Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen 3
1.) Die Quellen 3
2.) Das neue Reich Konstantins 6
3.) Literatur 10
2
Vorbemerkungen
Die Urteile über den römischen Kaiser Konstantin I. gehen weit auseinander. Sie reichen „[…] vom religiös indifferenten, egoistischen Machtmenschen bis zum Herrscher, dem eine besondere Offenbarung, eine himmlische Erleuchtung zuteil geworden und der fortan mit dem Feuergeist eines Kämpfers für die Sache Gottes eingetreten sei.“ 1 Seine Religionspolitik hat die entscheidenden Weichenstellungen für den Aufstieg des Christentums im Römischen Reich etabliert. 2 Historiker bleiben von den uns verfügbaren Überlieferungen abhängig. Die Macht der Quellen ist erheblich, besonders dann, wenn für Zeitabschnitte nur wenig Material vorliegt. Bei der Auswahl der Quellen obliegt es jedem Historiker, was er für seine Untersuchungen als brauchbar einstuft. Und deshalb gilt Scheuchs Einschätzung: „Geschichte ist ein Steinbruch, aus dem jede Generation sich das herausbricht, was sie zur Bewältigung oder zur Unterhaltung der eigenen Zeit benötigt. Man übernimmt Denkformen oder Namen als Schablonen, in die je nach Bedarf und Möglichkeiten neue Inhalte gegossen werden.“ 3 Um für die Zeit Konstantins des Großen eine Einstufung der Quellen vorzunehmen, also den „Steinbruch“ zu sichten und einzuschätzen, bedarf es ihrer Rezeption und kritischen Einordnung. Eusebius´ Heiligsprechung des verstorbenen Konstantin muss hier kritisch reflektiert werden: „Ja, allein ihn [Konstantin] hat er [Gott] unter allen Gewalthabern, von denen man seit unvordenklichen Zeiten gehört hat, wie einen stark glänzenden Stern und einen starkstimmigen Herold der untrüglichen Gottesfurcht hingestellt, bei ihm auch allein die sichere Gewähr für die eigene Gottesfurcht durch mannigfaltige Gnaden gegeben, die er ihm zuteil werden ließ.“ 4 Wie konnten Konstantin solche Ehren zu teil werden? Was ist Lüge, was Wahrheit?
1.) Die Quellen
Die uns aus dem späten 4. Jahrhundert erhaltene lateinische Literatur ist umfassender als die aus der Epoche Ciceros beispielsweise. Damit wird diese Zeit zu einer der am besten doku- 1 Clauss,Manfred: Konstantin der Große und seine Zeit, Verlag C.H. Beck, München, 1996, Geleitseite zum Buch.
2 Clauss, Manfred: Konstantin der Große und seine Zeit, Verlag C.H. Beck, München, 1996, Geleitseite zum Buch.
3 Clauss, Manfred: Konstantin der Große und seine Zeit, Verlag C.H. Beck, München, 1996, S. 111.
4 Eusebius von Cäsarea: Vier Bücher über das Leben des Kaisers Konstantin und des Kaisers Konstantin Rede an die Versammlung der Heiligen (Vita Constantini et Oratio ad coetum sanctorum), I, 4.
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mentierten Perioden der römischen Geschichte. 5 Das heißt nicht, dass wir es hierbei nicht mit großen Lücken und widersprüchlichen Darstellungen zu tun haben. Die großen Männer der Kirche jener Zeit hatten eine Ausbildung in klassischer Rhetorik genossen. Somit ist es mithin schwierig, das Verhältnis zwischen weltlicher und christlicher Kultur in ihren Schriften herzustellen. Zahlreiche Überschneidungen kirchlicher und weltlicher Texte sind die Regel und nachträgliche Fälschungen und Schönfärbereien nicht ausgeschlossen. 6 „Eusebius [...] ist die Hauptquelle für alles, was zu unserem Verständnis von Konstantin beiträgt.“ 7 Seine zehn Bücher umfassende Kirchengeschichte begann er noch in den Zeiten der Christenverfolgung. Allerdings bestehen hier Zweifel. Warum? Forscher vermuten noch immer, dass bestimmte Passagen der Vita Constantini viel später zusätzlich hinzugefügt worden wären. 8 Doch hätten detaillierte Vergleiche der Schreibtechniken, auch derer, denen sich Eusebius in anderen Schriften über Konstantin bediente, ergeben, dass das Werk insgesamt durchaus von Eusebius stamme. Warum soll Konstantin schon zu Zeiten der Christenverfolgung ein lupenreiner Christ gewesen sein? Nichts kann das beweisen. Auch wenn Eusebius´ zu suggerieren versucht, Konstantin habe von Anbeginn für das Christentum gestritten, sollten uns hier Zweifel an der Richtigkeit kommen. Seine Nachrichten über Konstantin sind extrem einseitig und kai-serfreundlich. Eusebius möchte Konstantin als in allen seinen Taten vorbildlichen christlichen Kaiser darstellen. 9 Konstantins Tod und die Übertragung der Macht an seine Söhne, glorifizierte Eusebius zur Concordia in der Welt: „Denn wohin er auch scharfen Auges blickte, ob nach Osten oder nach Westen, ob selbst über die ganze Erde hin oder sogar zum Himmel em-por, überall und allerorts schaute er den seligen Kaiser gegenwärtig.“ 10 Konstantin war gottgleich geworden. Seine Taten schienen grenzenlos und allein der Verwirklichung des Christentums zu gelten.
Die berühmte Geschichte von Konstantins Vision an der Milvischen Brücke erschien bei Eusebius zum ersten Mal in der Vita Constantini. In seiner Kirchengeschichte fand sich die Schlacht nicht. Die Quellen bleiben unsicher und einseitig. Wurde hier gefälscht, später etwas hinzugefügt und beschönigt? Was kann der Historiker glauben? „In den meisten Fällen aber gibt es keine unabhängigen Zeugnisse, mittels derer man die Genauigkeit seines Vorgehens
5 AC, S. 25.
6 AC, S. 26.
7 AC, S. 28.
8 Als besonders wirkungsvoll hat sich die sog. Konstantinische Schenkung erwiesen. Diese das gesamte Mittelalter hindurch prägende Fälschung, lange Zeit als von Konstantin und dem Bischoff von Rom angefertigte Urkunde angesehen, konnte erst im 19. Jahrhundert durch Ignaz v. Döllingers Forschungen nachgewiesen werden.
9 AC, S. 29.
10 Eusebius von Cäsarea: Vier Bücher über das Leben des Kaisers Konstantin und des Kaisers Konstantin Rede an die Versammlung der Heiligen (Vita Constantini et Oratio ad coetum sanctorum), I, 1.
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Arbeit zitieren:
Daniel Fischer, 2004, Das Späte Rom – Konstantin der Große und die Kirche, München, GRIN Verlag GmbH
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