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Kameratheoretische Ansätze bei Béla Balázs

Hauptseminararbeit, 2005, 26 Seiten
Autor: Oliver Schill
Fach: Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 26
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 12  Einträge
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V84645
ISBN (E-Book): 978-3-638-01103-7

Dateigröße: 224 KB

Zusammenfassung / Abstract

Béla Balázs ist vor allem mit seinem Werk ‚Der sichtbare Mensch oder die Kultur des Films’ (1924) in die internationale Filmgeschichte eingegangen. Allerdings haben seine drei weiteren Bücher ‚Der Geist des Films’ (1930), ‚Kunst des Films’ (1938) und ‚Der Film. Werden und Wesen einer neuen Kunst’ (1949) ebenfalls eine wichtige Rolle im filmtheoretischen Diskurs gespielt. ‚Der sichtbare Mensch’ gilt als das Hauptwerk der Schauspieltheorie. Es fasst die teilweise ähnlichen Theorieansätze eines Herbert Tannenbaum, Walter Thielemann oder Urban Gad präzise zusammen und erweitert sie zu einer Schauspieltheorie - so zumindest laut Helmut H. Diederichs. Balázs Werk fand damals regen Absatz und gilt somit als „erste[r] große[r] filmtheoretische[r] Entwurf der Stummfilmzeit in deutscher Sprache“. (Loewy, Hanno: Die Geister Des Films. In Balázs, Béla: ‚Der Geist des Films’, Suhrkamp 2001. S. 172) In ‚Der sichtbare Mensch’ finden sich nicht nur schauspieltheoretische Ansätze, sondern auch bereits Positionen Balázs zu Bilder- und Kameraführung. In der folgenden Arbeit soll es nun hauptsächlich um Béla Balázs Werk ‚Der Geist des Films’ gehen. Hier führt er seine bereits in ‚Der sichtbare Mensch’ angedeuteten kameraästhetischen Positionen weiter aus und vollzieht somit den Spagat zwischen dem Film als Kunst vor der Kamera hin zum Film als Kunst mit der Kamera.


Textauszug (computergeneriert)

Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg-Erlangen
Institut für Theater- und Medienwissenschaften
Sommersemester 2005, Datum: 10.10.2005
Hauptseminar: Klassische Filmtheorie

Kameratheoretische Ansätze bei Béla Balázs

von

Oliver Schill

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung... 2

2. Einordnung von Balázs Werk in den filmtheoretischen Entwicklungsprozess... 3

2.1 Hartmut Bitomsky... 3
2.2 Franz-Josef Albersmeier... 5
2.3 Béla Balázs’ Position im klassischen filmtheoretischen Diskurs... 8

3. Balázs’ kameratheoretischen Ansätze... 10

3.1 Die Bilderführung (1924)... 11
3.2 Stilfilm, Filmstil und Stil überhaupt (1925)... 13
3.3 Produktive und reproduktive Filmkunst (1926)... 14
3.4 Béla vergisst die Schere (1926) - Debatten zwischen Balázs und Eisenstein... 16
3.5 Einstellung zur Einstellung (1929)... 19

4. Zusammenfassung und Ausblick... 21

5. Literaturverzeichnis... 24


 

1. Einleitung

Béla Balázs ist vor allem mit seinem Werk ‚Der sichtbare Mensch oder die Kultur des Films’ (1924) in die internationale Filmgeschichte eingegangen. Allerdings haben seine drei weiteren Bücher ‚Der Geist des Films’ (1930), ‚Kunst des Films’ (1938) und ‚Der Film. Werden und Wesen einer neuen Kunst’ (1949) ebenfalls eine wichtige Rolle im filmtheoretischen Diskurs gespielt.
‚Der sichtbare Mensch’ gilt als das Hauptwerk der Schauspieltheorie. Es fasst die teilweise ähnlichen Theorieansätze eines Herbert Tannenbaum, Walter Thielemann oder Urban Gad präzise zusammen und erweitert sie zu einer Schauspieltheorie - so zumindest laut Helmut H. Diederichs. Balázs Werk fand damals regen Absatz und gilt somit als „erste[r] große[r] filmtheoretische[r] Entwurf der Stummfilmzeit in deutscher Sprache“. (Loewy, Hanno: Die Geister Des Films. In Balázs, Béla: ‚Der Geist des Films’, Suhrkamp 2001. S. 172) Die Physiognomie, die von Balázs später auf den Film allgemein übertragen wird, bildet zunächst den Kern seiner Schauspieltheorie. Mit dem Begriff sind nicht allein die körperlichen Ausdrucksmöglichkeiten des Schauspielers, wie Mimik oder Gestik gemeint, sondern auch Landschaftsaufnahmen oder sonstige Objekte. Diese können ebenso als Mienenspiel funktionieren und sozusagen im Film mit einer Seele versehen werden, obwohl es sich eigentlich um abstrakte Abbildungen handelt. Die Physiognomie sieht Balázs als „Pansymbolismus der Dinge und des Raumes, [und] die Großaufnahme als magischen Blick“ (ebenda, S. 172) einer filmischen Poetik. Von der Großaufnahme war Balázs sehr fasziniert. Nur durch sie können entweder Details einer Handlung oder Emotionen besonders gut visualisiert werden. Darauf aufbauend, propagiert Balázs die Wiederbelebung einer visuellen Kultur, die durch den Buchdruck völlig abhanden gekommen war.
„Die Erfindung der Buchdruckerkunst hat mit der Zeit das Gesicht des Menschen unleserlich gemacht. Sie haben so viel Papier lesen können, daß sie die andere Mitteilungsform vernachlässigen konnten.“ (Balázs, in Monaco: ‚Film Verstehen’, S.434) Bei allem filmischen Idealismus erkannte Balázs trotzdem auch den ökonomischen Einfluss, der auf den Film besonders stark wirkt und nach ihm sogar die Hauptdeterminante der Filmästhetik darstellt. Balázs versteht den Film demnach als eine kulturelle Einheit, die den gleichen Druckmitteln unterworfen ist wie jedes andere Element der Kultur auch. In ‚Der sichtbare Mensch’ finden sich nicht nur schauspieltheoretische Ansätze, sondern auch bereits Positionen Balázs zu Bilder- und Kameraführung. In der folgenden Arbeit soll es nun hauptsächlich um Béla Balázs Werk ‚Der Geist des Films’ gehen. Hier führt er seine bereits in ‚Der sichtbare Mensch’ angedeuteten kameraästhetischen Positionen weiter aus und vollzieht somit den Spagat zwischen dem Film als Kunst vor der Kamera hin zum Film als Kunst mit der Kamera.

2. Einordnung von Balázs Werk in den filmtheoretischen Entwicklungsprozess

Wenn man wissen möchte was unter »Filmtheorie« im Allgemeinen zu verstehen ist, gibt es praktisch keine Antwort. Man wird stattdessen eine Vielzahl von unterschiedlichen filmtheoretischen Ansätzen genannt bekommen, die jeweils von verschiedenen Theoretikern vertreten werden. Dabei ist immer auch der historische Entwicklungsprozess zu berücksichtigen, der sich in der Filmkunst, sowohl auf technischer als auch auf theoretischer Seite vollzogen hat und sich permanent vollzieht.

2.1 Hartmut Bitomsky

Hartmut Bitomsky, ein bekannter deutscher Dokumentarfilmer und Filmkritiker1, teilt Theorie des Films in „drei große und grundsätzliche Schübe“ (Bitomsky Hartmut, In: Balàsz, Béla: ‚Der Geist des Films’, Frankfurt am Main, 1972, S. 13) ein, die gleichzeitig auch unterschiedliche Etappen der Filmgeschichte markieren.

1. Filmtheorie als Reaktion auf die abgeschlossene »Primärakkumulation« des Kinos (1895 – 1929)
Bitomsky meint damit die grundsätzliche Entwicklung vom Film als Jahrmarktattraktion hin zum Film als gesellschaftliches Massenmedium. Die Etablierung des Films als Kunst- und Kommunikationsform in der Gesellschaft wird möglich durch die Entwicklung einer allgemeingültigen Filmsprache (z.B. Montage, Einstellungswechsel, etc.) und des zugehörigen Verstehens auf Seiten der Zuschauer. Die so genannte Primärakkumulation des Kinos bildet folglich die Grundlage der Konstitution einer Theorie des Films.

2. Filmtheorie als Reaktion auf die ökonomische und ästhetische Blütezeit des Kinos (1930 – 1949)
Mit der Blütezeit des Kinos ist wohl die von Hollywood dominierte Periode gemeint, die auch gerne als Filmklassik bezeichnet wird. Regisseure wie Orson Welles und Alfred Hitchcock gelten als Meister der klassischen Filmkunst.

3. Filmtheorie als Reaktion auf den Niedergang der Kinoindustrie (1950 – 1972)

[...]


1 Näheres zu Hartmut Bitomsky findet sich unter folgendem Link:http://www.rz.uni-karlsruhe.de/~afk/dokumentarfilm/bitomsky.html


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