Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis. V
Tabellenverzeichnis VI
Abk ürzungsverzeichnis. VII
1. Einleitung 1
1.1 Einführung in die Thematik 1
1.2 Aufbau der Arbeit 3
2. Entwicklung des CSR-Konzepts. 4
2.1 Historischer Ursprung von CSR 4
2.2 Beginn der wissenschaftlichen Debatte um CSR 6
2.3 Das CSR-Konzept nach Carroll 7
2.4 Das CSR-Konzept der Europäischen Kommission 9
2.5 Definition angrenzender Begriffe. 11
2.5.1 Corporate Social Performance. 11
2.5.2 Corporate Governance. 12
2.5.3 Corporate Citizenship 12
2.5.4 Nachhaltige Entwicklung 14
2.5.5 Begriffssystematik 14
3. Pro und Contra CSR - Vom Shareholder-Value zum Stakeholder-
Value 16
3.1 Ethische Begründung von CSR 16
3.2 Ablehnung von CSR auf Basis der Shareholder-Theorie 17
3.3 Befürwortung von CSR auf Basis der Stakeholder-Theorie 19
3.4 CSR als Instrument zur Generierung von Wettbewerbsvorteilen 21
3.5 Weitere theoretische Begründungen von CSR. 24
3.6 Zusammenfassung der theoretischen Grundlagen 25
4. CSR und Unternehmenserfolg 27
4.1 Messung der Corporate Social Responsibility 28
III
4.1.1 Messung der CSP mit Hilfe von CSR-Rankings 29
4.1.2 Das KLD-Rating. 30
4.1.3 Das Rating der Bank Sarasin Cie AG. 31
4.1.4 Das Fortune 500-Ranking. 32
4.1.5 Das Rating der Oekom Research AG 33
4.1.6 Der Dow Jones Sustainability Index. 34
4.1.7 Das Good Company Ranking 34
4.2 Messung des Unternehmenserfolges 35
4.2.1 Marktbasierte Bewertungsmethoden 36
4.2.2 Buchhaltungsbasierte Bewertungsmethoden 36
4.3 Bisherige Studien zum Thema. 37
4.3.1 Die Studien von Moskowitz (1972) und Vance (1975) 38
4.3.2 Die Studie von Cochran / Wood (1984) 38
4.3.3 Die Studie von McGuire et al. (1988) 39
4.3.4 Die Studie von Margolis / Walsh (2001) 40
4.3.5 Die Meta-Analyse von Orlitzky et al. (2003) 40
4.3.7 Übersicht über die vorgestellten Studien 41
5. Empirische Untersuchung des Zusammenhangs zwischen CSR und
Unternehmenserfolg. 42
5.1 Definition der Variablen und Datenquellen 43
5.2 Methode 46
5.2.1 Regressionsanalysen. 46
5.2.2 Panelanalyse 51
5.2.3 Sensitivitätsanalyse. 53
5.3 Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse. 57
6. Schlussbetrachtung und Ausblick 61
Literaturverzeichnis. 62
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Die Verantwortungspyramide nach Carroll
Abbildung 2: Dimensionen von CSR nach der Europäischen Kommission
Abbildung 3: Das Verhältnis von CSP und CSR
Abbildung 4: Das Verhältnis von CSR, CC und Nachhaltiger Entwicklung
Abbildung 5: Klassifizierung der Stakeholder-Gruppen
Abbildung 6: Messung der CSR
Abbildung 7: Untersuchte Quellen im KLD Research Prozess
Abbildung 8: Das Fortune500 Ranking-Tool.
Abbildung 9: Untersuchungskriterien der Oekom Research AG.
V
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Bisherige Studien zum Thema CSR und Unternehmenserfolg……………..42
Tabelle 2: Kriterien des Good Company Rankings…………………………………….45
Tabelle 3: Ergebnisse der einfachen Regression……………………………………….47
Tabelle 4: Ergebnisse der multiplen Regression I……………………………………...48
Tabelle 5: Ergebnisse der multiplen Regression II……………………………………..49
Tabelle 6: Ergebnisse der Paneldatenregression……………………………………….53
Tabelle 7: Ergebnisse der Schätzung von Gleichung VIII……………………………..55
VI
Abkürzungsverzeichnis
Abb. - Abbildung
bzw. - beziehungsweise CC - Corporate Citizenship CFP - Corporate Financial Performance CSP - Corporate Social Performance CSR - Corporate Social Responsibility DAX - Deutscher Aktienindex DJSI - Dow Jones Sustainability Indexes d.h. - das heisst et al. - und andere etc. - et cetera f. - folgende ff. - fortfolgend GCR - Good Company Ranking GKR - Gesamtkapitalrendite Hrsg. - Herausgeber OLS - Ordinary Last Squares NGO - Non-Governmental Organisation vgl. - vergleiche z.B. - zum Beispiel z. T. - zum Teil
VII
1. Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat das Thema der sozialen und ökologischen Verantwortung von Unternehmen sowohl in der öffentlichen Diskussion als auch in der Wissenschaft immer mehr an Bedeutung gewonnen und die Unternehmen sehen sich einem wachsenden Druck ausgesetzt, CSR-Prinzipien in ihrem Handel zu berücksichtigen (vgl. Heugens / Dentchev 2007, S. 2 ; Pinkston / Carroll 1996, S. 200). Die Öffentlichkeit und vor allem die Konsumenten beobachten kritisch das Handeln der Firmen und richten ihre Kaufentscheidungen danach aus und auch der Staat fordert in zunehmendem Maße von den Unternehmen eine Verantwortungsübernahme im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Problemen (vgl. Harrison / Freeman 1999, S. 479). Als beispielsweise der Sportartikelhersteller Nike in den frühen 90er Jahren wegen nicht vertretbarer Arbeitsbedingungen bei seinen in Entwicklungsländern ansässigen Zulieferern ins Gerede kam, schlug sich diese schlechte Publicity sehr schnell in einer schlechten Bilanz nieder (vgl. Brown 2003, S. 3 ; Porter / Kramer 2006, S. 2). Ähnliches widerfuhr der Deutschen Bank Anfang 2005, als diese ankündigte, trotz eines Jahresüberschusses von 2,5 Milliarden Euro im Jahr 2004 weltweit 6400 Mitarbeiter entlassen zu wollen. Die Öffentlichkeit reagierte mit Empörung und kritisierte, dass der Blick der Manager scheinbar allein auf den Aktienkurs gerichtet sei und das Schicksal der Beschäftigten oder die sozialen und ökologischen Probleme der Welt nicht berücksichtigt würden (vgl. Sydow 2005, S. 12 ; Semler 2004, S. 13 ; Schwalbach / Schwerk 2007, S. 11). Führende Politiker wie beispielsweise der damalige SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering tadelten die „international wachsende Macht des Kapitals“ und die totale „Ökonomisierung eines kurzatmigen Profit-Handelns“ und forderten die Unternehmen auf, sich für ihre Arbeitnehmer und für ihren Standort verantwortlich zu fühlen (vgl. Müntefering 2005).
Entgegen dieser Aufforderung seitens der Politik steht jedoch die Ansicht von Milton Friedman, der die Profit-Maximierung als die einzig wirkliche gesellschaftliche Verantwortung eines Unternehmen betrachtet (vgl. Friedman 1970). Zudem vertreten viele Ökonomen die Ansicht, dass die Maximierung des Shareholder-Values die einzige einer marktwirtschaftlichen Ordnung entsprechende Leitmaxime der
Unternehmenspolitik ist (vgl. Sydow 2005 S. 12 ; Wagner 1997, S. 1).
1
Dessen ungeachtet scheinen jedoch auch immer mehr Unternehmen der Überzeugung zu sein, dass eine alleinige Fokussierung auf die wirtschaftliche Leistung des Unternehmens nicht mehr zeitgemäß ist (vgl. Promberger / Spiess 2006, S. 1) und integrieren deswegen soziale und ökologische Aspekte in ihre strategische Unternehmensausrichtung.
Es stellt sich hier jedoch die Frage, ob Unternehmen dies aus altruistischen Motiven heraus tun oder ob sie sich von ihrem sozial verantwortlichen und ökologisch tragfähigen Handeln einen Mehrwert erhoffen. Denn die Nutzendimensionen eines solchen Handelns können vielfältig sein und reichen von einer Steigerung der Glaubwürdigkeit und einem verbesserten Image über eine erhöhte Kunden- und Mitarbeiterbindung bis hin zu einer Abgrenzung von Konkurrenzunternehmen und einer erhöhten Investitionssicherheit (vgl. Promberger / Spiess 2006, S. 1). Wenn es wirklich zutrifft, dass ein sozial und ökologisch verantwortliches Handeln letztendlich zu einem Mehrwert für das Unternehmen führt, besteht kein Widerspruch zwischen der Profitmaximierung einerseits und der Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung andererseits und Unternehmen sollten allein schon aus eigennützigen Motiven heraus verantwortlich handeln. Obwohl zu dieser Frage bereits einige Studien durchgeführt wurden, konnte die Relevanz von Corporate Social Responsibility für den Unternehmenserfolg bisher nicht eindeutig empirisch bestätigt werden, so dass weitere Forschung auf diesem Gebiet wünschenswert ist. Die Europäische Kommission beispielsweise bemerkt explizit: „Es besteht Bedarf, die Kenntnis der Auswirkungen der sozialen Verantwortung der Unternehmen auf die Unternehmensleistung zu vertiefen und zu erweitern“ (Kommission der Europäischen Gemeinschaften 2001, S. 8). Die vorliegende Arbeit widmet sich daher der Frage, ob gesellschaftlich verantwortlich handelnde Unternehmen erfolgreicher sind und untersucht, ob es eine Korrelation zwischen der Corporate Social Responsibility und dem Unternehmenserfolg gibt. Kern dieser Arbeit ist eine empirische Untersuchung des Zusammenhanges zwischen den beiden Variablen gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen und Unternehmenserfolg.
2
1.2 Aufbau der Arbeit
Bevor der Zusammenhang zwischen der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen und dem Unternehmenserfolg untersucht werden kann, ist es notwendig, auf die Entwicklung des CSR-Konzepts einzugehen und eine Begriffsdefinition vorzunehmen. Dieser Aufgabe widmet sich das Kapitel 2, in welchem ein auf dem aktuellen Entwicklungsstand der wissenschaftlichen und öffentlichen Diskussion basierendes begriffliches und konzeptionelles Verständnis von CSR erarbeitet wird. Darauf aufbauend wird in Kapitel 3 erörtert, welche Argumente für bzw. gegen das CSR-Konzept sprechen und welche wissenschaftlichen Theorien sich mit dem Thema CSR befassen. Kapitel 4 dieser Arbeit geht anschließend der Frage nach, wie sich die gesellschaftliche Verantwortung sowie der Erfolg eines Unternehmens bewerten lassen und stellt eine Reihe von Studien vor, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Corporate Social Responsibility und Unternehmenserfolg befasst haben. Im Anschluss daran erfolgt in Kapitel 5 eine eigene empirische Untersuchung. Im letzten Kapitel werden die gewonnenen Erkenntnisse noch einmal zusammengefasst und es wird erörtert, welchen Fragen im Zuge weiterer Forschung nachgegangen werden sollte.
3
2. Entwicklung des CSR-Konzepts
„..CSR represents action that appears to further some social good, extends beyond the explicit economic interests of the firm, and is not required by law“ Godfrey / Hatch 2007, S .88
Rund um das Thema „Verantwortung von Unternehmen“ gibt es eine Vielzahl verschiedener Begriffe. Der Terminus Corporate Social Responsibility (CSR) findet zwar in zunehmendem Maße Verwendung, jedoch bleibt bei näherer Betrachtung häufig unklar, was genau unter der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen 1 verstanden wird (vgl. Loew et al. 2004, S. 18). Zurückzuführen ist dies vor allem darauf, dass der Begriff CSR noch nicht abschließend definiert wurde und es daher in Praxis und Wissenschaft sowie auch innerhalb dieser Bereiche selbst sehr unterschiedliche, zum Teil divergente Auffassungen und Definitionen von CSR gibt (vgl. Loew et al. 2004, S. 18 ; Dresewski et al. 2001, S. 2). Um Missverständnissen und Fehlinterpretationen vorzubeugen, die nicht in der Sache begründet, sondern rein sprachlichen Ursprungs sind, vermittelt dieses Kapitel daher zunächst einen Überblick über die historische Entwicklung des CSR-Konzepts, bevor der Begriff Corporate Social Responsibility anschließend definiert und von anderen in diesem Kontext oft auftauchenden Begriffen wie z.B. Corporate Social Performance, Corporate Citizenship, Nachhaltigkeit oder Corporate Governance abgegrenzt wird.
2.1 Historischer Ursprung von CSR
Obgleich der Begriff CSR erst im 20. Jahrhundert geprägt wurde und die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen vor allem in den letzten Jahrzehnten immer stärker in den Fokus der Wissenschaft geraten ist, handelt es sich hierbei keineswegs um ein völlig neues Gedankengut, sondern um ein Konzept mit einer langen Geschichte (vgl. ISO Advisory Group an Social Responsibility 2004, S. 2 ; Carroll 1999, S. 268). Viele Autoren sehen die historischen Wurzeln im antiken Griechenland, da einige griechische Unternehmer aus uneigennützigen Motiven heraus Geld und
1
Der Begriff „Corporate Social Responsibility“ (CSR) und die „gesellschaftliche Verantwortung von
Unternehmen“ werden in der vorliegenden Arbeit synonym verwendet.
4
Nahrung an arme Bürger verschenkten (vgl. Loew et al. 2004, S. 18). Als ein weiteres historisches Beispiel wird von der ISO Advisory Group on Social Responsibility (2004) die Ost-Indien Company genannt, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts bei der Zuckerproduktion auf den Einsatz von Sklaven verzichtete, nachdem englische Konsumenten mit dem Boykott ihrer Produkte begonnen hatten. Auch die von Quäkern geführten Unternehmen im 19. Jahrhundert lassen sich als ein historisches Beispiel für ein gesellschaftlich verantwortliches Handeln anführen. Zum einen bauten diese Unternehmen in England für ihre Beschäftigten Schulen, Büchereien und ganze Orte, zum anderen entlasteten sie die Umwelt, indem sie das in der Produktion verwendete Wasser aufbereiteten und wieder verwendeten (vgl. ISO Advisory Group on Social Responsibility 2004, S. 2).
Obwohl ein gesellschaftlich verantwortliches Handeln durch einzelne Unternehmen also durchaus schon seit längerer Zeit praktiziert wurde, existierte über einen langen Zeitraum hinweg kein allgemeines Verständnis über die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. Und auch eine wissenschaftliche
Auseinandersetzung mit dem Thema fand lange Zeit nicht statt (vgl. ISO Advisory Group on Social Responsibility 2004, S. 2f.). Dies änderte sich jedoch Mitte des vorigen Jahrhunderts, als es im Zuge der Industrialisierung zu einer neuen Rollenverteilung zwischen Staat und Gesellschaft kam (vgl. Promberger / Spiess 2006, S. 2f.). Mit der Entwicklung großer Konzerne veränderte sich auch die Gesellschaftsstruktur, statt kleiner, über den Marktmechanismus kontrollierter Unternehmen entstanden in zunehmendem Maße große Unternehmen mit konzentrierter Macht (vgl. Loew et al. 2004, S. 18) und zunehmender Gestaltungskraft (vgl. Schmitt 2005, S. 1). Vor allem diese neu entstandenen großen Unternehmen verspürten in zunehmendem Maße den Druck der Öffentlichkeit (vgl. Promberger / Spiess 2006, S. 2), die von den Unternehmen forderte, eine gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und sich in sozialen und ökologischen Bereichen zu engagieren. Parallel hierzu wurde das Thema CSR auch in den (Wirtschafts-)Wissenschaften aufgegriffen und es begann eine wissenschaftliche Debatte über die Verantwortung von Unternehmen und ihre Rolle in der Gesellschaft. (vgl. Loew et al. 2004, S. 19). Diese wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema CSR fand jedoch zunächst ausschließlich in den USA statt. Von dort stammt daher auch ein großer Teil der Autoren und der Literatur zu den konzeptionellen Grundlagen von CSR (vgl. Schmitt 2005, S. 6 ; Carroll 1999, S. 268).
5
2.2 Beginn der wissenschaftlichen Debatte um CSR
Als Beginn der wissenschaftlichen Debatte um CSR wird von vielen Autoren die 1953 von Bowen, dem „Father of Corporate Social Responsibility“ (Carroll 1999, S. 270), veröffentlichte Publikation „Social Responsibilities of the Businessmen“ angesehen (vgl. Loew 2004, S. 19; Carroll 1979, S. 497). Aus der Tatsache, dass nicht nur die von den Unternehmen hergestellten Produkte, sondern auch die Unternehmensaktivitäten das Leben der Bürger in vielen gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereichen beeinflussten, schloss Bowen, dass Unternehmen die Verpflichtung haben, sich an den herrschenden gesellschaftlichen Normen und Werten zu orientieren: „It refers to the obligations of businessmen to pursue those policies, to make those decisions, or to follow those lines of action, which are desirable in terms of objectives and values of our society“ (Bowen 1953, S. 6). Während zu Beginn der Diskussion der Schwerpunkt noch auf der Verantwortung einzelner Geschäftsmänner lag, rückte Ende der 1960er die gesellschaftliche Verantwortung der Organisation, also des gesamten Unternehmens, in den Mittelpunkt (vgl. Loew et al. 2004, S. 20).
Seit dieser Zeit wurden von Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen eine ganze Reihe unterschiedlicher, teilweise sehr kontroverser Konzepte und Theorien zum Thema CSR entwickelt (vgl. Maignan / Ferrell 2004, S. 4 ; Garriga / Melé 2004, S. 51), so dass es sich bei dem Thema heute um ein nahezu unüberschaubares Feld handelt: „The Corporate Social Responsibility (CSR) field presents not only a landscape of theories but also a proliferation of approaches, which are controversial, complex and unclear“ (Garriga / Melé 2004, S. 51). Hinzu kommt noch, dass es bislang auch keine einheitliche und allgemein akzeptierte Definition von CSR gibt. Schon 1972 schrieb Votaw den vielzitierten Satz „corporate social responsibility means something, but not always the same thing to everybody“ (Votaw 1972, S. 25) und auch heute herrscht lediglich darüber Einigkeit, dass es sich bei dem Begriff CSR um ein theoretisches Konstrukt handelt, für das es keine allgemein gültige Definition gibt (vgl. Carroll 1979, S. 498 ; Dresewski et al. 2001, S. 2 ; Loew et al. 2004, S. 18). Visser (2005) liefert empirische Daten, aus denen klar hervorgeht, dass es eine große Vielfalt von CSR-Definitionen gibt und dass auch in wissenschaftlichen Untersuchungen und sonstiger Fachliteratur kein Konsens über die Geltungsbereiche und Exklärungsinhalte von CSR existiert (vgl. Visser 2005, S. 3). Andersrum ist jedoch auch CSR nicht die einzige existierende Bezeichnung für denselben Bereich der empirischen Realität, weshalb es
6
nötig ist, auch angrenzende Begriffe zu erörtern (vgl. Visser 2005, S. 2). In den folgenden Abschnitten werden daher zunächst zwei der am weitesten verbreiteten CSR-Konzepte vorgestellt und es wird erläutert, welche Definition von CSR der vorliegenden Arbeit zugrunde liegt, bevor der Begriff CSR von anderen Begriffen abgegrenzt wird, die im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen auftauchen.
2.3 Das CSR-Konzept nach Carroll
„The social responsibility of business encompasses the economic, legal, ethical, and discretionary expectations that society has of organisations at a given point in time.“ Carroll 1979, S. 500
In seiner 1979 erschienenen Veröffentlichung „ A Three-Dimensional Conceptual Model of Corporate Performance“ argumentiert Carroll, dass es sich bei der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen um ein Konstrukt handelt, das sich in die vier Bereiche ökonomische, rechtliche, ethische und freiwillige (bzw. philanthropische 2 ) Verantwortung unterteilen lässt (vgl. Carroll 1979, S. 500).
Gemäß dem von Carroll entwickelten Modell stellt die ökonomische Verantwortung das Fundament für ein funktionierendes Unternehmen dar. Für ein Unternehmen als wirtschaftliche Einheit besteht vor allem anderen die Aufgabe, Güter und Dienstleistungen zu produzieren und diese gewinnbringend zu verkaufen. Die Erbringung dieser Leistungen muss jedoch innerhalb der gesetzlichen Grenzen erfolgen, weshalb die rechtliche Verantwortung den zweiten Bereich von Verantwortung darstellt. Sowohl die rechtliche als auch die ökonomische Verantwortung werden von den Unternehmen gefordert und stellen daher eine notwendige Bedingung dar, damit das Unternehmen überhaupt bestehen kann (vgl. Carroll 1979).
Bei dem dritten Bereich der Verantwortung handelt es sich um die ethische Verantwortung. Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Bereichen gibt es hier keine klaren Vorschriften, wie sich ein Unternehmen verhalten soll, um ethisch verantwortlich zu handeln. Vielmehr kommen hier die Erwartungen der Gesellschaft zum Ausdruck,
2 Ursprünglich bezeichnete Carroll die vierte Dimension als „Discretionary Responsibilities“ (Carroll
1979), in späteren Veröffentlichungen bezeichnete er diese Dimension als „Philanthropic
Responsibilities“ (vgl. Carroll 1999).
7
dass sich die Unternehmen gemäß den Normen und Werten der Gesellschaft verhalten sollen (vgl. Carroll 1979). Obgleich sich dieser Bereich damit zum Teil auf ungeschriebene Gesetze bezieht, muss ein Unternehmen mit Sanktionen rechnen, wenn es sich nicht an diese Vorgaben hält (z.B. kann es zu Boykotten kommen, wenn Verbraucher der Meinung sind, dass sich ein Unternehmen unethisch verhält) (vgl. Promberger / Spiess 2006, S. 9).
Die philanthropische Verantwortung stellt in Carrolls Modell den vierten und letzten Bereich der Verantwortung dar. Dieser beruht auf dem Prinzip der Freiwilligkeit und umfasst einen nicht klar umrissenen Bereich von unternehmerischen Aktivitäten, die von der Gesellschaft zwar nicht erwartet, aber gewünscht werden: „societal expectations do exist for businesses to assume sociale roles over and above those described so far“ (Carroll 1979, S. 500). Von einem Unternehmen, dass seiner philanthropischen Verantwortung gerecht werden will, wird also erwartet, dass es sich auf freiwilliger Basis gesellschaftlich engagiert (vgl. Carroll 1979).
1991 überarbeitete Carroll sein CSR-Konzept und entwickelte das Pyramiden-Modell, in dem die ökonomische Verantwortung die unterste Basis und die philanthropische Verantwortung die Spitze der Pyramide darstellt (siehe Abbildung 1).
Das überarbeitete Konzept verdeutlicht, dass die einzelnen Ebenen nicht getrennt voneinander verwirklicht werden können. So muss zum Beispiel ein Unternehmen, dass sich ethisch verantwortlich zeigen will, zuerst seiner rechtlichen und ökonomischen Verantwortung gerecht werden, bevor es überhaupt die Möglichkeit besitzt, sich der ethischen Verantwortung zu widmen (vgl. Carroll 1991). Carroll betont durch sein Pyramidenmodell also noch einmal „the importance of economic responsibilities as a fundamental concern“ (vgl. Branco / Rodrigues 2006, S. 114). Um als ein gesellschaftlich verantwortlich handelndes Unternehmen gelten zu können, muss eine Firma sich in allen vier Bereichen der gesellschaftlichen Verantwortung engagieren. Um dies zu erreichen, kann sie sich an folgendem von Carroll formulierten Leitsatz orientieren: „..strive to make a profit, obey the law, be ethical, and be a good corporate citizen“ (Carroll 1991, S. 43).
Das von Carroll entwickelte CSR-Konzept ist in der Wissenschaft weit verbreitet und liegt auch vielen Studien zugrunde, die sich mit dem Thema CSR und Unternehmenserfolg auseinandersetzen. Im europäischen Raum hat sich jedoch ein anderes CSR-Konzept durchgesetzt, auf das im folgenden Abschnitt eingegangen wird.
2.4 Das CSR-Konzept der Europäischen Kommission
Obgleich auch in Europa in den letzten Jahrzehnten verstärkt diskutiert wurde, in welchen sozialen und ökologischen Bereichen die Unternehmen mehr Verantwortung übernehmen sollten, fehlte hier (mit der Ausnahme von Großbritannien) lange Zeit die Entwicklung eines ganzheitlichen CSR-Ansatzes (vgl. Loew 2004, S. 24). Dies änderte sich jedoch zu Beginn des 21. Jahrhunderts, als eine Reihe von Finanzskandalen auftraten und die Europäische Union (EU) das Thema CSR aufnahm. Im März 2000 appellierte der Europäische Rat an das Verantwortungsbewusstsein der Unternehmen und im Jahr darauf veröffentlichte die Kommission der Europäischen Gemeinschaften das Grünbuch „Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen“ (vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften 2001). Die Formulierung „soziale Verantwortung“ führte dazu, das im Deutschen fälschlicherweise oft nur die soziale Dimension von CSR betont wird, obgleich CSR nach dem Verständnis der Europäischen Kommission nicht nur soziale, sondern in gleichem Maße auch ökologische Aspekte beinhaltet (vgl. Kommission der
9
Europäischen Gemeinschaften 2001). Dies ist jedoch auf eine Schwäche der deutschen Übersetzung zurückzuführen, denn der Titel der englischen Ausgabe lautet „Promoting a European Framework for Corporate Social Responsibility“, was korrekt mit „gesellschaftlicher Verantwortung von Unternehmen“ hätte übersetzt werden müssen (vgl. Loew et al. 2004, S. 25f.). 3 Dieser Sachverhalt wird auch deutlich, wenn man die CSR-Definition der EU betrachtet:
„CSR ist ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Tätigkeit und in die Wechselbeziehung mit den Stakeholdern zu integrieren“. Kommission der Europäischen Gemeinschaften 2002, S. 5
Gemäß der Definition der EU werden zwei Dimensionen von CSR unterschieden. Zum einen gibt es die interne Dimension, die die Themen „Arbeitsschutz“, „Humanressourcenmanagement“, „Anpassung an den Wandel“ sowie
„Umweltauswirkungen und Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen“ beinhaltet. Daneben gibt es eine externe Dimension, in der der Umgang mit „lokalen Gemeinschaften“ und Geschäftspartnern erörtert wird und die die Themen „Menschenrechte“ und „Globaler Umweltschutz“ umfasst (vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften 2001).
3 Aufgrund der dargelegten Übersetzungsproblematik wird CSR in den Schriften der EU wird CSR meist
mit „Soziale Verantwortung von Unternehmen übersetzt. In dieser Arbeit wird jedoch bewusst die
besser zutreffende Übersetzung “Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen“ verwendet.
10
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Diplom-Kauffrau Eva Koscher, 2007, Corporate Social Responsibility und Unternehmenserfolg, München, GRIN Verlag GmbH
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