Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Benito Pérez Galdós 3
3. Der Roman Doña Perfecta 4
3.1. Der Lebenraum Orbajosa 4
3.1.1. Orbajosa und Madrid 5
3.1.2. Gesellschaftlicher Aufstieg und gesellschaftliche Anerkennung 6
3.2. Doña Perfecta 7
3.2.1. Doña Perfecta in der Gesellschaft Orbajosas 7
3.2.2. Doña Perfectas äußeres Erscheinungsbild 8
3.2.3. Doña Perfecta als Matriarchin 9
3.3. Rosario Lippert 10
Das Weiblichkeitsideal ángel del hogar 10
3.3.1.
3.3.2. Rosarios äußeres Erscheinungsbild und Verhalten 11
3.3.3. Rosarios Bildung 12
3.3.4. Rosarios Erziehung 12
3.3.5. Das erotische Begehren 13
3.3.6. Rosarios Rebellion und Scheitern 14
4. Fazit 15
5. Bibliographie 16
2
1. Einleitung Thema der vorliegenden Arbeit ist die Inszenierung von Weiblichkeit in Benito Pérez Galdós Roman Doña Perfecta. Der Roman war bereits Gegenstand vielfältiger Abhandlungen, vornehmlich betrachtet unter literarischen, historisch-gesellschaftlichen, politischen und religiösen Gesichtspunkten. Eine genaue Untersuchung der weiblichen Hauptcharaktere und ihrer Positionierung in der spanischen Gesellschaft des 19. Jahrhundert wurde jedoch gemeinhin außer Acht gelassen. Folglich sollen Doña Perfecta und ihre Tochter Rosario, die beiden Protagonistinnen des 1876 in Spanien erschienen Werkes, hier Beachtung finden.
Einführend liefern eine historisch-literarische Einordnung des Romans und biografische Ausführungen zum Autor den Hintergrund der hier vorgenommenen Analyse. Des weiteren wird der Inhalt des zu untersuchenden Romans skizziert und der Lebensraum Orbajosa, der Schauplatz des Geschehens, näher beleuchtet. Der Hauptteil befasst sich mit den weiblichen Romanfiguren Perfecta und Rosario. Untersucht werden ihr äußeres Erscheinungsbild, ihre gegensätzlichen Charakterzüge, ihre unterschiedlichen Rollen in der kleinstädtischen Gesellschaft und ihre Beziehung zueinander. Letztlich beinhaltet das Fazit, neben einem abschließenden Resümee, den Versuch, die beiden Protagonistinnen vergleichend gegenüberzustellen.
2. Benito Pérez Galdós
Benito Pérez Galdós (1843-1920) wurde auf Gran Canaria geboren und zog im Alter von
19 Jahren nach Madrid. Es folgten ein Studium der Rechtswissenschaft, zahlreiche
Veröffentlichungen von Romanen und Theaterstücken, eine Amtsperiode als Abgeordneter der Liberalen Partei und 1897 die Aufnahme in die Spanische Akademie. Galdós blieb unverheiratet, unterhielt jedoch wechselnde Liebesbeziehungen und hatte eine uneheliche Tochter (vgl. Lindsay 1979: 3; Wittschier 1993: 207).
Mit mehr als 80 Romanveröffentlichungen gilt Galdós als „produktivster Autor des 19. Jahrhunderts“ (Wittschier 1993: 207) und seine Werke lassen sich in drei Phasen aufteilen: Die Novelas españolas de la primera época, zu denen auch der Roman Doña Perfecta zählt, die Novelas españolas contemporáneas und die unvollendete Serie der Episodios nacionales. 1 Die Verschriftlichung und Veröffentlichung des Romans Doña Perfecta in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts fällt in die Zeit der Rezeption des französischen Realismus und
1 Für eine differenzierte Gliederung der angeführten Dreiteilung siehe Flasche (1989: 494-519).
3
Naturalismus in Spanien (vgl. Matzat 1993: 128). Aufgrund der politischen Ereignisse von 1868 und den folgenden Restaurationsjahren wurden die beiden literarischen Strömungen nicht ihrer gattungsgeschichtlichen Entwicklung folgend rezipiert, sondern mehr oder minder simultan (vgl. Schmitz 2000: 75). 2 Laut Matzat ist die „Modellfunktion des französischen Romans“ (1993: 127) bei Galdós offenkundig. Seine Romane liefern eine getreue Schilderung der spanischen Wirklichkeit und sind durchdrungen von der progressiven und antiklerikalen Einstellung des Autors (vgl. Wittschier 1993: 209).
Des weiteren wird Galdós als ein „novelista de mujeres“ (Wolter 1997: 61) bezeichnet. Er setzt sich in vielen seiner Werke mit der Stellung der Frau in der konservativen Gesellschaft Spaniens auseinander und ein Großteil seiner Romantitel lautet nach seinen weiblichen Protagonisten (vgl. Lindsay 1979: 3). Auffallend hierbei ist das wiederkehrende Auftreten zweier gegensätzlicher Frauencharaktere: Der labilen Unterdrückten und der gefühllosen Tyrannin (vgl. Jagoe 1994: 58).
3. Der Roman Doña Perfecta
Der Roman Doña Perfecta hat eben diese beiden gegensätzlichen Frauencharaktere zum Gegenstand: Die im Titel des Romans benannte Doña Perfecta in der Rolle der katholisch- konservativen Herrscherin und ihre gutmütige und unterwürfige Tochter Rosario. Zentrum des Geschehens ist die spanische Provinzhauptstadt Orbajosa und die Romanhandlung setzt mit der Ankunft des Ingenieurs Pepe Rey aus Madrid ein. Auf Anraten seines Vaters hin reist dieser nach Orbajosa, um dort seiner Cousine Rosario die Aufwartung zu machen. Pepes moderne und liberale Weltanschauung stößt in Orbajosa auf Widerstand und zunehmend kommt es zu Auseinandersetzung mit seiner konservativen Tante, dem Beichtvater Don Inocencio und anderen Einwohnern der Provinzstadt. Die sich entwickelnde Liebesbeziehung zu Rosario wird anfangs lediglich missbilligt, endet jedoch letztlich in einem „als Selbstmord kaschierten Mord“ (Beisel 1995: 70) an Pepe Rey und in dem Wahnsinn Rosarios.
3.1. Der Lebenraum Orbajosa
Bevor sich eine Analyse der weiblichen Romanfiguren anschließt, sollen im Folgenden die äußeren Umstände und gesellschaftlichen Gegebenheiten der Provinzstadt Orbajosa, die als Handlungsort für den Roman Doña Perfecta gewählt wurde, erläutert werden.
2 Zur Debatte der Epochenbezeichnungen Naturalismus und Realismus in Spanien siehe Schmitz (2000: 65-123).
4
Orbajosa ist ein fiktiver Ort, der den Prototyp einer spanischen Kleinstadt in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts und zur Zeit der Karlistenkriege darstellt (vgl. Cardona 2 1984: 23). Zu Beginn liefert der Roman dem Leser lediglich eine knappe faktische Schilderung des
von Galdós angedachten Ortes:
Llamábase Orbajosa, ciudad que no en Geografía caldea o copta, sino en la de España, figura
con 7.324 habitantes, Ayuntamiento, sede episcopal, juzgado, Seminario, depósito de caballos
sementales, Instituto de segunda enseñanza y otros prerrogativas oficiales. (Galdós 2 1984: 83) Wie die meisten der im Roman vorkommenden Namen hat auch die Bezeichnung des
Ortes Orbajosa einen ironischen Beigeschmack. So wie Don Inocencio keinesfalls unschuldig
ist, wie Doña Perfecta sich im Laufe des Romans als immer weniger perfekt heraus stellt, so
ist Orbajosa, in den Augen ihrer Einwohner eine Urbs Augusta 3 , keinesfalls eine erhabene Stadt. So heißt es im Vorwort der vorliegenden Ausgabe des Romans:
Este ambiente de hipocresía estimula la creación de una doble perspectiva dentro de esta
novela: la de los orbajosenses y la de los forasteros. Para aquéllos el tío Licurgo es un
verdadero Licurgo; Caballuco, un verdadero centrauro y un Reinaldos; doña Perfecta,
“perfecta”, don Inocencio, “inocente”, y Orbajosa, en fin, una Urbs Augusta. (Cardona 2 1984:
29; Hervorhebung im Original 4 )
Und weiter:
Para Pepe Rey, el forastero, el tío Licurgo no es otra cosa que un común ladrón […];
Caballuco, “un animal”, su tía, muy lejos de ninguna “perfección” y don Inocencio nada
“inocente”, y Orbajosa, lejos de ese perfecto y bucólico locus amoenus, de que siempre hablan
los orbajosenses, es una verdadera “Orb-ajosa” o un “muladar”. (Cardona 2 1984: 29)
3.1.1. Orbajosa und Madrid
Die Beschreibung des Ortes Orbajosa mit seinen provinziellen, konservativen,
katholischen und teils heuchlerischen Einwohnern lebt von dem stetigen Vergleich mit der
Metropole Madrid und seiner Gesellschaft, von welcher der aus der modernen Großstadt
stammende Pepe Rey immer wieder berichtet (vgl. beispielsweise Galdós 2 1984: 169). Ein Konflikt zwischen Mitgliedern der als rückständig beschriebenen Gesellschaft Orbajosas, in
der für „Andersdenkende [...] kein Platz“ (Jüttner 1997: 34) ist, und dem jungen Pepe Rey,
der seine modernen, wissenschaftlichen, städtischen Ansichten selbstbewusst vertritt, ist
unvermeidlich.
3 Meine Übersetzung: Ehrwürdige Stadt, erhabene Stadt.
4 Wenn nicht anders gekennzeichnet, handelt es sich bei Hervorhebungen in nachfolgenden Zitaten stets um
Hervorhebungen des zitierten Autors.
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Arbeit zitieren:
Nina Probst, Anna Lippert, 2007, Die Inszenierung von Weiblichkeit in Benito Pérez Galdós' "Doña Perfecta", München, GRIN Verlag GmbH
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