I. Einleitung II. Was sind Pidgin- und Kreolsprachen?
III. Der Ursprung der Pidginsprachen IV. Die Theorie der Monogenese V. Die „Lingua Franca“ des Mittelmeers VI. Kurzer Abriss der Geschichte des Portugiesischen Kolonialreichs VII. Historische Analyse der These der Monogenese VIII. Linguistische Analyse der These der Monogenese IX. Fazit X. Literatur
I. Einleitung
Zu Beginn der Neuzeit und am Ende des Mittelalters machten sich die Europäer auf, um die Welt außerhalb ihres Kontinents zu erkunden und zu erobern. Ausgehend davon, dass man eine christliche Mission hatte, die größten Feinde in der Reconquista aus Spanien und somit aus Europa verband hatte und schließlich mit dem Wissen um die eigene Vergangenheit, das der Humanismus und die Renaissance wieder hervorgeholt hatten, machte man sich auf den Weg. Die Technik war weit fortgeschritten und so war die Erkundung der Welt nicht mehr
Allerdings gab es ein Problem, mit dem man nicht rechnete. Die Menschen auf die man traf, sprachen keine der bekannten Sprachen. Das war eine denkbar schlechte Grundlage, um diesen unterentwickelten Völkern das Licht der Zivilisation zu bringen. Die Verständigung aber klappte doch und das Ergebnis war, dass sich die europäischen Sprachen auf der ganzen Welt ausbreiteten. Manche von ihnen in einer seltsamen Mischform, in der eine eigenartige Grammatik vorherrscht. Das beschäftigte Linguisten und interessierte Laien schon von Beginn an.
Zunächst wurde beschrieben, was man hörte und dann wurde darüber nachgedacht, was der Grund dafür sein könnte. Mitte des vergangenen Jahrhunderts schließlich gab es eine Theorie, die bis heute in den Einführungsbüchern zur Sprachkontaktforschung präsent ist: Die Theorie der Monogenese. So unwahrscheinlich es auch klingen mag, wurde davon ausgegangen, dass alle diese Mischsprachen eine Wurzel haben, aus der sie entsprungen sind. Diese Pidgin- und Kreolsprachen entstammen alle dem Portugiesischen. Leicht kann man sich vorstellen, dass eine solche Theorie angegriffen werden musste und durch vermeidlich bessere ersetzt wurde.
Der Verfasser dieser Arbeit ging ganz unbefangen an diese Theorie heran. Zunächst bloß fasziniert von der Idee, einmal nachvollziehen zu wollen, wie diese Theorie entstand, entwickelte sich schließlich der Wunsch zu überprüfen, ob diese Theorie wirklich haltbar ist. Der Verfasser stellte sich die simple Frage, die er hier nachgehen wollte und die zur Fragestellung dieser Arbeit wurde: Ist die Theorie der Monogenese
von Pidgin- und Kreolsprachen uneingeschränkt stimmig oder muss sie revidiert oder gar falsifiziert werden?
Dazu soll die die Theorie zunächst vorgestellt und eingeordnet werden, um dann in einer im Rahmen dieser Arbeit möglichen historischen und schließlich auch linguistischen Analyse beurteilt zu werden.
Das Fazit hieraus kann nicht das Nonplusultra für die Kreolistik sein, doch liefert es vielleicht einen kleinen Ansatz im Umgang mit dieser Theorie.
II. Was sind Pidgin- und Kreolsprachen?
Wo immer Menschen verschiedener Sprachen aufeinandertreffen und miteinander zu kommunizieren versuchen, treten ihre beiden Sprachen in Kontakt. Die Kommunikation, die, nach Watzlawick, nicht nicht stattfinden kann (Biermann & Schurf (Hgg.) 1997: 57) muss derart gestaltet sein, dass beide Sprecher probieren sich einander verständlich zu machen. Das passiert vornehmlich durch Gesten und Mimik (Riehl 2004: 106). Diese paraverbale Kommunikation aber endet spätestens dann, wenn es zu komplexen Formen der Kommunikation kommt, wenn etwa miteinander verhandelt werden soll. Beide Interakteure müssten nun die Sprache des jeweils anderen lernen bzw. einer die Sprache des anderen. Das aber erfordert langwierige Studien, für welche die Interakteure nicht immer die Zeit aufbringen
In manchen Fällen ist es dann möglich auf eine Sprache zurückzugreifen, die beide Sprecher kennen und die beide beherrschen. Ist dies aber nicht der Fall, ergibt sich ganz unbewusst, wie in den meisten Fällen der Interaktion zwischen Menschen, dass beide Sprecher beginnen, eine eigene Sprache zu entwickeln, mit deren Hilfe sie kommunizieren können.
Sprachen, die daraus entstanden sind, dass zwei oder auch mehrere Sprachen aufeinander treffen und eine neue Sprache bilden, die dann von den Sprechern der ursprünglichen Sprachen nicht ohne weiteres als eine auf ihrer Sprache basierende wahrgenommen werden kann (Riehl 2004: 100), werden als Pidgin bezeichnet, wobei der Ursprung des Begriffs noch nicht hinlänglich geklärt wurde (Riehl 2004:
Im Gegensatz zu dem so genannten „Code-Mixing“ bzw. „Code-Switching“, dass oft bei ethnischen Minderheiten innerhalb des Sprachverhaltens beobachtet werden kann, ist dabei zu unterscheiden, dass sowohl beim „Code-Switching“ als auch beim „Code-Mixing“ eine umfassende Kenntnis der beiden Sprachen vorausgesetzt wird (Bechert/Wildgen 1991: 59f). Das ist bei dem Erwerb von Pidginsprachen nicht der Fall. Der Sprecher einer Pidginsprache wird seine Muttersprache kennen, ist aber nicht auf eine Kenntnis der zweiten beteiligten Sprache angewiesen. Die Kenntnis der anderen beteiligten Sprache ist auch oft gar nicht notwendig, da die entwickelte
Sprache für die Tätigkeit, bei der sie gebraucht wird, sei es beim Handeln oder auch in einfacheren Formen der Diplomatie, hinreichend ist. So besteht gar nicht die Notwendigkeit, die andere Sprache zu erlernen.
Damit eine eindeutige Klassifizierung des Pidgin vorgenommen werden kann, ist es nötig Kriterien zu finden, mit deren Hilfe Pidginsprachen als solche auch erkennbar gemacht werden. Drei Kriterien sind nach Riehl auszumachen. Eine Pidginsprache muss erstens, wie bereist oben erwähnt, für die Sprecher der Quellsprache unverständlich sein. Das ist zum Beispiel im Russenorsk der Fall, einer Pidginsprache, die als Quellsprache Norwegisch und Russisch anführt. Die Sprecher dieser Sprache sind sich des Ursprungs dieser Sprache nicht bewusst und meinen sie sprächen die Sprache des jeweils anderen (Riehl 2004: 100). Obwohl eine Pidginsprache wohl aus der Verlegenheit entsteht, dass zwei Sprecher zweier Sprachen ihre Sprachen mischen, ist Pidgin zweitens keine Sprache, die ohne Lernen genutzt werden kann. Wie jede Sprache hat sie Konventionen, die man nur durch Erlernen erkennt. Riehl spricht hier von Konventionalisierung (Riehl 2004: 101). Drittens ist festzuhalten, dass eine Pidginsprache keine Muttersprachler hat. Jeder Sprecher eines Pidgin besitzt auch noch eine weitere Sprache, die er vom Kindesalter her erlernt hat (Riehl 2004: 101).
Das letzte Kriterium hat damit zutun, dass es sich bei Pidginsprachen oft um Gebrauchssprachen handelt, die auf ihren speziellen Verwendungszweck zugeschnitten sind und daher keine große Komplexität aufweisen. Wird aber der Bedarf der Sprache über ihre ursprüngliche Bedeutung hinweg erweitert, entwickelt sich das Pidgin weiter. So sprechen Bechert und Wildgen von einem Lebenszyklus der Pidginsprachen (Bechert/Wildgen 1991: 133). Dieser unterscheidet in sechs Stadien der Pidginsprachen:
1. Entstehung des Pidgin
2. Minimales Pidgin
3. Pidgin
4. Entwickeltes Pidgin
5. Beginnendes Kreol
Arbeit zitieren:
Heiko Schnickmann, 2007, Die Theorie der Monogenese von Pidgin- und Kreolsprachen, München, GRIN Verlag GmbH
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