2
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7KHRULHQGHV:lKOHUYHUKDOWHQVGUHL(UNOlUXQJV
DQVlW]HGHUHPSLULVFKHQ:DKOIRUVFKXQJ 3. 1. Der soziologische Erklärungsansatz
3. 1. 1. Die mikrosoziologische Perspektive
3. 1. 2. Die makrosoziologische Perspektive
3. 2. Der individualpsychologische Erklärungsansatz
3. 3. Das Modell des rationalen Wählers
:DQGHOLP:lKOHUYHUKDOWHQ
9HUlQGHUXQJGHV3DUWL]LSDWLRQVYHUKDOWHQV 4. 1. Die These vom Wandel der Sozialstruktur
4. 2. Die Realignment - These
4. 3. Die Dealignment - These
'DV:lKOHUYHUKDOWHQLQ2VWGHXWVFKODQG 5. 1. Interpretationen zum Wählerverhalten
in den östlichen Bundesländern
5. 1. 1. Die Kontinuitätsthese
5. 1. 2. Die Tabula - Rasa - These
5. 1. 3. Die Konvergenzthese
5. 1. 4. Die Kristallisationsthese
5. 2. Die Bundestagswahl 1998 -
Analyse des ostdeutschen Wählerverhaltens
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/LWHUDWXUYHU]HLFKQLV
3
(LQIKUXQJ
Keine Form der politischen Beteiligung wird in modernen Demokratien von mehr Bürgern ausgeübt als die Stimmabgabe am Wahltag. Dabei bezeichnet der Wahlakt sowohl den geringsten als auch den höchsten Grad politischer Partizipation. Mit seiner Entscheidung setzt der Wähler seine Stimme bei Wahlen in politische Macht um, da er in den demokratischen Prozeß der Herstellung gesamt- gesellschaftlich verbindlicher Entscheidungen eingreift. Indem er sich auf eines von mehreren Bündeln sach- und personalpolitischer Alternativen festlegt, übt der Wähler einen wichtigen Einfluß auf das politische Geschehen aus. Die Bemühungen der Regierungs- wie auch der Oppositionsparteien gelten dem Wähler. Aber was weiß man über ihn ?
Aufgrund der vielfältigen politischen Konsequenzen von Wahlen will die :DKOIRUVFKXQJ die
politische Verhaltensstruktur in der Demokratie erklären und Rückschlüsse auf ihr Funktionieren ziehen 1 . Im engeren Sinne befaßt sich die Wahlforschung dabei mit der Analyse der Wählerschaft. Sie beschäftigt sich mit der Dokumentation von Wahlkämpfen und der Prognose von Wahlergebnissen, analysiert die Grundlagen und Bestimmungsfaktoren des Wahlverhaltens. Sie versucht, das Wählerverhalten von Individuen und Gruppen zu beschreiben und zu erklären 2 . Bei der Erforschung des komplexen Gegenstandes des Wählerverhaltens stellen sich etwa folgende Fragen: Welche Personengruppen wählen welche Parteien, und aus welchen Gründen entscheiden sie sich für diese oder jene Partei. Wie bildet der Einzelne seine politische Meinung und welche Gründe sind für die Wahlentscheidung ausschlaggebend ? Von Bundestagswahl zu Bundestagswahl kann man eine stetig steigende Anzahl von Publikationen zum Thema “Erforschung von Wählerverhalten“ ausmachen. Bei deren Durchsicht läßt sich feststellen, daß die empirische Wahlforschung, aufgrund eines großen Interesses an den Ergebnissen, hoch entwickelt und methodisch differenziert ist. Die Erforschung der Wahlen ist ein zentraler Gegenstand mehrerer Disziplinen, so der Politikwissenschaft, der Soziologie, der Kommunikationswissenschaft und der neueren Geschichte. Die interdisziplinäre, empirische Wahlforschung beschäftigt sich mit der Kernfrage: Wer wählt wie, was, warum und mit welcher Wirkung ? 3
1 Eine Charakteristik der Forschungslage in Deutschland bietet: Schultze, R.-O., 1991: Außengeleitete Innovation
und innengeleiteter Methodenrigorismus - Deutsche Wahlsoziologie auf dem Prüfstand internationalen Vergleichs.
S. 481-494 in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg. 22, Heft 3.
2 Zu den Methoden der Wahlforschung siehe: :R\NH, W., 1994: Stichwort: Wahlen. 8. Auflage. Opladen, S. 206-
217. Ebenso: *DOOXV, A. / /KH, M., 1998: Öffentliche Meinung und Demoskopie. Berlin • Opladen, S. 119-131.
3 Wichtige Publikationen der Wahlforschung: %UNOLQ, W., 1988: Wählerverhalten und Wertewandel.
Opladen. :HKOLQJ, H.-G. ( Red.), 1991: Wahlverhalten. Stuttgart • Berlin • Köln. .RUWH, K.-R., 1998: Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland. Bonn.
4
Dieser Beitrag wird der Frage nachgehen, welche relevanten Konzepte der Analyse des Wählerverhaltens der Forschungspraxis als Grundlage zur Verfügung stehen und wie brauchbar sie zur Erklärung von Wandlungstendenzen sind. Auch stellt sich die Frage nach der Deutung des ostdeutschen Wählerverhaltens, da die deutsche Einigung aufgrund der vergrößerten Zahl der Länder auch Auswirkungen auf Parteien- und Wahlentwicklungen hat.
Überlegungen zu diesen Fragen sind wichtig, da die Funktionsfähigkeit des demokratischen, politischen Systems auch in Zukunft nicht zuletzt davon abhängt, wie sich der Wähler in seiner Entscheidung verhält.
Ebenso das Jahr 1998 war mit der Wahl zum Deutschen Bundestag für mich als Erstwählerin und Wahlhelferin ein Anstoß diesen Forschungsgegenstand näher zu betrachten. Auch das Jahr 1999 beinhaltet mit der Europawahl, der Kommunalwahl und der Landtagswahl in Sachsen eine unmittelbare Brisanz und Nähe zum Themenkomplex.
Zu Beginn dieser Arbeit möchte ich einen Überblick geben, welche Faktoren demnach insgesamt die Entscheidung des Wählers bestimmen 4 . Da die einzelnen Einflußfaktoren in verschiedenen Konzepten der Wahlforschung unterschiedlich gewichtet werden, möchte ich die klassischen Forschungsgruppen vorstellen, die mit Hilfe unterschiedlicher theoretischer Ansätze die wichtigsten Erklärungsversuche unternommen haben 5 . Nach einer Darstellung der relevanten Positionen der empirischen Wahlforschung, möchte ich die unterschiedlichen Ansätze zur Erklärung des ab Ende der sechziger Jahre erkennbaren Wandels des Wählerverhaltens vorstellen 6 . Des weiteren werden in dieser Arbeit die seit der Wende vorliegenden Interpretationen zum ostdeutschen Wählerverhalten aufgezeigt 7 und das Wahlverhalten bei der Bundestagswahl 1998 in Ost-West-Perspektive 8 analysiert.
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Die Entscheidung des Wählers in der liberalen Demokratie wird von einer Vielzahl von Faktoren bestimmt. Es gibt unterschiedliche Ansätze in der empirischen Wahlforschung zur Bestimmung
4 Vgl. als Kontext die Übersicht von: 6FKXOW]H, R.-O., 1991: Wählerverhalten und Parteiensystem. S. 11-43 in: Wehling, H.-G. (Red.): Wahlverhalten. Stuttgart • Berlin • Köln.
5 Vgl. als Kontext die Darstellungen in: .RUWH, K.-R., 1998: Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland. Bonn,
S. 81-93. %UNOLQW., 1988: Wählerverhalten und Wertewandel. Opladen, S. 49-60. 6FKXOW]H, R.-O., 1991: Wählerverhalten und Parteiensystem. S. 12-17 in: ( a. a. O. ; Anm. 4 ).
6 Vgl. als Kontext vor allem: 6FKXOW]H, R.-O., 1994: Aus Anlaß des Superwahljahres: Nachdenken über Konzepte und Ergebnisse der Wahlsoziologie. S. 472- 493 in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg. 25, Heft 3.
7 Vgl. als Kontext vor allem: :LQWHU, T. von, 1996: Wählerverhalten in den östlichen Bundesländern: Wahlsoziologische Erklärungsmodelle auf dem Prüfstand. S. 298-316 in: ZParl, Jg. 27, Heft 2.
8 Vgl. als Kontext: $U]KHLPHU, K./ )DOWHU, Jürgen, J.W., 1998: „ Annäherung durch Wandel “ ?: Das Wahlverhalten
5
von Faktoren, die für das Wahlverhalten maßgebend sind. Mit dem Politologen Rainer - Olaf
Schultze kann man die Faktoren für die :DKOHQWVFKHLGXQJin vier grobe Kategorien teilen 9 . Die Entscheidung ist demnach zum einen geprägt von VWUXNWXUHOOHQ'HWHUPLQDQWHQ (1), zu denen
auf der Makroebene die Gesellschaftsstruktur, das politische System mit seinem besonderen Institutionengefüge, die Struktur der Öffentlichkeit sowie das Mediensystem zählen. Auf der Mikroebene ist der Wähler verankert in das soziale und kulturelle Milieu, in seine Primär - und Sekundärumwelten und in gesellschaftliche Organisationen. Die Berichterstattung der Massenmedien als auch Gespräche im per- sönlichen Umfeld sind für den Wähler Quellen politischer Information. Diese beeinflussen als Vermittlungsinstanzen die politische Meinungsbildung.
Von Einfluß wird gesprochen, wenn Informationen, denen ein Wähler ausgesetzt ist, diesen dazu veranlassen, anders zu stimmen, als er gestimmt hätte, wenn ihn diese Informationen nicht erreicht hätten. Die Informationen werden dabei interpretiert vor dem Hintergrund von stabil in der Persönlichkeit verankerten Vororientierungen, die als “ Prädispositionen” bezeichnet werden 10 . Zu nennen wären hier unter anderem die politische Kultur eines Landes, wie auch gesellschaftliche Wertorientierungen und die Identifikation mit einer Partei. Solche Eigenschaften, Normen und Verhaltensweisen, die im Prozeß der Sozialisation dauerhaft
erworben wurden, gehören zu den 3HUV|QOLFKNHLWVIDNWRUHQ (2). In der dritten Kategorie werden SROLWLVFK VLWXDWLYH )DNWRUHQ (3) aufgeführt. Als Beispiel dienen hierbei die Bedingungen des
Parteienwettbewerbs, die Zahl und Aussichten der Parteien- und/oder Kandidaten-Alternativen, das Meinungsklima sowie die Einschätzung, welche Partei oder Parteikoalition die Aussicht hat,
die Wahl zu gewinnen. Auch SROLWLVFKNRQMXQNWXUHOOH(LQIOVVH (4) spielen im Wahlkampf eine
Rolle. Von Interesse ist die internationale politische “ Großwetterlage“ , die Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung, ebenso Sachfragen und der Wahlkampf. Zusammenfassend stellte R. - O. Schultze fest, daß sich Wählerentscheidungen in einem Spannungsverhältnis von langfristig - strukturellen Determinanten und andererseits von politischen Kurzzeiteinflüssen formieren. “ Die Wählerentscheidung ist (..) geprägt sowohl von makropolitischen und makrosozialen als auch von mikrosoziologischen und sozialpsychologischen
Bestimmungsgründen.” 11 Die Wahlentscheidung ist also das Ergebnis von sich wechselseitig beeinflussenden kurzfristig, mittelfristig oder langfristig wirkenden Faktoren. In der
bei der Bundestagswahl 1998 in Ost-West-Perspektive. S. 33-43 in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 52.
9 Vgl. 6FKXOW]H, R.-O., 1991: (a.a.O.; Anm. 4. ), S.11/12.
10 Vgl. 6FKPLWW%HFN, R., 1998: Wähler unter Einfluß. Massenkommunikation, interpersonale Kommunikation und Parteipräferenz. S. 300 - 308 in: Sarcinelli, U. (Hg.): Politikvermittlung und Demokratie in der
Mediengesellschaft. Bonn.
6FKXOW]H, R.-O., 1991: ( a.a. O ; Anm. 4 ) , S.11. 11
Arbeit zitieren:
M.A. Saskia Gerber, 1999, Wählerverhalten, München, GRIN Verlag GmbH
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