas gab, das dem griechisch-römischem Gedankengut entgegenzusetzen gewesen wäre. 9
Als weitre Strukturen, die die Romanisierung förderten, wären neben wirtschaftlichen Gründen noch die Auswirkungen der militärischen Dienstzeit in den Auxililareinheiten für die jungen Männer, also die wichtigsten Identitätsträger der unterworfenen Völker, zu nennen. 10
Ich will nun zum Thema der Urbanisierung der Provinzen kommen, die sicherlich zu den wichtigsten Instrumenten der Romanisierung gehörte. Hier soll zunächst dargestellt werden, warum die Römer überhaupt so großen Wert auf ein funktionierendes Städtewesen in ihren Provinzen legten.
2 Die Wichtigkeit von Städten in den Provinzen
Unter einer Stadt (lat. civitas, griech. polis) verstanden die Römer eine territoriale Körperschaft innerhalb der Grenzen eines festgelegten Gebietes, die aus einem Zentralort, in dem sich das politische und administrative Geschehen konzentrierte, und dem umliegenden Land mit seinen Dörfern (vici) bestand. Ein rechtlicher Unterschied zwischen Zentralort und Umland existierte dabei nicht. 11 Das Wort civitas ist setzte sich als Oberbegriff für die verschiedenen Arten von Städten durch und ist auch die Grundlage für die Vokabel Stadt in vielen modernen Sprachen geworden. 12
Die Städte bildeten das eigentliche Rückrad der Reichsverwaltung, sie fungierten als Verwaltungszentren und stellten die Brücke zwischen Kaiser und Senat einerseits und den Einwohnern der Provinzen andererseits dar. Sie waren Zentren des Kaiserkults, der Steuererhebung, der Gerichtsbarkeit und der Rechtssprechung und ermöglichten ihren Einwohnern auch in den entlegensten Winkeln des Reiches eine mediterrane Lebensweise. 13 Im Lauf der Romanisierung des Westens wurde der ganze Bereich der bisher relativ lose zusammenlebenden Stämme in entsprechende civitates mit dazugehörigen Territorien unterteilt; in der frühen Kaiserzeit gab es wohl ungefähr 1 000 - 2 000 solcher Städte im Reich. Jedoch war die Urbanisierung der verschiedenen Reichsgebiete unterschiedlich weit fortgeschritten; in Kleinasien gab es zum Beispiel etwa 500 Städte, in Italien 250, in der
9 Gescha 204.
10 Dahlheim 489.
11 Ausbüttel 39.
12 Ciudad in Spanisch, città in Italienisch, cité in Französisch und city in Englisch.
13 Gescha 177.
6
Arbeit zitieren:
Elisabeth Weise, 2004, Romanisierung durch Urbanisierung, München, GRIN Verlag GmbH
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