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Performanz der Bild-Assoziation im Poetry Slam

Untertitel: Ansätze zu einer intermedialen Poetik

Magisterarbeit, 2006, 89 Seiten
Autor: Kordula Marisa Hildebrandt
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Details

Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 89
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 43  Einträge
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V85943
ISBN (E-Book): 978-3-638-90089-8
ISBN (Buch): 978-3-638-91803-9
Dateigröße: 394 KB

Zusammenfassung / Abstract

Wissenschaftliche Untersuchungen über Poetry Slam sind noch an zehn Fingern abzuzählen, doch auf vorhergehende Abschlussarbeiten konnte hier Bezug genommen werden. In der Arbeit wird sich aus diesem Grund nicht in erster Linie mit einer Definition des Phänomens Poetry Slam befasst und auch nicht mit der Geschichte des Slam; das haben Boris Preckwitz und Stefanie Westermayr schon ausführlich getan. Es wird sich dem Poetry Slam als `Performance Poesie` angenähert und dabei die kommunikative Wechselwirkung zwischen Autor und Zuschauer oder umgekehrt und zwischen Zuschauer und Zuschauer untersucht. Zudem werden Bild-Assoziationen, die durch die performativen Einflüsse auf Dichter und Publikum wirken, dargestellt. Beim Dichter (beim Verfassen seines Textes) und beim Rezipienten (wenn er den vorgetragenen Text aufnimmt) wird durch Assoziation ein Bild im inneren Gedankenraum projiziert. Dieser Gedankenraum wird nach Gaston Bachelard `poetischer Raum` genannt. Durch den Vortrag auf der Bühne eröffnet sich ein poetischer Raum in den Köpfen des Publikums. Der Autor kann versuchen diesen Raum durch seinen Vortrag zu steuern und anhand des `Publikumsfeedbacks` erfährt er, ob ihm dies geglückt ist. Um der Thematik der Bild-Assoziation im Poetry Slam gerecht zu werden, wird sich mit Wahrnehmungs- und Imaginationsprozessen auseinandergesetzt sowie mit Performanz-Theorien. Zum einen ist Wahrnehmung subjektiv, es gibt aber auch Assoziationen, die Kollektivbilder hervorrufen und sich durch die Idee eines `kollektiven Bewusstseins` erklären lassen. Das Kollektive spiegelt sich auch in der gemeinsamen Identifikation der Akteure während einer Poetry Slam-Veranstaltung wieder, die durch die soziale Interaktion ausgelöst wird und dem Slam die gemeinschaftliche Struktur eines kulturellen Feldes verleiht. Die Vorstellung von einem kollektiven Feld wird mit Hilfe der `Habitus-Feld-Theorie` von Pierre Bourdieu veranschaulicht. Zur Performanz im Poetry Slam wird auf Ideen von Judith Butler und Erika Fischer-Lichte Bezug genommen. Aus diesen Grundgedanken entstanden weitere wichtige Aspekte zum Thema Poetry Slam, so dass die hier vorliegende Magisterarbeit in zwei Blöcke unterteilt wird.


Textauszug (computergeneriert)

Performanz der Bild-Assoziation im Poetry Slam -

Ansätze zu einer intermedialen Poetik

Wissenschaftliche Hausarbeit

zur Erlangung des akademischen Grades
eines Magister Artium
Philosophie und Philologie
Neuere deutsche Literaturgeschichte
der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

von

Kordula Marisa Hildebrandt

2006

 

 

Inhalt

Vorwort ... 3
Einleitung  ... 6

1. `Slam Poetry`  ... 11
1.1 Literaturästhetischer Ansatz  ... 18
1.2 Poetry Slam als orale Aufführungsform  ... 24
1.3 Die `Slamily` als `Community`  ... 32

2. Das Performative im Poetry Slam  ... 39
2.1 Wahrnehmungstheoretischer Ansatz zur Performanz ...  56
2.2 Performanz der Bild-Assoziation  ... 62
2.3 Ansätze zu einer intermedialen Poetik  ... 73

3. Schlussbetrachtung  ... 83

Literaturverzeichnis  ... 84

Materialien  ... 88

 

Vorwort

[...]

Einleitung

Im berühmten Chicagoer „Get Me High Jazz Club“ wurde der Poetry Slam 1984 von Marc K. Smith ins Leben gerufen. Smith gilt seitdem unter den Anhängern der Slam- Bewegung als geistiger Mentor, der sich bemüht die Gemeinschaft - oder wie er sich ausdrückt: Die `community` - zusammenzuhalten; sie nennen ihn deshalb liebevoll „slampapi“.

Die Idee für den Poetry Slam ist Smith immer wichtig geblieben. Zum einen entwickelte sie sich aus einer großen Resignation gegenüber dem etablierten Literaturmarkt:


In my infancy as a slam poet and organizer, I failed as much as I succeeded [...] I´ve been spurned by the intellectually elite, criticized by peers, and humiliated by the stupidity and arrogance of my choices. [...] The [writing] poet gets more respect and that´s why they get the money. I think the publishing world gets the great respect in that world. When you are not good to the marked – so?4

Er verachtet die Arroganz des `elfenbeinturmartigen` Literaturbetriebs in Amerika, zu dessen Kreisen er bis heute keinen Zutritt findet.

Smith kritisierte zum anderen die Darbietungsform von Poesie: „Wieso geht es bei Jazz- Konzerten so lebendig zu, und warum starren die Menschen bei literarischen Lesungen so oft in die Ecken? So fragte sich 1986 der Baustellen-Vorarbeiter Marc Smith.“5 Auf die Art, wie er seine Gedichte vortrug und andere dazu animierte, gab er Autoren, die außerhalb des etablierten Literaturbetriebs standen, die Chance ihre Gedanken oder sinnlichen Erfahrungen vor Publikum auszudrücken. Er versuchte, sozial benachteiligten Menschen durch die `Slam Poetry` eine Stimme zu geben, die sie bis dato noch nicht hatten. Die Idee, von Gleichgesinnten bestätigt zu werden, ähnelt dem `respect-code`6-Gedanken des HipHop.

Da sich Poetry Slam im weiteren Rap-Kontext in Amerika etablierte7, werden an einigen Stellen dieser Arbeit Querverweise zur HipHop-Szene eingefügt.

Smith verinnerlichte seine selbst auferlegte Aufgabe und hat damit nicht nur eine Veränderung des Formats Dichtung und der Rezeption bewirkt - auf die in der Arbeit für den deutschsprachigen Raum Bezug genommen wird - sondern auch eine `kreative` Bereicherung für den Menschen erzielt: „I can´t tell you how many people I´ve met whose lives were changed by the poetry slam.”8

Leider wird Smith in Amerika von der literarischen Öffentlichkeit nicht gebührend gewürdigt; einen Anflug von Resignation ließ er in unseren Gesprächen in Chicago durchblicken:


I have never ever concidered myself to be in the running for being the remember of the great poem. [...] I knew probably because I was outside of the literarly circles. I was a total outsider. I knew absolutely no one. I could say that I built my career with absolutely no connections to anybody. I built my performance career just as my ability at all.9

Smith hätte jedoch nie gedacht, dass sich der Poetry Slam zu einem postmodernen, beziehungsweise spätmodernen Kunstphänomen entwickeln wird. Ab 1990 verbreitete sich der Poetry Slam über Amerika: Chicago, San Francisco, Boston, New York - in die ganze Welt. Bob Holman machte den Slam im New Yorker „Nuyorican Café“ weltberühmt und etwa 1993 kam der Dichterwettkampf nach Deutschland, wo die Pioniere Rick Maverick, Tracy Splinter und Wolfgang Hogekamp den Poetry Slam ins „Ex`n`Pop“ nach Berlin holten. Hogekamp stand allerdings nicht erst durch den Poetry Slam auf der Bühne, doch rückblickend schien dieses Format vielleicht am erfolgreichsten gewesen zu sein, da er auch jetzt noch – über zehn Jahre später - im „Bastard“ seinen Poetry Slam veranstaltet. Weitere Veranstalter und Poeten folgten und heute umfasst die deutschsprachige Szene rund 50 bis 60 Slams, die in regelmäßigen Abständen stattfinden und etwa 400 bis 450 Mitglieder zählen zur `Slamily`.

Poetry Slam ist `Live-Literatur`. Ein Rezeptionsformat, bei dem Autoren ihre Texte mit Performancecharakter innerhalb eines Wettbewerbformats aufführen. Sie treten als Konkurrenten mit ihren Gedichten gegeneinander an und das Publikum oder die Jury erhält die Aufgabe den Sieger zu bestimmen. Ein `Master of Ceremony` moderiert die Veranstaltung und regt zur Interaktion zwischen den Akteuren an.

`Slam` heißt – allein schon vom Begriff her: die Tür zuschlagen. Und das, worüber sich Poetry Slam definiert, ist die Reflexion einer Gegenwart, meint Wolfgang Hogekamp.10 Für Nora Gomringer beinhaltet Slam einen `Schlag-ins-Gesicht-Effekt`, fast eine Leichtigkeit, eine überraschende Leichtigkeit, oder eben umgekehrt, wenn man einen leichten Text performt und auf einmal kommt so etwas Schweres dazu.11

[....]


Fußnoten 1, 2, 3 im Vorwort

4 Smith, Marc Kelly; Kraynak, Joe. Slam Poetry. The Complete Idiot´s Guide to. Alpha. New York, 2004, Innenseite des Buchumschlags.

5 Brunke, Angelika und Timo (Hg.). Pressematerial des Stuttgarter German International Poetry Slam 2004.

6 Der `respect-code` bedeutet, Achtung vor der künstlerischen Leistung eines `Kollegen` zu haben und vor seiner Persönlichkeit, ihm auch gegebenenfalls durch Nachahmung zu zeigen, dass man ihn respektiert.

7 Vgl.: Ullmaier, Johannes. Von Acid nach Adlon und zurück. Eine Reise durch die deutschsprachige Popliteratur. Ventil. Mainz, 2001, 145.

8 Smith, Marc Kelly, a.a.O., XI.

9 Interview mit Marc Smith (12.10.2005, Northwest Suburb of Chicago).

10 Vgl.: Interview mit Wolfgang Hogekamp (3. August 2003, Berlin).

11 Vgl.: Interview mit Nora Gomringer (18.10.2003, Frankfurter Flughafen).


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