Alain Badiou und die Philosophie
von
Wilhelm Roskamm
1
INHALTSANGABE
Einleitung _______________________________________________________ 2
Platonisches Schema _____________________________________________ 4
Badious Begriff der Wahrheit ______________________________________ 11
Vernähungen in der Moderne ______________________________________ 19
Aufgaben der zukünftigen Philosophie ______________________________ 26
Badious Philosophie _____________________________________________ 32
Bibliographie ___________________________________________________ 44
2
EINLEITUNG
Die Philosophie ist in der Krise. Zahlreich sind die Symptome, die auf diese Krise
hinweisen. Dabei handelt es sich nicht nur um die Frage nach dem ,,Wozu", nach dem
Sinn der Philosophie für die Gesellschaft, für die Welt. Denn die Krise der Philosophie
befindet sich in ihrem Zentrum selbst. Die Geschichte der Philosophie kann auch als
Geschichte einer fortlaufenden Selbstrücknahme verstanden werden. Mit der Kritik an
der Metaphysik, die sich mit immer neuen Facetten wiederholt und die sich sicherlich
auch gegen die oft überhöhten Ansprüche der Welt an die Philosophie richtet, wird die
Philosophie in ihrem Selbstverständnis immer wieder angegriffen. Mag es gute Gründe
für die Kritik an der Metaphysik geben - denn nicht nur in der modernen Philosophie ist
jede Form von Transzendenz abzulehnen -, so besteht die Gefahr, daß die Philosophie
mit der Metaphysik gleichgesetzt wird und jene mit dieser verschwindet. Denn aus einer
ausschließlich kritischen Perspektive, d.h. ohne philosophischen Ort wird die
Philosophie mit der Metaphysik ununterscheidbar, was dazu führt, daß mit der stetig
sich erneuernden Kritik an der Metaphysik auch das nie endende Ende der Philosophie
immer wieder eingeläutet wird.
Was bleibt dann noch von der Philosophie? Ist nur noch der skeptische bzw. der
dekonstruktive Weg offen? Oder befinden wir uns schon im Stadium ,,Nach der
Philosophie" um hier einen Buchtitel eines Philosophen aufzugreifen
1
, also in einem
Stadium in dem es nur noch ,,Philosophen", aber keine Philosophie mehr gibt? Oder gibt
es noch andere Wege die Philosophie zu denken, neue Konzeptionen von Philosophie,
die aus den zeitgenössischen Sackgassen der Philosophie hinausführen und einen
neuen Blick auf die Geschichte der Philosophie zulassen?
,,Ich behaupte nicht nur, dass die Philosophie heutzutage möglich ist, sondern auch,
daß diese Möglichkeit nicht im Durchgang durch ein Ende besteht. Es handelt sich
ganz im Gegenteil darum zu wissen, was es heißt, einen Schritt weiter zu gehen.
Einen einzigen Schritt. Einen Schritt in der modernen Konstellation, jener, die seit
Descartes die drei Kernbegriffe, nämlich Sein, Wahrheit und Subjekt, an die
Bedingungen der Philosophie knüpft." (MP, S.14)
2
Daß die Philosophie nicht zu Ende sei, wie im 20. Jahrhundert immer wieder behauptet
wurde; daß es trotz der Krise der Philosophie möglich sei, auf dem Weg der Philosophie
einen Schritt weiterzugehen; und daß die Philosophie immer in Bezug zur Nicht-
Philosophie, zum Außen der Philosophie stehe, das sind die zentralen Thesen von
Alain Badious Manifest für die Philosophie. Badiou, dessen Werk in Deutschland bisher
kaum bekannt ist
3
, legt mit seinem Manifest für die Philosophie ein Buch vor, das
1
C
AVELL
, Stanley: Nach der Philosophie Essays Berlin 2001.
2
B
ADIOU
, Alain: (Sg : MP) Manifeste pour la philosophie Paris 1989. Eine Auflistung der Siglen
findet sich in der Bibliographie.
3
Eine erste Erwähnung von Badiou im deutschsprachigen Raum findet sich in: T
AURECK
,
Bernhard: Französische Philosophie im 20. Jahrhundert Analysen, Texte, Kommentare Reinbeck
bei Hamburg 1988, S. 126128. Und die bisher erste ausführliche und auf deutsch erschienene
kritische Auseinandersetzung findet sich in den Büchern von Slavoj Zizek. Zuerst in Z
IZEK
,
Slavoj:
Das Unbehagen im Subjekt Wien 1998 und dann etwas ausführlicher in Z
IZEK
, Slavoj: Die Tücke
des Subjekts Frankfurt am Main 2001.
3
sowohl eine Symptomatologie des zeitgenössischen philosophischen Denkens sein will
und zugleich ein ,,Programm für die kommende Philosophie"
4
entwickelt. Im Mittelpunkt
dieser Zusammenhänge steht das Verhältnis der Philosophie zu ihren ,,Bedingungen",
den anderen Formen des Denkens. Dies ist der fundamentale Ausgangspunkt von
Badious Philosophie.
Nun handelt es sich bei dem Manifest nicht um die Darstellung seiner eigenen
Philosophie. Diese hatte Badiou vor allem in seinem Hauptwerk L'etre et l'evenement
5
vorgelegt. Da hier das Manifest mit Badious programmatischen Äußerungen zur
prekären Lage der gegenwärtigen Philosophie vorgestellt werden soll, kann die
Philosophie von Badiou hier nur ansatzweise, soweit es für die Darstellung dieser
Zusammenhänge notwendig ist, beschrieben werden. Auch wenn im Verlauf des Textes
immer mehr Elemente und eine Vielzahl von Thesen seiner Philosophie angesprochen
werden, so werden doch die grundlegenden Aspekte seines Denkens außer Acht
gelassen. Dies sind seine, wie Badiou es selber nennt, ontologischen Entscheidungen
6
und seine Bezüge zur Mathematik, d.h. für ihn vor allem: Mengenlehre. Ausgangspunkt
dieser Darstellung ist also nicht das Zentrum von Badious Philosophie, sondern seine
Konzeption von Philosophie, so wie Badiou sie aus und für die Geschichte der
Philosophie entwickelt.
Aber selbstverständlich kann die Symptomatologie der gegenwärtigen Philosophie
nicht ohne eigene Philosophie auskommen. Um Geschichte der Philosophie zu
machen, bedarf es immer einen Spannungsbogen zu der eigenen Philosophie. Weder
kann es eine rein empirische philosophische Geschichtsschreibung, noch sollte es eine
Geschichtsschreibung geben, bei der die Geschichte der Philosophie zur Illustration der
eigenen Philosophie wird. Zwischen diesen beiden Polen die Spannung aufrecht zu
halten, das ist die Kunst einer philosophischen Geschichtsschreibung, aber auch einer
Symptomatologie der gegenwärtigen Philosophie. Wie nun Badiou in seinem Manifest
dieses Spannungsverhältnis zwischen der eigenen Philosophie und der Geschichte der
Philosophie aufrecht hält, ohne die Konsistenz des Denkens zwischen den beiden
Polen zu verlieren, wird sich im folgenden zeigen.
7
4
Um an dieser Stelle an einen wenig beachteten Aufsatz von Benjamin zu erinnern.
B
ENJAMIN
,
Walter: Über das Programm der kommenden Philosophie in: Gesammelte Schriften Band II
Frankfurt am Main 1980, S. 157171.
5
B
ADIOU
, Alain: L'être et l'événement Paris 1988 und in Ansätzen schon in B
ADIOU
, Alain: Théorie
du sujet Paris 1982.
6
Um sie an dieser Stelle zumindest zu erwähnen: Badiou hatte einige in einem Aufsatz über
Deleuze aufgezählt, um seine Unterschiede zu Deleuze zu markieren: ,,Der Autor dieser Zeilen
hat eine andere ontologische Wahl vollzogen, zugunsten der Substraktion, der Leere und des
Mathems. Für ihn spielen Zugehörigkeit und Inklusion eben die Rolle, die Deleuze Begriffen wie
Falte und Welt zugedacht hat." B
ADIOU
, Alain: (Sg: DL) Deleuze, Leser von Leibniz Aus: Härle,
Clemens-Carl (Hrsg.): Karten zu "Tausend Plateaus" Berlin 1993. S. 153.
7
Bei Bernhard Jensen möchte ich mich für Korrekturen und Hinweise und bei Ute Roskamm für
das Zeichnen der Schemata bedanken.
4
PLATONISCHES SCHEMA
,,Die Philosophie kann aber eben nicht anders als das Denken zu denken,
das Denken als Denken des Denkens zu identifizieren."
(KH, S.30)
8
Auffallendes Merkmal von Badious Denken ist die immer wiederkehrende
Rückwendung auf Platon. Badiou kritisiert den in der Moderne vorherrschenden
Antiplatonismus; in den meisten seiner Schriften wird Platon als Ausgangspunkt für die
unterschiedlichsten Themen herangezogen; er fordert einen modernen Platonismus,
spricht von einem ,,Platonismus des Mannigfaltigen" (MP, S.113) und bezieht sich auf
den seiner Ansicht nach einzigen ,,unverhohlenen" modernen Platonismus, nämlich auf
den Mathematiker Albert Lautmann (MP, S.109). Nun handelt es sich bei Badious
Rückwendung auf Platon nicht einfach um die Renaissance des Platonismus oder um
eine Restitution der Ideenlehre, sondern um das, was Badiou ,,platonische Geste" oder
,,platonische Initiative" (MP, S.109) nennt. Die platonische Geste ist gleichbedeutend mit
der philosophischen Geste und steht mit den Möglichkeitsbedingungen von Philosophie
überhaupt in Zusammenhang.
Die Entstehung der Philosophie ist kontingent. Sie unterliegt bestimmten
Bedingungen, durch die sie ermöglicht wird. Für Badiou liegt die Geburt der Philosophie
wie allgemein angenommen in Griechenland, bestimmt aber Platon als den ersten
Philosophen. Badiou greift in seiner Begründung für diese Bestimmung Heideggers
Unterscheidung zwischen Denken und Philosophie auf. Dieser hatte die Philosophie seit
Platon der Seinsvergessenheit bezichtigt und dagegen die Vorsokratiker als Denker des
Seins bestimmt, die noch ein ursprüngliches Verhältnis zum Sein und das heißt zur
Wahrheit hatten. Diesen Einschnitt in der Geschichte der Philosophie übernimmt
Badiou, wendet ihn aber in eine ganz andere Richtung. Für Badiou ist die
Philosophie nicht in Griechenland entstanden, ,,weil es [das griechischen Denken]
das Heilige in der mythischen Quelle der Dichtung bewahrte oder weil ihm die
Verborgenheit von Präsenz als esoterische Rede über das Sein vertraut war" (MP, 18).
Sondern für Badiou und hier wendet er sich gegen Heideggers Position - besteht der
Ursprung der Philosophie in Griechenland gerade in der Abkehr von der Dichtung und
deren Verbindung zum Mythos. Diese Abkehr wird von der Mathematik mitinitiiert. Die
Entstehung der entmythisierenden Wissenschaft ist somit eine wesentliche Bedingung
für die Entstehung der Philosophie, aber nicht deren einzige Bedingung, wie Badiou in
seiner Beschreibung der kontingenten Gründe Griechenlands für die Geburt der
Philosophie zusammenfaßt:
,,Die Besonderheit Griechenlands besteht vielmehr darin, die Erzählung von den
Ursprüngen mit der laizisierten und abstrakten Rede unterbrochen, das Ansehen der
Dichtung durch die Wissenschaft erschüttert, die Stadt als eine offene, umstrittene,
unbesetzte Macht begriffen und die Gewitter der Leidenschaft auf den Schauplatz der
Öffentlichkeit gebracht zu haben." (MP, S. 18)
8
B
ADIOU
, Alain: (Sg: KH) Kleines Handbuch der In-Ästhetik Wien 2001.
5
Wenn Badiou in diesem Zitat die Gründe für die Entstehung der Philosophie in
Griechenland anführt, so verweisen diese vier genannten Besonderheiten gleichzeitig
auf das Schema der ,,Bedingungen", das er anhand des Werkes von Platon für die
Philosophie entwickelt. Für Badiou ist die Bedingtheit der Philosophie weder abstrakt
noch diffus im Sinne einer allgemeinen gesellschaftlichen Bedingtheit -, sondern sie
ist sehr konkret und von daher bestimmbar: Dichtung, Wissenschaft, Politik und Liebe
sind die vier Bedingungen der Philosophie und ermöglichen in ihrer Kompossibilität die
Philosophie. Sie bilden das platonische bzw. philosophische Schema mit ihren vier
Polen. Dieses Schema nimmt Badiou als Grundlage für die Philosophie, als Grundlage
seiner Darstellung von Philosophie. Diese Übertragung der Bedingungen von Platon auf
die ganze Philosophie begründet Badiou dadurch, daß sich Wissenschaft, Politik, Kunst
und Liebe als Bedingungen der Philosophie in der Geschichte der Philosophie relativ
konstant durchgehalten haben (MP, S.17)
9
.
Von Bedingungen zu sprechen, heißt nun mehr als nur die Gründe für die
Entstehung der Philosophie anzuführen: es handelt sich für Badiou nicht einfach um
externe Bedingungen, sondern um interne, d.h. die Philosophie muß diese
Bedingungen in ihrer Gesamtheit anerkennen und sie zu den Bezugspunkten ihres
Denkens machen. Und darüber hinaus: Bei den vier Bedingungen der Philosophie
handelt es sich um vier unabhängige Denkformen. So gibt es z.B. für Badiou einen
Wesensunterschied zwischen Philosophie und Wissenschaft. Zwar steht, wie wir
gesehen haben, die Entstehung der Philosophie in enger Beziehung zur Entstehung der
Wissenschaften, aber diese ist nur eine, wenn auch die wichtigste Bedingung für die
Entstehung der Philosophie. Die Philosophie ist keine Wissenschaft, sondern sie hat die
Aufgabe, das Mathem Badiou spricht statt von Wissenschaft immer vom Mathem
10
-
zu denken und zwar im Zusammenhang mit den drei anderen Bedingungen. Die
Philosophie ist demnach eine Art Metadenken, ein Denken, das die anderen Formen
des Denkens denkt. Und jeder dieser vier Denkformen ist ihre Wahrheit immanent. Es
gibt für Badiou also nicht nur eine Wahrheit, sondern vier Wahrheiten. Liebe, Politik,
Mathem und Kunst sind unabhängige und heterogene Wahrheitsprozesse, oder wie
Badiou sie auch nennt: generische
11
Prozesse. Diese Denkformen sind also sowohl
9
Nur einmal wird im Manifest die Frage gestellt, ob es auch mehr als vier Bedingungen der
Philosophie geben könnte. Und zwar in bezug auf die Psychoanalyse. Für Badiou verschiebt sich
also die Frage, ob die Psychoanalyse eine Wissenschaft ist, zu der Frage, ob sie eine
eigenständige Bedingung der Philosophie ist. Ohne die Frage wirklich zu beantworten, ordnet
Badiou die Psychoanalyse sogleich in die Bedingung der Liebe ein (MP, S.82f.).
10
Zur Verwendung des Wortes Mathem bei Lacan vgl.
R
OUDINESCO
, Elisabeth: Jacques Lacan
Bericht über ein Leben Geschichte eines Denksystems Köln 1996,
S.531f. und zur Bestimmung des
Mathems als das Lehrbare vgl. L
IPOWATZ
, Thanos: Die vier Diskurse Aus: Hombach, Dieter
(Hrsg.): Zeta 2 Mit Lacan Berlin 1982, S. 138f.
11
Diesen Begriff der Generizität transformiert Badiou aus der Mathematik in die Philosophie. Später
wird auf diesen Begriff noch zurückzukommen sein. Hier an dieser Stelle nur so viel: Für Badiou
bestimmt sich dieser Begriff des Generischen durch das Denken des Ununterscheidbaren und
gleichzeitig durch die Entstehung aus dem Ununterscheidbaren. Zizek weist auf die zwei
Assoziationen hin, die der Neologismus ,,generisch" nahe legt: ,,generell das heißt ohne
spezifische Eigenschaften und die Wahrheit generierend."
Z
IZEK
,
Slavoj: Das Unbehagen im
Subjekt Wien 1998,
S.137.
6
Bedingungen und Bezugspunkte der Philosophie als auch der durch ihre Konstellation
gegebene Grund, auf dem sich die Philosophie konstituiert. Die Aufgabe der
Philosophie besteht dann darin, diese vier Bedingungen oder generischen Prozesse in
einem kompossiblen Denkraum zu versammeln und ihnen in ihrer Wahrheit und
Heterogenität durch einen begrifflichen Rahmen Ausdruck zu verleihen. Und dadurch
konstituiert die Philosophie sich ja auch selbst als Philosophie. Nur wenn die
Philosophie diese Aufgabe erfüllt, dann handelt es sich wirklich um Philosophie. Fehlt
einer dieser Bedingungen als Bezugspunkt, dann kann von Philosophie im strengen
Sinne nicht mehr gesprochen werden: die Philosophie ist dann nicht mehr in
Übereinstimmung mit ihrer Bestimmung (MP, S.13).
Wenn in diesem Zusammenhang von Ausdruck gesprochen wird, dann soll darauf
hingewiesen werden, daß es sich in dem Verhältnis der Philosophie zu den vier Polen
des Denkens nicht um ,,Summationen oder Totalisierungen" (MP, S.22) handelt, wie
Badiou ausdrücklich betont, sondern sie können auch implizit vorhanden sein.
,,Es ist selbst nicht immer notwendig, daß die Philosophie die Aussagen oder lokalen
Gegebenheiten der generischen Prozesse erwähnt. Die philosophischen Begriffe
rastern einen allgemeinen Raum, in dem das Denken zur Zeit, zu seiner Zeit kommt,
insofern die Wahrheitsprozesse dort ihren Schutz ihrer Kompossibilität finden." (MP,
S.23)
Diese Aufgabe, seine Zeit, das antike Denken in ihrer Kompossibilität zum Ausdruck zu
bringen, hat Platon nach Badiou als erster erfüllt, deshalb ist er auch der erste
Philosoph (MP, S.19) und ,,der Begründer der Philosophie" (KH, S.7). Offensichtlich ist,
daß Platon sich auf die vier Pole der Philosophie bezogen hat. So hatte ja Platon am
Eingang der Akademie die Inschrift ,,Niemand soll hier eintreten, der nicht Geometrie
studiert hat" anbringen lassen
12
. So hatte Platon in seiner Politea die Dichtung aus dem
Staat entfernen lassen, doch war es laut Badiou ein ,,schmerzliches Verabschieden"
(MP, S.19). So hat sich Platon mit der Liebe im Symposium und im Phaidon beschäftigt
und ihr ,,in unübertrefflichen Texten die Verbindung zur Wahrheit" (MP, S.19) gegeben.
Und daß für Platon die Politik ein zentrales Anliegen und auch Motivationsgrund seiner
Philosophie war, ist ja allgemein bekannt.
Anhand der Bedingung Politik kann hier kurz angedeutet werden, was ,,Denken
der Bedingungen" bei Badiou heißt und daß es eine Notwendigkeit des Denkens der
Bedingungen für die Philosophie gibt. Dabei zeigt sich auch, wie sich die Interpretation
eines philosophischen Textes wie Platons Politea verschieben kann.
,,Der politische Entwurf schließlich wird als Textur des Denkens selbst verhandelt,
denn am Ende des neunten Buches der Politea weist Platon ausdrücklich darauf hin,
daß seine ideale Stadt weder ein Programm noch eine Wirklichkeit ist und die Frage,
ob es sie gebe oder geben könnte, gleichgültig sei, daß es sich hier nicht einfach um
Politik handelt, sondern um Politik als Bedingung des Denkens, um die
innerphilosophische Ausformulierung der Gründe, weshalb es keine Philosophie gibt,
ohne daß die Politik den realen Status eines möglichen Entwurfs hat." (MP, S.19)
12
Vgl.
V
ERNANT
, Jean-Pierre: Die Entstehung des griechischen Denkens Frankfurt am Main 1982,
S.131.
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