Konstruktivismus - Grundlagen zu Theorie und Praxis Seite 1 *OLHGHUXQJ
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2.1. Der radikale Konstruktivismus ...
2.2 Der neue Konstruktivismus ...
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3.1 Vom Sinnesorgan zum Neuron ...
3.2 Vom Neuron zum Gehirn ...
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4.1 Die Autopoiese ...
4.2 Signale und Informationen im autopoetischen System 4.3 Beobachter und Konstrukte ...
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5.1 Thesen zur Instruktionspsychologie ...
5.2 Problemfelder bei der Umsetzung ... 5.3 Kritikansätze von Seiten der Instruktionspsychologie ...
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Konstruktivismus - Grundlagen zu Theorie und Praxis Seite 2
1.Zwischen Philosophie und Biologie
Der Konstruktivismus sei, so Gerhard Roth, eine philosophische Theorie der Wahrnehmung und der Erkenntnis, die für sich in Anspruch nähme, durch Resultate und Theorien aus den Einzelwissenschaften, wie Neurobiologie, Psychologie oder Kommunikationswissenschaften begründet zu sein. 1 In der noch jungen Wissenschaft der Psychologie ist der Konstruktivismus noch eine besonders frische Entwicklungslinie deren Positionen philosophiegeschichtlich jedoch bis Kant zurückreichen. 2 Doch die entscheidende Entwicklung hin zu diesem Konzept basiert auf den Fortschritten der biologischen Psychologie, in deren Rahmen diese Hausarbeit entsteht. So ist der Konstruktivismus sowohl von der ideengeschichtlichen Weiterentwicklung, als auch vom Fortschritt der biologischen Zusammenhänge, geleitet. Auf der Basis von Literatur und modernerer Stellungnahmen soll im Folgenden die Theorie des Konstruktivismus dargestellt und dann die neuronalen Grundlagen der Theorie skizziert werden. Im vierten Abschnitt wird dies auf der biopsychologischen Ebene erweitert, um anschließend über die praxisorientierte Anwendung des Konzeptes im Bereich der Instruktionspsychologie zu referieren. Den Abschluss findet die Arbeit mit einer Zusammenfassung.
2. Konstruktivismus - radikal und neu
2.1 Der radikale Konstruktivismus
Als UDGLNDOHU .RQVWUXNWLYLVPXV ist der Konstruktivismus in erster Linie eine
Erkenntnistheorie, die sich mit der Frage beschäftigt, in welchem Verhältnis das Wissen zur Welt steht. 3 Hauptaussage dabei ist, dass dieses Wissen keine objektiven Realitäten darstellt, sondern "Erfindungen" des menschlichen Geistes. Dieser Ansatz gründet sich
1Roth G.: Das konstruktive Gehirn: Neurobiologische Grundlagen der Erkenntnis, in: Schmidt S. J.
(Hg.): Der Diskurs des radikalen Konstruktivismus 2, Frankfurt a. M. 1992, S. 277.
2Zu allgemein „Konstruktivismus“ vgl. Wenninger G.: Lexikon der Psychologie, Bd. 2, Berlin 2001, S.
379.
3Zur inhaltlichen Ausgestaltung des Begriffes: Walter H.: Neurophilosophie der Willensfreiheit,
Konstruktivismus - Grundlagen zu Theorie und Praxis Seite 3
vor allem auf einer neurobiologischen Herleitung und auf der biologischen
Systemtheorie nach Maturana und Varela 1987, welche den Begriff der $XWRSRLHVH 4
geprägt haben. 5
Während frühere Erkenntnistheorien davon ausgehen, dass es im Prinzip möglich ist, die Welt in ihrer wahren Gestalt zu erkennen, und dass es im wissenschaftlichen Austausch eben damit auch darum gehen kann, welche Theorie diese Wahrheit am besten abbildet, wendet sich der radikale Konstruktivismus von dieser Sicht ab. "Der radikale Unterschied liegt in dem Verhältnis zwischen Wissen und Wirklichkeit. Während die traditionelle Auffassung in der Erkenntnislehre sowie in der kognitiven Psychologie dieses Verhältnis stets als eine mehr oder weniger bildhafte (ikonische) Übereinstimmung oder Korrespondenz betrachtet, sieht der radikale Konstruktivist es als Anpassung im funktionalen Sinn" 6 .
In der Welt wird also lediglich eine funktionierende Modellvorstellung gesehen, in der die „Wirklichkeit von uns nicht gefunden, sondern erfunden (konstruiert) wird“. 7 Doch die Funktionalität schließt als Gütekriterium andere Konstruktionen nicht von vornherein aus und so ergibt sich aus dem radikalen Konstruktivismus eine prinzipielle Gleichwertigkeit unterschiedlicher Theorieansätze und damit verbunden die Schwierigkeit, wie dann noch eine gemeinsame Basis der Verständigung gefunden werden kann. 8 Dem Konstruktivismus wird oft vorgeworfen, er würde eine objektive und reale Wirklichkeit leugnen. 9 Die reale Welt kommt in den konstruktivistischen Ansätzen immer noch vor, die Frage nach dieser realen Welt wird aber hinfällig, da sie nicht erfahrbar ist. Laut Maturana ist die Frage nach der objektiven Wirklichkeit sinnfrei. Dennoch ist die reale Welt als Umwelt und Anreizstruktur mitgedacht.
2.2 Der neue Konstruktivismus
Doch macht der radikale Konstruktivismus selbst nur indirekt in der anwendungsorientierten Praxis hilfreiche Aussagen, also Aussagen die über das reine
Paderborn u. A. 1998, S. 136.
4Zum Begriff: Wenninger G.: Lexikon der Psychologie, Bd. 1, Berlin 2001, S. 170.
5Siehe hierzu in Maturana H.R./ Varela F.J.: Der Baum der Erkenntnis; Bern/ München 1987.
6Glasersfeld E.: Einführung in den radikalen Konstruktivismus; in Watzlawick P. (Hg.): Die erfundene
Wirklichkeit; München 1985, S. 18.
7Siehe Vorwort in Gumin H./ Mohler A.: Einführung in den Konstruktivismus, München 1985, S. 8.
8Walter 1998, S. 136; siehe auch Roth 1992, S. 281.
9Vgl. Walter 1998, S. 142-146.
Arbeit zitieren:
Felix Hessmann, 2002, Konstruktivismus - Grundlagen zu Theorie und Praxis, München, GRIN Verlag GmbH
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