Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Ethische und moralische Grundlagen 4
2.1. Metaprinciple of Autonomy 4
2.2. Metaprinciple of Impartialist Reasoning 5
2.3. Kosmopolitische Werte 6
3. Die Notwendigkeit einer neuen politischen Ordnung und deren Ausgestaltung. 8
4. Kritische Betrachtung 10
5. Schlussbetrachtung 12
Literaturverzeichnis 14
2
1. Einleitung
In Zeiten einer immer stärkeren wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Vernetzung der Welt, sind eine Vielzahl politischer Theoretiker damit befasst, den Gedanken einer Weltgesellschaft und eines globalen politischen Systems neu zu fassen. In diesen Ansätzen wird meist Kants Weltbürgertum weiterentwickelt, doch die ursprüngliche Idee des Kosmopolitismus 1 reicht zurück bis zur Philosophie der Stoa. Hier konstatierte man erstmals, dass die Vernunft jedem Menschen zu eigen ist und ersann eine globale Gemeinschaft, die sich durch dieses Merkmal auszeichnete. Indirekt bestand außerdem die Absicht, die Relevanz damaliger politischer System zu relativieren und diese zu kritisieren. 2
Über die Jahrhunderte entwickelte sich der moralische Grundgedanke weiter, wurde mittels der Menschenrechte sowohl spezifiziert als auch erweitert und schließlich im internationalen Recht kodifiziert. Das Gesamtkonzept des Kosmopolitismus entwickelte sich bis heute weiter, so dass mittlerweile eine Vielzahl unterschiedlicher Ansätze zur Betrachtungsweise einer globalen Ordnung und dem Sinn und Zweck einer solchen bestehen. Unterschieden wird in erster Linie zwischen moralischem und politischem, kulturellem und ökonomischem, striktem und moderatem Kosmopolitismus. 3 Die Variationsvielfalt ließe sich noch weiter auffächern, doch so unterschiedlich die Theorien auch sein mögen, gemeinsam ist allen der Versuch „die kulturelle, legale und ethnische Basis einer politischen Ordnung in einer Welt zu garantieren, in der politische Gemeinschaften und Staaten von Bedeutung sind, diese aber nicht ausschließlich und allein“ 4 . Der Autor dieses Zitats - der zwar dem politischen Kosmopolitismus zugeordnet wird, aber selbst versucht verschiedene kosmopolitische Ansätze in seine Arbeit einfließen zu lassen - hat die Vorrangigkeit einer auf individuellen Rechten basierenden Weltordnung hervorgehoben und entwickelte auf der Basis demokratischer Grundwerte eine neue Idee der globalen politischen Gemeinschaft, die am Ursprung der Stoiker ansetzt und eine ausschließlich durch Nationalstaaten getragene politische Ordnung in Frage stellt. Er sieht aufgrund zunehmender Vernetzung der Welt - und dies in jeglicher Hinsichtdie Souveränität der Menschen übergangen und die Legitimität der Staaten schwinden. Die für eine liberal demokratische Welt unbedingt notwendige Symmetrie und Kon-
1 Vongriechisch ’kosmos’ (Universum, Ordnung, Weltordnung) und ’polis’ (Stadt, Burg, Gemeinde); nach Schmidt 2004: 390. Der Ursprung des Begriffs kann aber auch in dem griechischen Wort ’kosmopolitês’ (Weltbürgertum) gesehen werden; vgl. Kleingeld/Brown 2006.
2 vgl. Llanque 2007: 112
3 Kleingeld/Brown 2006
4 vgl. Held 2003: 167f.
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gruenz zwischen Entscheidungsträgern und Empfängern ist durch die Globalisierung in Schieflage geraten. Eine in diesem Sinne gerechte Welt, die das Individuum und die Menschenrechte in den Vordergrund stellt, ist nach David Held nur durch ein restrukturiertes Institutionengefüge im Sinne der ‚kosmopolitischen Demokratie’ möglich. Diese Arbeit will nun Helds Ansatz des Kosmopolitismus ergründen, normativen Ursprünge aufdecken und den Weg über die Universalisierung dieser, hin zur Schaffung einer kosmopolitisch gerechten Weltordnung nachvollziehen und kritisch betrachten. So werden zunächst die moralischen und ethischen Grundlagen der kosmopolitischen Demokratie erklärt, um anschließend die kosmopolitischen Werte anhand einer systematischen Auflistung von Helds Prinzipien darzustellen. Nachdem die Notwendigkeit einer neuen politischen Ordnung beleuchtet worden ist, soll konstruktive Kritik geübt und besonders anhand der Konzepte von Habermas und Höffe ein Kernproblem der kosmopolitischen Demokratie aufgezeigt werden.
2. Ethische und moralische Grundlagen
2.1. Metaprinciple of Autonomy
Das Fundament durch das die kosmopolitische Demokratie gerechtfertig werden kann, oder anders ausgedrückt, das egalitaristische, liberal demokratische Menschenbild, das nicht nur Helds Konzept, sondern jeglichem demokratischen Konzept zugrunde liegt, ist durch das Prinzip der Autonomie 5 umschrieben. Held setzt stark an Kants Werk an, welcher dieses Prinzip als „das alleinige Prinzip aller moralischen Gesetze und der ihnen gemäßen Pflichten” 6 kennzeichnet. Das Konzept der Autonomie begründet sich im Individualismus und ist nicht weiter zu rechtfertigen, sondern erstreckt sich vielmehr durch die Vernunft, welche als Grundlage zum Handeln in jeglicher Hinsicht gilt. Held leitet aus dem MPA grundlegende Eigenschaften einerseits für die Individuen und andererseits für das politische System ab. Ein Mensch kann selbstbewußt, selbstreflexiv und selbstbestimmend 7 urteilen. 8 Außerdem erschließt sich aus dem MPA die Bedingung für eine jede politische Gemeinschaft, einen “fairen Rahmen” zu bilden, welcher begrenzend und zugleich ermöglichend ist.
5 im Folgenden “MPA“
6 Kant 1906: 43
7 im Original: „self-conscious, self-reflective, self-determining“. Held 1995: 146
8 Dies trägt nicht nur Chancen für den Einzelnen mit sich, sondern auch Pflichten und Rechte, die allesamt beachtet werden müssen, um die Autonomie der anderen nicht einzugrenzen.
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Im Idealfall entspringt aus dieser Idee des fairen Rahmens eine Regierung, die durch eine rechtlich verankerte Machtstruktur begrenzt wird, wie es zumeist in einem modernen demokratischen Staat praktiziert wird. 9
Eine tatsächliche Verwirklichung des MPAs kann jedoch nur geschehen, wenn eine symmetrische und kongruente Beziehung zwischen Entscheidungsträgern und Empfängern besteht. 10 Weicht ein politisches System hiervon ab, besteht die Gefahr von Fremdentscheidung, was einem Aspekt des MPAs, der Selbstbestimmung, zuwider läuft.
Aus dieser essentiellen Ideen leitete Kant den kategorischen Imperativ ab, Held zweifelt diesen selbstverständlich nicht an, kommt allerdings zu etwas spezifischeren Prinzipien, nach denen Menschen einer kosmpolitischen Gemeinschaft handeln sollen. Diese sind nicht willkürlich gewählt, sondern durch das Prinzip der Objektivität begründet.
2.2. Metaprinciple of Impartialist Reasoning
Held bezieht sich auf das Metaprinzip der objektiven Argumentation 11 , um die Grundwerte einer gerechten Welt nicht nur zu postulieren, sondern vielmehr zu universalisieren. Jedoch lässt sich dieses Metaprinzip nur in Verbindung mit der Erkenntnis, dass der Mensch ein Vernunftwesen ist, anwenden. Eingebettet in eine ideale Sprechsituation kann so versucht werden Prinzipien auf ihre Gültigkeit - mit dem MPA als Maßstabzu testen. 12 Es gibt die Anweisung jeglichen subjektiven Standpunkt, der nur einseitig ein Problem betrachtet, aufzugeben - dies gilt für Individuen und repräsentative Organe, wie auch für Gerichte.
Dieses Instrument der objektiven Argumentation ist also einzig dafür da, den absoluten Anspruch von zur Diskussion stehender Werte zu überprüfen; d.h. es kann weder das beste Prinzip noch die ideale Zusammenstellung von Prinzipien feststellen. Anders ausgedrückt, dieses Metaprinzip kann Werten auch ihre Gültigkeit nehmen und so unrechtmäßige Handlungen aufdecken.
In dem Bestehen dieser zwei übergeordneten Grundsätze erkennt Held eine Eigenschaft, die ein liberal demokratisches Denken und somit ein kosmopolitsches Denken unantastbar macht. Diese liegt in der „Gleichursprünglichkeit“ der beiden Metaprinzpien. Dadurch wird nämlich ein Konstrukt erstellt, das den Kern des gemeinschaftlichen politi- 9 vgl.Held 2005: 147
10 nähere Erläuterungen hierzu im dritten Kapitel
11 im Folgenden „MPIR“
12 vgl. Held 2005a: 21. Held lehnt hier direkt an der Position von Rawls an, verwendet Habermas Idee der idealen Sprechsituation und implementiert Barrys Gerechtigkeit durch Objektivität. Er verwendet speziell folgende Schriften: Rawls 1971: A Theory of Justice; Habermas 1973: Wahrheitstheorien und 1996: Between Facts and Norms: Contributions to a Discourse Theory of Law and Democracy; Barry 1989: Theory of Justice und 1995: Justice as Impartiality
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Arbeit zitieren:
Till Ludwig, 2007, Politische Theorie der Weltgesellschaft: Kosmopolitismus, München, GRIN Verlag GmbH
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