Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Von Hollywood nach Europa 4
2.1 Die Nouvelle Vague 5
S. 6
2.2 Politique des auteurs
2.3 Die Methode Truffaut 7
3. Elemente der Nouvelle Vague in Truffauts Jules et Jim 9
3.1 Genre, Roman, Epos 10
3.2 Filmsprache und ästhetische Mittel 12
3.3 Sequenzanalyse 13
4. Schlussbemerkungen 16
5. Bibliographie 17
S. 17
5.1 Filmographie
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1. Einleitung
Ende der fünfziger Jahre war Frankreich durch die Ablösung der IV. Republik, nach Entkolonialisierungsprozess, Indochinakrieg und unmittelbar vor Ende des Algerienkriegs ein politisch umstrittenes und dennoch wirtschaftlich florierendes Land. Die Wurzeln hierfür liegen im Jahr 1959, in welchem Frankreich seinen Platz in der Welt veränderte. Das französische Kolonialreich war größtenteils verloren bzw. der Entkolonialisierungsweg Afrikas geebnet. Zudem stellte sich erstmals seit dem Krieg ein Konsumbedürfnis in der Gesellschaft ein. Auch die Kunst sollte sich ändern: Das von Camus und Sartre intellektuell geprägte Frankreich sah sich einer völlig neuen, bald über Frankreich hinaus die ganze Welt beeinflussenden Bewegung ҫ gegenüber. Auf dem Festival de Cannes wird 1959 Fran ois Truffauts „Les quatre cents coups“
vorgestellt. Dieser Film gilt in der Filmgeschichte als Beginn einer neuen Epoche, einer neuen Denkweise des französischen Films, die über die Landesgrenzen hinaus schon in den folgenden Jahren für Aufmerksamkeit sorgte 1 .
Diese neue Bewegung hatte auch Einfluss auf die französische Politik; so zeigte der Staat nun selbst, dass Kino zur Kultur zählt, indem er das Centre national de la cinématographie (C.N.C.) dem ministère de l'industrie entzog und dem neu geschaffenen ministère des affaires zufügte 2 . Die Bewegung proklamierte eine Befreiung von der alten (amerikanischen) Tradition des Films als Produkt der Industrie. Der neue französische Film sollte einen sozialen Charakter bekommen. „Le cinéma ne reflète pas la société en pleine évolution, il en fait partie“ 3 . Es war nicht nur eine neue Generation, ein neuer Stil, eine neue Art Filme zu machen, es war vor allem eine ganz neue Idee, mit einer neuen Kinoideologie, die sich Anfang der sechziger Jahre in Frankreich durchsetzte. Diese neue Bewegung und dieser radikale Schnitt des bisherigen französischen Kinos, wird als Nouvelle Vague (NV) bezeichnet.
1 vgl. Frodron S. 13.
2 vgl. ebd. S. 13 f. 3 ebd. S. 123.
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2. Von Hollywood nach Europa
Vergleiche zwischen amerikanischer und europäischer Filmgeschichte führen unumgänglich zu einer Grundsatzdiskussion, zu einer Unterscheidung von genre und auteur. Das amerikanische Kino war in den Jahren 1932 bis 1946 derart dominant, dass es die vorherrschende Stellung in der Welt einnahm. Ihm gegenüber konnte sich lediglich während dieser Periode die britische Dokumentarschule, der 'poetische Realismus' (ein Begriff, der eine Gruppe französischer Regisseure um Pagnol, Clair, Carné und besonders Renoir zusammenfasst) und der Film Noir (u.a. Hitchcock, Lang, Wells, Wilder), ein sich von den üblichen Hollywoodfilmen abgrenzendes Genre, einen nennenswerten Ruf erarbeiten 4 . Besonders ging es dabei um eine weniger politische, denn künstlerische Abgrenzung Europas von Hollywood. Schuf das Studiosystem in Los Angeles ein Produkt zahlloser „Handwerker“ 5 , darunter Regisseure, Kameramänner, Produzenten, Drehbuchautoren und Schauspieler, deren Zusammenspiel letztlich einen sehr unpersönlichen Film formte, versuchten die europäischen Regisseure der fünfziger Jahre, eine jeweils eigene Handschrift zu entwickeln. Hollywoodfilme waren fast ausnahmslos Studioprodukte, die feste Schemata in einem festen Genre befolgten und kaum zu unterscheidende persönliche Stile besaßen. Eine Ausnahme ist Alfred Hitchcock, der als einziger Regisseur in Hollywood als auteur bezeichnet wurde.
Der größte Konkurrent Hollywoods war aber nicht Europa, sondern er kam aus den eigenen Reihen: das Fernsehen. Während sich der amerikanische Film Anfang der Fünfziger mit dem Fernsehen auseinandersetzen musste und infolgedessen stagnierte, entwickelte sich das Kino in den anderen Ländern und organisierte sich nach überstandenem Krieg und Faschismus neu. Das Filmvertriebssystem wuchs, begünstigt von zugänglicherem Material, wie den 16mm-Film und überall entstanden Filmclubs und Filmfestivals. Das Festival de Cannes wurde zum internationalen Treffen ausgebaut. Dadurch wurde auch Filmschaffenden vermeintlich kleinerer Länder der Zugang zum internationalen Film ermöglicht. Das neue Kino Europas hatte mit Hollywood wenig zu tun. Es war „persönlich, erfinderisch, nicht abgeklatscht und die zeitgenössische Erfahrung direkt ansprechend“ 6 . Es waren diese Attribute, die den italienischen Neorealismus ausmachten. Das italienische Kino der vierziger und fünfziger Jahre um Zavattini, De Sica, Visconti und Rossellini war ein eng an alltägliche Themen anknüpfendes Kino. Laiendarsteller, einfache Technik, politische Haltung und Ideen anstatt platter Unterhaltung 7 bildeten einen facettenreichen Kontrast zu Hollywood. Diese Filmkunstbewegung fand Mitte der fünfziger Jahre ihren Höhepunkt und ebnete
4 vgl. Monaco S. 301.
5 ebd. S. 310. 6 ebd S. 314. 7 vgl. Monaco S.316.
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den Weg für das cinéma d'auteur .
Diese Periode, in der Film nicht mehr ausschließlich seinen Weg über Hollywood nehmen musste, als er sich in der ganzen Welt als Kunst etablierte, endete mit einem Höhepunkt und schuf eine neue Epoche: im Jahr 1959 mit dem Aufblühen des französischen Films, in der Ankunft der NV.
2.1 Die Nouvelle Vague
1959 als Entstehungsjahr der NV zu datieren, ist eigentlich falsch. Denn die Tendenz des 'Neuen' entwickelte sich schon zuvor. So werden Filme, wie Louis Malles „Ascenseur pour l'échafaud“ (1958) und „Les amants“ (1958), Claude Chabrols „Le beau Serge“ (1958) oder Jacques Baraliers „Goha le simple“ (1957) der NV zugerechnet, die bereits in den zwei vorangegangenen Jahren Preise erhielten. 1959 stellt aber das Jahr dar, in dem die neuen Wellen explosionsartig emporschossen und demnach bekannt wurden. Ihren Namen verdankt die NV ҫ Fran oise Giroud, 1957 Chefredakteurin des L'Express, die eine Umfrage mit acht Millionen französischen Frauen und Männern im Alter zwischen achtzehn und dreißig Jahren durchführen ließ, die „dans dix ans [auront] pris la France en main, les plus âgés aux commandes, les plus jeunes les y portent“ 8 . Ein im Juni 1958 von Giroud veröffentlichtes Buch über die Umfrageauswertung trug den Titel „La Nouvelle Vague - Portrait de la jeunesse“. Dieser Ausdruck wurde passend zur Filmbewegung ein Jahr später übernommen. Denn die neue Generation von Filmemachern war sehr jung, im Durchschnitt dreißig Jahre alt. Während zwei Jahren drehten und zeigten fünfundsiebzig Jungregisseure ihren ersten Film 9 . Der Begriff 'Welle' ist angebracht. ҫ Fran ois Truffaut behauptete, die NV sei ein von der Presse erfundener Kollektivbegriff, um fünfzig neue Namen zusammenfassend benennen zu können. Sie sei weder eine Bewegung, eine Schule, noch eine Gruppe, sie sei eine Qualität 10 . Die Grundsteine der NV waren hingegen schon ein paar Jahre zuvor durch die Autoren der Cahiers du cinéma gelegt worden, dessen Mitarbeiterkern den ebenso späteren auteur-Kern der NV bilden sollten. Herausgeber der Zeitschrift war André Bazin. Anfänglich schrieben noch 'renommierte Literaten' für die Cahiers, die zwar Ahnung von der Filmmaterie und deren Kritik hatten, aber nie leidenschaftlich genug gewesen ҫ wären, am Filmgeschehen mitzuwirken 11 . Dies sollte sich mit der Ankunft Fran ois Truffauts 1953
ändern. Der träge, seriöse Ton der Zeitschrift verschwand und unterstützt von Bazin holte Truffaut seine Freunde Eric Rohmer, Jacques Rivette, Claude Chabrol und Jean-Luc Godard in die Redaktion. Diese ihn umgebende Gruppe wurde später als die Jeunes Turcs bekannt, die sich gegen
8 Douchet S. 164 f.
9 vgl. Frodron S. 21. 10 vgl. Frodron S.21. 11 vgl. Douchet S.98.
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Arbeit zitieren:
Till Julian Nesta Wörfel, 2007, Die Nouvelle Vague - Eine Filmrevolution, München, GRIN Verlag GmbH
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