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Die Regeln der Arbeitswelt sind im Wandel. Heute werden wir an einem neuen Maßstab gemessen. Wir werden nicht nur daran gemessen, wie gescheit wir sind, oder an unserer Ausbildung und unseren Fachkenntnissen, sondern auch daran, wie geschickt wir mit uns selbst und anderen umgehen. Dieser Maßstab kommt immer öfter zur Anwendung, wenn darüber entschieden wird, wen man einstellt und wen nicht, wen man entläßt und wen man behält, wen man übergeht und wen man befördert. Die neuen Regeln lassen erkennen, wer wahrscheinlich ein Leistungs-As und wer höchstwahrscheinlich scheitern wird, und sie messen die Merkmale, von denen es abhängt, ob wir für eine künftige Stellung in Frage kommen oder nicht. Sie haben allerdings wenig damit zu tun, was uns in der Schule als wichtig gelehrt wurde, denn akademische Fähigkeiten spielen für diesen Maßstab kaum eine Rolle. Technisches Wissen und ausreichende intellektuelle Fähigkeiten werden als selbstverständlich vorausgesetzt, persönliche Qualitäten wie Initiative und Empathie, Anpassungsfähigkeit und Überzeugungskraft stehen hingegen im Mittelpunkt. 1 Leider erscheinen Emotionen oft als Hindernis und Störung, lenken ab, verhindern den Fluß objektiver Daten, komplizieren die Entscheidungsfindung und untergraben Autorität. Viele Manager neigen dazu, Unternehmen als rein betriebswirtschaftliche Größe zu sehen und entsprechend zu steuern und unterschätzen dabei, daß überall dort, wo Menschen zusammenarbeiten, noch andere Grundmechanismen gelten. 2 Gefühl scheint dem Privatleben vorbehalten zu sein. Am Arbeitsplatz, im Unternehmen ist nüchternes Kalkül angesagt, klare logische Sachlichkeit. Die Realität belehrt uns eines besseren, denn der Mensch als reines Vernunft- und Verstandeswesen ist ein Mythos. Wir alle wissen um die Wirkung von Gefühlen, sie sind die Richtschnur für unser Handeln: sie fördern oder verhindern Geschäfte ebenso wie den Erfolg. 3 In einer Zeit, wo es keine Arbeitsplatzsicherung gibt, wo schon der Begriff des Arbeitsplatzes zusehends durch portable Fertigkeiten ersetzt wird, sind dies vorrangige Fähigkeiten, die uns eine Beschäftigung verschaffen und erhalten. Jahrzehntelang hat man locker, unter
1 vgl. Goleman, Daniel: EQ 2 - Der Erfolgsquotient, München / Wien 1999, S. 11-12
2 vgl. Geiselhardt, Edgar / Dietz, Ingeborg: Emotionale Intelligenz. Innere Achtsamkeit heißt eine zentrale Kategorie in einem neuen Seminarkonzept zum Lernziel „emotioinale Intelligenz“, in: Personalführung, 1998, 31 (3), S. 58
3 vgl. Ulsamer, Bertold: Karriere mit Gefühl, So nutzen Sie Ihre emotionale Intelligenz, Frankfurt / New York 1996, S. 9
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den verschiedensten Bezeichnungen, über diese menschlichen Talente gesprochen; so war lange Zeit die Rede von Charakter und Persönlichkeit, von weichen Fähigkeiten und von Kompetenz. Nun versteht man sie endlich genauer, und es ist ein neuer Name geboren: emotionale Intelligenz. 4
Zunächst werden die Begriffe Emotion und Intelligenz definiert. Es wird gezeigt, daß Emotionen Handlungsimpulse sind, die unser Handeln, unsere Empfinden und Reaktionen wesentlich steuern, und erklärt, was unter der klassischen, rein kognitiven, Intelligenz zu verstehen ist. Anschließend wird der Ansatz der emotionalen Intelligenz und seine Entwicklung dargestellt. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht jedoch die Frage, ob und inwieweit das Vorhandensein emotionaler Intelligenz bei Führungskräften deren und den Erfolg des Unternehmens bestimmt.
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Analysiert man den Stamm des Wortes „Emotion“, so ergibt sich aus dem lateinischen „movere“ (bewegen) ergänzt um die Vorsilbe „e“ das Wort „hinbewegen“. Emotionen bewegen uns folglich nicht nur, sondern sie bewegen uns zu etwas hin. Emotionen sind Handlungsimpulse 5 . Als Informationssystem vermitteln sie dem Individuum seine Reaktionen auf Umweltreize in Form von emotionalen Bedeutungen. Die emotionalen Bewertungsmechanismen, die uns mitteilen, was in einer Situation gut oder schlecht für uns ist, sind angeboren und modifiziert. 6 werden durch Lernerfahrungen differenziert und Die Informationsverarbeitung erfolgt schnell, automatisch, ohne bewußte
Aufmerksamkeit und kognitiven Aufwand. Ein emotionales Signal ist eine blitzlichtartige Information zur aktuellen Bedeutung der Gesamtsituation hinsichtlich unserer Ziele, unseres Wohlbefindens und unserer körperlichen Unversehrtheit. Beispielsweise verrät uns das Gefühl der Angst nicht nur, daß die gegenwärtige Lage negativ ist, sondern daß sie gefährlich werden kann und daß unsere Fähigkeiten ggf. nicht zur Bewältigung der Situation ausreichen. Gleichzeitig
4 vgl. Goleman, Daniel: EQ 2 - Der Erfolgsquotient, ibd., S. 12
5 vgl. Goleman, Daniel: EQ - Emotionale Intelligenz, 12. Auflage, München 1997, S. 22-23
6 vgl. Cameron-Bandler, Leslie / Lebeau, Michael: Die Intelligenz der Gefühle, Grundlagen der „Imperative Self Analysis“ I, Paderborn 1990, S. 52-53
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werden Handlungsbereitschaften ausgelöst, die im Falle der Angst Impulse zu Flucht- oder Angriffshandlungen sein können. Zudem wird der Körper durch physiologische Veränderungen auf die Ausführung entsprechender Handlungen vorbereitet. 7 So treibt Angst das Blut in die Beine und ermöglicht damit eine schnellere Flucht. Dennoch würden die meisten der These „Nur wer nicht rational denken kann, läßt sich von Emotionen leiten“ zustimmen. Neueste Forschungen zeigen jedoch, daß Emotionen schneller sind als rationale Gedanken. 8 Schon nach dem ersten Aufflackern gerät der uralte Reflex von Wut oder Schrecken, Freude oder Angst in die Kontrollsysteme der jüngeren Gehirnteile, die den Hirnstamm bzw. Kortex (der Teil des Gehirns, der für Koordination und Erkennung zuständig ist) in mehreren Schichten umschließen. 9 Daß Emotionen einen solch zentralen Einfluß auf unsere Reaktionen, unsere Empfindungen und unser Handeln haben, ist auch darin begründet, daß die höheren Hirnzentren im limbischen System (umringt den Hirnstamm, den Kortex; limbus = Ring) ihren Ursprung haben und unzählige Verbindungen zwischen limbischem System und Neokortex (Erweiterung des Kortex) bestehen. 10 Das limbische System ist für Gefühle und deren Bewertung zuständig und beginnt zu sortieren, was wichtig für uns sein könnte und wie wir reagieren sollten. 11 Entscheidend für unsere emotionalen Reaktionen ist noch ein weiteres Organ, und zwar der Mandelkern, ein mandelförmiges Gebilde, das oberhalb des Hirnstammes, nahe an der Unterseite des limbischen Systems, sitzt. Er verfügt sowohl über eine direkte Verbindung zum Thalamus 12 als auch über eine Verbindung zum Kortex. Verschiedene Untersuchungen zeigen, daß es im Falle beeinträchtigter oder fehlender Aktivität des Mandelkerns zu einer sogenannten
7 vgl. Döring-Seipel, Elke / Sanne, Christoph: Emotionale Intelligenz, in: Gruppendynamik, 1999, 30 (1), S. 39
8 vgl. Pietschmann, Bernd P.: Emotionale Intelligenz. Brauchen wir neue Führungskonzepte?, in: Personal, 1998, 50 (3), S. 132
9 vgl. Höhler, Gertrud: Herzschlag der Sieger. Die EQ-Revolution, S. 44
10 vgl. Pietschmann, Bernd P.: ibd., S. 132
11 vgl. Höhler, Gertrud: ibd., S. 44
12 Der Thalamus ist die zentrale Sammel- und Umschaltstelle für alle der Großhirnrinde zufließenden Erregungen aus der Umwelt und Innenwelt („Tor zum Bewußtsein“). Darüber hinaus ist der Thalamus ein wichtiges selbständiges Koordinationszentrum, in dem die verschiedenen Empfindungen (z.B. Schmerz, Geschmack) miteinander verknüpft werden (vgl. Pschyrembel, Prof. Dr. med. Dr. phil. Willibald, Klinisches Wörterbuch, 252. durchgesehene und verbesserte Auflage, Berlin / New York 1975, S. 1203).
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Arbeit zitieren:
Claudia Meyer, 2001, Emotionale Intelligenz als Voraussetzung für Führungskräfte, München, GRIN Verlag GmbH
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