Inhaltsverzeichnis:
Inhaltsverzeichnis: 2
1. Einleitung 3
2. Chancen und Risiken des Tourismus in ländlichen Räumen der Entwicklungsländer 4
2.1 Merkmale und Besonderheiten des Entwicklungsländertourismus 4
2.2 Fallbeispiel Ägypten 9
2.3 Fallbeispiel Thailand 16
3. Ausblick 23
4. Literaturverzeichnis 25
Internetquellen: 27
Abbildungsverzeichnis: 27
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1. Einleitung
Der internationale Tourismus gehört seit gut 40 Jahren zu den Sektoren der Weltwirtschaft, welche die größten Wachstumsraten zu verzeichnen haben. Den Hauptanteil an dieser Entwicklung haben Reisen zwischen entwickelten Ländern, aber auch der Tourismus in Entwicklungsländern hat im Zeitalter der Globalisierung deutlich an Stellenwert gewonnen. So wurden „[a]n der Wende zum Dritten Jahrtausend [...] weltweit etwa ein Drittel aller internationalen Touristenankünfte in Entwicklungsländern registriert“ 1 .
Ausschlaggebend für die Entwicklung des Tourismus in weniger entwickelte Ländern war u.a. der Ausbau des interkontinentalen Flugverkehrs zu Beginn der 60er Jahre. Das in den wohlhabenden Industrienationen gestiegene Interesse an „exotischen“ Destinationen konnte hierdurch leichter befriedigt werden, da nun auch „Langstreckenziele mit über 12 Stunden Flugdauer vermehrt und in organisierter Form besucht“ 2 werden konnten. Bis heute wächst die Zahl der Reisen in Entwicklungsländer stetig und immer mehr Länder versuchen an diesem „Boom“ teilzuhaben. Im Vordergrund der Erwartungen steht dabei der wirtschaftliche Nutzen, den sich die wenig entwickelten Länder von der Öffnung für den Tourismus versprechen. Letztlich erhoffen sie sich vom Fremdenverkehr die Überwindung ihrer „Unterentwicklung“ (im Vergleich zu den Lebensstandards der Industrienationen). In den „Entwicklungsplänen“ der meisten Staaten finden sich somit auch „vorrangig wirtschaftliche Ziele: [Die] Schaffung von Einkommen und Beschäftigung, [die] Erhöhung der Deviseneinnahmen sowie [...] [die] Milderung räumlicher und sozialer Disparitäten“ 3 . Es gilt jedoch keineswegs als gesichert, dass die Erwartungen auch erfüllt werden müssen. Oft bleiben die positiven ökonomischen Effekte aus oder es ergeben sich gar negative. Ebenso werden von vielen Wissenschaftlern zahlreiche (sowohl positive als auch negative) soziokulturelle und ökologische Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern genannt, so dass sich seit den 70er Jahren eine kontroverse Debatte um die Chancen und Risiken von Entwicklungsländertourismus ergeben hat. Kann der Fremdenverkehr in wenig entwickelten Ländern als Allheilmittel oder als Lückenbüßer angesehen werden? Ist er „Vehikel der Entwicklung oder Weg in die Unterentwicklung?“ 4 Im Folgenden sollen zunächst Merkmale und Besonderheiten des Tourismus in Entwicklungsländern aufgezeigt werden, bevor die Hauptleitlinien der Diskussion um Vor- 1 Job,H. u. S. Weizenegger (2003): Tourismus in Entwicklungsländern. In: Becker, C., H. Hopfinger u. A. Steinecke (Hrsg.) (2003): Geographie der Freizeit und des Tourismus. München u. Wien, 2003. S. 629. 2 Job u. Weizenegger (2003). S. 632.
3 Vorlaufer, K. (2003): Tourismus in Entwicklungsländern. Bedeutung, Auswirkungen, Tendenzen. In: Geographische Rundschau 55, H. 3, S. 5.
4 Vorlaufer, K. (1990): Dritte-Welt-Tourismus - Vehikel der Entwicklung oder Weg in die Unterentwicklung?. In: Geographische Rundschau 42, H. 1, S. 4.
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und Nachteile kurz skizziert werden. In einem weiteren Schritt sollen -weniger allgemein-anhand von zwei Beispielländern die Chancen und Probleme des Tourismus in Ägypten und in Thailand näher beleuchtet werden.
2. Chancen und Risiken des Tourismus in ländlichen Räumen der
Entwicklungsländer
2.1 Merkmale und Besonderheiten des Entwicklungsländertourismus
Wenn man vom „Tourismus in Entwicklungsländern“ spricht, hört sich dieses zunächst nach einem klar definierten Betrachtungsgegenstand an. Jeder weiß mehr oder weniger wovon die Rede ist. Doch bei genauerer Beschäftigung ergeben sich Probleme, die daraus resultieren, dass die „Begriffe "Entwicklung" und "Entwicklungsländer" [...] unbestimmt [sind] und nicht allgemein gültig definierbar“ 5 . Die Frage, welche Länder nun als Entwicklungsländer gelten, kann nicht so leicht beantwortet werden. So stellen auch Job und Weizenegger fest, dass es „weder eine einheitliche Definition noch eine international verbindliche Liste von Entwicklungsländern“ 6 gibt. Einigkeit besteht darin, dass es Länder sind, die im Vergleich zu den Industrieländern sozial und wirtschaftlich unterentwickelt sind. Als gemeinsame Merkmale gelten im Allgemeinen „relativ hohes Bevölkerungswachstum, geringe Lebenserwartung, niedriges Pro-Kopf-Einkommen, schlechte Gesundheitsversorgung, niedrige Alphabetisierungsrate, niedriger Lebensstandard, hoher Anteil von Beschäftigten im primären Sektor und Polarisierung traditioneller und moderner Wirtschaftsstrukturen“ 7 . Da es keine einheitliche Definition gibt und die oben aufgeführten Merkmale von unterschiedlichen Institutionen (z.B. Weltbank, Vereinte Nationen, World Tourism Organisation etc.) für die Kategorisierung der Länder unterschiedlich stark gewichtet werden, kommt es oft zu Problemen bei der Vergleichbarkeit insbesondere von statistischen Ergebnissen.
Wie bereits weiter oben erwähnt, hat die gestiegene Nachfrage nach Reisen in weniger entwickelte Länder ihren Ausgangspunkt im Ausbau des interkontinentalen Flugverkehrs in den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts. Sicherlich ist in diesem Zusammenhang anzumerken, dass die Entwicklung des Tourismus im Allgemeinen seit den 60-er Jahren „boomt“. Betrug die Zahl der Auslandsreisen 1960 „weltweit etwa 71 Mio.“, so konnten 1988
5 Engelhard, K. (2003): Entwicklungsländer. Von der Entwicklungshilfe zur Entwicklungszusammenarbeit – ein
didaktischer Perspektivenwechsel. In: Geographie heute 215, S. 2.
6 Job u. Weizenegger (2003). S. 629.
7 Job und Weizenegger (2003). S. 629.
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bereits 391 Mio. Touristenankünfte in der Welt gezählt werden. 8 Nach den Daten der WTO stieg die Zahl bis 1999 auf ca. 650 Mio.. 9 In ca. 40 Jahren hat die Zahl der weltweiten Touristenankünfte sich nahezu verzehnfacht. Der Geograph Karl Vorlaufer hat auf Basis der Daten der WTO von 1981 bis 1999 die Entwicklung der internationalen Touristenankünfte nach Ländergruppen grafisch dargestellt (vgl. Abb. 1, nächste Seite). Zusätzlich werden auch die prozentualen Anteile der einzelnen Ländergruppen an den Ankünften (ca. 650 Mio.) und Deviseneinnahmen (ca. 455 Mrd. US-Dollar) für das Jahr 1999 angegeben. Den größten Anteil an touristischen Ankünften (ca. 40 %) und an Deviseneinnahmen (ca. 38 %) aus dem Tourismus haben die Staaten der Europäischen Union (Länder von 1995). Auf die Ländergruppen, unter die auch die meisten Entwicklungsländer fallen (Lateinamerika, Karibik; Afrika; Asien ohne Japan, Pazifik) kommen ca. 30 % der Touristenankünfte und ca. 28 % der Deviseneinnahmen.
8 Vgl.: Thießen, B. (1993) : Tourismus in der Dritten Welt. Trier (= Trierer Tourismus Bibliographien, Bd. 3). S. 13.
9 Vorlaufer (2003). S. 4.
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Um die Entwicklung des Tourismus in Entwicklungsländern besser verstehen zu können, ist es hilfreich sich die verschiedenen Einflussfaktoren vor Augen zu führen, welche dazu beitragen, dass die Nachfrage entweder gesteigert oder gehemmt wird. Im Allgemeinen kann man nachfragesteigernde und nachfragehemmende Faktoren im Quellgebiet von denen im Zielgebiet unterscheiden. Da es im Rahmen dieser Arbeit unmöglich ist auf alle Faktoren detailliert einzugehen, sollen hier nur die (aus meiner Sicht) relevantesten kurz angesprochen werden. 10 Als nachfragesteigernder Faktor im Quellgebiet kann z.B. die zunehmende Reiseerfahrung angesehen werden. Dadurch, dass es die Möglichkeit gibt mit dem Flugzeug an fast jeden Ort dieser Erde zu gelangen und durch relativ „preisgünstige“ Angebote sind heute sehr viele Menschen in der Lage größere Reisen zu unternehmen. Diese bauen dann „Ängste“ ab und somit werden auch „exotische“ Ziele ins Visier genommen. Auch gelten Reisen in Entwicklungsländer oft als Prestigefaktor, da ihnen ein Hauch von Abenteuer anhaftet und letztlich das Image des Reisenden aufwertet. Nicht unterschätzt werden darf im Bereich der nachfragesteigernden Faktoren im Quellgebiet die starke Medienpräsenz, welche durch gezielte Werbekampagnen den Entwicklungsländertourismus besonders in den Industrienationen vermarkten will. Als nachfragehemmender Faktor im Quellgebiet wirkt z.B. ein eventueller Rückgang des verfügbaren Einkommens. Zwar gibt es durchaus Studien, die bewiesen haben, dass die Menschen auch bei finanziell angespannteren Situationen nicht gänzlich auf ihren Urlaub verzichten, jedoch werden aufwendigere Reisen (z.B. in Entwicklungsländer) dann nicht so häufig unternommen. Ebenfalls nachfragehemmend kann die Erhöhung von Transportkosten wirken. Ein zunehmendes Bewusstsein in Bezug auf Umweltverträglichkeit und Sozialverantwortlichkeit von Tourismus (in Entwicklungsländern) veranlasst viele Menschen dazu auf neue, umweltverträglichere Tourismusformen (z.B. Ökotourismus) umzusteigen. Diese werden jedoch häufig in Entwicklungsländern wegen höherer Investitionskosten etc. nicht gefördert. Betrachtet man die nachfragesteigernden Faktoren im Zielgebiet, fällt auf, dass es vornehmlich wirtschaftliche Aspekte sind, die hier wirken. So erhofft man sich im Zielgebiet vom Tourismus einen Beschäftigungseffekt und eine Deckung des Devisenbedarfs. Nachfragesteigernd wirkt aber häufig auch die außergewöhnliche Kultur sowie die exotische Pflanzen- und Tierwelt in vielen Entwicklungsländern. Als nachfragehemmende Faktoren im Zielgebiet gelten u.a. politische Konflikte (vgl. 2.2 Ägypten), Umweltkatastrophen oder auch Menschenrechtsverletzungen in der Destinationen. Ebenfalls schreckt die hygienische Situation in den Entwicklungsländern die Touristen von Reisen in die entsprechenden Länder häufig ab. Aber auch Sprachbarrieren
10 Vgl. zur Darstellung der nachfragesteigernden und nachfragehemmenden Faktoren: Job u. Weizenegger
(2003). S. 633.
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hindern viele Menschen Reisen in unbekannte Länder zu unternehmen. Insgesamt zeigt sich bei den nachfragesteigernden und nachfragehemmenden Faktoren ein sehr komplexes, differenziertes Gefüge, so dass sich im Quellgebiet und im Zielgebiet meistens mehrere Aspekte auf die Tourismusentwicklung auswirken.
In der Diskussion um die Auswirkungen, also die Vor- und Nachteile des Entwicklungsländertourismus lassen sich seit Beginn der 60-er Jahre mehrere Hauptleitlinien erkennen. So teilt Karl Vorlaufer die Diskussion in drei „Phasen mit jeweils spezifischen neuen Schwerpunkten und Positionen“ 11 ein. Die erste Phase, die „Euphoriephase“, setzte mit der allgemeinen Erweiterung des Fernreiseverkehrs durch den Ausbau des interkontinentalen Flugverkehrs zu Beginn der 60-er Jahre ein und endete ca. 1972. 12 In dieser Zeit nahm der Tourismus in Entwicklungsländern zahlenmäßig stark zu. Während der Euphoriephase wurde der Tourismus in der wissenschaftlichen und entwicklungspolitischen Diskussion „vornehmlich unter ökonomischen Gesichtpunkten gesehen“ 13 . Somit wurden vor allem die angeblichen wirtschaftlichen Vorteile des Tourismus hervorgehoben. Man versprach sich vom Fremdenverkehr in erster Linie einen „Devisen-, Beschäftigung-, Einkommens- [und] Multiplikatoreffekt“ 14 . Die meisten Wissenschaftler vertraten die Meinung, dass der Tourismus „als ein Instrument gewertet [werden kann], über das in [Entwicklungsländern] mit touristischen Ressourcen ein Wirtschaftswachstum und, daraus folgend, eine an Industrieländern orientierte Entwicklung in relativ kurzer Zeit erreicht werden kann. Rückblickend muss man jedoch feststellen, dass der Tourismus in der Euphoriephase überbewertet wurde. Er wurde als Problemlöser für Entwicklungsdefizite aller Art gesehen, was dazu führte, dass durch die einseitige Betrachtung der ökonomischen Aspekte des Tourismus gleichzeitig die Probleme und Risiken vernachlässigt wurden. Erst Anfang der 70er Jahre wurden auch kritische Stimmen lauter. So wiesen z.B. einige Autoren darauf hin, dass der Ausbau der Infrastruktur in vielen Entwicklungsländern große Teile der Deviseneinnahmen verschlingen würde. In diesem Zusammenhang muss angemerkt werden, dass die Sickerrate, also der Anteil der Deviseneinnahmen, der für tourismusbedingte Importe direkt wieder abfließt, auch heute noch von verschiedenen Autoren sehr unterschiedlich eingeschätzt wird. So kann sie bei kleinen, armen und wenig industrialisierten Ländern, wie z.B. bei vielen pazifischen und karibischen Inselstaaten, deutlich über 50 % liegen. Ab dem Jahr 1973 „schlug das Pendel hinsichtlich der Einschätzung der vom Tourismus ausgehenden
11 Vorlaufer, K. (1996): Tourismus in Entwicklungsländern. Möglichkeiten und Grenzen einer nachhaltigen Entwicklung durch Fremdenverkehr. Darmstadt. S. 4.
12 Vgl.: Vorlaufer (1996). S. 4 f.
13 Thießen (1993). S. 28.
14 Thießen (1993). S. 28.
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Arbeit zitieren:
Sebastian Janzen, 2005, Tourismus in ländlichen Räumen der Entwicklungsländer, München, GRIN Verlag GmbH
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