1. Einleitung
Das Thema der vorliegenden Modulabschlussarbeit im Modul „Pädagogik der Frühen Kindheit“ lautet:
„PISA und die Folgen für den Elementarbereich".
Die erste internationale Schulleistungsstudie im Jahr 2000 hatte für großes Aufsehen gesorgt, denn PISA deckte erhebliche Unterschiede im Leistungsniveau zwischen SchülerInnen, Schulen und Ländern auf. Bei dieser Untersuchung wurde festgestellt, dass die deutschen SchülerInnen sowohl in der Mathematischen und Naturwissenschaftlichen Grundbildung als auch in der Lesekompetenz unter dem OECD-Durchschnitt lagen, jedoch die größten Defizite im Lesen besaßen. Aufgrund dieser Feststellung wurde deutlich, dass Maßnahmen getroffen werden mussten, um zukünftig eine Verbesserung in allen drei Bereichen zu erreichen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass lediglich der schulische Bereich von Fördermaßnahmen betroffen ist, sondern vor allem der Vorschulbereich, denn im Kindergartenalter gestaltet sich der Lernprozess für Kinder leichter als in jeder anderen Lebensphase, da die Kinder in diesem Alter sehr wissbegierig und neugierig sind. Auf spielerische Art und Weise wird ihnen im Kindergarten eine Förderung entgegengebracht, die für den späteren Schuleinstieg und für den weiteren beruflichen Werdegang von sehr großer Bedeutung ist.
Die vorliegende Modulabschlussarbeit gliedert sich folgendermaßen: Zunächst werden allgemeine Grundlagen und Informationen zur PISA-Studie beschrieben, während im dritten Kapitel vier mögliche Folgerungen von PISA für den Elementarbereich erläutert werden. Neben der Reform der ErzieherInnenausbildung und des Beginns einer frühen Sprachförderung ab dem Besuch des Kindergartens werden sowohl die Erziehungskooperation von Eltern und Kindergarten als auch die bessere Zusammenarbeit von Kindergarten und Grundschule als mögliche Folgerungen für den Elementarbereich beschrieben.
2
2. Allgemeine Grundlagen und Methoden der PISA-Studie
2.1 Grundlegende Informationen
PISA ist die Abkürzung für Program for International Student Assesment. Folglich einer Übersetzung ins Deutsche, ist PISA eine international standardisierte Schulleistungsstudie, die von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) konzipiert wird. Kennzeichnendes Merkmal der PISA-Studie ist, dass sie bis zum heutigen Zeitpunkt die umfassendste und differenzierteste Vergleichsstudie zum Leistungsstand von SchülerInnen auf internationaler Ebene ist. An der PISA-Studie nehmen 28 Staaten der OECD sowie Brasilien, Lettland, Liechtenstein und die Russische Föderation teil, so dass sich eine Gesamtteilnehmerzahl von 32 Staaten ergibt.
Die Schulleistungsstudie wird mit 15- jährigen SchülerInnen durchgeführt. Die Auswahl der TeilnehmerInnen erfolgt auf drei Ebenen und nach standardisierten Vorgaben der OECD. Im ersten Schritt des Auswahlverfahrens werden die schulischen Systeme der einzelnen Länder nach zentralen Merkmalen wie z.B. Region und Art der Schule unterteilt, während im darauf folgenden Schritt die Schulen innerhalb dieser Unterteilung per Zufallsverfahren ausgewählt werden. Im letzten Schritt erfolgt ebenfalls per Zufallsauswahl die Auswahl der teilnehmenden SchülerInnen in der jeweiligen Schule. Die repräsentative Stichprobe der TeilnehmerInnen der Studie wird so ausgewählt, dass sie die Gesamtheit der 15- Jährigen, die sich während des Erhebungszeitpunktes in dem jeweiligen Land in schulischer Ausbildung befinden, abbilden. An der PISA-Studie im Jahr 2000 nahmen in Deutschland 5073 SchülerInnen aus insgesamt 219 Schulen teil. 1
2.2 Rahmenbedingungen der Studie
Von Ende April bis Ende Juni des jeweiligen Erhebungsjahres werden die Leistungen der teilnehmenden SchülerInnen an zwei aufeinander folgenden Testtagen überprüft.
1 Vgl. Max- Planck- Institut (Hrsg.) : Grundlagen und Methoden der Studie, http://www.mpib-
berlin.mpg.de/pisa/grundlagen.htm, Stand: 10.06.2006.
3
Am ersten Testtag werden 120 Minuten Leistungstests und ein 30-minütiger Schülerfragebogen durchgeführt, während am darauf folgenden Testtag die TeilnehmerInnen noch einmal Leistungstests mit einer Dauer von 130 Minuten erledigen müssen. Die Leistungstests sind so gestaltet, dass sie sowohl aus Multiple choice- Aufgaben als auch aus offenen Fragen zusammengesetzt sind. Damit eine internationale Vergleichbarkeit der Leistungen möglich ist, werden die zu bearbeitenden Aufgaben jedes Leistungsbereichs in fünf Kompetenzstufen zugeordnet, wobei die erste Kompetenzstufe dem niedrigsten und die fünfte Stufe dem höchsten Schwierigkeitsgrad der jeweiligen Aufgabe entspricht. Der Schwierigkeitsgrad einer Aufgabe bemisst sich beispielsweise in der Lesekompetenz an der Komplexität des Textes, der Deutlichkeit von Hinweisen auf die relevanten Informationen im Text und an der Vertrautheit der SchülerInnen mit dem Thema. 2 Anhand des Schülerfragebogens, den die 15-Jährigen am ersten Testtag ausfüllen, wird der Zusammenhang zwischen Jugendlichen und Leistung mit Hilfe von so genannten Hintergrundmerkmalen wie beispielsweise familiärer Hintergrund, Einstellung zum Lernen und Lernstrategien erfasst. 3
2.3 Die drei Kompetenzbereiche von PISA
In der internationalen Schulleistungsstudie werden drei Kompetenzbereiche erfasst:
1. Lesekompetenz
„Lesekompetenz ist mehr als einfach nur lesen zu können. PISA versteht Lesekompetenz als wichtiges Hilfsmittel für das Erreichen persönlicher Ziele, als Bedingung für die Weiterentwicklung des eigenen Wissens und der eigenen Fähigkeiten und als Voraussetzung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.“ 4 Anhand der PISA-Untersuchung wird erfasst, ob die 15- Jährigen in der Lage sind, schriftliches Material zu verstehen und zu interpretieren. Des Weiteren wird überprüft, ob die Jugendlichen über Inhalt und Eigenschaften von Texten reflektieren und Material im Hinblick auf Form und Inhalt bewerten können.
2 Vgl. Schiefele, Ulrich/ Artelt, Cordula/ Schneider, Wolfgang/ Stanat, Petra (Hrsg.): Struktur, Entwick-
lung und Förderung von Lesekompetenz. Vertiefende Analyse im Rahmen von PISA 2000. 1. Auflage,
Juli 2004, S. 144.
3 Vgl. Deutsches PISA-Konsortium (Hrsg.): PISA 2000. Basiskompetenzen von Schülerinnen und
Schülern im internationalen Vergleich, Opladen 2001, S. 17.
4 Max- Planck- Institut (Hrsg.), a.a.O..
4
Zur Erfassung der Lesekompetenz kommen sowohl kontinuierliche Texte (Erzählung, Beschreibung und Argumentation) als auch nicht kontinuierliche Texte (Diagramme, Karten und Tabellen) zum Einsatz. 5
2. Mathematische Grundbildung
Die Mathematische Grundbildung beinhaltet nach PISA sowohl das Verständnis von der Rolle und Bedeutsamkeit der Mathematik in der sozialen, kulturellen und technischen Welt als auch die Fähigkeit, fundierte mathematische Urteile abgeben und unter mathematischen Gesichtpunkten argumentieren zu können. Demzufolge wird in diesem Teilgebiet der PISA-Studie untersucht, ob die SchülerInnen quantitativ argumentieren, Beziehungen und Abhängigkeiten erfassen und fundierte mathematische Urteile abgeben können. Aufgrund dieser Tatsache besteht die Mathematische Grundbildung mehr als nur aus der Kenntnis und Anwendung mathematischer Sätze und Regeln. 6
3. Naturwissenschaftliche Grundbildung
Bei der Erfassung der Naturwissenschaftlichen Grundbildung geht es einerseits um das Verständnis von umfassenden Konzepten und Themen aus dem naturwissenschaftlichen Bereich wie z.B. Energieverbrauch, Artenvielfalt oder die menschliche Gesundheit, andererseits um die Überprüfung der Fähigkeit, ob die Jugendlichen in der Lage sind, dieses Wissen im naturwissenschaftlich-technischen Bereich anzuwenden und Schlussfolgerungen daraus ziehen zu können. 7
In jedem Erhebungszyklus wird einem der drei Erhebungsbereiche ein Schwerpunkt gesetzt. Dem jeweiligen Schwerpunkt wird 2/3 der Testzeit zugeteilt, sodass eine differenziertere und umfassendere Untersuchung dieses Bereichs möglich ist. Die beiden anderen Bereiche werden allgemeiner erfasst.
Im ersten Erhebungsjahr 2000 lag der Schwerpunkt in der Lesekompetenz, 2003 in der Mathematischen Grundbildung und 2006 wurde der Schwerpunkt in der Naturwissenschaftlichen Grundbildung gesetzt. Im Mittelpunkt der PISA-Studie steht aller-
5 Vgl.DeutschesPISA-Konsortium (Hrsg.), a.a.O., S. 23, 24.
6 Ebd., S. 25.
7 Ebd., S. 26
5
dings weniger die Überprüfung des in der Schule gewonnenen Faktenwissens, sondern die Erfassung von Basiskompetenzen wie z.B. Flexibilität, Anpassungsfähigkeit oder Problemlösungsfähigkeit, die für ein Zusammenleben in der Gesellschaft von sehr großer Bedeutung sind. 8
2.4 Ziele der Studie
Durch die PISA-Studie erfahren die 32 Teilnehmerstaaten in einem regelmäßigen Zeitabstand von drei Jahren etwas darüber, wie es mit dem Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten ihrer Schüler in dem jeweils untersuchten Bereich bestellt ist. Des Weiteren stellen sich alle teilnehmenden Länder dem internationalen Vergleich. Ein weiteres Ziel der Studie ist die Überprüfung der Leistungsfähigkeit der einzelnen Bildungssysteme. Die durch die PISA-Studie gewonnenen Ergebnisse können die Regierung des jeweiligen Landes dazu anregen, Veränderungen im Bildungssystem und/ oder Maßnahmen zur Verbesserung des gesamten derzeitigen Schulsystems oder nur einzelner Kompetenzbereiche zu treffen. 9
2.5 Ergebnisse der deutschen Jugendlichen in der PISA-Studie
2000
Bei der Schulleistungsstudie im Jahr 2000 belegten die deutschen SchülerInnen sowohl in der Mathematischen als auch in der Naturwissenschaftlichen Grundbildung jeweils Platz 20. Aufgrund dieser Platzierung im unteren Drittel der Rangskala, lagen die Deutschen in beiden Kompetenzbereichen unter dem OECD- Durchschnitt. Wie in Punkt 2.3 bereits erwähnt, beschäftigte sich die PISA-Studie 2000 schwerpunktmäßig mit der Untersuchung der Lesekompetenz. Aufgrund dessen werden im Folgenden die Ergebnisse bezüglich der Lesekompetenz aller teilnehmenden Staaten abgebildet.
8 Ebd., S. 22.
9 Ebd., S. 15.
6
Ergebnisse in der Lesekompetenz bei PISA 2000
2.5.1 Faktoren, die die Lesekompetenz beeinflussen
Die Befunde der PISA-Studie 2000 zeigen, dass die deutschen SchülerInnen in Bezug auf die Lesekompetenz unter dem Durchschnitt der OECD liegen. Während die Deutschen Platz 22 im Lesen einnehmen, liegt der OECD-Durchschnitt auf Platz 16. In der internationalen Schulleistungsstudie im Jahr 2000 fand man heraus, dass 9,9% der in Deutschland lebenden Jugendlichen nicht in der Lage sind einfache Texte oberflächlich zu verstehen und somit noch nicht einmal die erste Kompetenzstufe des Lesens (Kompetenzstufe I: oberflächliches Verständnis einfacher Texte) erreichten. Weitere 12,7% der deutschen Jugendlichen erreichten lediglich Kompetenzstufe I. Aufgrund der zuvor genannten Prozentzahlen kann etwa ¼ der 15- Jährigen nur auf sehr elementarem Niveau Lesen. Sie gehören zur Gruppe der potenziellen Risikoschüler. 10 Dies ist zum einen auf den hohen Fernsehkonsum der Jugendlichen zurückzuführen. Sie gehören zur Gruppe der so genannten „Vielseher“, die mehr als drei Stunden pro Tag fernsehen. Zum anderen sind die schlechten PISA-Ergebnisse auf die mangelnde Lesemotivation der Jugendlichen zurückzuführen.
10 Vgl. Franz, Kurt/ Payrhuber, Franz- Josef (Hrsg.): Lesen heute. Leseverhalten von Kindern und
Jugendlichen und Leseförderung im Kontext der PISA- Studie. Regensburg/ Worms 2002, S. 72, 73.
7
Arbeit zitieren:
Elena Kramer, 2006, PISA und die Folgen für den Elementarbereich, München, GRIN Verlag GmbH
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